Jerusalemer Klöster. Teil 2

1. Juli 2022

Blick auf den Glockenturm und das Klostergelände

Blick auf den Glockenturm und das Klostergelände

Das Erlöser-Himmelfahrts-Kloster auf dem Ölberg in Jerusalem

Das Erlöser-Himmelfahrts-Kloster ist ein orthodoxes Frauenkloster, auf der Kuppe des Ölbergs in Ost-Jerusalem gelegen. Es wird von der Russischen Geistlichen Mission des Moskauer Patriarchats verwaltet. Das Kloster ist auf allen Seiten dicht von arabischen, vornehmlich muslimisch geprägten Gebäuden umgeben, aber dennoch wird hier seit mehr als 110 Jahren in der russisch-orthodoxen Tradition gebetet.

Blick von oben auf das Klostergelände und angrenzende Liegenschaften

Blick von oben auf das Klostergelände und angrenzende Liegenschaften

Der Ölberg im östlichen Teil Jerusalems wird seit je her von Christen besonders verehrt. Dieser Ort fand sowohl im Alten wie auch im Neuen Testament Erwähnung. Der Prophet David floh hierher vor seinem Sohn Absalom, hier sah der Prophet Ezechiel die Herrlichkeit Gottes. Von den Hängen des Berges blickte unser Herr Jesus Christus auf Jerusalem und weinte, als er von seiner bevorstehenden Zerstörung sprach. Der Erlöser zog sich zum nächtlichen Gebet gerne auf den Ölberg zurück und lehrte hier die Jünger das Vaterunser-Gebet. Vom Ölberg aus stieg der Herr in den Himmel auf und kehrte zum Vater zurück.

Der erste Leiter der russischen kirchlichen Mission in Jerusalem, Archimandrit Antonin (Kapustin), erwarb 1870 auf dem südlichen Gipfel des Ölbergs, 200 Meter von der Kapelle der Himmelfahrt des Herrn entfernt, ein riesiges Grundstück mit einer Fläche von 5,4 Hektar, um ein Kloster zu gründen.

Der Glockenturm als prägnantes Bauwerk des Klosters

Der Glockenturm als prägnantes Bauwerk des Klosters

Der Standort auf dem Ölberg war frei von jeglicher Vegetation, und Archimandrit Antonin beschloss, hier Zypressen, Kiefern und Oliven anzupflanzen. Als Bäume gepflanzt wurden, wurden die ersten Mosaiken und Gräber entdeckt, woraufhin die archäologischen Arbeiten begannen. Als Ergebnis von Ausgrabungen auf dem Gelände wurden Grabhöhlen, eine Büste von Herodes dem Großen, verschiedene Utensilien sowie Mosaikböden einer byzantinischen Kirche aus dem 5. bis 7. Jahrhundert entdeckt. Um diese alte Kirche herum befand sich einst ein griechisches Nonnenkloster, das 614 vom persischen König Chosrau zerstört wurde. Während dieser Invasion wurden 1207 Nonnen gemartert.

An der Stelle der alten byzantinischen Kirche baute Vater Antonin eine Kirche zu Ehren der Himmelfahrt des Herrn. Der Boden darin wurde teilweise mit den erhaltenen Fragmenten des alten weißen Marmorbodens mit roten Blutflecken ausgelegt, wodurch die Erinnerung an die alten christlichen Märtyrer verewigt wurde. 1886 wurde die neue Kirche als Erlöser-Himmelfahrts-Kirche geweiht, die Ikonostase dafür wurde vom Berg Athos gebracht, die Ikonen aus Russland. Neben der Kirche wurde ein 64 Meter hoher Glockenturm errichtet. Die „Russische Kerze“, wie der Glockenturm später genannt wurde, ist bis heute der höchste Punkt Jerusalems. Während des schrecklichen Erdbebens im Jahr 1927 schwankte der Glockenturm wie ein Pendel und es schien, als würde er direkt auf die Kirche stürzen. An diesem Tag feierten die Schwestern das Fest der Gottesmutterikone “Die Dreihändige”. Die Schwestern zogen mit dieser Ikone in einer Prozession um das Kloster und weder der Glockenturm noch die Kirche wurden beschädigt. Derzeit geht jeden Tag eine der Nonnen oder Novizinnen mit dieser Ikone in den Händen um das Kloster herum.

Blick auf die Klosterkirche

Blick auf die Klosterkirche

Am 12. August 1906, am Geburtstag des damals bereits verstorbenen Archimandriten Antonin Kapustin, wurde die Frauenklostergemeinschaft eröffnet, in der zunächst nur 15 Schwestern lebten. 1914 stieg Zahl auf 100. Die Schwestern beschäftigten sich mit Stickereien und dem Malen von Ikonen. Diese Werkstätten arbeiten bis heute und trugen zur Ausschmückung der Kirche bei.

1907 wurde der Bau einer Kapelle zu Ehren des heiligen Johannes des Täufers in Erinnerung an die Auffindung seines Kopfes abgeschlossen. Es wurde an der Stelle einer alten Kapelle aus dem 4. Jahrhundert errichtet. In dieser Kapelle befindet sich das bedeutendste Klosterheiligtum – der Ort der ersten und zweiten Auffindung des Hauptes Johannes des Täufers. Der antike Mosaikboden, der von Archimandrit Antonin bei Ausgrabungen entdeckt wurde, hat eine mit Mosaiken ausgekleidete Vertiefung, in der der Kopf des heiligen Gerechten Johannes des Täufers gefunden wurde.

Ansicht der Klosterkirche

Ansicht der Klosterkirche

Die klösterliche Gemeinschaft wurde 1924 in ein Nonnenkloster umgewandelt.

Nach 1917 kümmerte sich die Russisch-Orthodoxe Kirche im Ausland (ROCOR) um den Erhalt des Klosters. Nach seiner Vereinigung mit der russisch-orthodoxen Kirche im Jahr 2007 gehört das orthodoxe Ölberg - Kloster zur vereinten russischen orthodoxen Kirche und ist Teil dieser.

Im Kloster wird Russisch gesprochen, aber Schwestern aus allen Teilen der Welt leben darin: Russland, Ukraine, Frankreich, Estland, Palästina und Rumänien.

Derzeit gibt es etwa 50 Nonnen im Kloster.

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