Kurzgeschichten über das Wesentliche

16. Juni 2021

Aus dem Leben des Hl. Amwrosij von Optina

Hl Amwrosij von Optina

Bildnis des Hl. Amwrosij von Optina

Die Wasserleitung

Zu Väterchen Amvrosij kam ein wohlhabender Grundbesitzer und erzählte ihm unter anderem, dass er eine Wasserversorgung in seinen riesigen Apfelgärten installieren will. Das Väterchen war ganz angetan von der Wasserleitung. „Die Leute sagen, - so begann er mit seinen in solchen Fällen üblichen Worten, - dass dies das Allerbeste ist.“ – und beschreibt detailliert den Bau der Wasserleitung. Der Grundbesitzer beginnt, nach Hause zurückgekehrt, Literatur zu diesem Thema zu lesen und erfährt, dass das Väterchen die neuesten Erfindungen auf diesem Gebiet beschrieb. Der Grundbesitzer fuhr wieder nach Optina. „Na, was macht die Wasserleitung?“, fragt der Starez. Die Wasserversorgung wurde nach den Anweisungen des Starez gebaut und erzielte bereits einen riesigen Nutzen: die Apfelernte der benachbarten Obstgärten war schlecht, aber dieser Grundbesitzer erzielte nicht nur eine reiche Ernte, sondern hatte auch die schönsten Äpfel.

Der Scherz

In der Skite lebte ein schon älterer Novize mit einer Glatze. Wegen der schweren Erkrankung von Starez Amvrosij, kam er missgelaunt in seine Zelle in der Hoffnung schweigend den Segen des Starez zu erhalten. Die Hoffnung trog nicht. Mit Herzschmerz ging er zu dem auf dem Bett liegenden Leidenden, kniete nieder und faltete die Hände, um den Segen zu empfangen. Der Starez erteilte den Segen und schlug ihm leicht auf den Kopf, indem er scherzhaft mit kaum hörbarer Stimme sagte: „ Na du glatzköpfiger Abt!“ „Mir fiel solch ein Stein vom Herzen, - erzählte später der Novize – und ach so leicht wurde es mir in der Seele.“

In die eigene Zelle zurückgekehrte, schäumte er schier über vor Freude und ruft ununterbrochen: „Mein Gott! Was ist das nur? Väterchen, Väterchen, kriegt kaum Luft, aber macht immer noch Scherze.“

Das Konfekt

Ein Mädchen sagte zu ihrer Verwandten, die Nonne war, vor dem allgemeinen Segen: „ Ich habe Konfekt in der Hand, ich würde sie so gern dem Väterchen geben, aber ich habe Angst und ohne Schachtel ist es peinlich.“ Bald darauf erschien der Starez Amvrosij; alle knieten nieder. Vor dem Mädchen blieb er stehen, schweigend öffnete er vorsichtig ihre Hand, nahm das Konfekt und ging weiter.

(Quelle: Kurzgeschichten über das Wesentliche. Orthodoxer Kalender 2017 Minsk: Kloster der Hl. Elisabeth, 2016)

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