Archimandrit Sofroni (Sacharow): Die Praxis des Jesus – Gebetes Teil 1

4. August 2021

Archimandrit Sofroni (Sacharow)

Tschjotki - Gebetsschnur für das Jesusgebet

Ich möchte hier die wichtigsten Aspekte jener großen Herzenskultur und die wohl bedachten Ratschläge für diese Verhaltensweise darlegen, wie ich sie auf dem Heiligen Berge angetroffen habe.

Viele Jahre hindurch sprachen die Mönche das Gebet mit den Lippen, ohne nach zusätzlichen Methoden der Vereinigung des Geistes mit dem Herzen zu suchen. Ihr Augenmerk galt im täglichen Leben der inneren Übereinstimmung mit den Geboten Christi. Eine jahrhundertelange Erfahrung dieser Askese zeigte, dass der Verstand sich mit dem Herzen unter der Einwirkung Gottes vereint, sobald der Mönch eine solide Erfahrung im Gehorchen und Entsagen erworben hat, sobald sein Sinn, Herz und sogar der Leib des „alten Menschen” hinreichend von der Macht der Sünde befreit worden ist. Allerdings haben sowohl früher wie auch jetzt zuweilen die Väter gestattet, zu einer künstlichen Methode der Hinführung des Sinnes in das Herz Zuflucht zu nehmen. Zu diesem Zwecke spricht der Mönch, nachdem er den Körper entspannt und den Kopf auf die Brust gesenkt hat, in Gedanken das Gebet, wobei er leise bei den Worten: „Herr Jesus Christus (Sohn Gottes)” einatmet und beim Ausatmen das Gebet abschließt: „erbarme Dich meiner (des Sünders)”.

Beim Einatmen folgt die Aufmerksamkeit des Sinnes der Bewegung der Luft und bleibt in dem oberen Teil des Herzens. Bei solchem Tun kann nach einer gewissen Zeit die Aufmerksamkeit konzentriert bleiben, und der Sinn richtet sich neben dem Herzen ein oder betritt sogar das Innere des Herzens. Die Erfahrung lehrt, dass diese Art dem Sinn die Möglichkeit gibt, weniger das physische Herz selbst wahrzunehmen, sondern vielmehr das, was in ihm vorgeht: Welche Gefühle in ihm aufsteigen, welche gedanklichen Vorstellungen sich von Außen nähern. Eine Praxis wie diese befähigt den Mönch, sein Herz zu fühlen und die Aufmerksamkeit des Geistes in ihm, dem Herzen, zu halten, ohne dass man noch eine „psychosomatische Technik” anwenden müsste.

Die künstliche Methode kann dem Anfänger beim Orten des Platzes helfen, wo der konzentrierte Sinn während des Gebetes und überhaupt zu jeder Zeit zu stehen hat. Natürlich kommt allein durch eine solche Methode kein wirkliches Gebet zustande. Es erwächst nicht anders als aus Glauben und Buße, die der einzige Wurzelstock für wahrhaftiges Beten sind. Die Gefahr der Psychotechnik besteht — wie langjährige Erfahrungen beweisen – darin, dass nicht wenige Menschen der Methode als solche zu große Aufmerksamkeit schenken. Um eine schädliche Entstellung des geistlichen Lebens des Beters zu verhindern, wird den Anfängern unter den Asketen von alters her ein anderer Weg empfohlen, der bedeutend langsamer aber unvergleichlich nützlicher und korrekt zum Ziel führt, nämlich die Aufmerksamkeit auf den Namen Jesus Christus und auf die Worte des Gebetes zu konzentrieren. Wenn die innere Zerknirschung über begangene Sünden ein gewisses Maß erreicht hat, schickt sich der Sinn auf natürliche Weise zur Vereinigung mit dem Herzen an.

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