Über die Hl. Dreiheit

22. June 2024

Hl. Nikolaj Velimirovic

Es gibt kein einziges Dogma im Christentum, das nicht eine praktische Bedeutung und Anwendung im Leben hätte. Ohne das Dogma der Dreieinigkeit der Heiligen Dreiheit sind alle menschlichen Theorien auf dem Gebiet der Psychologie, Pädagogik und Soziologie fehlerhaft. Christus hat alle diese Wissenschaften mit dem Dogma der Dreieinigkeit erneuert.

Sowohl der Himmel als auch die Erde bezeugen die Dreieinigkeit Gottes, wie der Evangelist Johannes der Theologe bekräftigte. Im Himmel: Vater, Sohn und Heiliger Geist - ein Gott; auf Erden, in der menschlichen Seele: Verstand, Herz und Wille - ein Mensch. Diese drei Kräfte oder Fähigkeiten der Seele enthalten das Wesen der menschlichen Seele - die Kraft des Denkens, die Kraft des Fühlens und die Kraft des Handelns. Wenn alle diese drei Kräfte gleichmäßig und harmonisch entwickelt sind, dann ist die menschliche Seele eine Dreiheit in der Einheit, wie der dreieine Gott im Himmel. In diesem Fall ist der Mensch wirklich das Ebenbild Gottes, ein lebendiges mikroskopisches Bild Gottes auf Erden. Und in einem solchen Menschen wohnen Frieden, Kraft und Freude.

Wenn aber eine der Seelenkräfte im Missverhältnis zu den beiden anderen entwickelt ist, dann ist die Seele zwar dreigeteilt, aber nicht vereint, sondern eben in Teile gespalten, disharmonisch, hat keinen Frieden, keine Kraft und keine Freude. Sie sucht etwas, aber sie weiß nicht, was sie sucht. In Wirklichkeit sucht sie sich selbst, ihre Ganzheit, ihre Vollständigkeit. Deshalb sind die Seelen der ersten Art ganz und die der zweiten Art bruchstückhaft. Die ersten Seelen sind Bild und Gleichnis der dreieinigen Heiligen Dreiheit, und die zweiten Seelen sind Bild und Gleichnis der trinitarischen Gottheit ohne Einheit. Es ist die Dreigeteilte, aber nicht die Dreieine. Sie ist die Dreiheit, aber nicht die Heilige Dreieinigkeit. Es ist ein zerbrochener Spiegel, in dem der Heilige und Dreieinige Gott das Spiegelbild seines Antlitzes nicht sehen kann. Es ist Musik, aber keine Sinfonie, sondern Jazz.

In der Heiligen Dreieinigkeit ist alles heilig - der Heilige Vater, der Heilige Sohn und der Heilige Geist. Folglich muss auch in der trinitarischen menschlichen Seele alles heilig sein - heiliger Verstand, heiliges Herz und heiliger Wille. Daraus folgt, dass es in der menschlichen Gesellschaft eine heilige Liebe, eine heilige Ehe, eine heilige Familie, eine heilige Freundschaft und eine heilige Nation geben muss.

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