Predigt zum Fest der Synaxis der Gottesgebärerin

8. Januar 2023

Archimandrit Kirill Pawlow

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Liebe Brüder und Schwestern, heute begehen wir den zweiten Weihnachtsfeiertag zu Ehren der Geburt Jesu Christi. Dieser Tag ist das Fest der Synaxis der Gottesgebärerin, denn die ersten Christen der Frühen Kirche versammelten sich am zweiten Tag des Festes der Geburt Christi in der Kirche, um jene zu ehren, die der Erde den Retter der Welt schenkte. Sie wurde zur Verursacherin unserer Erlösung, in dem sie durch ihre Demut, durch ihren Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes, durch ihre Reinheit, durch ihre höchstmögliche Keuschheit befähigt wurde, die Mutter Christi, des Sohnes Gottes zu werden.

Außerdem verherrlicht die Kirche heute den rechtschaffenen Joseph, den Bräutigam, den heiligen Propheten und König David sowie den leiblichen Bruder des Herrn, den heiligen Apostel Jakobus, den ersten Bischof der Kirche von Jerusalem.

Die heutige Lesung aus dem Evangelium ist ein sehr erbaulicher Bericht über die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten.

Der Evangelist Matthäus berichtet: “Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten. Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.

Als Herodes merkte, dass ihn die Sterndeuter getäuscht hatten, wurde er sehr zornig und er ließ in Betlehem und der ganzen Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten, genau der Zeit entsprechend, die er von den Sterndeutern erfahren hatte. Damals erfüllte sich, was durch den Propheten Jeremia gesagt worden ist: Ein Geschrei war in Rama zu hören, / lautes Weinen und Klagen: / Rahel weinte um ihre Kinder / und wollte sich nicht trösten lassen, / denn sie waren dahin.

Als Herodes gestorben war, erschien dem Josef in Ägypten ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und zieh in das Land Israel; denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben, sind tot.

Da stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel. Als er aber hörte, dass in Judäa Archelaos an Stelle seines Vaters Herodes regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte, zog er in das Gebiet von Galiläa und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder. Denn es sollte sich erfüllen, was durch die Propheten gesagt worden ist: Er wird Nazoräer genannt werden.

Die Flucht Jesu Christi nach Ägypten, die auf Veranlassung des Engels des Herrn erfolgte, damit er nicht dem von Herodes beabsichtigten Tod ausgeliefert würde, ist ein Beispiel, um uns auf den Wegen unseres Lebens zu führen. Und wir können in verschiedener Form, mit dem konfrontiert werden, was unserem Erlöser widerfuhr, wie zum Beispiel Gefahren und Verfolgungen. Wenn wir irgendeine Gefahr für unser Leben oder unsere Gesundheit bzw. unser Wohlergehen voraussehen, dann sollten wir uns nicht Hals über Kopf hineinstürzen. Gottes heiliges Gesetz und ein gesundes Urteilsvermögen mahnen uns, für die Erhaltung von Leben und Wohlbefinden zu sorgen, als Gaben Gottes und verpflichten uns, uns vor vorhersehbaren Gefahren zu bewahren. Unsere höheren moralischen Pflichten können uns aber natürlich etwas Anderes abverlangen und der Mensch muss bereit sein dafür alles zu opfern, sogar sein eigenes Leben. Aber wenn solchen Gründe nicht bestehen, dann müssen wir so handeln, wie es der Heiland tat und nicht in die Gefahr laufen, sondern sich so weit wie möglich aus ihr heraushalten und nicht auf das außergewöhnliche Eingreifen der Göttlichen Vorsehung warten, die uns zu retten wird, sondern vielmehr die Möglichkeiten zu nutzen, die wir zur Hand haben.

Manche sagen: "Ich ergebe mich trotz der Gefahren dem Willen Gottes. Wenn es Gott gefällt, wird er mich beschützen". Aber hatte der Sohn Gottes nicht die Mittel, sich vor Herodes zu retten? Er hätte schon damals zu seiner Verteidigung mehr als zwölf Legionen von Engeln erbitten können, wenn Er gewollt hätte, aber er nutzt stattdessen natürliche Mittel: getragen vom alten Josef und seiner Mutter, flieht er wie der letzte der Menschensöhne nach Ägypten, und rettet sich Selbst auf diese Art und Weise.

Und so sollten auch wir handeln. Wir sollten die uns zur Verfügung stehenden natürlichen Mittel nutzen und nicht den Herrn versuchen, indem wir Wunder und Zeichen zu unserer Verteidigung erwarten, die aber nur bei absoluter Notwendigkeit erbeten werden sollten.

Außerdem, wenn wir auf das göttliche Kind schauen, dass sich durch die Flucht nach Ägypten rettet, und an die Schwierigkeiten denken, die diese Reise mit sich gebracht hat für Ihn, Seine Mutter und den rechtschaffenen Joseph, sollten wir den Geist des Mutes und der Geduld in uns aufnehmen. Wir müssen uns den Gedanken verbieten, der uns vereinnahmt: "Warum sollten wir uns plagen und betrüben lassen, wenn es nicht in unserer Natur liegt"? Wir sollten wissen, dass jeder, der für den Herrn arbeiten und Ihm dienen will, nach den Worten des weisen Sirach seine Seele auf die Versuchung vorbereiten muss (vgl. Sir 2, 1).

Der wahre Christ ist Soldat und Asket, der für seine Mühen und Taten Frieden und Belohnung erwarten kann, von denen der Apostel Paulus sprach: “was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist.” (1 Kor 2, 9) Aber wo erwartet es uns? Nicht hier auf Erden, sondern dort im Himmel. Hier aber gilt: Der Gerechte wird viel Trübsal haben (Ps 33, 20) und durch eure Geduld werdet ihr eure Seelen retten (Lk 21, 19), sagt der Herr.

In Anbetracht dessen sollten auch wir mit Geduld unser asketisches Tun betreffs unserer Rettung vollbringen, indem wir auf den Urheber und Vollender des Glaubens, auf den Herrn Jesus schauen, der anstelle der Herrlichkeit, die vor ihm lag, die Flucht nach Ägypten ertrug, ohne sich um die Demütigung zu kümmern, und der auf die gleiche Weise alle Arten der Demütigung und des Leidens durchschritten hat und sich dann zur Rechten des Throns der Majestät im Himmel setzte (vgl. Hebr 12, 1-2). Ihm sei die Herrlichkeit jetzt und alle Zeit und in alle Ewigkeit. Amen.

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