Moskauer Klöster Teil VII

13. Dezember 2021

Das Sretenskij Kloster

Das Sretenskij-Kloster in Moskau (Teil 1) (2)

Das Sretenskij-Kloster ist eines der bestehenden stauropegialen Männerklöster der Russischen Orthodoxen Kirche, das sich im Zentrum der russischen Hauptstadt in der Großen Lubjanka-Straße. Dieses eher kleine Kloster ist eines der ältesten in Moskau.

Die Gründung des Klosters - ein Wunder

1395 fiel Tamerlan (Timur), genannt "Der eiserner Alte", ein unbesiegbarer und grausamer zentralasiatischer Heerführer, der zu diesem Zeitpunkt bereits ganz Kleinasien, den Kaukasus, den Iran, Anatolien, Choresm und Indien erobert hatte, mit seiner Armee in das Territorium Russlands ein. Tamerlan nahm die Städte Rjasan sowie Jeletz ein und zerstörte sie. Danach rückte er auf Moskau zu. Die gesamte russisch-orthodoxe Zivilisation war von ihrer totalen Zerstörung bedroht. Moskau hatte nicht die Kraft, eine solche Invasion aufzuhalten. Der Historiker Nikolaj Karamsin schrieb im 19. Jahrhundert, dass die Moskauer "in Erwartung eines traurigen Schicksals zitterten", da Tamerlans Krieger keine Gnade kannten. Ihre letzte Hoffnung blieb, die Gottesmutter um Fürbitte anzuflehen.

Da befahl der Vorsteher der Russischen orthodoxen Kirche, Metropolit Kyprian, zusammen mit dem Großfürsten Wassili I., dem ältesten Sohn von Dmitrij Donskoj, das größte Heiligtum aus der Stadt Wladimir zu überführen - die Muttergottesikone von Wladimir. Zehn Tage lang trugen die fürstlichen Krieger die Ikone mit ihren Händen, und am 8. September (26. August Jul. Kal.) traf die Prozession mit dem Heiligtum in Moskau ein, wo auf dem Kutschkow-Feld in der Nähe der Holzkirche zu Ehren der Hl. Maria von Ägypten (erbaut im Jahre 1385) ein Bittgottesdienst abgehalten wurde . In der Chronik heißt es: "Die ganze Stadt war zugegen, um der Ikone zu begegnen." Alle Einwohner Moskaus, jung und alt, weinten und baten die Allerheiligsten Gottesgebärein um Hilfe. Und die Mutter Gottes hat ihre Hoffnungen nicht beschämt.

die Muttergottesikon e von Wladimir

In derselben Nacht sah Tamerlan im Traum, wie eine Lichtsäule vom Himmel auf die Erde herabstieg, eine majestätische Frau darin erschien, umgeben von einer unzähligen Schar Engel und befahl, die Moskauer Gebiete zu verlassen. Die Berater erklärten dem verängstigten Khan: Diese Frau ist die Mutter des christlichen Gottes, die Fürsprecherin der Russen, und ihre Macht ist unwiderstehlich. Tamerlan war von der Vision so beeindruckt, dass er seine Truppen nach Süden entsandte und den Khan der Goldenen Horde Tochtamysch angriff, dem Moskau Tribut zollte. Die Goldene Horde hörte auf, als ein einheitlicher Staat zu existieren.

An der Wegkreuzung

Als Dank für die wundersame Rettung Moskaus von den Horden Tamerlans wurde am Ort der Begegnung des wundertätigen Bildes auf dem Kutschkow-Feld neben der Kirche der Hl. Maria von Ägypten eine geräumige Kirche zu Ehren der Begegnung mit der Wladimirskaja-Ikone errichtet. Zwei Jahre später, im Jahr 1397, wurde das Sretenskij (Begegnungs)-Kloster in der Nähe dieser Kirche vom Großfürsten von Moskau Wassili I. Dmitrijewitsch gegründet. Im XIV. Jahrhundert führte hier die Straße von Kiew und Smolensk nach Wladimir, Groß-Rostow und anderen Städten.

Seit dem Jahr 1397 wird alljährlich eine feierliche Prozession mit der Wladimirskaja-Ikone abgehalten, die am 26. August von der Mariä Himmelfahrts-Kathedrale des Kremls hierher überführt wurde. An der Prozession nahmen regelmäßig der Großfürst und der Metropolit von Moskau, später der Zar und der Patriarch teil. Das Fest der Begegnung der Wladimirskaja-Ikone ist zum Hauptfesttag Moskaus und im Sretenskij-Kloster geworden.

Zeiten der Blüte und des Niedergangs

Sechs Jahrhunderte lang teilte das Sretensky-Kloster alle Freuden und Leiden mit seinen Landsleuten, fast die gesamte Geschichte des Staates spiegelte sich in seiner Geschichte wider.

Unter dem Großfürsten von Moskau und ganz Russland, Iwan III. (1440–1506), wurden die Holzkirchen in Steinkirchen umgebaut. Großzügige Spenden wurden der Klosterkasse von Iwan IV. dem Schrecklichen gemacht, der das Kloster nach der erfolgreichen Einnahme von Kasan besuchte. Hier setzte er die Zarenkrone des Monomach auf.

In der Zeit der Unruhen des russisch-polnischen Krieges (1598 bis 1613) befanden sich im  Sretenskij-Kloster das Hauptquartier des russischen Volksheers, das von  Kusma Minin und Fürst Dmitri Poscharski angeführt wurde sowie eine Krankenstation für verwundete russische Soldaten, wo sie Fürst Dmitrij Erste Hilfe erwiesen, nachdem er im Kampf schwer verwundet worden war.

Das Sretenskij-Kloster spielte eine aktive Rolle bei der Wahl von Michail Fjodorowitsch zum ersten Zaren aus der Romanow-Dynastie. Im Mai 1613 wurden der neu gewählte Zar und seine Mutter, die Nonne Martha, im Kloster empfangen. Die Leute "standen vom Fluss von der Jausa bis zur Siedlung und in der Stadt selbst". Im 17. Jahrhundert spendeten die Zarenfamilie und ihre Höflinge dem Kloster großzügig.

Im Jahr 1679 wurde zu Ehren der Begegnung der Ikone der Muttergottes von Wladimir eine neue Kathedrale gebaut, die bis in unsere Jahre erhalten blieb. Später wurde es mit einzigartigen Fresken bemalt. Diese zählen zu den letzten Meisterwerken der altrussischen Kunst in Moskau.

Fast jede Wallfahrt der Zaren, Patriarchen, Metropoliten, Fürsten und gewöhnlichen Pilgern begann mit Gebeten im Sretenskij-Kloster.

In den 1680er Jahren wurde das Gebiet um das Kloster Sretenskaya Sloboda und später Sretenskaya Teil genannt.

Im 17. Jahrhundert wurde das Kloster im Zusammenhang mit dem Bau der neuen Stadtmauer an seinen heutigen Ort - die Bolschaja Lubjanka-Straße - verlegt.

Im 18. Jahrhundert begann das Kloster zu verfallen. Unter Kaiserin Katharina II. wurde das Kloster herab deklassiert, verlor schnell an Bedeutung und wurde der Selbstversorgung überlassen. Es durften nicht mehr als sieben Mönche darin leben. Die Mönche waren gezwungen, einen Teil des Klostergeländes zu vermieten, um Einkommen zu erzielen.

A. F. Smirnow “Das brennende Moskau” (1810)

A. F. Smirnow “Das brennende Moskau” (1810)

Im Vaterländischen Krieg von 1812

Wie am Ende des 14. Jahrhunderts wandten sich die Moskauer an den Herrn und die himmlische Fürsprecherin, um Hilfe zu erhalten. Am Tag der Schlacht von Borodino, der mit dem Fest der Begegnung der Ikone der Gottesmutter von Wladimir (8. September) zusammenfiel, startete vom Kloster aus eine Volksprozession mit wundertätigen Ikonen. Alle beteten inbrünstig zur Gottesmutter, um nicht nur Moskau, sondern ganz Russland vor den französischen Eroberern zu retten. Später beherbergte das Kloster ein Lazarett für verwundete Soldaten, viele von ihnen wurden auf dem Klosterfriedhof beigesetzt.

Als die französischen Truppen in Moskau einmarschierten, blieben zwei Priestermönche und mehrere Brüder im Sretenskij-Kloster. Die Franzosen plünderten zwei alte Kirchen des Klosters, lebten dann darin und richteten dort eine Krankenstation ein. Der Gottesdienst wurde jedoch nicht unterbrochen und in der Torkirche des Hl. Nikolaus des Wundertäters abgehalten. Der Priester des Sretenskij-Klosters, der für sein vorbildliches Leben bekannt und seinem Herrscher treu ergeben war, sprach während der Göttlichen Liturgie Gebete für die Gesundheit von Kaiser Alexander I., ohne die grausame Verfolgung der Franzosen zu fürchten. Als Reaktion auf das Verbot, dies zu tun, sagte er: “Melde Napoleon, dass ich unter der Hand des Henkers noch immer für Alexander beten werde. Der Tod ist nicht schrecklich für den, der für den König und den Glauben stirbt.”

Der Priester wurde verschont und in Ruhe gelassen, denn Helden werden sogar von den Feinden geehrt.

Das Sretenskij-Kloster wurde beim Brand von Moskau während des Rückzugs der Franzosen nicht beschädigt. Nach dem Abzug der Eindringlinge musste die verunreinigte Stadt geweiht werden, und die Weihe begann vom Sretenskij-Kloster aus.

Die Ikonen der Allerheiligsten Gottesgebärerin von Wladimir und vom Kloster Iweron standen bis zum Frühjahr 1813 im Kloster und wurden danach in die restaurierte Mariä Himmelfahrt-Kathedrale des Moskauer Kremls überführt.

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