Vom Fischfang und vom Entsetzen des Petrus (Lk 5, 1-11)

10. Oktober 2021

Metropolit Antonij von Surosch

Vom Fischfang und vom Entsetzen des Petrus

 

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Wenn wir das heutige Evangelium vom Fischfang und vom Entsetzen des Apostels Petrus hören, der plötzlich erfährt und verarbeitet, wer sich da mit ihm in dem leckgeschlagenen Boot befindet, dann empfinden oder, genauer gesagt, sollen wir Entsetzen darüber empfinden, mit welcher Leichtigkeit wir uns Gott nähern und das Zusammentreffen von Angesicht zu Angesicht mit Ihm erwarten.

Wir sollen uns Gott nähern und immer zu Ihm gehen, aber wir sollen dies mit zerknirschtem Geist, mit demütigem Herzen tun und uns dabei stets bewusst sein, dass wir keinerlei Anspruch auf dieses Treffen erheben können und wenn es geschieht, dann nur durch das grenzenlose, unbegreifliche Erbarmen Gottes. Aber gewöhnlich gehen wir nicht so zu Gott. Wir stellen uns zum Gebet auf und sofort erwarten wir tiefgehende religiöse Erlebnisse. Wir kommen in die Kirche und fordern von Gott, dass Er uns eine angemessene Gebetsverfassung schenkt. Wir leben in den Tag hinein und vergessen Seine Gegenwart, aber in jenen Augenblicken, wenn wir uns plötzlich an Seine Gegenwart erinnern, dann fordern wir förmlich von Gott, dass Er sofort auf unsere Bitte, unseren Ruf, unseren Wunsch antwortet.

Oft nähert sich Gott uns nicht, weil, wenn wir uns Ihm in einem solchen Geiste nähern, dann würde dieses Treffen mit Ihm für uns zum Gericht werden, vor dem wir nicht bestehen könnten. Er stünde vor uns und würde sagen: „Du hast Mich gerufen. Womit stehst du vor Mir?...“ Und wir würden sprachlos, zitternd und verurteilt zurückbleiben. Deshalb machen wir einen Fehler, wenn wir zu Gott beten, damit Er schneller wahrnehmbar auf unser Jammern oder einfach auf unseren Wunsch nach einem Treffen antwortet. Wir sollen Gott suchen, aber gleichzeitig geduldig jenen Moment erwarten, wenn Gott sich uns nähern will. Aber selbst dann, als wären wir reich an Geist, als wären wir fähig, dieses Treffen zu überstehen, wie es Petrus überstand, der, als er erkannte, Wer bei ihm ist, auf die Knie fiel und sagte: Geh weg von mir, Herr, ich bin ein sündiger Mensch!… Wir beten oft und bilden uns ein, dass wir uns schon im Himmelreich befinden, dass wir schon zur Familie Gottes gehören, dass wir schon unter jenen sind, die sich seiner Präsenz erfreuen können. Wie oft sollten wir uns darüber klarwerden, dass wir unser ganzes Leben lang dieses Reich verließen, dass in unserem Leben Gott nicht der Gebieter, noch der Herr oder der Gastgeber, nicht einmal der Freund ist, der jederzeit klopfen kann und Dank dessen, wir alles andere um uns vergessen können.

Wenn wir so vor der Tür stehen und klopfen, wenn wir bekennen würden, wie fremd uns noch alles ist, was das Himmelreich betrifft, dann hätten wir uns nicht bemüht, so wie wir es oft tun, irgendwelche tiefgehende religiöse Erlebnisse oder unmittelbare göttliche Offenbarungen Seiner Gegenwart und Seiner Einverleibung zu haben. Wir ständen sanft, leise, demütig, wissend, dass rechtmäßig unser Platz nicht dort ist, wo Er sich aufhält, aber auch wissend, dass Seine Liebe bis an die Grenzen der Erde, bis in die tiefsten Tiefen reicht.

Wir werden uns häufiger an diese wundervollen Worte des Petrus erinnern: Geh weg von mir, Herr, ich bin ein sündiger Mensch! Und wenn wir nun zum Gebet gehen, dann treten wir in diesem Geist hinzu, stehen still vor der Tür und klopfen mit zitternder Hand. Öffnet nicht etwa der Herr die Tür? Aber wenn Er nicht öffnet, dann wird es uns Freude genug sein, dass wir Ihn kennen, lieben, dass wir Ihm nachstreben und wir Ihm die Wahrheit unserer Liebe aufzeigen, die Wahrhaftigkeit unseres Glaubens, die Ehrlichkeit, die Güte der Bemühungen eines solchen Lebens, das es für uns möglich machen könnte, den Herrn von Angesicht zu Angesicht zu treffen und Seine freudige, und nicht die schmerzvolle Stimme zu hören.

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