Demütig werden, um Gott lieben zu können

29. January 2023

Erzpriester Andrej Lemeschonok

Im Evangelium finden wir die Episode über den Schuldner, dem vergeben wird, der aber selbst nicht vergeben konnte. Deshalb sprechen wir das “Vater unser”. Das Gebet besteht aus wenigen Worten, aber die folgenden sind sehr wichtig: “Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.”

Wir alle werden niemals die Schuld Christus und unserem Schöpfer gegenüber wettmachen können. Wir werden immer Schuldner bleiben. Aber auf dieser Erde gibt es auch Menschen, die uns etwas schuldig sind.

Deshalb muss man diesen Zustand unserer Unwürdigkeit, unserer Sündhaftigkeit nicht nur in dem rein materiellen Sinne verstehen, sondern wir sollen nicht verurteilen. Denn, wenn wir verurteilen, wir etwas zu bewerten versuchen, dann gehen wir von unserer Wahrheit aus. Aber können wir denn einschätzen, wie das Leben dieses Menschen weitergeht. Vielleicht ist er heute betrunken und schläft unter einer Brücke, aber morgen opfert er vielleicht sein Leben für Christus. Aber irgendein “gerechter” Mann verrät womöglich Gott. Im Leben der Kirche hat es dies gegeben. Wir wissen das alles nicht, deshalb sollten wir auch nicht verurteilen. “Damit auch wir nicht verurteilt werden.” (Mt 7, 1)

Wir schauen auf alles mit Vorsicht und möchten natürlich einen guten Gedanken, ein gutes Gefühl bewahren. Und auch wenn wir etwas Schlechtes sehen, dann trennen wir dies von dem Menschen, der sich in einem kranken Zustand befindet und jetzt nicht versteht, was er tut. Vater! Vergib ihnen … (Lk 23, 34) betete Christus. Und so hat Er auch uns gelehrt zu beten.

Wenn sich eine Gewöhnung an das Gute herausbildet, wenn wir stets einen guten Gedanken hegen, dann werden wir stets mit Gott sein. Wenn wir aber von Gott abfallen, dann verlieren wir die Gnade wegen unserer Verurteilung.

Es ist sehr schwer, sich selbst zu ertragen, und viele Leute regen sich auf: "Das war's, ich tauge nichts, ich kann nichts, ich bin am Ende. Aber diese Verzweiflung zeigt, dass wir stolz sind, dass wir nicht an die Gnade Gottes glauben.

Wenn wir in die Kirche gehen, sollten wir glauben, dass Gott uns vergeben wird. Wir müssen daran glauben, dass Gott unsere Gebete erhört und denjenigen hilft, für die wir uns einsetzen. Wir müssen unbedingt für diesen Glauben kämpfen, warum sind wir sonst gekommen? Zu wem sind wir gekommen? Gott besitzt keine Begrenzungen, keinen Rahmen, seine Liebe ist grenzenlos und unendlich. Um diese Liebe annehmen zu können, müssen wir demütig werden. Doch in unserem Stolz verschließen wir uns, wir leiden und haben Angst, uns zu öffnen, wir haben Angst, Gott zu vertrauen, weil wir Ihn nicht kennen, weil wir noch keine Begegnung mit Ihm gehabt haben.

Es wäre schön, wenn wir alle diese Begegnung hätten. Es ist eine sehr wichtige Begegnung, in deren Folge ein Mensch die Welt, dieses Leben auf eine ganz andere Weise betrachtet. Er teilt es nun nicht mehr auf, er presst es nicht mehr in seinen begrenzten Verstandeshorizont. Es wird allmählich grenzenlos und unendlich. Im Prinzip bereiten wir uns auf die Unsterblichkeit vor. Wir lassen jetzt, wenn wir Christen sind, Gott in unser Leben eintreten und leben bereits in zweidimensional: “So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!” (Mt 22,21). “Gott, was Gott gehört!” - dies bedeutet das ewige Leben. Es existiert kein Gesetz für Christen. Aber wir dürfen auch nicht gegen die Gesetze verstoßen. Niemand schränkt uns ein, aber wir sollten uns selbst beschränken, wir müssen uns selbst gegenüber anspruchsvoll sein und vor uns selbst Rechenschaft darüber ablegen, wie wir leben. Denn wir leben ganz und gar nicht gut, nicht so, wie wir leben sollten und wir müssen anders leben.

Sperren wir uns ein, beten wir das Jesusgebet und essen wir nur ein paar Prosphoren pro Tag, die man uns durch ein Fensterchen reicht, was kommt dabei raus? Vielleicht werden wir Heilige. Aber niemand sperrt uns ein. Wir verschließen uns selbst vor den Menschen. Man kommt, schaltet die Nachrichten im Internet ein und braucht sonst nichts mehr.

Es gibt genug Essen, aber ist es auch gesund? Das ist die Frage. Gott sei Dank dürfen wir noch angeln, Pilze und Beeren sammeln. Aber im Ausland ist das nicht erlaubt: Man braucht eine Erlaubnis, einen Schein. Um Angler zu werden, muss man Kurse besuchen. Alles wird kontrolliert. Wir leben hier also immer noch gut. Gott sei Dank, haben wir alles.

Jetzt werden wir gleich einen Bittgottesdienst abhalten. Damit wir umkehren können. Diese Segnung der Heiligen Kirche gilt überall der Bewahrung der Schöpfung Gottes. Denn der Mensch zerstört alles durch seinen Egoismus, durch seine Bedürfnisse, sodass auch die Natur zerstört wird (wobei die Seele das Wichtigste ist) und das Klima sich rapide verändert. Wir sehen: Es gibt Überschwemmungen, Stürme, Brände. Und warum? Aus irgendeinem Grund fragt sich keiner, warum das passiert. Alle sagen: "Feuerwehr und THW sind damit fertig geworden, soundso viele Flugzeuge wurden geschickt, um es zu löschen. Aber warum sollte man in einem christlichen Land nicht im Fernsehen sagen dürfen: "Brüder und Schwestern, es ist notwendig, Buße zu tun. Sie sollten in die Kirchen gehen und Buße tun, Sie sollten zu Gott beten"? Niemand sagt so etwas. Das Schlimmste ist, dass sie so viel Unsinn sagen, aber über das Wichtigste sprechen sie nicht.

Es stellt sich heraus, dass Gott von den Machern dieser Programme, die versuchen, die Stimmung der Menschen zu beeinflussen, nicht wirklich gebraucht wird. Aber wir verstehen, dass wir das Gebet brauchen, das besondere Gebet, das innige Gebet. Und deshalb werden wir in unserem Bittgottesdienst mit Ihnen zusammen beten. Wir müssen uns vor diese Welt stellen und dürfen nicht zurückschrecken, ganz gleich, welche Prüfungen auf uns zukommen, und sie werden ganz sicher kommen. Das, was direkt vor unseren Augen geschieht, kann uns nicht nur beunruhigen. Wir müssen sehr darauf achten, wie wir leben, was wir tun und welches der Sinn dieses durchlebten Tages und unseres Lebens ist. Lasst uns nun Gott Dank sagen.

Aufrufe: 564
Ratings: 3/5
Votes: 2
Mehr zum thema
Artikel zum Thema
Comment