Seit vielen Jahren führt Vater Andrej Lemeschonok Gesprächsabende mit Gemeindemitgliedern durch, bei denen er ihre Fragen beantwortet. Vor einigen Jahren erschienen die Fragen und Antworten in Buchform in russischer Sprache. Auf unserer neuen Webseite haben Sie nun Gelegenheit, einige dieser Fragen und Antworten auf deutsch zu lesen. Außerdem laden wir Sie ein sich daran zu beteiligen. Sie können uns Ihre Fragen gern per E-Mail schicken oder sie interessierende Themen aus den vorhandenen Rubriken auswählen. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!

Stellen Sie dem Priester Ihre Frage

ANTWORTEN DER PRIESTER NACH THEMEN SORTIERT

Frage

Väterchen, mein Sohn wird in der Ukraine vermisst. Bitte sagen Sie mir, wie ich für ihn beten soll und für die Jungs, die mit ihm vermisst werden, zu wem? Ich bete zu allen, aber ich glaube nicht, dass mich jemand auf diese Weise erhören wird. Helfen Sie mir, bitte, geben Sie mir einen Rat!

Antwort
Beten Sie zur Mutter Gottes. Lesen Sie den Akafist "Wiederauffindung der Verlorenen". Und glauben Sie daran, dass die Mutter Gottes Ihnen helfen wird, Ihren Sohn zu finden. Gehen Sie zur Kommunion, beichten Sie. Lassen Sie sich nicht entmutigen, verzweifeln Sie nicht, sondern beten Sie mit Glauben.

Frage

Guten Tag, Väterchen! Bitte sagen Sie mir, ob ich für meinen muslimischen Großvater zu Hause den Akafist für einen allein Verstorbenen lesen kann?

Antwort
Ich denke nicht, dass man den Akafist für einen allein Verstorbenen beten sollte. Lesen Sie stattdessen den Psalter.

Frage

Könnte man zum Gottesdienst auch nicht nüchtern kommen, wenn man an diesem Tag nicht zur Kommunion gehen wird?

Antwort
Natürlich kann man. Warum wurde früher gesagt, dass man nüchtern sein muss? Weil man nach dem Gottesdienst eine Prosphore, das Antidoron, aß und Weihwasser trank. Aber die Lebensumstände können verschieden sein: zum Beispiel kann jemand zu Haus frühstücken, weil er nach dem Gottesdienst sofort zur Arbeit gehen muss.

Frage

In vielen Ausgaben wird geschrieben, dass man sich beim Beten weder den Herrn, noch die Gottesmutter oder die Heiligen durch die Fantasie vorstellen darf. Aber ich habe nirgendwo eine Beschreibung gefunden, was im Kopf sein sollte, wenn wir beim Gebet stehen. Wir sollten irgendwie verstehen, dass unsere Gebete nicht in die Leere des Universums gehen, sondern konkret an den Herrn gerichtet sind. Wie fängt man es am besten an, damit es richtig wird? Denn das Gebet ist ein Gespräch mit Gott, aber, wenn wir zum Beispiel einen Dialog mit dem Kollegen, mit der Mutter, dem Ehemann aufbauen, dann nehmen wir sie in unserem Bewusstsein wahr und erstellen in Gedanken Bilder.

Antwort
Wir sollten unsere Vorstellungskraft, unsere Fantasie nicht in unser Gebet einschalten. Wir sind Menschen, die Gefühle besitzen und Leidenschaft, die sehr empfänglich für Eindrücke sind und emotional reagieren. Es gibt die Regel, die uns von den Heiligen Vätern gegeben wurde und diese Regel hilft dem Menschen, auf rechte Art und Weise seine Beziehung zu Gott aufzubauen. Selbstverständlich können wir uns keine Leere vorstellen. Wir wissen, dass wir vor Gott stehen, in der Gegenwart dessen, der uns durchschaut. Im Gebet versuchen wir uns auf jene Worte zu konzentrieren, die wir aussprechen. Aber der Verstand sollte von Vorstellungen frei sein, und diese Worte verwandeln wir nicht in Bilder, die wir mit irdischen Farben ausmalen. Darin besteht der Unterschied zum Katholizismus. Die Katholiken stellen sich irgendwelche Bilder und fromme Gemälde vor, und es gibt die Meditation des Ignatius von Loyola, eines katholischen Heiligen, wo er vorschlägt, seine ganze Aufmerksamkeit auf diese Bilder zu lenken. Aber da ist schon Einbildung und Gefühlswelt. Wir stehen vor dem unsichtbaren Gott und versuchen allein mit Ihm zu bleiben, jede irdische Geschäftigkeit und jegliche Einbildung, und sei sie noch so fromm, abzulegen. Verstand und Herz vereinen, damit während des Gebetes diese Einheit im Innern neu erschaffen wird, die durch die Sünde zerrissen wurde und von der zeitlichen, sinnlichen Welt entfremdet wird. Und dann gibt es ja auch noch Ikonen. Aber die Ikone ist nicht dazu da, damit wir sie beäugen, wie sie uns ansieht, mit einem Lächeln oder finster und vorwurfsvoll. Die Ikone ist ein Fensterchen in die geistliche Welt. Vom Abbild wenden wir uns dem Urbild zu, das heißt von der Ikone wenden wir uns dem Heiligen, der Gottesmutter, dem Herr selbst zu. Die Ikone ist durch die heilige Kirche gesegnet, sie wird gemäß den Kanones der Kirche geschrieben, das ist nicht die Frucht der Fantasie eines Künstlers, sondern heilige Überlieferung, die von der Kirche bewahrt und uns vorgestellt wird, damit wir durch sie mit Gott und den Heiligen Umgang haben. Das ist wie bei Fotografien von Angehörigen. Wir schauen sie an und erinnern uns an den Menschen, wir wenden uns dem geliebten Menschen zu, aber nicht dem Foto selbst. So ist es auch mit der Ikone. Aber noch einmal: man muss beherrscht sein, einen sinnlichen, emotionalen Drang muss man immer zurückhalten. Man muss sich seiner Sündhaftigkeit bewusst werden, und der Größe Gottes und Seiner unbegreiflichen Liebe. Ich denke, wenn Sie beten werden, wenn Sie geistliche Anstrengungen unternehmen, dann wird alles passen. Das ist wichtig, damit es keine emotionalen Ausbrüche oder sinnliche, schwärmerische Erlebnisse gibt, damit alles einfach und verständlich bleibt. Und dann gibt es keine ausgeklügelten Fragen und philosophischen Irrwege. Gott wird in der Nähe sein, und die Seele wird damit leben. Hier benötigt man Nüchternheit, Ruhe, ein friedliches Herz, und natürlich Aufmerksamkeit.

Frage

Meine Freundin hat drei Kinder zwischen 1 und 6 Jahren. Jetzt sind sie krank (über 40°C Temperatur). An jedem Wochenende haben die Eltern sie zur Kommunion gebracht. Meine Freundin sagte immer: wenn man die Kinder zur Kommunion bringt, dann werden sie nicht krank. Nun kann sie sowas nicht mehr sagen. Sie ist verwirrt, warum passiert sowas?

Antwort
Eine Versuchung! Aber wer hat gesagt, dass, wenn man kommuniziert, man nicht mehr erkrankt. Das ist eine Verfälschung, das nennt sich schon „orthodoxer Materialismus“. Wir bringen die Kinder nicht deshalb zur Kommunion, damit sie nicht krank werden oder sie gutes Geld verdienen, wenn sie heranwachsen; sondern dafür, dass sie Menschen werden. Kommunion: das ist der Weg nach Golgatha. Da gibt es so ein Moment: Der Mensch, der in die Kirche kommt, erwartet, dass Gott jetzt alles nach seinem Wunsch und Willen einrichtet. Aber dies schließt das Vertrauen zu Gott auch ein, das der Mensch nicht aus Eigennutz in die Kirche kommen soll. Das Mysterium wird nicht dafür vollzogen, dass der Mensch seine Gesundheit verbessert, obwohl sich die Gesundheit tatsächlich verbessert. Wenn ich nicht kommunizieren würde, dann hätte ich nicht die körperlichen Kräfte, um weiterzuleben. Das ist so. Aber der Sinn des geistlichen Lebens besteht in etwas ganz anderem. Warum ist der Weg, der ins Himmelreich führt, so eng? Wenn der Mensch seine Sünde rechtfertigt, dann schmerzt seine Seele nicht. Aber wenn du siehst, dass deine Gedanken und Gefühle von der Sünde verseucht sind, und man muss sich ständig kontrollieren, ständig für seine Reinheit, seine Nüchternheit kämpfen muss, dann ist das eine große Anstrengung. Der Herr sagt: Wachet (Mk 13,35). Natürlich, wenn der Mensch die Gnade Gottes empfangen hat, die Seele jubelt, fühlt er sich in die Ewigkeit versetzt, fühlt er die Ganzheit dieser Welt und seine eigene Ganzheit, - danach ist es sehr schwer weiterzuleben, denn plötzlich zack und das war´s, und Leere, und dieser Zustand ist verloren! Aber man bleibt in der Kirche, man bleibt nur gläubig, wenn man diese Zeit der Leere überlebt und nicht in Zweifel verfällt, den Kopf hängen lässt. Ihre Freundin soll ruhig zur Kommunion gehen. Ich würde raten, so oft wie möglich die Kinder zur Kommunion zu bringen, gerade jetzt in dem Alter bis zu 6 Jahren, denn wenn sie zwischen 15 und 20 Jahre alt sind, dann gehen sie womöglich nicht mehr in die Kirche. Aber dass sie sie zur Kommunion gebracht hat, das ist sehr gut. Die Kommunion wird auf jeden Fall in ihrem Leben wirken, der Leib und das Blut Christi bleiben im Menschen. Aber man könnte auch sagen: „Wissen Sie, dort in der Kirche haben sie sich angesteckt!“ In diesem Zusammenhang erinnere ich mich, wie sich die Ärzte der Tuberkulosestation gewundert haben: „Wie können sie alle mit einem Löffelchen kommunizieren? Wie geht es dem Priester danach? Wird er nicht krank…“ Das ist das Blut Christi, es reinigt uns. Also sollten Sie Ihre Freundin aufmuntern.

Frage

Diese Frage gab es in unserer Familie: mein Sohn möchte nicht zur Armee. Ich weiß nicht, was ich tun soll, es ist peinlich, dass ich meinen Sohn so erzogen habe. Ich finde keine Worte, mit denen ich Gott bitten könnte, um ihn vor der Armee zu beschützen. Raten Sie mir, bitte, was ich tun kann!

Antwort
Sehen Sie, die Weltanschauung eines Menschen verändert sich durch seine Umgebung, durch seine Persönlichkeit und viel hängt von den Umständen und den Leuten ab, die ihn umgeben. Was sollte man in ihrem Fall tun? Für den Sohn muss man beten und mit ihm sprechen. Man muss erfahren, warum er nicht zur Armee gehen will, welche Gründe er dafür hat. Man muss ihn verstehen, man muss ihn so verstehen, wie er jetzt ist und irgendwie Berührungspunkte finden. Dann, so denke ich, werden sie ihn verstehen, und er wird auf Ihr Wort hören. Hier muss man sich nicht schämen, sich nicht verstecken, hier braucht es den offenen Dialog, und ich denke, auf diesem Weg kann man sich annähern und aufeinander hören. Von mir selbst kann ich berichten, dass ich auch zu einer gewissen Zeit, als ich noch nicht getauft, noch ungläubig war, von Tolstoj begeistert war, nicht zur Armee gehen wollte und auch nicht ging. Für die Leute in meiner näheren Umgebung war es, als ob ich verrückt wäre. Keiner der Älteren versuchte mich zu verstehen und mir zu zuhören. Das hat natürlich Protest in mir hervorgerufen. Und jetzt, nachdem ich zum Glauben gefunden habe, hat sich meine Weltanschauung verändert und die Einstellung zum Armeedienst und überhaupt zu den eigenen Pflichten, zur Verantwortung für das, was auf deiner Erde und um dich herum vor sich geht. Ihr Sohn ist noch jung, und ihre Aufgabe ist es, ihm zu helfen, seine Persönlichkeit herauszubilden, damit eine richtige Lebensgrundlage geschaffen wird, jenes Glaubensfundament, ohne das es im Leben viele Zerstörungen geben wird. Aber weil wir Christen sind, bitten wir, dass der Herr unsere Kinder zur Vernunft bringt und auf einen Gott wohlgefälligen Weg führt.

Frage

„Was besser ist, selten oder oft an den Hl. Geheimnissen teilzunehmen, ist schwer zu sagen. Zacchäus nahm mit Freude den lieben Gast, den Herrn, in sein Haus auf und er verhielt sich korrekt. Aber der Hauptmann, der seine Unwürdigkeit bekannte, beschloss aus Demut ihn nicht aufzunehmen und verhielt sich auch korrekt. Obwohl ihre Handlungen entgegengesetzt sind, sind ihre Beweggründe doch gleich. Und sie erschienen vor Gott gleich würdig.“ Das schrieb der Hl. Nikon von Optina.*

Antwort
Ich sage Ihnen folgendes: durch meine Schwachheit bin ich derzeit nicht in der Lage, mich auf dieses Geheimnis vorzubereiten. Je öfter ich kommuniziere, desto genauer sehe ich, dass ich nicht bereit und niemals bereit sein werde. Aber ich verstehe, dass Gott mich nicht wegstößt, sondern annimmt. Und ich muss die Göttliche Liturgie feiern, ich brauche die Kräfte, besonders heute, um mit ihnen zu sprechen. Wenn ich kommuniziere, sehe ich, dass physische und innere Kräfte erscheinen, um irgendein Wort zu sagen. Ohne Kommunion zu sein, wäre der Tod… Wir leben in solch einer Zeit, in der der Mensch sich selbst nicht anzutreiben vermag. Als der Heilige Nikon von Optina lebte, war die Zeit eine andere. Selbst vor der Revolution war die Zeit nicht so wie jetzt. Heute sind die Leute schwach. In der Welt gibt es so viele Reize. Aber wenn wir darüber beschließen, ob wir bereit oder nicht bereit zur Kommunion sind, dann werden wir jeden Tag tiefer und tiefer fallen. Gibt es die Möglichkeit zu kommunizieren, dann kommuniziere. Der Herr wird niemand fernhalten. Du musst nur verinnerlichen, dass du der größte aller Sünder bist, und dass du an keinem Ärger festhältst. Das ist sehr wichtig.
* Hl. Nikon (mit weltlichem Namen: Nikolaj Mitrofanowitsch Beljajew, 1888 – 1931), Starez der Optina Pustyn, Bekenner des orthodoxen Glaubens

Frage

Wie erwirbt man Urteilsvermögen?

Antwort
Das Urteilsvermögen ist eine sehr große und wichtige Tugend, denn ein Mensch kann etwas tun und gute Wünsche haben, aber es wird nicht durchführbar oder zeitgerecht sein. Es ist sehr wichtig, ein gutes Urteilsvermögen zu haben. Erst wägen, dann wagen. Um umsichtig zu werden, müssen wir vor allem aufmerksam sein. Wir müssen sehr aufmerksam und nicht hektisch sein, nicht in Eile verfallen. Wir dürfen uns nicht von den kleinen Dingen, die in unserem Leben passieren, ablenken lassen, sondern müssen an die großen, wirklich wichtigen Dinge denken. Wir sollten immer durch das Gebet mit Gott in Verbindung bleiben. Wir müssen immer wieder innehalten und den Weg, den wir gehen, betrachten und den Willen Gottes suchen. Wir dürfen niemanden verurteilen, wir dürfen nicht verzagen in unseren Prüfungen. Sie sollten Gott suchen und in Gott Unterstützung finden. Wenn es das Ziel eines Menschen ist, den Willen Gottes zu erfüllen, wenn ein Mensch auf sich selbst und auf das, was um ihn herum geschieht, achtet, wenn er sich diesbezüglich bemüht, wird er bewusster, achtsamer leben, wird er tiefer verstehen und genauer sehen, was um ihn herum vor sich geht. Lernen Sie verstehen, was in Ihrem Herzen geschieht. Wenn die Zeit knapp ist, lesen Sie das Wesentlichste, was Ihnen besonders nahe geht. Sie müssen Zeit und Energie für die geistliche Durchdringung und Erleuchtung aufbringen. Versuchen Sie, trotz Ihres vollen Terminkalenders jeden Tag eine Gelegenheit zu finden, mit Gott allein zu sein. Ich denke, es wird sich später als nützlich erweisen und Ihnen bei den Prüfungen helfen, die in Ihrem Leben sicher auf Sie zukommen werden.

Frage

Was sagen Sie bezüglich der Heilung von Besessenen durch die tägliche Kommunion und Fasten?

Antwort
Wenn das so einfach wäre: kommuniziere täglich und du wirst gesund …Die Kommunion ist eine Gabe Gottes, aber es sollte immer auch eine Antwort des Menschen geben, sein Wunsch, seine Anstrengung. Natürlich schenkt die Kommunion dem Menschen Kraft, mit dem Leiden, mit der geistlichen Krankheit zu kämpfen, aber um kämpfen zu können, bedarf es auch noch einem persönlichen Streben. Man darf sich der Kommunion gegenüber nicht so konsumentenhaft verhalten. Diese Gottesgabe fordert vom Menschen eine ständige Kontrolle über sich, eine ständige aufrichtige Selbstaufgabe. Kommunion und Fasten ist die erste Grundlage im Kampf gegen die Sünde. Und wenn der Mensch die Anstrengung erfüllt, um zu fasten und zu kommunizieren, dann wird die Gnade Gottes auf jeden Fall siegen. Es reicht nicht, den kranken Menschen an der Hand zum Kelch zu führen. Es gibt keine automatische Wirkung. Er muss für sich selbst festlegen: „Möchte ich mit Christus leben, möchte ich ihn in mir tragen? Ich nahm Gott in mich auf, das bedeutet, wenn ich aus der Kirche komme, dann muss ich darum kämpfen, dass Er in meinem Herzen ist, um Ihn nicht auf den breiten Pfaden des menschlichen Lebens zu verlieren, in dem ich das Gedächtnis an Christus bewahre, im Gebet und in der Hoffnung…“

Frage

Raten Sie mir, bitte, wie ich eine Gebetsregel für mich zusammenstellen soll, was ich wann am besten lese. Ich lese ab und zu die Akafisti der Heiligen, die ich verehre und zu denen ich bete, die Abendgebete (nicht immer). Es kommt vor, das ich, ehrlich gesagt, keine Kraft habe nach der Arbeit. Wie soll man das machen? Wie den Psalter, das Evangelium lesen?

Antwort
Um das geistliche Maß seiner Gemeinschaft mit Gott im Gebet zu finden, muss man auf seine Lebensumstände schauen, die Bedingungen und die Möglichkeiten. Und man muss auch die Qualität seiner Gebete bedenken, denn man kann sehr viele lesen, aber eben herunterlesen, rein äußerlich, aber in die Seele dringt kein einziges Wort ein. Aber damit es ein achtsames Gebet, das fokussiert ist, wird, muss man sein Maß finden, dass für Sie am heutigen Tag machbar ist. Denn es hängt viel von Ihrer Tagesordnung, von den Belastungen, von der physischen Müdigkeit, von jenen Menschen, die mit Ihnen zusammen leben, ab. Es kommen auch solche beklemmenden Umstände vor, dass der Mensch inmitten ungläubiger Menschen lebt, dann ist es sehr schwer, äußerlich offen und frei zu beten. Ich hätte gern, dass wir kreativ an die Frage der Gebetsregel heran gehen. So, zum Beispiel, wenn die Seele auf Akafisti reagiert und sich für sie erwärmt, sie uns sehr gefallen, dann sollte man das ausnutzen und sie in seine Gebetsregel einschließen. Nach dem Gebet sollte der Mensch seine Verbindung zu Gott fühlen, und das Herz sollte sich erwärmen, auftauen aus dem sündhaften Permafrost und jene Kräfte erhalten, die wir für die Liebe benötigen. Deshalb, so scheint mir, sollte man die Regel ganz individuell auswählen, entsprechend der Situation. Es gibt Morgen- und Abendgebete, die von der Kirche deshalb gesammelt wurden, damit der Mensch seinen Tag mit dem Segen Gottes beginnt und beendet, damit er beim Herrn um Kräfte, Achtsamkeit und Geduld bittet, damit der Geist Gottes ihn nicht verlässt, sondern ihn zu jeder guten Tat ermahnt. All das wurde aus den Gebeten der Heiligen gesammelt, als ein goldenes kirchliches Erbe, das für unsere Rettung unerlässlich ist. Aber wir können zu Gott auch mit unseren eigenen Worten sprechen, und das ist auch wunderbar, wenn sie in unserem Herz geboren wurden. Es gibt eine bestimmte Begrenzung unserer Zeit und Kräfte. Verständlicherweise können wir nicht ununterbrochen beten, man muss sich auch erholen, arbeiten gehen, irgendwelche Verpflichtungen in dieser Welt erfüllen. Deshalb muss man jenes Minimum bestimmen, das Sie einhalten werden, und allmählich kann man ein wenig zu dieser Regel hinzufügen, sie modifizieren. Es wäre nicht schlecht, wenn Sie täglich das Evangelium, die Epistel, den Psalter lesen würden. Das Lesen der geistlichen Bücher ist auch Gebet, ein an Gott denken, und es hilft sehr in seinem geistlichen Wachstum. Also suchen und finden Sie, wählen Sie für sich das aus, was für Sie heute notwendig ist, worauf ihre Seele reagiert. Das Jesusgebet kann man zu jeder Zeit, an jedem Ort beten, und wenn man einige Minuten freie Zeit hat, kann an sich bemühen, sich zu konzentrieren und das Jesusgebet zu lesen. Für uns ist das Gedenken Gottes sehr wichtig, seine Gegenwart in unserem Leben. Durch den kreativen Zugang und im Bemühen können Sie für sich den Gebetsumfang festlegen, der für Sie heute für Ihr geistliches Leben und Ihre Entwicklung notwendig sind. Die Liebe Gottes ist unbegrenzt und der Kelch der Liebe Gottes ist unerschöpflich.

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