Das Weihnachtsbäumchen

5. Januar 2023

Das WeihnachtsbäumchenEin Weihnachtsmärchen von Johann Rutenin

Es ist sehr, sehr lange her. Damals, in längst vergangenen Zeiten, es ist so lange her, dass man es gar nicht glauben mag. Aber trotzdem war es einmal.

Zu dieser Zeit wanderte Väterchen Frost ziellos durch die heilige Rus. Er war ein böser alter Mann, den er war Schuld, dass manchmal jemandem plötzlich die Nase abfror. Oder ein Ohr ... Und er lehrte seiner Enkelin, Schneeflöckchen, die gleichen Schurkereien.

Eines Tages waren sie es leid, durch dichte Wälder und leere Felder zu stapfen, um Ärger zu verbreiten und sich gegenseitig zu necken. Und sie beschlossen zu sehen, wie die Menschen in behaglicher Wärme leben.

Aber an diesem Tag war Heiligabend.

So kamen sie zu einem Fenster und spähten hindurch. Und Väterchen Frost hauchte die Scheibe an und Schneefläckchen hauchte die Scheibe und sie gefror.

In der Hütte lebten ein Brüderchen mit seinem Schwesterchen: Iwanuschka und Maschenka. Sie kamen von innen zum Fenster gelaufen und sie hauchten es auch an! Erst haucht der eine, dann der andere, und dann reiben sie das Glas mit ihren Fingern und es taut in kleinen Kreisen auf!

Väterchen Frost wurde wütend und begann wieder am Fenster zu pusten und zu hauchen. Aber Iwanuschka und Maschenka hauchten das Glas erneut von innen an und es taute auf! “Oh, ihr könnt es mit mir und Schneeflöckchen aufnehmen!” ruft empört Väterchen Frost. Er dekoriert das Fenster mit solchen Eisblumen, dass die Scheiben zu knirschen anfangen!

Aber die Kinder haben keine Angst: Sie lachen und freuen sich. Sie hauchten das Fenster wieder an und alles taute auf. Sie drückten ihre Nasen dicht an das Fenster und schauten auf die Straße hinaus. Väterchen Frost war überrascht und fragte: “Warum spielt Ihr Spielchen mit mir und schaut nach draußen? Habt Ihr euren Vater am Rande des Dorfes gesehen, oder ist eure Mutter zum Fluss gegangen, um Wasser zu holen?

Und die Kinder antworten ihm: “Hast du nicht gehört, Großväterchen, dass in der Heiligen Nacht beim ersten Stern die Heilige Jungfrau Maria selbst mit dem Christkind durch die heilige Rus wandelt und in jedes Haus geht, in dem sie erwartet wird? Deshalb wollen wir die Ersten sein, die sie sehen und sie treffen.”

Väterchen Frost hatte noch nie von einem solchen Wunder gehört. Er kratzte sich am Kopf und sagte: “Wie werdet ihr das Jesuskind und seine heilige Mutter empfangen?”

Wanjuschka und Maschutka antworteten ihm: “Mit gesalzenen Pilzen und süßen Kuchen, mit heiligem Quellwasser und einem heiligen Gebet! In alten Zeiten begrüßten sie ihn mit Palmzweigen und Feigen. Aber wo findet man sie hier inmitten des weißen Schnees und der eisigen Winde?”

Väterchen Frost und Schneeflöckchen sahen sich an und wunderten sich. Sie gingen hinter das Dorf, setzten sich unter eine Tanne und schlummerten ein. Sie hatten Mitleid mit den Kindern und mit sich selbst. Sie treiben hier am Heiligabend ihr Unwesen, und die Kinder beschäftigten sich mit einer so heiligen Sache. Und so wurde es Abend...

Schau - der erste Stern leuchtet schon am Himmel! Und da geht die Allheilige Gottesgebärerin selbst mit dem Christkind den Weg zum Dorf entlang! Großväterchen Frost sah sich um: “Ich wünschte, ich könnte eine Palme finden! Wo ist sie zu finden?!”

Und er fing an, einen Zweig vom Tannenbaum abzureißen. Was für ein schöner Zweig es war! Warum sollte sie schlechter als eine Palme sein? Das Schneeflöckchen half ihm fleißig. Aber sie ließen sich so sehr hinreißen, dass nicht nur ein Ast abgebrochen wurde, sondern der ganze Baum ausgerissen war! Und nun liefen sie schnell zur Hütte, in der Brüderchen und meine Schwesterchen wohnten. Sie klopften höflich an die Tür. Und als man ihnen die Tür öffnete, verbeugten sie sich: “Los, Kinder, beeilt euch und stellt das Tannenbäumchen auf! Die Himmelskönigin wird euch nicht übersehen. Wir werden uns gemeinsam darüber freuen. Wer auf der Welt würde sich nicht freuen, das Christkind zu erblicken?”

Und im selben Moment steht die Gottesgebärerin selbst mit dem Christkind auf der Türschwelle: “Ich kenne diese Kinder schon seit langem", sagte sie. “Sie hören auf ihre Eltern und beten jeden Tag zu meinem Sohn. Also beschloss ich, sie als Erste zu besuchen.” Sie berührte das Bäumchen mit ihrem goldenen Stab, und der erste Stern flog vom Himmel auf die Spitze des Baumes!

Als die Mutter Gottes den Bäumchen noch einmal berührte, begannen an ihm Kerzen in verschiedenen Farben zu leuchten. Als sie es zum dritten Mal mit ihrem Zauberstab berührte, erschienen Süßigkeiten und Lebkuchen auf den zarten Ästen. Es herrschte eine solche Freude in der Hütte!

Auf einmal begannen alle zu singen und um das Bäumchen zu tanzen. Und die Gottesmutter sagte: “Auf diese Weise wird die Rus das Fest der Geburt meines Sohnes in alle Ewigkeit feiern.” Und sie setzte ihren Weg über den ganzen Erdkreis fort.

Und das tun wir in der Heiligen Rus seither: Im Herrgottswinkel, der Zimmerecke, die nach Osten weist, befindet sich eine Ikone der Allheiligen Gottesgebärerin mit dem Christkind. Unter diese Ikone stellt man den festlich geschmückten Weihnachtsbaum. Und unter diesem Tannenbäumchen sitzen Väterchen Frost und seine kleine Enkelin Schneeflöckchen.

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