Unsere himmlischen Verwandten

19. Juni 2022

Ikone zum Fest Allerheiligen

Ikone zum Fest Allerheiligen

Diese Welt, in der wir leben, besitzt ein Ziel, einen Sinn und hat eine Vorbestimmung. Alle Ereignisse der Weltgeschichte, ob freudvoll oder unerträglich tragisch, sind auf ein Ziel gerichtet und dieses Ziel ist das Reich Gottes, bestehend aus allen Heiligen. Warum vergehen Jahrhunderte, warum entstehen mächtige Mächte, erstarken und vergehen mächtige Reiche, warum predigt die Kirche das Wort Gottes, warum gehen Verkünder der frohen Botschaft in ferne Länder, warum wurde das Universum überhaupt erschaffen, warum leuchten Sterne, warum entstehen Galaxien ? Mit einem Ziel – das Reich Gottes mit Heiligen zu bevölkern. Das Universum wurde geschaffen, um Heilige zu gebären; die Geschichte nimmt ihren Lauf, damit Heilige erscheinen. Das Leben auf der Erde existiert, die Sonne geht auf und der Regen fällt für diesen einen Zweck – damit die Heiligen Gottes erscheinen.

Das ist Gottes Plan für das Universum; Er wollte das ewige Leben, die Liebe und die Freude, die er selbst besitzt, mit den erschaffenen Wesen, den Engeln und Menschen, teilen. Was Er am Ende schaffen will, ist ein verherrlichtes und verklärtes Universum, in dem gerettete Menschen und Engel eine Familie bilden, deren Haupt Christus ist. All die Jahrhunderte der Kirchengeschichte sind vergangen, damit viele und viele Menschen aus allen Nationen durch Buße und Glauben in sein Haus eintreten und sich für immer dort niederlassen konnten.

Wir kennen und ehren die Namen von einigen; aber es gibt viel mehr Heilige bei Gott, als wir kennen und das ist insbesondere der Grund, warum die Kirche diesen Tag feiert, an dem sie alle anspricht: „Alle Heiligen, bittet Gott für uns!“

An diesem Tag erinnern wir uns besonders daran, dass wir eine große liebevolle Familie haben, unsere Väter und Brüder, Mütter und Schwestern, die vor uns den Weg der Erlösung gegangen sind und jetzt beim Herrn im Himmel sind. Wir sind niemals allein, vergessen, verlassen, viele Blicke voller Liebe, Fürsorge, tiefer Anteilnahme werden uns vom Himmel zugewandt, auch wenn wir es nicht spüren, und besonders in solchen Momenten.

Die Kirche glaubt, dass die Heiligen, die im Himmel ruhen, uns keineswegs vergessen, sondern sich nach dem Willen Gottes um uns kümmern. So wie in einer liebevollen Familie der Vater die älteren Kinder anweist, sich um die jüngeren zu kümmern, so sorgen sich im Himmel Engel und Heilige um uns, die wir auf der Erde unseren Weg vollenden.

Dieser Feiertag erinnert uns daran, dass die Kirche keine „öffentliche Organisation“ ist, sondern ein mystischer Leib, eine Gemeinschaft, die alle lebenden orthodoxen Christen mit denen vereint, die bereits im Himmel ruhen. Als Zugehörige der Kirche gehören wir zu dieser Versammlung, die sich durch alle Länder und Zeitalter erstreckt und deren Haupt Christus ist. Der Kirche angehören, mit Ehrfurcht unter die Gewölbe der Kirche eintreten, sich den heiligen Mysterien Christi nähern, bedeutet, dem Himmel anzugehören; die Kirche zu verlassen bedeutet, mit dem Himmel zu brechen.

Dort, im Himmel, mit dem Herrn und seinen Heiligen, gibt es keinen Hass, keine Konflikte, keine Spaltungen. Es gibt nur Liebe und wahre Brüderlichkeit, alle Sünden und Beleidigungen sind vergeben und alle Wunden sind geheilt. Die Heiligen erinnern uns an den Himmel, an jene Realität, die von der Gegenwart des Herrn erfüllt ist, in der sie in endloser Freude und Trost verweilen, an unser Zuhause, wo unsere Verwandten darauf warten, dass sie uns dort herzlich willkommen heißen können.

Heilige erinnern uns auch an die Hoffnung. Sie waren Menschen wie wir, aus demselben Fleisch und Blut. Sie lebten in Zeiten, die auch voller Hindernisse und Versuchungen waren, nicht weniger als unsere. Und sie gingen bis zum Ende, jetzt sind sie zu Hause beim Herrn. Das bedeutet, dass wir nicht den Mut verlieren sollten, denn auch wir werden sie zu gegebener Zeit erreichen und uns ihnen anschließen.

Und jetzt, während wir unseren irdischen Weg gehen, mit all seinen Fallen, Gruben und Hindernissen, mit all den wandernden Lichtern und falschen Zeichen, ist es sehr wichtig, dass sich nicht davon abbringen zu lassen, die Stadt der Heiligen, das himmlische Jerusalem, vor sich zu sehen, wohin wir gelangen wollen, und die wir mit der Hilfe Gottes und durch die Gebete aller Heiligen auch erreichen werden.

Sergej Chudejew

(14. Juni 2014)

Übersetzung aus dem Russischen, Quelle: pravoslavie.ru

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