FRAGERUNDE MIT EINEM GEISTLICHEN

Seit vielen Jahren führt Vater Andrej Lemeschonok Gesprächsabende mit Gemeindemitgliedern durch, bei denen er ihre Fragen beantwortet. Vor einigen Jahren erschienen die Fragen und Antworten in Buchform in russischer Sprache. Auf unserer neuen Webseite haben Sie nun Gelegenheit, einige dieser Fragen und Antworten auf deutsch zu lesen. Außerdem laden wir Sie ein sich daran zu beteiligen. Sie können uns Ihre Fragen gern per E-Mail schicken oder sie interessierende Themen aus den vorhandenen Rubriken auswählen. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!

Stellen Sie dem Priester Ihre Frage

ANTWORTEN DER PRIESTER NACH THEMEN SORTIERT

Frage

Stimmt es, dass es nach der Kommunion unzulässig ist, für einige Tage kniend zu beten?

Antwort

Die Kommunion ist wirklich ein Feiertag. Aber stellen Sie sich folgende Situation vor: da hat jemand kommuniziert, und der Herr schenkte ihm Reue. Derjenige kniet nieder und beginnt über seine Sünden zu weinen, aber ein anderer packt ihn am Schlafittchen: „Was machst Du da? Du hast gerade die Kommunion empfangen, warum kniest Du dich hin?“ Und das wäre natürlich nicht richtig.

Nach der Kommunion soll man nicht sündigen, nach der Kommunion sollen wir mit Gott leben, Ihn in allem sehen und auf Ihn hören – das ist die wichtigste Regel. Aber 2 – 3 Tage nicht zu knien, liegt im eigenen Ermessen.

Frage

Wir haben einen fünfjährigen Sohn. Wir möchten aber noch ein zweites Kind. Es sind schon vier Jahre vergangen, aber der Herr hat uns noch nicht mit einem Kind gesegnet. Im Dezember habe ich begonnen den Akafist zur Gottesmutter „Unverhoffte Freude“ zu lesen und ich wurde sofort schwanger. Aber ich hatte eine Fehlgeburt. Sagen Sie, ob man für das Geschenk eines Kindes beten soll oder kann, wenn es schon ein Kind gibt! Wie kann man verstehen, was der Wille Gottes für unsere Familie ist? Oder soll man versuchen einen Säugling zu adoptieren? Ich bedanke mich für ihre Antwort.

Antwort
Ich denke, dass Sie beten können und sollen, damit der Herr Ihnen noch ein Kind schenken möge und vielleicht, nicht nur eins. Es gibt solche Momente, dass eine Frau das Kind verliert, das ist natürlich eine Tragödie, das ist sehr schmerzhaft. Aber das ist das Leben, und in dieser Welt müssen wir alle viel leiden. Es lohnt sich nicht, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, warum und wie, sondern man muss auf Gott vertrauen und Ihn bitten. Es ist notwendig, dass auch Sie und ihr Mann für das Geschenk eines Kindes beten. Während der Schwangerschaft bemühen Sie sich öfters zum Heiligen Kelch zu kommen und zu kommunizieren. Ich denke, dass alles gut wird.

Frage

Kann man die Abendgebete nicht vor dem Schlafengehen, sondern vor dem Abendessen, ungefähr 17 Uhr lesen? Nach dem Abendessen überfällt mich eine Schwäche. Ich lege mich hin, schlafe ein, und die Regel muss ich lesen, wenn ich aufwache. Kann man nach dem Lesen der Abendregel noch zu Abend essen?

Antwort
Nicht der Mensch ist für die Regel, sondern die Regel ist für den Menschen gemacht. Wenn Sie sehen, dass am Ende des Tages vor dem Zubettgehen die Aufmerksamkeit nicht ausreicht und auch keine Kraft mehr da ist, die Regel zu lesen, wie es sich gehört, so glaube ich, dass Sie diese Frage genau richtig gelöst haben. Das Wichtigste ist, dass sie nicht einfach die Regel runter lesen, sondern dass die Worte Ihr Herz berühren. Es ist sehr wichtig für jeden von uns, Urteilsvermögen und Verständnis dafür zu haben, was eine Regel, was Gebet ist. Das Gedächtnis Gottes, das Gespräch mit Ihm, der Kampf mit der Welt, die versucht uns von den Worten abzulenken, die wir Gott darbringen wollen. Es ist gut, dass Sie die Möglichkeit suchen, aufmerksam zu sein, damit das Gebet die Kraft gibt, mit Gott zu leben.

Frage

Warum sollen kleine Kinder kommunizieren?

Antwort

Der Herr sagte: Lasset die Kinder zu Mir kommen und hindert Sie nicht (Lk 18, 16). Je häufiger, wie mir scheint, die Kleinen kommunizieren, desto besser für sie. Aber es ist auch sehr wichtig, dass die Frau, die ein Kind unter dem Herzen trägt, kommuniziert – und wenn es nur wegen des Säuglings ist.

Solange das Kind klein ist, kann und muss man es in die Kirche bringen. Wenn er zu laufen beginnt, wird es schon schwerer damit. Wir glauben, dass die Gnade Gottes, die wir durch die Heilige Kommunion empfangen, ihm im Leben helfen wird.

Der Heilige Seraphim von Sarow* sagte: „Wer daran teilnimmt, der wird überall gerettet werden; wer aber nicht teilnimmt, der ist nicht in Mir“, das heißt wegen der Gaben Gottes wird der Mensch gerettet.

Deshalb, wenn Sie die Möglichkeit haben, ihre Kinder kommunizieren zu lassen, nutzen Sie sie und danken Sie Gott.

* Der Heilige Serafim von Sarow (mit weltlichem Namen: Prochor Isidorowitsch Moschnin, 1754[59] – 1833), Mönch, großer Asket und Mann des Gebetes; einer der am meisten verehrten Heiligen der Russischen Orthodoxen Kirche)

Frage

Ich bin 33 Jahre alt, verheiratet, 3 Kinder. Sie erblickten alle mittels Kaiserschnitt das Licht der Welt. Die Ärzte raten von weiteren Geburten ab, da jede folgende Schwangerschaft für die operierte Gebärmutter ein höheres Risiko für die Gesundheit von Mutter und Kind (bis hin zur Totgeburt) birgt. Mein Mann und ich hatten uns allerdings auf eine große Familie eingerichtet. Meine Frage lautet: lohnt es sich das Risiko einer vierten Schwangerschaft einzugehen oder sollte man in der Warnung der Ärzte den Willen Gottes sehen und mit dem Kinderkriegen aufhören?

Antwort
Das ist eine Frage ihres Glaubens. Sie sollten sich mit ihrem Mann beraten, beten und gemeinsam die Entscheidung treffen. Ich kenne Familien, wo es mehr als drei Operationen während der Geburten gab, und die Kinder, ungeachtet der Prognose der Ärzte, gesund geboren wurden. Aber ich möchte nochmals unterstreichen, dass das eine Frage ihres Glaubens ist. Wenn sie zweifeln und Angst haben, dann sollten Sie es nicht tun. Wenn Sie glauben, weitere Kinder haben möchten und bitten, dann wird Ihnen Gott helfen.

Frage

Was bedeutet „ der Verstand soll ins Herz eingehen“? Wie kann man das verstehen?

Antwort
Der Mensch war eine Einheit, aber nach dem Sündenfall wurde diese Gesamtheit zerstört: der Verstand irrt umher, das Herz ist in irgendeiner Verwirrung, befindet sich in Schwermut, aber auf der Seele liegt eine Last – dies alles sind die Folge davon, dass der Mensch sich nicht kontrollieren kann, seine Lebenskräfte nicht auf das richtige Ziel ausrichtet. Das geistliche Leben fordert innere Arbeit, um die Ganzheit der Seele wieder herzustellen. Während des Gebetes bemüht sich der Christ die ganze Zeit, sich zu kontrollieren, achtsam zu sein, sich nicht von anderen Nebensächlichkeiten ablenken zu lassen. Man muss sich sammeln und eins mit Gott zu bleiben. Es ist sehr wichtig, damit weder Herz, Verstand oder Körper des Menschen geschwächt sind noch in einem krankhaften, abstrakten Zustand. Deshalb bemüht sich der Mensch, seinen Verstand mit dem Herzen zu vereinen, zu sammeln, damit er sich mit seinem ganzen Wesen an Gott mit seiner Bitte wenden kann. Aber nicht nur während des Gebetes, sondern während des ganzen Lebens soll man seinen Verstand und sein Herz vereinigen. Manchmal, wenn wir mit jemanden reden, und fremde Gedanken herumschwirren. dann sind wir innerlich nicht ruhig. Das alles stört uns dabei, selbst nahe Verwandte zu hören und zu verstehen. Deshalb ist der Kampf um die Ganzheit des Menschen sehr wichtig.

Frage

Was bezeichnen wir in uns als Verstand? Wie kann man sich das vorstellen: der Verstand in den Gebetsworten?

Antwort
Der Mensch kann ein Gebet lesen, aber er denkt dabei an Nebensächlichkeiten. Deshalb sollte man achtsam sein, der Verstand sollte nüchtern sein, nicht träumen oder irgendwo umherirren. Man kann sich in der Kirche befinden, aber in Gedanken sind wir irgendwo im Restaurant. Dank der gemeinsamen Sammlung von Verstand, Herz und unseren Gefühlen durch das Gebet, den Gottesdienst, durch den Kontakt mit Gott, durch die Kommunion stellen wir die Einheit von Seele und Geist wieder her, die der Mensch verloren hat, wir heben die Trennung auf, die nach dem Sündenfall stattfand. Es ist sehr wichtig, dass wir einige Minuten finden in unserem täglichen Leben und uns bemühen, unsere Gedanken zu ordnen, dass wir uns bemühen, nicht nur die Gebete zu lesen, sondern so zu lesen, dass wir den Sinn verstehen, damit sie unser Herz berühren. Man darf sich nicht durch beiläufige Gedanken ablenken lassen, die sehr oft während des Gebetes kommen. Es findet ein unsichtbarer Kampf um den Verstand statt. „Wo dein Verstand ist, da bist auch du.“ so sagen die Heiligen. Deshalb muss man um den Verstand kämpfen. Das ist die Anstrengung bei der Erschaffung des inneren Tempels des Menschen.

Frage

Muss man unbedingt am Dienstag den Abendgottesdienst besuchen, wenn man am Mittwoch zur Kommunion gehen will?

Antwort
„Bedingungen“ gibt es hier keine, aber man sollte äußerste Anstrengungen unternehmen, um zur Kommunion zu gehen. Je mehr sich ein Mensch bemüht, desto besser ist das für ihn. Aber ob es gelingt, an den Gottesdiensten teilzunehmen, das hängt von den Lebensumständen desjenigen ab. Einige müssen nur in die Kirche gekrochen kommen, denn mehr vermögen sie nicht zu tun. Und das ist eine Heldentat, wenn der geschlagene, verwundete, von der Sünde befleckte, aber unbezwungene, sich nicht dem sündigen Willen unterordnende Mensch mit Hoffnung und Glauben zur Beichte oder zum Kelch kommt. Und Gott wird ihn auferwecken.

Frage

Ich habe an Sie folgende Frage. Während meiner Erkrankung (schwere Psychose) habe ich mein Kind sehr gekränkt. Ich habe sie geschlagen, meinen Mann gekränkt, ich hatte mich nicht unter Kontrolle. Es sind 7 Jahre vergangen, und jetzt sagt mir mein Kind, dass es mir nicht vergeben kann. Sie ist 23 Jahre alt, es fällt ihr schwer, sich mit mir zu unterhalten, sie kommt zu mir und sagt, dass sich viele Kinder von ihren Eltern lossagen. Was soll ich tun? Zu wem kann ich beten?

Antwort
Natürlich haben Sie schon um Verzeihung gebeten. Wenn Sie es noch nicht getan haben, dann tun Sie es noch. Sie hatten einen Absturz, eine Psychose, und das müssen Sie ihrer Tochter erklären. Was Sie getan haben, ist nicht erlaubt und dafür gibt es keine Rechtfertigung, aber Ihre Tochter sollte Sie verstehen. Man muss an das Herz ihrer Tochter anklopfen, man muss zur Gottesmutter beten, beichten, kommunizieren und bitten, dass der Herr sie versöhnt, dass ihr Herz milde wird. Sie könnten den Akafist zur Gottesmutter-Ikone „Erweichung der bösen Herzen“ lesen. Es gibt viele Gebete, wichtig ist, wie man betet. Sehr wichtig ist, dass das Gebet im Innern ist. Und auf gar keinen Fall verurteilen Sie ihre Tochter. Ich denke, Gott hilft ihr, mit der Kränkung fertig zu werden, aber dabei müssen Sie sich auch beteiligen.

Frage

In Verbindung mit einer Erkrankung kommuniziere ich auf den Rat des Priesters hin jede Woche seit bereits drei Monaten. In letzter Zeit durchlebe ich vor der Kommunion oder danach eine sehr starke Anspannung, ich raste gegenüber meinen Mitmenschen aus, danach fühle ich Angst und Schuld vor dem Herrn. Vielleicht sollte ich seltener kommunizieren, nur dann, wenn ein solch starkes Bedürfnis besteht?

Antwort
Die Kommunion verschärft den geistlichen Kampf. Sie gibt dem Menschen keine „Beruhigungstablette“, im Gegenteil, sie reinigt durch Feuer von der Sünde, verbrennt den Satan, der nicht nur in die Ferse sticht. Deshalb müssen Sie Ihr Maß finden, herausbekommen, ob Sie den Wunsch haben zu kämpfen. Wenn Sie derzeit nicht die Kraft haben für solch eine Anstrengung, dann sagen Sie es dem Priester. Man muss gut überlegen, beten und die Frage lösen, wie oft Sie kommunizieren sollten.

Stellen Sie dem Priester Ihre Frage

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Ich bin kein Roboter.