Homilie am Hochfest der Verklärung Christi

18. August 2023

Hochfest der Verklärung Christi

Damit die Gläubigen nicht kleinmütig werden durch die Gebote der Selbstaufopferung und damit sie erkennen, dass Ruhm und Triumph der Geduld folgen, wurde der Herr vor den Jüngern verklärt. Es geschah so: Der Herr Jesus Christus ging mit drei Jüngern, Petrus, Jakobus und Johannes, auf den Berg Tabor. Hier legten sich die Jünger ins Gras und schliefen ein, aber der Herr betete. Während des Gebets wurden die Kleider Jesu Christi weiß wie Schnee, sein Gesicht leuchtete wie die Sonne. Die Propheten Elija und Mose erschienen ihm und sprachen mit ihm über sein Ende, also über sein Leiden und Sterben. Zu dieser Zeit wachten seine Jünger auf und die Erscheinung der Herrlichkeit Gottes schien ihnen so freudvoll zu sein, dass sie durch die Lippen von Petrus den Wunsch zum Ausdruck brachten, auf dem Berg zu bleiben, indem sie sagten: “Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.” (Mt 17,4) Bei diesen Worten überschattete plötzlich eine helle Wolke die Apostel und sie hörten die Worte: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.“ (Mt 17,5) Als die Jünger diese Worte hörten, fielen sie vor Angst auf ihr Gesicht. Der Herr näherte sich ihnen und sagte: „Steht auf und habt keine Angst.“ Die Jünger standen auf und sahen niemanden vor sich außer allein Jesus Christus.

Christus, der Erlöser, wurde während seines Gebets vor den Augen der Jünger verklärt, und die Herrlichkeit Gottes erschien auf Seiner Gestalt. Besteht nicht auch das Wesen unseres Lebens darin, dass wir unseren eigenen Willen nach und nach mithilfe der Gnade Gottes von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, von Kraft zu Kraft übersteigen und so innerlich, geistig verwandelt werden, indem wir unseren Geist vom Irdischen zum Himmlischen erheben, das Herz vom Sinnlichen zum Überirdischen und unseren Willen von Sünden und Lastern zur Erfüllung des Willens Gottes. Dies ist nicht einfach zu bewerkstelligen, meine Lieben. All dies ist mit vielen Schwierigkeiten verbunden. Aber wenn wir weder Arbeit noch Anstrengung, nicht einmal Opfer scheuen, um in diesem Leben etwas Besseres zu erreichen, sollten wir uns dann nicht weit mehr um das Ewige Leben kümmern, dass uns ermöglicht, gemäß Gottes Willen, Teilhaber an der Herrlichkeit Gottes zu werden.

Hochfest der Verklärung Christi

Der Herr hat uns ein Vorbild gegeben, also folgen wir ihm: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.“ (Joh 13,15)

Was könnte für uns größer und lehrreicher sein als dieses heilige Abbild des Gottmenschen? Lassen Sie auch uns verwandeln von der Dunkelheit zum Licht, von der Sünde zu einem tugendhaften Leben, vom Ungehorsam gegenüber dem Willen Gottes zu seiner größtmöglichen Umsetzung, um nicht das äußere Leben, sondern das innere Leben zu verklären, das Leben unserer unsterblichen Seele.

Hochfest der Verklärung Christi

Er, der auf dem Tabor verklärt wurde, hat uns das dafür erforderliche Mittel aufgezeigt. Er betet zu Gott, dem Vater, und in diesen Minuten seines kindlichen innigen Gesprächs mit dem Vater erschien er in dieser Lichtgestalt. Eine Wundererscheinung, meine Lieben, die für uns sehr bemerkenswert ist. Hier werden die Wirkung und die Kraft des wahren Gebets deutlich sichtbar. Durch das Gebet manifestiert sich im Menschen der Herr, die Himmlische Herrlichkeit, das Licht Gottes, das wir erbitten, damit es uns Sündern leuchten möge. Oh, wenn unsere Gebete nur so rein und voller Liebe wären! Dann würde uns natürlich die Dunkelheit der Sünde nicht berühren, das Licht der Gnade würde unser gesamtes irdisches Leben erleuchten, und dann könnte jeder mit dem Apostel Petrus sagen: „Herr, es ist gut, dass wir hier sind.“ (Mt 17,4) Amen.

Hl. Alexij von Moskau (Metschjow) am 6. (19.) August 1915

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