Alte russische Klöster (Teil 4)

29. September 2021

Das Männerkloster des Hl. Nikita in Pereslawl-Salesskij

Das Männerkloster des Hl. Nikita in Pereslawl-Salesskij

Das Männerkloster des Hl. Nikita in Pereslawl-Salesskij (Region Jaroslawl) ist eines der ältesten in Russland. Es wurde zu Beginn des 11. Jahrhunderts durch den Heiligen Fürsten Boris, den Sohn des Heiligen apostelgleichen Großfürsten Wladimir, gegründet. Als Gründungsdatum des Klosters betrachtet die monastische Bruderschaft das Jahr 1010. Zu dieser Zeit erhielt der junge Fürst Boris das Gebiet von Rostow und Suzdal. Er begann zusammen mit dem Bischof Hilarion die ersten Kirchen am Pletscheew-See zu bauen und stärkte so das Christentum in diesen heidnischen Gebieten. Möglicherweise ist eine dieser Kirchen auch die Grundlage des zukünftigen Klosters gewesen, das erstmals 1157 schriftlich erwähnt wird. Das Kloster ist dem Großmärtyrer Nikita dem Goten geweiht, der im IV. Jahrhundert lebte. Es ist bekannt, dass Fürst Boris insbesondere diesen heiligen Krieger verehrte und er sich besonders an seiner Lebensbeschreibung erfreute.

Das Männerkloster des Hl. Nikita in Pereslawl-Salesskij

Das Männerkloster des Hl. Nikita in Pereslawl-Salesskij

Besondere Berühmtheit erlangte das Kloster jedoch durch einen anderen Heiligen den Säulensteher Nikita von Pereslawl. Er lebte im XII. Jahrhundert und diente als Steuereintreiber unter dem Fürsten Jurij Dolgorukij, er war berüchtigt für seine Vorteilsnahme und sein raues Temperament. Aber durch die Vorsehung Gottes wurde er bekehrt, bereute sein bisheriges Leben und erging sich in einer besonders harten Askese. Er trug schwere Ketten, ein Bußhemd und eine steinerne Haube auf dem Kopf. Dabei hatte er sich als Einsiedler niedergelassen. Unweit des Klosters grub Nikita des nachts einen Graben, tagsüber saß er auf der Säule und gab sich dem Gebet hin. Für eine solch schwierige Askese hat der Herr dem Säulensteher die Gabe der Heilung verliehen. Die Nachricht über den Wundertäter verbreitete sich in ganz Russland. Unter den Menschen, die von ihm geheilt wurden, war auch der Sohn des Zaren Iwan IV. des Schrecklichen.

Danach begann die Blütezeit des Klosters. Mehr als einmal unternahm der Zar mit seiner Familie eine Pilgerfahrt in dieses Kloster. Er bereitete das Kloster als zusätzliche Festung bei einem Verrat der Leibgarde vor. Im Jahr 1560-1564 wurde auf Befehl des Zaren eine neue Kathedrale errichtet, eine steinerne Kirche mit fünf Kuppeln. Eine der herrschaftlichen Spendengaben für die Kirche war ein massiver Bronzeleuchter, und Zarin Anastasia Romanowna übergab ein eigens für das Kloster gesticktes Bild des Hl. Nikita . Diese Kathedrale ist bis heute erhalten geblieben. Durch das Wohlwollen des Zaren wurden weitere Gebäude im Kloster sowie Mauern und Türme errichtet. Zar Iwan der Schreckliche gab dem Kloster weiteren Grundbesitz samt ihren Bewohnern.

Das Männerkloster des Hl. Nikita in Pereslawl-Salesskij

Das Männerkloster des Hl. Nikita in Pereslawl-Salesskij

Die Mauern des Klosters widerstanden der Belagerung durch die Polen 1609, aber 1611 wurde das Kloster durch die Litauer besetzt. Nach einer zweiwöchigen Belagerung brannten die litauischen Truppen das Kloster nieder, nachdem sie seine Verteidiger niedergemetzelt hatten.

Das Kloster wurde unter Beteiligung der Zarenfamilie Romanow restauriert. Im 17. Jahrhundert wurde die Verkündigungskirche mit einem zweistöckigen Refektorium und einem Glockenturm sowie die Tschernigow-Kapelle, das letzte Beispiel der Pereslawl-Architektur der alten russischen Periode erbaut. Im 18. Jahrhundert wurde eine Kapelle über der Säule des Hl. Nikita errichtet.

Jedes Jahr wurden sechs große Prozessionen anläßlich der Patrozinien der Klosterkirchen durchgeführt.

Im Jahr 1923 wurde der Konvent von der sowjetischen Regierung geschlossen.

Das neue Leben des Klosters begann 1993. Im Jahr 2000 wurden mit dem Segen des Patriarchen Alexej II, die Reliquien des Hl. Nikita erhoben und in das Kloster des Hl. Nikita übertragen.

Beim Kloster befindet sich eine Heilquelle, die dem Hl. Nikita geweiht ist.

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