Ich gehöre nicht euch, ich gehöre Gott!

7. Februar 2022

 Kloster des Hl. Eliasar bei Pskow, jetzige Ansicht

Kloster des Hl. Eliasar bei Pskow, jetzige Ansicht

Lebensbeschreibung des Starzen Gawriil (Syrjanow), Beichtvater der Großfürstin Elisabeth Fjodorowna

 Hl. Gawriil und Hl. Märtyrernonne Großfürstin Elisabeth Fjodorowna. Erlöser-Eliasar Kloster, 1910

Hl. Gawriil und Hl. Märtyrernonne Großfürstin Elisabeth Fjodorowna. Erlöser-Eliasar Kloster, 1910

Heute gedenkt die Russische Orthodoxe Kirche ihrer Neumärtyrer des 20. Jahrhunderts, zu denen auch die Patronin unseres Klosters gehört. In diesem Artikel erinnern wir an den Heiligen Schima-Archimandrit Gawriil, der die Heilige Märtyrernonne Großfürstin Elisabeth als Geistlicher Vater formte, viele Jahre hindurch bekleidete, unterstützte und beriet. Schima-Archimandrit Gawriil hinterließ Dutzende Jünger, die alle zu Bekennern des orthodoxen Glaubens wurden. Niemand von ihnen hat sich in den Folterkammern des NKWD von Christus losgesagt oder ist zu den Erneuerern gewechselt. Der Heilige selbst hat im Alter von 48 Jahren das Große Schima angenommen und ist einen mühevollen Weg gegangen, durch eine schwere Krankheit, durch Verleumdung und den Rauswurf aus dem Kloster. Als Jugendlicher wurde er von seinem Vater wegen seines Wunsches, ins Kloster zu gehen, geschlagen, aber im hohen Alter strömten jeden Tag hunderte Menschen zu dem Schima-Mönch.

“Wenn es Dich gibt…”

... Ganja lag, wie leblos, am Boden. Als er das Bewusstsein wiedererlangte, war sein erster Gedanke: "Es gibt Gott, es gibt Gott!"

Eine Minute zuvor lag der zukünftige Schima-Archimandrit Gawriil, in jener Zeit noch Ganja genannt, der einzige Junge einer großen Bauernfamilie, im Feld und betete. Dieses Gebet war voller Verzweiflung und Zweifel. Der Sommer ging zu Ende, und vor den Augen des Jungen hatte ein halbstündiger Orkan mit Hagel den Weizen zerschlagen. Die ehrliche und harte Arbeit seines Vaters und des ganzen Dorfes war ruiniert, ein Hungerwinter erwartete sie, die Bauern waren verzweifelt und verwirrt. Und Zweifel schlichen sich auch in die Seele des Jungen ein: Wenn Gott gut ist, wie konnte er das zulassen? …

Der Teenager bat um ein Wunder, betete auf dem Boden liegend und die letzten Worte dieses Gebets waren: "Es werde Weizen ..."

„Er wollte ein Wunder als Beweis für die Wahrheit der Existenz Gottes haben“, schrieb später Bischof Barnabas (Beljajew), der Autor einer der Biografien von Starez Gawriil. - Und er flüsterte in schrecklichem Entsetzen, fügte nicht mit zitternden Lippen, sondern im Geist, irgendwo im Inneren, ohne Worte hinzu: "... wenn es dich gibt."

„Plötzlich“,  so erzählte später Vater Gawriil, „drang über meinem Kopf ein Donner aus heiterem Himmel. Eine donnernde Stimme vom Himmel, so könnte man sie nennen, sagte zu mir: „Es wird Weizen geben …“

 Foto von Prokudin-Gorskij, 1910

Foto von Prokudin-Gorskij, 1910

Bald darauf gab es anhaltend schönes Wetter: Hitze am Tag und Regen in der Nacht. Die Bauern begannen, die nach dem Hagelschlag übrig gebliebenen Reste der Ernte einzusammeln. Ganja überredete seinen Vater, noch eine Woche zu warten, er behauptete, dass der Weizen besser würde! Es wird mehr Weizen geben ... "Ich werde dir die Haut abreißen, wenn er verdirbt", antwortete sein Vater, gab aber den Überredungskünsten des Sohnes nach und wartete. Und jeden Tag wurde seine Verärgerung durch Überraschung und Ehrfurcht ersetzt: Der Weizen wuchs ... Und als sie anfingen zu ernten, waren die Garben mannshoch, sodass die Ernte kaum im Schuppen Platz fand!

" Mein Gott ..." - sagte Syrjanow-Vater, nahm seine Mütze ab, als er den Ackerstreifen entlang  ging...

“Du wirst Mönch, … Schima-Mönch wirst Du”

Was Gebet ist, das Evangelium, die Kirche bedeuten, das wusste der zukünftige Schima-Archimandrit Gawriil natürlich von früher Kindheit an, aber anscheinend muss jeder durch persönliche Zweifel und Bestätigung im Glauben gehen.

Er wuchs in einer zutiefst religiösen Familie wohlhabender Staatsbauern auf. Seine des Lesens kundigen Eltern, Fjodor und Ewdokija Syrjanow, lasen den Psalter, das Evangelium, das Leben der Heiligen. Und die Kinder wurden im Geiste des Gelesenen erzogen: Alle Gedanken waren auf Gott gerichtet. Die Mutter des kleinen Ganja ermahnte ihren Sohn folgendermaßen: "Du bist schon wieder unartig, die Sünden wachsen dir noch durch deine Streiche über den Kopf, und dann kommst du selbst nicht mehr damit zurecht."

Gawriil erinnerte sich, wie sie vor den Ikonen kniete und unter Tränen laut betete: „Herr, siehe, ich habe Dich für meinen Sohn angefleht, aber er ist weiter unartig, hört nicht auf mich. Was soll ich mit ihm machen? Er selbst kann sterben und auch mich umbringen ... “ Der Junge hatte Mitleid mit seiner Mutter, und er begann selbst mit ihr gemeinsam zu beten.

Trotz der Religiosität der Familie trafen sie die Worte des erwachsenen Gawriil wie ein Blitz aus heiterem Himmel: "Segnet mich für den Eintritt ins Kloster!" - "Ich werde dich nicht gehen lassen!" - schrie der Vater, und nach weiteren Bitten nahm er einfach seinen zwanzigjährigen Sohn und schlug ihn wie einen kleinen Jungen. Er schlug ihn sehr hart, vor den Augen seiner Schwestern und seiner Mutter. Aber Gawriil, als wäre nichts passiert, bat weiter: "Tjatjenka, lass mich ins Kloster gehen." Man musste ihn gehen lassen. Das ganze Dorf verabschiedete sich und weinte. Ein stattlicher, gut aussehender, fleißiger Kerl wurde auf den Weg zum Mönchtum bis zur nächsten Station begleitet, um ihn dann in diesem Leben nie wieder zu sehen. Sein Vater wurde von diesen Emotionen überwältigt. Aber Ganja kehrte nicht um. Ja, und er erinnerte sich, wie ein anderer Wallfahrer auf einer Pilgerfahrt zu ihm gesagt hatte: "Du wirst Mönch ... Du wirst ein Schima-Mönch."

In der Optina

Gawriil verlor auch im Alter nicht seinen Statur und seine Schönheit. In seiner Biografie über Starez Gawriil “Der dornige Weg zu Gott” schreibt Bischof Barnabas (Beljajew) wie folgt: „Als sie ihn sahen, waren sie unwillkürlich erstaunt: ein grauhaariger Starez von gewaltiger Größe und zugleich von innerer Weite, in welchem man sofort einen moralischen Helden erkannte; ein gutherziger Witzbold, der sich angesichts von Feigheit und Zynismus empörte, aber vor Rührung über ein weiteres Zeugnis von Gottes Barmherzigkeit weinen konnte.

Aber vorerst haben wir vor uns - einen jungen Novizen, der in die Optina Pustyn kam.

 Optina Pustyn. Blick vom Fluß Schisdra. XIX. Jh.

Optina Pustyn. Blick vom Fluß Schisdra. XIX. Jh.

„Wir fühlten uns dort wie unter Heiligen und wandelten mit Furcht wie im Heiligen Land“, erinnerte er sich später über das Kloster. Ich schaute alle genau an und sah: Obwohl es verschiedene Grade gab, waren sie alle gleich im Geiste; niemand war mehr oder weniger, sie waren alle eins – eine Seele und ein Wille – in Gott.“ Aber auch hier kamen ihm bald neue Zweifel, neue Versuchungen im Glauben ...

Einmal erkrankte Gawriil schwer, da er sich auf dem Glockenturm erkältete, wohin er nach der heißen Backstube gegangen war gemäß seines Gehorsamsdienstes. Das Leiden ließ ihn fünf Jahre lang nicht los: „Ich bin krank, ich liege im Bett, das Fieber quält mich. Ich bringe dem Kloster keinen Nutzen. Offensichtlich wollte Gott nicht, dass ich ins Kloster eintrete. Das heißt, ich tat dies gegen den Willen Gottes, meines Vaters, meiner Mutter.“ Mit solchen Gedanken, sich kaum bewegen könnend und auf einen Stock gestützt, ging der Novize zu Starez Amwrosij.

„Wenn wir sterben, nützt es auch niemandem“, antwortete der Starez spöttisch auf diese Gedanken und zerstreute seine Zweifel. Dann schwieg er und sagte: „Mir scheint, als du ins Kloster eingetreten bist, hast du nicht alles bereut. Eine Sünde ist geblieben und hat ein Schlupfloch für die Dämonen geschaffen."

Bruder Gawriil dachte lange nach, konnte sich aber zunächst an nichts erinnern. "Nun, raus damit!" - scherzte Starez Amwrosij und schlug Gawriil mit der Handfläche auf die Stirn.

 Der Heilige Amwrosij von Optina

Der Heilige Amwrosij von Optina Jh.

Da erinnerte sich der zukünftige Schima-Mönch plötzlich daran, wie er in seinem Heimatdorf „am Großen und Heiligen Donnerstag einen Zauberspruch über Gürtel und Brot machte und dafür sorgte, dass ihre Kuh von allein, ohne Hirten und Treiber nach Hause kam“. Auf dem Land war das eine gewöhnliche Sache, er hielt es nicht einmal für eine Sünde ... "

Vater Amwrosij segnete den Novizen, 80 Kilometer vom Kloster entfernt Fische zu fangen, um den Klosterteich zu schützen. Der kranke Mönch fuhr unter dem Gelächter von mehreren hundert Bauern, die auf dem Feld arbeiteten und ihn beobachtet hatten. Es war brütend heiß,  er aber trug einen Pelzmantel und eine Mütze wegen seines Fiebers. Aber dann, nach einem Jahr des Gehorsamsdienstes, verließ die Krankheit den Leidenden.

Das Große Schima mit 48 Jahren

Die Jahre vergingen, und der Novize blieb Novize. Sie übergingen ihn mit der Mönchsweihe. Ein älterer Freund, der Zellendiener des Abtes, gestand ihm einmal: "Ich habe den Abt gebeten, dich zum Mönch zu weihen, und er antwortete:" Ja, weihen wir ihn, und er wird uns verlassen." Schließlich beschloss Vater Gawriil wirklich, ungeachtet aller Überredungen wegzugehen.

„Nachdem er Optina verlassen hatte,“ schreibt Bischof Barnabas, „war er auch später noch davon überzeugt, dass es nirgendwo, eine solch gute Ordnung gab, wie er sie dort fand, aber er bereute seine Tat nie. Denn er ging aus Liebe zu Gott.“

Starez Amwrosij riet dem jungen Mönch: "Geh überall hin, lebe nur nicht in Moskau."

1874 trat der Mönch in das Wysoko-Petrowskij-Kloster in Moskau ein, wo er zum Mönch mit dem Namen Tichon geweiht wurde. Nach 8 Jahren ging er auch von dort weg. Wie der Starez Amwrosij gesagt hatte: "Geh überall hin, lebe nur nicht in Moskau." Der Mönch zog sich an einen ruhigen Ort zurück, in die Raifskaja-Skit, die in der Nähe von Kasan gelegen war. Aber schon im nächsten Jahr ging er von dort in die Sedmijeserskaja Bogorodizkaja Einsiedelei, wo er 25 Jahre lang lebte. Dort ereignete sich dann auch seine Formung zum Starzen.

 Kirche des Hl. Ewfimij der Sedmijesernoj Pustyn, jetzige Ansicht

Kirche des Hl. Ewfimij der Sedmijesernoj Pustyn, jetzige Ansicht

Und diese Formung war mit einer schweren Krankheit verbunden. Er half dabei, einen Karren aus einer Grube zu ziehen, und überforderte sich. Er lag 5 Jahre lang im Bett, mit Herzschmerzen. Entweder schien es ihm aus der Brust springen zu wollen, dann wiederum schien es zu erstarren ...

Im Alter von 48 Jahren akzeptierte Vater Tichon das große Schima und bat darum, ihn zu Ehren des Erzengels Gabriel bei seinem früheren Namen zu nennen.

Er schrieb über Krankheit, die Suche nach ihrem Sinn und den Drang, Gott zu lieben:

„Ich sehnte mich danach, Gott von ganzem Herzen zu lieben. Aber wie soll man lieben? Wenn man Gott lieben will, muss man Gottes würdig sein. Ich sah mich nicht nur als Sünder, sondern auch als in meinen Sünden erstarrt. Der Wunsch, Gott zu lieben, wuchs so stark bis hin zu einem Brennen, aber wie man liebt, damit das Herz in seinem Verlangen befriedigt wird, wusste ich nicht ... Ich habe alle Möglichkeiten ausgenutzt, die aufgezeigt wurden: d. h. tue Gutes, sei barmherzig mit deinen Nächsten ... Mehr als einmal blieb ich nur leicht angezogen, verteilte alles an die Bedürftigen, ertrug Hunger und Kälte, verbarg es vor anderen, ertrug Groll, rächte mich nicht für Beleidigungen, versuchte Feinde zu lieben und liebte sie, wie vom Herrn befohlen ... Aber ich fühlte keine Liebe zu Gott in mir selbst, und meine Leidenschaften zeigten mir deutlich, dass mir diese göttliche Liebe fremd war ... Ich fühlte, dass die Kraft des Lebens in der Liebe zu Gott liegt, schöpferische Kraft, voller Gnade ...

Und siehe, es gefiel meinem Herrn, dass ich krank wurde; ich wurde krank, aber ich hatte diese Liebe noch nicht in mir erfahren; Ich wurde krank und weinte oft während meiner Krankheit darüber, dass ich in meinen Sünden besiegt blieb. Sündig, aber immer noch keine Liebe spürend ... Ich beeilte mich, nicht nur einmal, nicht zweimal zu bereuen, ich bereute viele Male und dann erhielt ich Freude. …

Je mehr ich litt, desto leichter fühlte es sich an

Je mehr ich litt, desto leichter fühlte ich mich. Ich verspürte einen starken Drang, die Kommunion zu empfangen, und man brachte mir die heilige Kommunion. Nach der Kommunion der Heiligen Mysterien wurde mein Geist von einer unaussprechlichen Hoffnung auf Gott beseelt und mein Herz strömte über vor Dankbarkeit gegenüber unserem Herrn Jesus Christus. Dem Elenden offenbarte sich die Liebe Gottes zur Welt in der Erlösung des Menschengeschlechts in ungeheurer Fülle. Diese Liebe sprach sozusagen in mir, in meinem ganzen Wesen, mit solcher Kraft zum Herrn, dass ich mein eigenes Leiden nicht spürte ... Ich erkannte mich als zutiefst sündig, aber gleichzeitig beflügelte mich eine brennende Hoffnung auf die rettende Liebe und das Erbarmen des Herrn durchdrang unwandelbar  meinen Geist. Tränen der Zuneigung flossen aus meinen Augen, und was mein Herz durchlebte, kann ich nicht einmal beschreiben ... ich verspürte nicht das Bedürfnis nach Nahrung; ich war niedergedrückt, wenn andere mich besuchten. Ich war glückselig, verwundet von der Liebe zum Herrn, ich wollte, wenn möglich, für immer allein bleiben und leiden, aber nur mit dem Herrn und in Liebe zu Ihm. Das ist Gottesliebe und das tut sie mit der Seele eines Menschen!“

So wurde der Welt ein Starez geboren…

 Der Hl. Schima-Archimandrit Gawriil (Syrjanow)

Der Hl. Schima-Archimandrit Gawriil (Syrjanow)

Offen und stets fröhlich

Nach einiger Zeit wurde Vater Gawriil Abt des Klosters. Er besass keine geistliche Ausbildung, war aber ein begabter Autodidakt. Er zitierte die schwierigsten Passagen der Heiligen Väter aus dem Gedächtnis. Der Starez setzte seine ganze Kraft in die Instandsetzung des Klosters. Um ihn herum versammelten sich Schüler und viele Besucher. Zu den Studenten des Theologischen Seminars von Kasan entwickelten sich besondere Beziehungen, der Starez liebte die Jugend sehr. Er war fröhlich und aufgeschlossen. "Schaut zu", scherzte Vater Gawriil, "damit es bei mir eine Meile entfernt noch nach Mönch riecht!"

„Das Väterchen, Starez Gawriil, war immer freundlich, er liebte es zu scherzen und konnte düstere Mönche nicht ausstehen“, beschreibt ihn einer der Besucher, der zukünftige Erzbischof von Wologda Stepan (Znamirowskij). Er war lange Zeit schwer krank; infolge dieser Krankheit war er sehr füllig geworden.“ Einmal, während seines Studiums an der Kasaner Theologischen Akademie, kam der zukünftige Hierarch zusammen mit zwei Studienfreunden (von denen einer, Archimandrit Simeon (Cholmogorow), der Autor der umfassendsten Biographie des Schiarchimandrit Gawriil wurde) zum Starzen. Er traf sie: "Sie dachten wahrscheinlich, einen Schima-Mönch zu sehen, der immer weint und dünn ist, aber jetzt sehen Sie, wie dick ich bin und dazu immer fröhlich."

Während dieses Treffens sprach Cholmogorow kaum, stellte keine Fragen. Zum Abschied näherte er sich als Letzter, um den Segen zu empfangen und hörte das Unerwartete von Vater Gawriil: "Und du wirst zum Mönch geweiht." Er antwortete nur: "Segnen Sie." Und die Freunde gingen hinaus. Die Mitstudenten, die von den Worten des Starzen überwältigt waren, äußerten empört: „Wie konntest du antworten: Segnen Sie!, wenn du nie über das Mönchtum gesprochen hast. Du liebst Gesellschaft, den weltlichen Gesang, die Musik, die Abende!“ Worauf der zukünftige Vater Simeon antwortete: "Ihr wißt schließlich nicht, was in meinem Herzen ist." Bald darauf wurde er zum Mönch geweiht...

Verleumdung und Rauswurf

Seit 1902 wurde die zukünftige Nonnenmärtyrerin, Großfürstin Elisabeth Feodorowna, von Vater Gawriil geistlich betreut. Sehr bald wurde sie von stärkster Trauer überwältigt durch den Tod ihres Mannes, des Generalgouverneurs von Moskau Großfürst Sergej Alexandrowitsch Romanow, der durch einen Terroristen umgebracht wurde. Es war wohl der Starez, der sie geistig vorbereitete und ihr half, die Tragödie zu überleben.

 Ikone des Hl. Gawriil (Syrjanow) (Syrjanow)

Ikone des Hl. Gawriil (Syrjanow)

Mit der wachsenden Popularität des Asketen wuchs auch der Neid auf ihn. Einige der Brüder denunzierten den Starzen und beschuldigten ihn der schlechten Haushaltsführung und der Veruntreuung von Klosterbesitz. Da er mit der Angelegenheit überfordert war, entließen ihn die Behörden aus dem Amt des Abtes ...

Vater Gawriil landete letztlich auf dem Bahnhof, wo er gerade so das Geld für eine Fahrkarte zusammenkratzen konnte. Der Zug brachte den Schwerkranken nach Pskow, wo ihn sein Schüler, der zukünftige Hieromartyrer Juvenalij (Maslowskij), im Kloster des Hl. Eliasar erwartete. Nach einiger Zeit stellt sich heraus, dass die Anschuldigungen gegen den Schi-Archimandriten falsch waren. Dies wurde von der Kommission bewiesen. Aber es war zu spät ...

Vom Kloster des Hl. Eliasar aus wird der Starez weithin bekannt.Es erreichten ihn Besucherströme mit bis zu 150 Personen pro Tag. Menschen verschiedener Schichten der Bevölkerung kamen um Rat bei ihm zu holen. Es fuhren ganze Familien, regelrechte Pilgergruppen zu ihm. Auf Kosten der Großfürstin Elisabeth Feodorowna wurde im Kloster eine Hauskirche gebaut, damit der gesundheitlich schwache Vater Gawriil den Gottesdienst besuchen konnte. Die Gabe der Herzensschau des Asketen wurde nun deutlich.

Und auch für Vater Gawriil konnten die über Russland herauf ziehenden Wolken nicht unbemerkt bleiben …

Warum haben wir Angst, das Kreuz auf uns zu nehmen?

Selbst in den Priesterseminaren war es unruhig. 1907 wurde einer seiner engsten Schüler, Archimandrit Simeon, damals Rektor des Priesterseminars in Tambow, Opfer eines Attentats: Er wurde von einem revolutionär gesinnten Seminaristen angeschossen. Die Kugel traf die Wirbelsäule und der Unterkörper blieb gelähmt. Starke Schmerzen begleiteten den mutigen Mönch die restliche Zeit seines Leben ... Nach dem Attentat brachte der Starez Vater Simeon zu sich in das Erlöser-Eliasarowskij-Kloster, wo er bis zum Tod seines Wohltäters im Jahr 1915 lebte und durch seinen Glauben und seinen Mut gestärkt wurde.

Unter den Schülern des Starzen gibt es viele Neumärtyrer und Bekenner. Keiner von ihnen hat Christus verraten und keiner wurde Erneuerer. Hier sind nur einige der Namen: Hieromartyrer Juvenalij (Maslowskij), Hieromartyrer Anatolij (Grisjuk), Erzbischof German (Rjaschenzew), Erzbischof Innokentij (Jastrebow), Erzbischof Gurij (Stepanow), Erzbischof Stefan (Znamirowskij), Bischof Joasaf (Udalow) ...

„Warum haben wir Angst, das Kreuz auf uns zu nehmen, mit dem wir das Himmelreich erreichen können? - schrieb Starez Gawriil. Im Kreuz ist Erlösung, darin ist Leben, darin Schutz vor Feinden: "in ihm wirst du siegen." Im Kreuz ist die Kraft der Seele, im Kreuz ist die Fülle der himmlischen Freuden, im Kreuz ist die Fülle des Geistes, die Höhe der Tugend und die Vollkommenheit der Heiligkeit ...Nimm Dein Kreuz auf dich und folge Jesus nach, und wir werden das ewige Leben erlangen."

Der Sedmijeserskij - Heilige

Am 24. September 1915 entschlief der Starez zum Herrn. Die Schwestern des Martha - Maria - Klosters und natürlich die Großfürstin waren bei der Trauerfeier zugegen. Der Trauerzug zog zu dem Ort, von dem der Asket zu Lebzeiten vertrieben wurde: Die Brüder des Sedmijeserskij Klosters begegneten ihrem ehemaligen Abt reumütig ... Und sein Name blieb für immer mit dem Kloster verbunden, in dem er die meiste Zeit seines Lebens verbracht hatte und unter denen er das größte Unrecht erlitt. 1996 wurde Schima-Archimandrit Gabriel von Sedmijeserskij in die Zahl der lokal verehrten Heiligen der Kasaner Diözese aufgenommen, und seine Reliquien ruhen seit 2000 im restaurierten Kloster.

 Reliquien des Hl. Schiarchimandriten Gawriil (Syrjanow)

Reliquien des Hl. Schiarchimandriten Gawriil (Syrjanow)

Wie durch ein Wunder überlebte die von dem Mönch erbaute Kirche in den Wirren der Revolution. Dies ist die zweistöckige Kirche des Heiligen Ewfimij in der Sedmieserskaja Pustyn, wo er einst selbst das Lesen des Immerwährenden Psalters segnete. 1928 blieb die Kirche das einzige Klostergebäude, das zu Beginn der Sowjetmacht nicht dem Erdboden gleichgemacht wurde. Heute wird hier wieder von einer kleinen Bruderschaft, die sich gegenseitig abwechseln, der Psalter gelesen ...

Das ganze Leben des Schiarchimandriten Gawriil scheint in den letzten Worten, die er auf seinem Sterbebett aussprach, zusammen gefasst zu sein: "Zur Rettung gelangt man durch viele Leiden." Und gleichzeitig die Worte, die der kleine Ganja einmal zu seinen Eltern sagte:

“Ich gehöre nicht euch, ich gehöre nicht euch.”

“Wem gehörst du denn dann?”

“Ich gehöre Gott.”

“Ich gehöre Gott.”

(Übersetzung aus dem Russischen, Quelle: https://pravoslavie.ru/86529.html)

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