Seit vielen Jahren führt Vater Andrej Lemeschonok Gesprächsabende mit Gemeindemitgliedern durch, bei denen er ihre Fragen beantwortet. Vor einigen Jahren erschienen die Fragen und Antworten in Buchform in russischer Sprache. Auf unserer neuen Webseite haben Sie nun Gelegenheit, einige dieser Fragen und Antworten auf deutsch zu lesen. Außerdem laden wir Sie ein sich daran zu beteiligen. Sie können uns Ihre Fragen gern per E-Mail schicken oder sie interessierende Themen aus den vorhandenen Rubriken auswählen. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!

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ANTWORTEN DER PRIESTER NACH THEMEN SORTIERT

Frage

Guten Tag, Väterchen. Ich befinde mich in einer sehr schwierigen Lebenssituation. Im Jahr 2014 begann ich ein intensiveres kirchliches Leben zu führen, beichtete und ging regelmäßig in die Kirche. Ich las viele Gebete, Psalmen usw. Aufgrund bitterer familiärer Umstände bin ich zum Glauben gekommen. Doch jetzt scheint es mir, obwohl ich versuche alles zu erfüllen, die Fastenzeiten einzuhalten usw., dass meine Leidenschaften zugenommen haben, und auch die Beziehung zu meinem Mann haben sich verschlechtert. Er ist genervt von meinem Kirchenbesuchen, solch eine fromme Frau braucht er nicht. Er will sich von mir scheiden lassen, trinkt und betrügt mich. Ich habe eine Menge Ikonen, er bat mich, sie aus dem Haus zu entfernen. Ich lese den Psalter, Gebete und verschiedene Akathistoshymnen, aber ich bete im Geheimen, damit er es nicht sieht. Viel Schlimmes hat sich in unsere Beziehung eingeschlichen. Was soll ich tun, ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Er schläft manchmal nicht zu Hause, und das tut mir weh. Ich habe aufgehört, mit ihm zu kommunizieren. Ich dachte, er würde mir sein Verhalten erklären, aber das tut er nicht. So leben wir jetzt. Er forderte mich auf, die Scheidung einzureichen, da sich zwischen uns Kirche und Ikonen gedrängt haben, wir zu verschieden sind usw. Ich bitte Sie sehr, mir zu sagen, was in meinem Fall angeraten wäre zu tun. Vielleicht bin ich selbst daran schuld, kann es aber nicht verstehen?

Antwort
Erstens: Gott verbindet die Menschen, Er trennt sie nicht. Und die Kirche tut alles, um gesunde Familien zu haben, in denen die Menschen einander lieben. Was in Ihrer Familie geschieht, ist nicht die Schuld Gottes. Vielleicht haben Sie es irgendwo übertrieben, vielleicht haben Sie Ihrem Mann nicht mehr genug Aufmerksamkeit, Geduld, irgendeine Art von Zärtlichkeit geschenkt. Aber wenn er fremdgeht, trinkt, dann trägt dieses Fremdgehen zur Zerstörung der Familie bei, es ist Verrat. Wenn Sie nun wollen, dass die Familie erhalten bleibt und sich etwas in ihr ändert, müssen Sie für Ihren Mann beten, den Herrn bitten, ihm die Augen zu öffnen, mit Ihnen in die Kirche zu gehen. Dann wird ein neues, gemeinsames Leben beginnen, das Sie nicht auf Sand, sondern auf den Felsen des Glaubens bauen werden. Es findet ein Kampf statt, um Sie, um Ihren Mann. Und hier ist es wichtig, dass es eine Veränderung gibt. Diese muss durch Ihren Glauben geschehen, durch Ihr inbrünstiges Gebet. Sie sollten versuchen, mit Ihrem Mann zu reden, ihm Ihre Position zu erklären, ihm zuzuhören, ihn zu verstehen. Schließlich sind wir alle Menschen, die an Sünden erkrankt sind. Die Formel der Liebe Christi lautet, die Schwächen des anderen zu tragen und zu ertragen. Versuchen Sie, Ihr Bestes zu tun, um Ihre Familie intakt zu halten. Bringen Sie in ihr Liebe, Vertrauen und Treue zum Vorschein.

Frage

Väterchen, Guten Tag. Sagen Sie mir, ich denke immer noch darüber nach, in ein Kloster zu gehen. Ich singe im Kirchenchor. Ich bin 26 Jahre alt und treffe mich mit einem Jungen. Aber ich fühle, dass das Familienleben nicht meins ist. Was soll ich tun? Ich danke Ihnen für Ihren Ratschlag.

Antwort
Wenn Sie davon überzeugt sind, dass es nicht das Ihre ist, dann sollten Sie ins Kloster gehen. Gehen Sie und schauen Sie nicht zurück! Schreiten Sie mit Christus voran. Und das wird Ihre beste Entscheidung sein, die Sie in Ihrem Leben treffen können.

Frage

Es wird geglaubt, dass Menschen, die an Ostern oder in der Lichten Woche sterben, nicht durch die Seelenprüfungen gehen und direkt in den Himmel kommen. Stimmt das?

Antwort
Ja, es gibt eine solche Tradition. Ich glaube, dass jeder Mensch mit der Frage geprüft wird: "Liebst du mich?" Dennoch gehen wir davon aus, dass der Tod kein Zufall ist: Zeit und Datum sind keine bloßen Zufälle. Wenn die Königspforte geöffnet wird, wenn Himmel und Erde den Sieg des Lebens über den Tod feiern, möchte man meinen, dass die Seele ins Paradies geht, egal was passiert. Aber an Ostern sterben in Minsk bis zu hundert Menschen. Und es ist unmöglich zu sagen, dass alle gemeinsam in den Himmel gekommen sind. Denn leider sterben auch diejenigen, die Gott in ihrem Leben nicht begegnet sind. Deshalb ist der Ostertag auch kein obligatorisches Ticket ins Paradies. Wenn aber ein gläubiger Mensch, ein Kirchgänger am Ostertag stirbt, ist das für seine Seele von großer Bedeutung. Und für die Angehörigen ist es ein Zeugnis, dass der Mensch Gott gefallen hat. Und wenn ein Mensch nicht an Ostern gestorben ist, aber trotzdem ein heiliges Leben geführt hat, ändert das etwas? Ich glaube nicht. Alle Tage Gottes sind heilig, und deshalb müssen wir, um in den Himmel zu kommen, uns einfach demütigen und Buße tun.

Frage

Guten Tag! Ich bin sehr verärgert darüber, dass meine Ehefrau viel Zeit mit dem Telefon verbringt, sich in sozialen Netzwerken aufhält, korrespondiert und liest. Ich kann meinen Unmut darüber nicht verbergen und schmolle, aber ich verstehe, dass es an mir liegt. Wie kann man damit kämpfen? Ich danke Ihnen.

Antwort
Vielleicht sollten Sie Ihrer Ehefrau mehr Aufmerksamkeit schenken, mehr Zeit mit ihr verbringen, öfter aufs Land fahren, damit sie im Zusammensein vergisst, dass es das Internet gibt, und sich daran erinnert, dass sie einen liebenden Ehemann hat, dass es die Gesprächsmöglichkeit mit ihrem Mann gibt, die viel wichtiger und interessanter ist als all die Nachrichten und der Klatsch aus dem Internet? Vielleicht sollte man ihr mehr Aufmerksamkeit und Liebe schenken.

Frage

Es passiert, dass jemand nicht viel gefastet, nicht besonders gebetet hat, aber an Ostern überkommt ihn eine große Freude … Wovon hängt also die Osterfreude ab?

Antwort
Das ist die Tiefe des inneren Lebens, die Tiefe des Herzens. Ja, manchmal befleißigt sich jemand, schränkt sich in etwas ein und doch empfängt er das Gewünschte nicht. Gott ist ein Herzenskenner, er weiß, was er dem Menschen geben soll. Es gibt diese unerwartete Freude, wenn ein Mensch nichts Besonderes getan hat, und er fragt sich dann: warum ist das passiert? Aber der Herr gibt einfach seine Liebe, berührt das Herz. Ein Zöllner kam in den Tempel... Hatte er alle Gebete gelesen? Hatte er gefastet? Hatte er das Gesetz erfüllt? Nein, das hatte er nicht. Aber er ging hinein, und seine Seele war bereit, die Gnade zu empfangen, denn er demütigte sich, er kniete vor Gott nieder, und der Herr hatte Erbarmen und tröstete die kranke, leidende Seele. Unser ganzes Leben liegt in den Händen Gottes. Und in welchem Umfang der Herr uns diese Freude schenkt, in welchem Maße er seine Liebe offenbart - all das liegt in Gottes Vorsehung, nicht an unseren Mühen. Sonst würden wir uns abmühen und sagen: "Komm, tröste uns! Warum sollte dieser da getröstet werden? Er hat sich doch viel weniger abgemüht..." Und wir würden anfangen, mit Gott zu streiten und zu hadern. Auf diese Weise würden wir nicht in das Reich Gottes gelangen. "Wie kann es sein, dass ich mein ganzes Leben lang mich in allem enthalten, und dieser Mann hat in Saus und Braus gelebt, war ein Räuber, und plötzlich ist er der Erste im Paradies!" Ist das gerecht? Nein, aber das ist Liebe!

Frage

Guten Tag. Mein Verlobter und ich haben uns beim Standesamt angemeldet, es wird nur die Eheschließung stattfinden. Eine Hochzeitsfeier ist nicht geplant. Im Februar sind seine Mutter und mein Onkel verstorben. Es werden genau 40 Tage bis zum Datum der Eheschließung vergehen. Seine Mutter hatte das Sorgerecht verloren, er hatte viele Jahre in einem Kinderheim gelebt. Ich mache mir deswegen Sorgen. Vielleicht soll ich das Datum der Eheschließung verschieben? Bitte raten Sie mir etwas!

Antwort
Auf keinen Fall verschieben Sie es nicht. Menschen sterben, Menschen werden geboren, Menschen heiraten und Ehen werden gekrönt. Das alles ist der natürliche Lauf unseres menschlichen Lebens, und daran gibt es nichts zu ändern. Danken Sie Gott, dass Sie einen Verlobten haben, dass Sie eine Familie gründen werden. Möge Gott es schenken, dass es in dieser Familie Liebe geben wird. Aber dafür brauchen wir Gottes Hilfe und dazu müsstet ihr in der Kirche das Sakrament der Ehekrönung empfangen, das würde ich mir sehr für Euch wünschen.

Frage

Wie können wir die Angst vor der Freude verlieren und warum fällt es uns überhaupt so schwer, uns zu freuen?

Antwort
Wir wissen, dass die Freude nicht von Dauer sein wird, deshalb haben wir Angst. Nach der Freude ist es schwierig, wieder auf die sündige Erde zu sinken, zu leiden. Veränderungen in unserem Leben sind unvermeidlich und für jeden von uns sehr schmerzhaft. Deshalb schenkt der Herr Freude, eine besondere Gnade jenen Menschen, die sich nicht entmutigen lassen, sondern die Sorgen und Prüfungen ertragen können, die nach einem Moment der gesegneten Freude besonders schwer zu ertragen sind.

Frage

Kinder machen Lärm in der Kirche ... Was sollen wir tun?

Antwort
Ich denke, man muss öfter zur Kommunion gehen und auch selbst die Heiligen Mysterien empfangen. Ich erinnere mich daran, wie ich meine Kinder fast jeden Tag in die Kirche getragen habe. Die Kinder schrien, waren launisch, aber ich wollte selbst am Kelch teilhaben und meine Kinder mitnehmen. Es ist sehr wichtig für ihre weitere Entwicklung, für die Heranbildung eines Christen, für die Einführung der Familie ins kirchliche Leben. Natürlich gibt es hier Unannehmlichkeiten, man muss manchmal hinausgehen, um die Kinder zu beruhigen, wenn sie launisch sind oder Lärm machen. Aber ich würde keinen Rückzieher machen. Vielleicht sollten Sie nicht zum Beginn des Gottesdienstes kommen, aber zumindest zum eucharistischen Kanon ... Ich denke, dass Sie in diesem Kampf die richtige Position finden werden, sodass alles ohne große Verluste ablaufen kann. Der Herr sieht, dass Sie aus der Kirche gehen, nicht um zu plaudern, sondern um die Kinder zu beruhigen. Er ist barmherzig und wird Ihre Heilige Kommunion segnen. Kämpfen Sie also, um gemeinsam des Ewigen Lebens teilhaftig zu werden.

Frage

Segnen Sie, Väterchen. In vielen Publikationen wird geschrieben, dass man sich beim Beten nicht den Herrn, die Mutter Gottes oder die Heiligen vorstellen soll. Aber nirgendwo habe ich eine Beschreibung dessen gefunden, was in unseren Köpfen sein sollte, wenn wir im Gebet stehen. Wir sollten irgendwie verstehen, dass unsere Worte nicht in die Bodenlosigkeit des Universums fallen, sondern speziell an den Herrn gerichtet sind. Wie können wir genau das erfassen, was richtig sein wird? Schließlich ist das Gebet ein Gespräch mit Gott, aber wenn wir z.B. gedanklich einen Dialog mit einem Kollegen, der Mutter, dem Ehemann aufbauen, stellen wir sie uns immer noch in unserem Bewusstsein vor und erschaffen damit Bilder. Vergelt´s Gott.

Antwort
Anetschka, wir lassen keine Phantasie in unserem Gebet zu. Wir sind sinnliche, leidenschaftliche Menschen, und es gibt Regeln, die uns von den heiligen Vätern gegeben wurden. Diese Regeln helfen uns, die richtige Beziehung zu Gott aufzubauen. Wir können uns in der Tat keine Leere vorstellen. Wir wissen, dass wir vor Gott stehen, in der Gegenwart desjenigen, der uns ganz durchschaut. Im Gebet versuchen wir, uns auf die Worte zu konzentrieren, die wir aussprechen. Aber der Verstand muss blind sein. Das ist der Unterschied zwischen Orthodoxie und Katholizismus - die Katholiken stellen sich einige Bilder vor, es gibt sogar eine Meditation des katholischen Heiligen Ignatius von Loyola, in der er einige Bilder anbietet, die scheinbar fromm sind... Aber das ist Einbildung. Wir stehen vor dem unsichtbaren Gott und versuchen, mit ihm allein zu sein, alle irdischen Sorgen beiseite zu legen. Geist und Herz vereinen sich, um diese Einheit in uns selbst wiederherzustellen, die durch die Sünde zerrissen ist. Und dann gibt es noch die Ikonen. Aber die Ikone ist nicht dazu da, dass wir genau hinschauen, wie sie uns anschaut - lächelnd oder bedrohlich. Die Ikone ist wie ein Fenster in die geistige Welt. Von der Ikone aus wenden wir uns an das ursprüngliche Bild, das heißt an den Heiligen, an die Mutter Gottes, an den Herrn selbst. Eine Ikone ist etwas, das von der Heiligen Kirche gesegnet ist. Sie ist nach den Regeln des Kanons gemalt, sie ist kein Hirngespinst des Künstlers, sondern ein heiliges Bild, das die Kirche uns anbietet, damit wir durch sie mit Gott kommunizieren. So wie es Fotos von uns nahestehenden Menschen gibt - wir schauen das Foto an und erinnern uns an die Person, sprechen sie gedanklich an - so ist es auch mit der Ikone. Ich denke, wenn man betet, wenn man sich geistig anstrengt, wird sich alles fügen. Die Hauptsache ist, dass man keine emotionalen Ausbrüche, keine sinnlichen, ekstatischen Erfahrungen macht. Hier braucht man Nüchternheit, Gelassenheit, ein friedliches Herz und natürlich Aufmerksamkeit. Gott helfe Ihnen!

Frage

Guten Tag, Väterchen! Ich habe eine Frage. Mein Mann und ich haben geheiratet, aber ich kann nicht sagen, dass ich ihn sehr geliebt habe. Es fällt mir schwer, meine Gefühle zu verstehen, aber wir wurden gesegnet, und ich glaubte, dass es Gottes Wille war, obwohl ich mir innerlich nie ganz sicher war. Und jetzt habe ich das Gefühl, dass ich einen anderen Mann liebe, für den ich schon früher Gefühle hatte. In der Ehe mit meinem Mann leben wir in einem ständigen Konflikt. Ich habe das Gefühl, dass wir beide einen großen Fehler gemacht haben. Bitte sagen Sie mir, was ich tun soll!

Antwort
Das erste, was Sie tun sollten, ist zur Beichte zu gehen und Ihren Mangel an Geduld, Demut und Gehorsam gegenüber Ihrem Ehemann zu bereuen. Und denken Sie nicht mehr daran, wer vor Ihrem Mann da war, an diese Beziehung und idealisieren Sie sie nicht ... Gott hat Sie gesegnet. Sie müssen verstehen, dass gerade jetzt ein Kampf stattfindet. Wenn Sie Gottes Segen empfangen, um eine orthodoxe Familie zu gründen, beginnt der Teufel dagegen zu kämpfen und versucht auf jede mögliche Weise, diesen Segen Gottes zu zerstören. Jetzt ist es notwendig, Gottes Hilfe zu suchen, und Sie werden sie bekommen, wenn Sie zur Kommunion gehen und beichten. Und Sie sollten sich trotzdem verantwortlich fühlen - Sie haben Ihrem Mann vor Gott Treue gelobt! Es ist traurig, wenn es gebrochen wird und die Ehe zerstört wird. Das ist eine Tragödie. Wenn Sie glauben, dass nichts zufällig geschieht und dass Gott Sie und Ihren Mann miteinander verbunden hat, dann sollten Sie versuchen, alles zu tun, um zu verhindern, dass die Sünde Sie trennt. Das würde ich an Ihrer Stelle tun. Es gibt verschiedene Phasen im Leben, die sehr hart sein können, aber es gibt das Sprichwort: "Geduld bringt Rosen". Vielleicht müssen Sie wirklich geduldig sein, beten und sich stärken lassen.

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