Darmstadt - Geburtsort zweier Heiligen der orthodoxen Kirche

17. Juli 2021

Darmstadt - Geburtsort zweier Heiligen

Die Schwestern unseres Klosters unternehmen Missionsreisen in die verschiedensten Länder und Regionen Europas. Die Besuche in Deutschland geben die Möglichkeit, jene Orte zu besuchen, an denen die Hl. Elisabeth, die Patronin unseres Klosters, und ihre Schwester, die Hl. Alexandra, die letzte russische Zarin, aufwuchsen. Darmstadt, ehemalige Residenz des Großherzogtums Hessen, gehört zu den für die Schwestern wichtigsten und interessantesten Plätzen. Das bei Exkursionen gesammelte Fotomaterial und viele zusätzliche Informationen haben wir im folgenden Artikel verarbeitet.

Geburtshaus der Hl. Elisabeth

Das Haus, in dem die Prinzessin Elisabeth Alexandra Luisa Alice von Hessen - Darmstadt, verheiratete Großfürstin Jelisaveta Fjodorowna Romanowa, geboren wurde, ähnelt in keiner Weise einem Schloß. Es ist ein nicht sehr großes, eher unscheinbares Gebäude. Es hat die Kriegszeiten schadlos überstanden, doch haben schon länger andere Nutzer das Haus übernommen.

Das einzige, was an die früheren Bewohner erinnert, ist eine an die Hauswand angebrachte Gedenktafel mit der Halbbüste der Hl. Elisabeth Fjodorowna sowie Inschriften in deutscher und russischer Sprache.

Die Gedenktafel fuer die Hl Elisabeth

Die Gedenktafel für die Hl. Elisabeth Fjodorowna

Gestiftet wurde diese Gedenktafel von der Kaiserlich Orthodoxen Palästina-Gesellschaft und dankbaren Einwohnern Darmstadts. Zu den Vorsitzenden dieser Gesellschaft gehörten unter anderem Großfürst Sergej, der Ehemann Elisabeths, sowie nach seinem Tode die Großfürstin Elisabeth selbst.

Die Kaiserlich Orthodoxe Palästina-Gesellschaft wurde im Jahre 1882 von Zar Alexander III. gegründet und feiert in diesem Jahr sein 135-jähriges Bestehen. Zu seinen Aufgaben gehört neben der Sorge um die russischen orthodoxen Pilger im Heiligen Land, die Verbreitung von Informationen in Russland über die Heiligen Stätten im Nahen Osten aber auch die Errichtung von Schulen, Krankenhäusern und Pilgerheimen sowie materielle Unterstützung der ortsansässigen Gläubigen, ihrer Kirchen, Klöster und der Geistlichkeit. 2017 wurde in Darmstadt eine Vertretung dieser Organisation für das Bundesland Hessen errichtet. Diese befasst sich nun vor allem mit der Bewahrung des Andenkens an die hessischen Prinzessinnen und die Zarenfamilie.

In diesem Haus lebte die Familie mit der kleinen Prinzessin Elisabeth nur wenige Jahre, dann zog man in die durch finanzielle Mittel der englischen Königin neu erbaute Residenz. Dieses große und schöne Gebäude, in dem Elisabeth die folgenden Jahre ihrer Kindheit verlebte, kann man nur noch auf alten Gemälden und Vorkriegsfotografien bewundern. Die Residenz fiel im 2. Weltkrieg leider den anglo-amerikanischen Bombenangriffen zum Opfer und wurde so stark beschädigt, dass man es nach dem Krieg nicht wieder aufbaute. Heute befindet sich an ihrer Stelle ein kleiner Park.

Der kleine Park an der Stelle

Der kleine Park an der Stelle der ehemaligen Residenz

Denkmal für die Mutter von Elisabeth, Alice von Hessen und bei Rhein Neben dem Park befindet sich das Denkmal zu Ehren der Großherzogin Alice, Tochter der englischen Königin Victoria, der Mutter der Hl.Elisabeth (Romanowa).

Zu ihren Lebzeiten wurde sie in dieser Stadt sehr geliebt und geschätzt. Sie erwies der ansässigen Bevölkerung große und vielfältige Unterstützung. Als sie noch jung an Jahren (35 Jahre alt!) verstarb, errichteten ihr die Bewohner Darmstadts aus Dankbarkeit für ihre Liebe und ihren Heldenmut dieses Denkmal. Darauf ist die Inschrift angebracht: Der unvergessenen Großherzogin von Hessen und bei Rhein, Alice. In Verehrung, Liebe und Dankbarkeit.

Alice von Hessen und bei Rhein

Denkmal für die Mutter von Elisabeth, Alice von Hessen und bei Rhein

Das Alice - Hospital

Prinzessin Alice von Großbritannien und Irland (1843–1878), die zweite Tochter von Königin Victoria (1819–1901) und des Prinzen Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (1819–1861), kam im Jahr 1862 als Frau des Großherzog-Neffen und Thronfolgers Ludwig IV. (1837–1892) nach Darmstadt. Neben ihrer Mutterschaft mit insgesamt sieben Kindern entwickelte Alice in Hessen rasch vielfältige soziale Aktivitäten. Gemeinsam mit der Frauenrechtlerin und Autorin Luise Büchner (1821–1877) kam es am 7. September 1869 zur Gründung des Alice-Frauenvereins für die Krankenpflege im Großherzogtum Hessen.

Ein erstes Krankenhaus entstand in der Mauerstraße 17. Dies besuchte Alice oft in Begleitung ihrer Kinder. Von Kindheit an lernte so Elisabeth die Werke der Barmherzigkeit und Mildtätigkeit zu üben sowie Mitgefühl mit den Leidenden zu zeigen. Auf unterschiedlichste Art und Weise versuchten sie den Patienten ihr Schicksal zu erleichtern und den tristen Krankenhausalltag zu verschönern. Nach dem frühen Tod Alices gegründete man den Alice-Memorial-Fonds. Mit den gesammelten Geldmitteln wurde auf der Mathildenhöhe ein Hospital errichtet und am 8. Dezember 1883 eingeweiht. Prinzessin Viktoria von Hessen-Darmstadt, die erste Tochter von Alice, wurde Präsidentin des Alice-Frauenvereins. Im Eingangsbereich des modernisierten Krankenhauses befindet sich die Büste von Alice.

 die Büste von Alice im Hospital auf der Mathildenhöhe

Die Büste von Alice im Hospital auf der Mathildenhöhe

Die “Russische Kapelle”

Der Sakralbau wurde in den Jahren von 1897 bis 1899 nach Plänen des Petersburger Architekten Léon N. Benois errichtet. Das zwischen verschiedenen Jugendstilgebäuden auf importierter russischer Erde errichtete Gotteshaus, in dem bis zum heutigen Tag orthodoxe Gottesdienste stattfinden, ist im Stil russischer Kirchen des 16. Jahrhunderts gehalten.

Auftraggeber war der russische Zar Nikolaus II. von Russland, der bei Besuchen in der Heimat der Zarin Alexandra, gebürtige Prinzessin Alix von Hessen-Darmstadt, nicht auf ein eigenes Gotteshaus für seine Familie und seinen Hofstaat verzichten mochte.

Das Innere des Gotteshauses ist unter anderem mit Mosaikarbeiten und Ausmalungen nach Entwürfen des russischen Malers Wiktor Michailowitsch Wasnezow ausgeschmückt. Diese Arbeiten waren erst 1903 vollendet.

1918 ging die ursprüngliche Hofkapelle in den Besitz der Russisch-Orthodoxen Diözese über.

Die “Russische Kapelle”

Die “Russische Kapelle”

Park Rosenhöhe und die Mausoleen

Im Park “Rosenhöhe” befindet sich das Alte und das Neue Mausoleum, die Grabstätten des Hauses Hessen-Darmstadt. Hier befinden sich die Gräber der Eltern von Elisabeth und Alexandra sowie weiterer Angehöriger der Familie.

Das Alte Mausoleum

Das Alte Mausoleum

Schloß Wolfsgarten

Das Schloss wurde 1722 bis 1724 durch Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt als Jagdschloss errichtet. Es befindet sich ungefähr 15 km südlich von Frankfurt am Main im Wald. Erst ab 1834 nahm sich Großherzog Ludwig III. der verfallenden Gebäude an. Er ließ die Anlage sorgfältig renovieren, wieder ausstatten und nutzte sie. Es diente ab 1879 dem hessischen Herrscherhaus als Sommerresidenz und Jagdschloss. Hier wuchsen also die Prinzessinnen Elisabeth und Alexandra auf, wenn sie nicht in Darmstadt weilten.

Jahre später erfahren wir aus Briefen des Zaren Nikolaj II., dass das Schloss Wolfsgarten der Lieblingsort seiner Gattin, der Zarin Alexandra, war.

 Schloß Wolfsgarten

Schloß Wolfsgarten

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfuhr das Schloss umfangreiche Umbauten und der Park wurde gestaltet. Dazu zählt auch das 1902 durch den Architekten Joseph Maria Olbrich für Prinzessin Elisabeth, Tochter des damals regierenden Großherzogs Ernst Ludwig, im Jugendstil erbaute Prinzessinnenhaus (auch „Spielhaus“ genannt). Das Haus und seine gesamte Einrichtung sind so verkleinert, dass sie auf die Größe der damals siebenjährigen Prinzessin abgestellt waren.

Spielhaus

„Spielhaus“

Im November 1903 besuchte Zar Nikolaus II. in Schloss Wolfsgarten den geschiedenen und noch nicht wiederverheirateten Großherzog Ernst Ludwig, dessen Schwester Alix im November 1894 seine Frau geworden war, die Zarin Alexandra, letzte Kaiserin Russlands. Aus Anlaß des Besuches entstand dieses Familienfoto.

Zar Nikolaus II. mit der Familie im Schloss Wolfsgarten 1903

Zar Nikolaus II. mit der Familie im Schloss Wolfsgarten 1903

Der jetzt hier residierende Landgraf Donatus von Hessen äußerte sich in einem Gespräch zu seinem Verhältnis zu den Heiligen des Hauses Hessen: “Obwohl ich kein direkter Nachkomme der beiden heiligen Schwestern bin, schätzt man in unserer Familie Elisabeth, Alexandra und ihre gesamte Familie sehr. Mein Onkel Ludwig hat viel von ihnen erzählt. Und bis zum heutigen Tag bewahren wir alles, was mit ihnen in Zusammenhang steht…”

S. K. H. Landgraf Donatus sowie seine Gattin und die Kinder bewohnen jetzt dieses Anwesen. Sie bewirtschaften ein Weingut und betreiben Pferdezucht.

Heute befindet sich das Schloss im Eigentum der Hessischen Hausstiftung und ist nicht frei zugänglich. Alljährlich an zwei Wochenenden im Mai zur Rhododendronblüte und drei Tage im September zum „Fürstlichen Gartenfest“ (von Freitag bis Sonntag am dritten Wochenende des Monats) macht das Haus Hessen den Park für Besucher zugänglich. Zudem findet am 1. Mai ein ökumenischer Gottesdienst im Park statt.

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