Seit vielen Jahren führt Vater Andrej Lemeschonok Gesprächsabende mit Gemeindemitgliedern durch, bei denen er ihre Fragen beantwortet. Vor einigen Jahren erschienen die Fragen und Antworten in Buchform in russischer Sprache. Auf unserer neuen Webseite haben Sie nun Gelegenheit, einige dieser Fragen und Antworten auf deutsch zu lesen. Außerdem laden wir Sie ein sich daran zu beteiligen. Sie können uns Ihre Fragen gern per E-Mail schicken oder sie interessierende Themen aus den vorhandenen Rubriken auswählen. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!

Stellen Sie dem Priester Ihre Frage

ANTWORTEN DER PRIESTER NACH THEMEN SORTIERT

Frage

Im Gebet des Hl. Basilius des Großen* zur Vorbereitung auf die Kommunion lesen wir „ wenn ich unwürdig teilnehme“. Aber was heißt würdig? Und was ist dafür notwendig?

Antwort
Mir scheint, würdig kommunizieren bedeutet, sich selbst für unwürdig erachten. Je mehr der Mensch seine Unwürdigkeit fühlt, desto näher ist er Gott. Würdig kommunizieren können wir nicht, denn das ist eine Gabe Gottes. Wir haben sie nicht verdient, und die ganze Menschheit hat sie nicht verdient. Nur die Gottesmutter konnte diese Liebe annehmen und erfassen. Wir alle können am Leib und Blut Christi nicht würdig teilhaben. Also muss man sich versöhnen und sagen: „Dem Demütigen wird die Gnade geschenkt. Ich bin unwürdig, aber ohne Dich, Herr, kann ich nicht leben!“ – dies kann und muss sich jeder getrauen. Einige beklagen sich: „Ich kommunizieren, aber mein Leben wird immer schlimmer. Ich nehme an den Hl. Geheimnissen teil, aber die Prüfungen, Versuchungen werden immer mehr“. Auf diese Weise kann man dazu gelangen, dass man generell Waffenstillstand mit dem Teufel schließt bis zum Ende der Erdentage und sagt: „Ich werde mich nicht mehr an Gott wenden, ich werde dich nicht antasten, und du sollst mich auch nicht antasten und lass mich in Ruhe leben.“ Und der Teufel wird euch ein ruhiges Leben ermöglichen, aber unter einer Bedingung: Lebt, aber wisst, dass ihr danach mein sein werdet.“
* Der Hl. Basilius der Große (um 330 - 379), Erzbischof von Caesarea und Kappadokien, einer der bedeutendsten Heiligen Väter und Lehrer der Kirche.

Frage

Sagen Sie, welche Gebete kann man für die Rettung Russlands und für das russische Volk lesen?

Antwort
Der heilige Seraphim von Sarow sagte: „Bewahre in Dir Friede, und Du wirst tausende um dich herum retten.“ Man muss auf christliche Weise leben. Es gibt sehr viele Bußgebete, in denen wir um Gottes Hilfe bitten. Aber es ist notwendig, dass das Gebet in unser Leben eintritt, damit wir nicht von irgendetwas träumen, selbst von der schönsten Regierungsform Russlands: politisch oder ökonomisch. Sondern uns erinnern, wie viel ein Mensch tun kann, der in der Liebe Gottes lebt, der das kirchliche Leben lebt, der für die betet, die bei ihm sind und für alle Menschen, die ihn umgeben, in seiner Stadt, seinem Land und überhaupt in der ganzen Welt, und nicht nur in Russland. Man darf das Werk der Rettung nicht auf einen bestimmten Fleck auf einer geographischen Karte einengen. Wir sprechen über den ganzen Adam, der fiel, von jedem Menschen, der umherirrt, ob in Afrika oder in der Antarktis, der sich quält und ohne Gott stirbt. Wenn Ihre Seele vom Heiligen Geist angerührt wird, dann wird sie beten, denn die Seele wird leiden und mitfühlen mit den Menschen, sie wird sich dadurch quälen, dass die Menschen nicht verstehen, sich gegenseitig nicht sehen, sich gegenseitig Schmerz zufügen. Und so wird Ihr Gebet zur Rettung sowohl für Russland als auch für Ihre Nächsten.

Frage

Stimmt es, dass es nach der Kommunion unzulässig ist, für einige Tage kniend zu beten?

Antwort

Die Kommunion ist wirklich ein Feiertag. Aber stellen Sie sich folgende Situation vor: da hat jemand kommuniziert, und der Herr schenkte ihm Reue. Derjenige kniet nieder und beginnt über seine Sünden zu weinen, aber ein anderer packt ihn am Schlafittchen: „Was machst Du da? Du hast gerade die Kommunion empfangen, warum kniest Du dich hin?“ Und das wäre natürlich nicht richtig.

Nach der Kommunion soll man nicht sündigen, nach der Kommunion sollen wir mit Gott leben, Ihn in allem sehen und auf Ihn hören – das ist die wichtigste Regel. Aber 2 – 3 Tage nicht zu knien, liegt im eigenen Ermessen.

Frage

Wir haben einen fünfjährigen Sohn. Wir möchten aber noch ein zweites Kind. Es sind schon vier Jahre vergangen, aber der Herr hat uns noch nicht mit einem Kind gesegnet. Im Dezember habe ich begonnen den Akafist zur Gottesmutter „Unverhoffte Freude“ zu lesen und ich wurde sofort schwanger. Aber ich hatte eine Fehlgeburt. Sagen Sie, ob man für das Geschenk eines Kindes beten soll oder kann, wenn es schon ein Kind gibt! Wie kann man verstehen, was der Wille Gottes für unsere Familie ist? Oder soll man versuchen einen Säugling zu adoptieren? Ich bedanke mich für ihre Antwort.

Antwort
Ich denke, dass Sie beten können und sollen, damit der Herr Ihnen noch ein Kind schenken möge und vielleicht, nicht nur eins. Es gibt solche Momente, dass eine Frau das Kind verliert, das ist natürlich eine Tragödie, das ist sehr schmerzhaft. Aber das ist das Leben, und in dieser Welt müssen wir alle viel leiden. Es lohnt sich nicht, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, warum und wie, sondern man muss auf Gott vertrauen und Ihn bitten. Es ist notwendig, dass auch Sie und ihr Mann für das Geschenk eines Kindes beten. Während der Schwangerschaft bemühen Sie sich öfters zum Heiligen Kelch zu kommen und zu kommunizieren. Ich denke, dass alles gut wird.

Frage

Kann man die Abendgebete nicht vor dem Schlafengehen, sondern vor dem Abendessen, ungefähr 17 Uhr lesen? Nach dem Abendessen überfällt mich eine Schwäche. Ich lege mich hin, schlafe ein, und die Regel muss ich lesen, wenn ich aufwache. Kann man nach dem Lesen der Abendregel noch zu Abend essen?

Antwort
Nicht der Mensch ist für die Regel, sondern die Regel ist für den Menschen gemacht. Wenn Sie sehen, dass am Ende des Tages vor dem Zubettgehen die Aufmerksamkeit nicht ausreicht und auch keine Kraft mehr da ist, die Regel zu lesen, wie es sich gehört, so glaube ich, dass Sie diese Frage genau richtig gelöst haben. Das Wichtigste ist, dass sie nicht einfach die Regel runter lesen, sondern dass die Worte Ihr Herz berühren. Es ist sehr wichtig für jeden von uns, Urteilsvermögen und Verständnis dafür zu haben, was eine Regel, was Gebet ist. Das Gedächtnis Gottes, das Gespräch mit Ihm, der Kampf mit der Welt, die versucht uns von den Worten abzulenken, die wir Gott darbringen wollen. Es ist gut, dass Sie die Möglichkeit suchen, aufmerksam zu sein, damit das Gebet die Kraft gibt, mit Gott zu leben.

Frage

Warum sollen kleine Kinder kommunizieren?

Antwort

Der Herr sagte: Lasset die Kinder zu Mir kommen und hindert Sie nicht (Lk 18, 16). Je häufiger, wie mir scheint, die Kleinen kommunizieren, desto besser für sie. Aber es ist auch sehr wichtig, dass die Frau, die ein Kind unter dem Herzen trägt, kommuniziert – und wenn es nur wegen des Säuglings ist.

Solange das Kind klein ist, kann und muss man es in die Kirche bringen. Wenn er zu laufen beginnt, wird es schon schwerer damit. Wir glauben, dass die Gnade Gottes, die wir durch die Heilige Kommunion empfangen, ihm im Leben helfen wird.

Der Heilige Seraphim von Sarow* sagte: „Wer daran teilnimmt, der wird überall gerettet werden; wer aber nicht teilnimmt, der ist nicht in Mir“, das heißt wegen der Gaben Gottes wird der Mensch gerettet.

Deshalb, wenn Sie die Möglichkeit haben, ihre Kinder kommunizieren zu lassen, nutzen Sie sie und danken Sie Gott.

* Der Heilige Serafim von Sarow (mit weltlichem Namen: Prochor Isidorowitsch Moschnin, 1754[59] – 1833), Mönch, großer Asket und Mann des Gebetes; einer der am meisten verehrten Heiligen der Russischen Orthodoxen Kirche)

Frage

Ich bin 33 Jahre alt, verheiratet, 3 Kinder. Sie erblickten alle mittels Kaiserschnitt das Licht der Welt. Die Ärzte raten von weiteren Geburten ab, da jede folgende Schwangerschaft für die operierte Gebärmutter ein höheres Risiko für die Gesundheit von Mutter und Kind (bis hin zur Totgeburt) birgt. Mein Mann und ich hatten uns allerdings auf eine große Familie eingerichtet. Meine Frage lautet: lohnt es sich das Risiko einer vierten Schwangerschaft einzugehen oder sollte man in der Warnung der Ärzte den Willen Gottes sehen und mit dem Kinderkriegen aufhören?

Antwort
Das ist eine Frage ihres Glaubens. Sie sollten sich mit ihrem Mann beraten, beten und gemeinsam die Entscheidung treffen. Ich kenne Familien, wo es mehr als drei Operationen während der Geburten gab, und die Kinder, ungeachtet der Prognose der Ärzte, gesund geboren wurden. Aber ich möchte nochmals unterstreichen, dass das eine Frage ihres Glaubens ist. Wenn sie zweifeln und Angst haben, dann sollten Sie es nicht tun. Wenn Sie glauben, weitere Kinder haben möchten und bitten, dann wird Ihnen Gott helfen.

Frage

Was bedeutet „ der Verstand soll ins Herz eingehen“? Wie kann man das verstehen?

Antwort
Der Mensch war eine Einheit, aber nach dem Sündenfall wurde diese Gesamtheit zerstört: der Verstand irrt umher, das Herz ist in irgendeiner Verwirrung, befindet sich in Schwermut, aber auf der Seele liegt eine Last – dies alles sind die Folge davon, dass der Mensch sich nicht kontrollieren kann, seine Lebenskräfte nicht auf das richtige Ziel ausrichtet. Das geistliche Leben fordert innere Arbeit, um die Ganzheit der Seele wieder herzustellen. Während des Gebetes bemüht sich der Christ die ganze Zeit, sich zu kontrollieren, achtsam zu sein, sich nicht von anderen Nebensächlichkeiten ablenken zu lassen. Man muss sich sammeln und eins mit Gott zu bleiben. Es ist sehr wichtig, damit weder Herz, Verstand oder Körper des Menschen geschwächt sind noch in einem krankhaften, abstrakten Zustand. Deshalb bemüht sich der Mensch, seinen Verstand mit dem Herzen zu vereinen, zu sammeln, damit er sich mit seinem ganzen Wesen an Gott mit seiner Bitte wenden kann. Aber nicht nur während des Gebetes, sondern während des ganzen Lebens soll man seinen Verstand und sein Herz vereinigen. Manchmal, wenn wir mit jemanden reden, und fremde Gedanken herumschwirren. dann sind wir innerlich nicht ruhig. Das alles stört uns dabei, selbst nahe Verwandte zu hören und zu verstehen. Deshalb ist der Kampf um die Ganzheit des Menschen sehr wichtig.

Frage

Was bezeichnen wir in uns als Verstand? Wie kann man sich das vorstellen: der Verstand in den Gebetsworten?

Antwort
Der Mensch kann ein Gebet lesen, aber er denkt dabei an Nebensächlichkeiten. Deshalb sollte man achtsam sein, der Verstand sollte nüchtern sein, nicht träumen oder irgendwo umherirren. Man kann sich in der Kirche befinden, aber in Gedanken sind wir irgendwo im Restaurant. Dank der gemeinsamen Sammlung von Verstand, Herz und unseren Gefühlen durch das Gebet, den Gottesdienst, durch den Kontakt mit Gott, durch die Kommunion stellen wir die Einheit von Seele und Geist wieder her, die der Mensch verloren hat, wir heben die Trennung auf, die nach dem Sündenfall stattfand. Es ist sehr wichtig, dass wir einige Minuten finden in unserem täglichen Leben und uns bemühen, unsere Gedanken zu ordnen, dass wir uns bemühen, nicht nur die Gebete zu lesen, sondern so zu lesen, dass wir den Sinn verstehen, damit sie unser Herz berühren. Man darf sich nicht durch beiläufige Gedanken ablenken lassen, die sehr oft während des Gebetes kommen. Es findet ein unsichtbarer Kampf um den Verstand statt. „Wo dein Verstand ist, da bist auch du.“ so sagen die Heiligen. Deshalb muss man um den Verstand kämpfen. Das ist die Anstrengung bei der Erschaffung des inneren Tempels des Menschen.

Frage

Muss man unbedingt am Dienstag den Abendgottesdienst besuchen, wenn man am Mittwoch zur Kommunion gehen will?

Antwort
„Bedingungen“ gibt es hier keine, aber man sollte äußerste Anstrengungen unternehmen, um zur Kommunion zu gehen. Je mehr sich ein Mensch bemüht, desto besser ist das für ihn. Aber ob es gelingt, an den Gottesdiensten teilzunehmen, das hängt von den Lebensumständen desjenigen ab. Einige müssen nur in die Kirche gekrochen kommen, denn mehr vermögen sie nicht zu tun. Und das ist eine Heldentat, wenn der geschlagene, verwundete, von der Sünde befleckte, aber unbezwungene, sich nicht dem sündigen Willen unterordnende Mensch mit Hoffnung und Glauben zur Beichte oder zum Kelch kommt. Und Gott wird ihn auferwecken.

    Seite 18 von 29

    Stellen Sie dem Priester Ihre Frage

    Bitte bestätigen Sie, dass die E-Mail korrekt eingegeben wurde. Bitte teilen Sie uns auch mit, wenn Sie eine Frage stellen, in welchem Land (Stadt) Sie leben.

    Ich bin kein Roboter.