Predigt am Zachäus-Sonntag (Lk 19, 1-10)

4. Februar 2022

Metropolit Antonij von Surosch

Ikone der Begegnung des Herrn mit Zachäus

Ikone der Begegnung des Herrn mit Zachäus

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

In diesen Wochen der Vorbereitung auf die Fastenzeit wurden wir letzten Sonntag mit der Geschichte von Bartimäus konfrontiert, um unsere Aufmerksamkeit auf unsere eigene Blindheit zu lenken. Wir sind geistig blind, dessen sind wir uns aber nicht bewusst sind, während körperliche Blindheit so deutlich wahrgenommen wird. Gleichzeitig aber auch auf die Tatsache, dass es nur eine Person gibt, an die wir uns wenden können, wenn wir unser Sehen, unsere geistliche Schau, unser Verständnis von uns selbst, von Gott, von unserem Nächsten und vom Leben wiedererlangen wollen - dies ist Gott, unser Herr Jesus Christus. Bartimäus hat alles versucht, um sein Augenlicht wiederzuerlangen, aber erst als er sich an Christus wandte, hat er es zurückerhalten.

Ob wir die vergangene Woche genutzt haben, um tiefer über unsere eigene Blindheit nachzudenken und in der Dunkelheit etwas Licht zu sehen, weiß ich nicht. Jeder von uns ist für seinen Eifer oder seine Faulheit verantwortlich.

Aber heute werden wir mit einer neuen Parabel oder vielmehr einer neuen Geschichte des Lebens Christi konfrontiert: der Geschichte von Zachäus. Diese Geschichte spricht uns wieder direkt an und die Frage, die uns gestellt wurde, lautet: Was ist mir wichtiger? Die gute Meinung der Menschen um mich herum, dass die Menschen dich nicht verspotten, dich auslachen könnten, weil du Gott sehen, ihm begegnen willst, oder die Notwendigkeit, der innere Ruf, alles zu entdecken, vorausgesetzt, du kannst Christus von Angesicht zu Angesicht sehen? Ist die Eitelkeit in uns stärker oder der Hunger nach Gott? Und Johannes Klimakos sagt deutlich, dass Eitelkeit die Verachtung Gottes und Feigheit vor den Menschen ist. Wie ist unsere Einstellung: Sind wir bereit, alles wegzuwerfen, nur damit wir Gott begegnen können- oder nicht? Und unter Umständen werden uns nicht so viele Menschen daran hindern, die Menschen werden uns nicht verspotten, sie werden uns nicht auslachen: sie werden völlig gleichgültig sein. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir uns nicht wie Bettler an sie wenden und auf ihre Zustimmung hoffen, und um diese Zustimmung zu erhalten, wenden wir uns von unserer Suche ab, von dem einzigen, was uns heilen und neues Leben geben kann.

Wir werden auch widersprüchliche Stimmen in uns finden, die sagen: Tu es nicht! Mach dich nicht lächerlich! Wähle dir keine Suche aus, die nicht notwendig ist; du hast alles ... Zachäus war reich, Zachäus war als ehrenwerter Bürger bekannt - wir auch! Wir haben so viel, wir werden respektiert - werden wir auf einen Weg gehen, der uns zu dem macht, was Paulus "Abschaum der Erde" nennt, und uns erniedrigen Dies ist die Frage, die uns die heutige Geschichte von Zachäus stellt: Ist die Eitelkeit, das heißt die Suche nach Dingen, die nutzlos und leer sind, und die Angst vor der Meinung anderer, die sich durchsetzen wird, oder der Hunger, den jeder von uns manchmal hat, notwendig für eine Begegnung mit dem lebendigen Gott? Amen.

(20. Januar 1991)

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