Seit vielen Jahren führt Vater Andrej Lemeschonok Gesprächsabende mit Gemeindemitgliedern durch, bei denen er ihre Fragen beantwortet. Vor einigen Jahren erschienen die Fragen und Antworten in Buchform in russischer Sprache. Auf unserer neuen Webseite haben Sie nun Gelegenheit, einige dieser Fragen und Antworten auf deutsch zu lesen. Außerdem laden wir Sie ein sich daran zu beteiligen. Sie können uns Ihre Fragen gern per E-Mail schicken oder sie interessierende Themen aus den vorhandenen Rubriken auswählen. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!

Stellen Sie dem Priester Ihre Frage

ANTWORTEN DER PRIESTER NACH THEMEN SORTIERT

Frage

Muss man unbedingt immer den Segen für das Lesen des Akafistes gemäß der Vereinbarung*erbitten?

Antwort
Wichtig ist, dass Sie die Sache zu Ende führen. Wenn Sie sich mit den Leuten abgesprochen haben, was Sie lesen werden, dann bemühen Sie sich trotz allem, sie nicht im Stich zu lassen. Sie sollten Ihre Kräfte abwägen, abschätzen, ob Sie überhaupt so viel Zeit dafür haben. Aber so nehmen die Menschen diese Regel auf sich, und lesen Sie dann nicht. Das ist eine sehr gute Form des Gebetes. Ich selbst habe den Psalter vor 30 Jahren im Kaukasus so gelesen. Wir waren 20 Leute und wohnten in Zelten. Ich habe auch ein Kathisma pro Tag gelesen, so wie es alle taten. Das hält zur Disziplin an und drängt dich zum Gebet für die Verwandten und Bekannten. Für sie wird jeden Tag der Psalter gelesen. Aber sehr oft kann der Mensch seine Kräfte nicht richtig einschätzen, lässt andere im Stich und das, scheint mir, ist schon Sünde.
*Gebet gemäß der Vereinbarung – gemeinsames Gebet oder Lesen des Psalters (Siehe: Mt 18,19-20)

Frage

Gibt es irgendwelche Regeln für die Beichte?

Antwort
Wer weiß, wie richtig gebeichtet wird? Und überhaupt, kann man richtig beichten? Jeder Mensch hat seine persönlichen Beziehungen zu Gott, zu seinen Nächsten. Der Mensch kommt in die Kirche, um Hilfe im Kampf mit der Sünde zu erhalten. Um mit Gott zu leben, ist Entschlossenheit und der innerste Wunsch der Seele des Menschen erforderlich. Aber die Sünde hält uns davon ab. Das andere, wie Ihr es sagen werdet, mit welchen Worten, in welcher Reihenfolge, hängt von Eurem heutigen Verständnis der Sünde ab, welche Worte muss ich Gott sagen und was muss ich in erster Linie durch den Priester bei Gott erbitten. Die Beichte ist ein Gespräch der Seele mit Gott. Das ist nicht so einfach. Man muss sich anstrengen, und dann muss ein Wunder geschehen, damit der Mensch es fühlt, dass Gott ihn erhört, wartet und ihm helfen und vergeben will. Der Augenblick der Reue selbst ist der Zutritt der Seele zum ewigen Leben. Wir sprechen über die eigenen Probleme, Zweifel, beichten die eigenen Gedanken. Das ist ein Gespräch mit dem Priester, der dem Menschen hilft, sich auf den richtigen geistlichen Ton einzustimmen. Der Mensch soll fühlen, dass er mit Gott spricht, der ihn in seine väterlichen Arme schließt. Ich denke, dass echte Reue das Ergebnis unseres gesamten geistlichen Lebens ist. Heute sagen Sie es mit solchen Worten, aber morgen schon drücken Sie es mit anderen Worten aus, und danach, vielleicht, kommen Sie, sinken auf die Knie nieder, weinen und schweigen, aber die Seele wird in diesem Moment schmerzen wegen der Sünde, und Sie können nur zwei Worte sagen: „Herr verzeih“, und dies wird die Fülle Ihrer Reue sein. Aber dies liegt noch vor uns. Das ist ein enger, schwerer weg und nur dieser führt den Menschen zum ewigen Leben mit Gott.

Frage

Ich bin seit 6 Jahren verheiratet. Wir haben 2 Töchter. Die Ältere ist von einem anderen Mann (dies war eine Beziehung ohne Trauschein), sie ist jetzt 16 Jahre alt. Die Jüngere wurde in der Ehe geboren, sie ist 5 Jahre alt. Mein Mann liebt meine jüngere Tochter wahnsinnig, aber die Ältere, so scheint es, wird er bald hassen, obwohl sie ihm nichts schlechtes getan hat. Mein Mann trinkt. Vor einigen Jahren war es noch schlimmer: ihm ist die Hand ausgerutscht, er stieß Beschimpfungen aus, und hat mich mit den Kindern hinausgeworfen (wir haben bei meiner Mutter gewohnt). Aber mit Gottes Hilfe haben wir alles ertragen. Ich bin in die Kirche gegangen, habe gebetet, ich wollte unbedingt die Familie schützen. Aber jetzt weiß ich nicht, was wird. Die Beziehung meines Mannes zu unserer Ältesten verschlechtert sich. Er will sie zu Hause rauswerfen. Er sagt: „ Soll sie doch bei der Großmutter wohnen.“ Ich antworte: „ Wenn die Tochter weggeht, gehen wir auch weg von dir.“ Das alles kommt von seiner Trinkerei. Er geht nicht in die Kirche, vielleicht ist er früher mal gegangen, denn irgendetwas trägt ihn. Die ältere Tochter wächst zu einem guten Mädchen heran, aber jetzt hat sie auf die Beleidigung durch meinen Mann genauso geantwortet.

Antwort
Es läuft der Kampf um ihre Familie, darum, dass alle zusammen bleiben. Sie haben dafür schon viel getan: Sie haben sich nicht scheiden lassen, Sie sind nicht weggelaufen, haben gebetet, baten um Gottes Hilfe. Und Sie sehen, dass irgendeine Veränderung bei ihrem Mann schon stattgefunden hat. Der betrunkene Mensch kann sich natürlich selbst nicht kontrollieren, es stellt sich die Eifersucht ein, und leider ist die Quelle der Eifersucht jetzt ihre ältere Tochter, alles strömt auf sie ein. Aber eigentlich ist er auf Sie eifersüchtig wegen jenes Menschen, der der Vater Ihrer älteren Tochter ist. Sie sollten beten, dass der Herr trotzdem Ihrem Mann hilft, von der Trunksucht wegzukommen, die „grüne Schlange“ zu besiegen und auf die ganze Situation mit nüchternem Blick zu schauen. Ich denke, dass sie auch die Kinder für das Gebet gewinnen sollten, damit Sie zu dritt beten. Erklären Sie ihrer älteren Tochter, dass ihr Mann ein guter Mensch ist, aber wenn er betrunken ist, dann verwandelt er sich in einen Kranken. So wird ihre Tochter nichts Böses von ihm denken. Sagen Sie ihrer Tochter, dass Sie sie nicht verraten werden und sich nicht zum Wohl Ihres Mannes auf sie verzichten werden, dass Sie sie lieben und glauben Sie daran, dass in Ihrer Familie gute, christliche Beziehungen entstehen. Der Kampf geht darum, dass sie einig waren und dass er ihren Vater ersetzte. In einer ruhigen Minute muss man mit dem Mann darüber sprechen, dass Sie ihn lieben, dass Sie die Familie nicht verlieren möchten, dass die Familie vollständig sein soll. Ich denke, der Herr wird Ihnen helfen. Mit einem betrunkenen Menschen kann man die Verhältnisse nicht klären. Das alles muss man mit ihm im nüchternen Zustand besprechen. Bemühen Sie sich, ihn in die Kirche zu führen. Geben Sie ihm Weihwasser, eine Prosphore, heiliges Öl von der Ikone „Der Unerschöpfliche Kelch“ – das sollte man tun, damit das Heilige auf irgendeine Weise ihn anrührt. Und lesen Sie täglich den Akafist, bitten Sie Gott um Hilfe, ich denke, Er wird Sie nicht abweisen.

Frage

Bei den heiligen Vätern habe ich es gelesen und durch Erfahrung erkannt, dass das Jesusgebet „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich über mich Sünder“ alle Leidenschaften tötet, insbesondere Unzucht und Fresssucht, und dass es keine stärkere oder schnellere Waffe gegen die Feinde gibt als dieses Gebet. Aber viele, besonders in der heutigen Zeit, praktizieren das Gebet nicht wegen der menschlichen Schwäche oder um wo möglich, seiner Täuschung zu verfallen. Aber je schwächer der Christ geistlich und körperlich ist, desto stärkere Mittel sollte er nutzen, wenn er sich wirklich von geistlichen Flausen heilen lassen will. Wie bewahren die heutigen Mönche und Nonnen die Herzensreinheit, wenn sie das Jesusgebet bei der Gehorsamsaufgabe oder in der Zelle beten?

Antwort
Es ist notwendig, beständig zu beten. Nachdem man ein Buch übers Jesusgebet gelesen hat, bemüht man sich damit bis zu Ende zu gehen. Er strebt danach, dieselben Zustände zu erreichen, die die Asketen beschreiben, und diese können sehr ernste Krankheiten nach sich ziehen. Der Mensch sucht keine Buße, sucht im Gebet nicht den Schutz vor dem Sinnieren, dem Umherirren der Gedanken, sondern er will, dass das Gebet ein sofortiges Resultat bringt, irgendeinen „Zustand“. Und das spricht davon, dass er nicht von Herzen demütig ist. Der Mensch fordert von Gott irgendein Geschenk. Aber ein Gottes Geschenk ist immer eine unerwartete Freude. All dies ist Menschen zu eigen, die gerade begonnen haben. Begonnen zu beten, hören sie gespannt, ob das Gebet in irgendeiner Weise wirkt oder nicht. Hier kann eine Verfälschung stattfinden. Der Mensch versteht nicht, dass das Gebet Anstrengung bedeutet. Und der Herr sagt: Nicht Euch kommt es zu, Zeit und Stunde zu wissen… (Apg 1,7). Unsere Sache ist es, uns zu bemühen. Natürlich sollen die Menschen sowohl im Kloster als auch in der Welt das Jesusgebet beten. Es ist kurz, man kann es überall beten, wo immer wir uns auch befinden. Einige Leute, darunter auch Geistliche, sagen, dass, man bei der Übung des Jesusgebetes den Reizen verfallen kann. Das kann natürlich vorkommen, wenn der Mensch träumt. Wenn ihm aber wirklich nichts anderes bleibt (alles um ihm herum geht in die Brüche, und er kann nur noch zu Gott schreien), dann ist natürlich das Jesusgebet für ihn der sicherste und kürzeste Weg zur Buße. Das Gebet sollte stets Aufmerksamkeit und Buße in uns heranbilden. Aber leider sind wir noch sehr emotional und wir nehmen dieses Gebet sehr emotional auf. Abgesehen davon, ist das Jesusgebet für jeden orthodoxen Menschen unentbehrlich, denn darin rufen wir Christus, unseren Fürsprecher, an.

Frage

Ich war beichten. Die Sünden schrieb ich auf ein Blatt Papier. Damit ging ich zum Väterchen und wollte ihm alles vorlesen, doch er nahm die Liste an sich und begann sie, anzuschauen. Einige Sünden waren sehr schwere, und der Priester sagte, dass er mich davon nicht lossprechen kann, und schickte mich zu einem anderen Priester. Ich stand erneut in der Reihe. Doch dann entschied der erste Priester mich zurückzurufen, er nahm erneut meine Liste, und ich fragte ihn, ob er mir die Beichte abnehmen wird, und er lehnte erneut ab. Er las die Sünden durch, irgendetwas hinterfragte er. Nach dem Lesen fragte mich das Väterchen, ob ich bereue. Ja, natürlich, bereute ich. Von ganzem Herzen. Der Priester bedeckte meinen Kopf und las ein Gebet. Kann ich darauf zählen, dass der Herr mir meine Sünden vergeben hat? Muss man eine Sündenliste verwenden oder seine eigenen aufschreiben?

Antwort
Schauen Sie auf das Resultat. Wenn Sie eine Erleichterung nach dem Lossprechungsgebet empfinden, dann glauben Sie, dass das Sakrament vollzogen wurde, Gott hat Sie erhört, Dank sei Gott. Der Herr sah Ihren Wunsch, ihren Kummer, ihr Streben, sich von diesen Sünden zu befreien, Gottes Hilfe zu erhalten und ein neues Leben zu beginnen. Beim nächsten Mal bemühen Sie sich, ihre Sünden selbst auszusprechen. Ein Spickzettel ist gut, aber laut zu beichten, ist besser, denn dann wird für Sie das Gespräch mit Gott mittels eines Priesters viel konkreter. Er wird auch dem Priester verständlicher werden. Die Erfahrung mit der Beichte verändert sich, und unsere reuevolle Unterhaltung mit Gott, wird, solange wir auf Erden sind, fortdauern. Die Buße ist eine Gabe Gottes. Das Wirken der Gnade Gottes eröffnet dem Menschen eine innere Sicht, er beginnt tiefer zu sehen und wegen der Sünde zu leiden. Wir sollen danach streben, unsere Sünden zu sehen und aufzudecken. Man muss seine Verantwortung und seine Schuld darin spüren, dass wir gesündigt haben und das andere wegen unserer Sünde leiden müssen. Die Buße ist eine große Anstrengung der Seele. Es kommt vor, dass sich jemand auf die Beichte vorbereitet hat, er hat sich angestrengt, aber es sind viele Leute in die Kirche gekommen, der Priester liest einfach nur die Sünden durch, zerreißt die Liste, und dann spricht er das Vergebungsgebet. Wurde das Bußsakrament vollzogen oder nicht? Das hängt von ihrem Glauben ab. Glauben Sie wirklich, dass der Herr Ihre Buße angenommen hat oder ist Ihre Seele unruhig und solch eine Beichte unzureichend? Schauen Sie in Ihr Herz. Setzen Sie ihre Anstrengungen fort auf der Suche nach Gott. Aber der Weg zu Gott ist die Buße. Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe (Mt 3,2).

Frage

Ich bin seit 6 Jahren verheiratet. Wir haben 2 Töchter. Die Ältere ist von einem anderen Mann (dies war eine Beziehung ohne Trauschein), sie ist jetzt 16 Jahre alt. Die Jüngere wurde in der Ehe geboren, sie ist 5 Jahre alt. Mein Mann liebt meine jüngere Tochter wahnsinnig, aber die Ältere, so scheint es, wird er bald hassen, obwohl sie ihm nichts schlechtes getan hat. Mein Mann trinkt. Vor einigen Jahren war es noch schlimmer: ihm ist die Hand ausgerutscht, er stieß Beschimpfungen aus, und hat mich mit den Kindern hinausgeworfen (wir haben bei meiner Mutter gewohnt). Aber mit Gottes Hilfe haben wir alles ertragen. Ich bin in die Kirche gegangen, habe gebetet, ich wollte unbedingt die Familie schützen. Aber jetzt weiß ich nicht, was wird, Die Beziehung meines Mannes zu unserer Ältesten verschlechtert sich. Er will sie zu Hause rauswerfen. Er sagt: „ Soll sie doch bei der Großmutter wohnen.“ Ich antworte: „ Wenn die Tochter weggeht, gehen wir auch weg von dir.“ Das alles kommt von seiner Trinkerei. Er geht nicht in die Kirche, vielleicht ist er früher mal gegangen, denn irgendetwas trägt ihn. Die ältere Tochter wächst zu einem guten Mädchen heran, aber jetzt hat sie auf die Beleidigung durch meinen Mann genauso geantwortet.

Antwort
Es läuft der Kampf um ihre Familie, darum, dass alle zusammen bleiben. Sie haben dafür schon viel getan: Sie haben sich nicht scheiden lassen, Sie sind nicht weggelaufen, haben gebetet, baten um Gottes Hilfe. Und Sie sehen, dass irgendeine Veränderung bei ihrem Mann schon stattgefunden hat. Der betrunkene Mensch kann sich natürlich selbst nicht kontrollieren, es stellt sich die Eifersucht ein, und leider ist die Quelle der Eifersucht jetzt ihre ältere Tochter, alles strömt auf sie ein. Aber eigentlich ist er auf Sie eifersüchtig wegen jenes Menschen, der der Vater Ihrer älteren Tochter ist. Sie sollten beten, dass der Herr trotzdem Ihrem Mann hilft, von der Trunksucht wegzukommen, die „grüne Schlange“ zu besiegen und auf die ganze Situation mit nüchternem Blick zu schauen. Ich denke, dass sie auch die Kinder für das Gebet gewinnen sollten, damit Sie zu dritt beten. Erklären Sie ihrer älteren Tochter, dass ihr Mann ein guter Mensch ist, aber wenn er betrunken ist, dann verwandelt er sich in einen Kranken. So wird ihre Tochter nichts Böses von ihm denken. Sagen Sie ihrer Tochter, dass Sie sie nicht verraten werden und sich nicht zum Wohl Ihres Mannes auf sie verzichten werden, dass Sie sie lieben und glauben Sie daran, dass in Ihrer Familie gute, christliche Beziehungen entstehen. Der Kampf geht darum, dass sie einig waren und dass er ihren Vater ersetzte. In einer ruhigen Minute muss man mit dem Mann darüber sprechen, dass Sie ihn lieben, dass Sie die Familie nicht verlieren möchten, dass die Familie vollständig sein soll. Ich denke, der Herr wird Ihnen helfen. Mit einem betrunkenen Menschen kann man die Verhältnisse nicht klären. Das alles muss man mit ihm im nüchternen Zustand besprechen. Bemühen Sie sich, ihn in die Kirche zu führen. Geben Sie ihm Weihwasser, eine Prosphore, heiliges Öl von der Ikone „Unerschöpflicher Kelch“ – das sollte man tun, damit das Heilige auf irgendeine Weise ihn anrührt. Und lesen Sie täglich den Akafist, bitten Sie Gott um Hilfe, ich denke, Er wird Sie nicht abweisen.

Frage

Warum fällt es manchmal leicht für einige Leute zu beten, aber bei anderen fällt es sehr schwer?

Antwort
Für manche Leute kann man leicht beten, denn wir spüren, dass sie auch für uns beten. Für die Seelenruhe des Erzpriesters Nikolaj Gurjanow zu beten ist leicht, weil er selbst für uns betet. Aber für einen Menschen zu beten, der sein Leben lang ohne Gott verbracht hat, ist es natürlich schwer. Als ich bei den Bestattungsfeiern verschiedener Leute zugegen war, habe ich folgendes bemerkt. Manchmal stehst du am Grab und es ist ganz und gar nicht leicht, es schnürt dich im Innern zusammen, die Worte fallen dir schwer. Aber an einem anderen Grab stehst du, und bist einfach freudig gefasst, du empfindest Trost und Gottes Hilfe. Wenn der Mensch uns hört und auf uns gehört hat, dann können wir ihm irgendwie helfen, denn er nimmt unsere Worte an, versucht, unserem Ratschlag zu folgen. Aber wenn er nicht hört und nichts hören will, wie schwer ist es, etwas für ihn zu tun, ihm etwas zu sagen. Genauso ist es auch im geistlichen Leben. Wenn der Mensch geistlich lebt, feinfühlig ist, wenn seine Seele ständig wacht und nüchtern ist, dann vereint sich unser Gebet für ihn leicht mit Gott. Wenn sich aber der Mensch im Unglauben und Zweifel befindet, dann wird das Gebet für uns zu einer schweren Last, denn uns selbst fällt es schwer, aber man muss noch dazu die Bürde für den Nächsten tragen. Aber das heißt nicht, dass solch ein Gebet nicht notwendig ist. Im Gegenteil. Womöglich ist es für uns von großem Nutzen, wenn es uns schwer fällt für jemanden zu beten. Vielleicht ist das Gebet für einen Beleidiger, für jemand, der uns nicht liebt, für unseren Feind unsererseits absolut notwendig, um unser „Ich“ zu überwinden, um irgendeine Sünde zu besiegen. Jedes Gebet ist eine große Anstrengung. Aber wenn es uns besonders schwer fällt für jemanden zu beten, dann zeugt dies davon, dass wir keinesfalls das Beten aufgeben dürfen, sondern dass es nötig ist, sich zu demütigen und zu versuchen, dieses Wort für den Menschen vor Gott zu bringen.

Frage

Geben Sie uns einen Fingerzeig, wie man richtig beichten soll? Ich verhasple mich, fange zu weinen an, und vergesse, was ich sagen wollte. Aber danach, wenn ich darüber nachdenke, ist es mir peinlich, dass ich nicht alles gesagt habe und ich möchte erneut zur Beichte gehen.

Antwort
Der Priester ist weder Untersuchungsrichter noch Staatsanwalt. Gott ist der liebende Vater, und wir sind seine verlorenen Kinder, die Seiner Hilfe bedürfen. Wenn Sie den Wunsch haben, Buße zu tun und Sie empfinden ihre Schuld, dann gehen Sie zur Beichte. Wenn Sie Gottes Hilfe im Kampf mit der Sünde erhalten möchten, selbst wenn Sie etwas vergessen haben zu sagen, bleiben Sie diesbezüglich ruhig. Wenn Sie bewusst etwas nicht gesagt haben, weil es Ihnen peinlich war, weil Sie es verheimlichen wollten, dann ist das schon ein Jammer, denn dann wird das Sakrament nicht vollzogen, denn dann fehlt es an Aufrichtigkeit und Vertrauen. Aber wenn sie etwa aus Unachtsamkeit oder wegen ihrer Verwirrung taten, dann ist das nicht schlimm. Kein Grund zur Panik. Sie erinnern sich das nächste Mal und sagen es dann. Es geht nicht darum, buchstabengetreu alles bei der Beichte wiederzugeben, sondern, ob wir dies von Herzen taten, in welchem Zustand Sie sich befanden, wie sehr Sie Gott vertrauen. Ich denke, wir alle (Sie und wir hier) müssen uns noch sehr anstrengen, damit wir wahrhaftig Buße tun und nach der Buße nicht mehr sündigen. Aber vorerst läuft der Kampf, und wir haben weder genügend Aufmerksamkeit noch Nüchternheit, und die Gedanken verflüchtigen sich und lassen sich ablenken. Dies alles ist dem geistlich lebenden gefallenen Menschen eigen, der es noch nicht gewöhnt ist, aufmerksam zu leben, in der Gegenwart Gottes, der es nicht gewöhnt ist, seinen Verstand und sein Herz vor der Sünde zu bewahren. Was der Mensch will, das erhält er; was er sucht, das findet er. Dabei helfe Ihnen der Herr!

Frage

Ich bin 23 Jahre alt und wohne zusammen mit meinen Eltern und dem jüngeren Bruder. Die Mutter hat in den letzten Jahren angefangen stark zu trinken, und sie geht wegen Trunkenheit nicht zur Arbeit. Der Vater arbeitet. Ich arbeite auch, aber sie bittet fast immer um Geld für Alkohol, und wenn ich es nicht gebe, dann erbost sie sich und schimpft. Einerseits verstehe ich, dass diese Situation auch mein Kreuz ist, aber andererseits quält mich oft Frust darüber, dass ich wegen der Schwierigkeiten verärgert bin und ich kein Privatleben aufbauen konnte. Die Mutter sagt immer, dass ich niemals heiraten werde. Mir tut es weh, so etwas zu hören. Wenn ich weggehe und ein selbständiges Leben führe, ist das dann nicht die Flucht vor Schwierigkeiten?

Antwort
Ich würde es versuchen. Die Mutter nehmen Sie in ihr Herz, im Gebet lassen Sie sie nicht allein, aber für sie lohnt es sich im vorliegenden Fall, zu versuchen, selbständig zu leben. Wenn die Mutter ans Bett gefesselt wäre, dann wäre das ein Grund. Aber wenn der Mensch trinkt, dann ist das eine andere Sache. Wenn Sie sich ärgern und ausrasten, und Sie haben keine Kraft mehr, so weiter zu leben, wenn Sie im Innern Ihre Mutter anklagen, dann ist es wahrscheinlich besser, allein zu leben, sich zu beruhigen und von fern die entstandene Situation anzuschauen. Es ist notwendig, neue Kräfte zu tanken und sich nicht von der Mutter loszusagen und sie nicht zu verurteilen. Vielleicht dann, wenn Sie auf beiden Beinen stehen und Ihr Leben verändert haben, können Sie ihrer Mutter mehr helfen, als im Moment. Aber wenn man nichts unternimmt und alles weiter erduldet, führt Sie das dann nicht zu einem geistigen Zusammenbruch?

Frage

Ist es richtig, dass je mehr man für einen Menschen betet, desto schneller erbarmt sich seiner Gott? Oder erbarmt sich Gott nicht wegen der Anzahl der Gebete, sondern wegen etwas anderem?

Antwort
Unsere Liebe zum Menschen äußert sich darin, dass wir uns anstrengen, um für ihn zu beten. Und Gott erhört uns natürlich und hilft ihm. Aber wir können unser ganzes Leben beten und äußerlich sind keinerlei Veränderungen zum Besseren zu erkennen, dabei muss man verstehen, dass das, was wir gebetet haben, schon die Gnade Gottes sowohl für uns als auch für diesen Menschen ist. Manchmal betet man, und alles wird an seinen Platz gerückt. Das ist ein großer Trost. Bisweilen kann man die Früchte seiner Bemühungen nur im nächsten Jahrhundert erblicken. Der Mensch kann jahrelang beten, und alles um ihn herum wird immer schlechter. Hier muss man schon Demut und Glaube zeigen. Dies ist schon für besonders gekräftigte, geistlich befähigte Menschen, das erträgt nicht jeder. In einer Vita steht geschrieben, wie ein Starez zehn Jahre betete, Tag für Tag las er seine riesig große Regel, kein Hauch von Trost war in seinem Herzen. Und er empörte sich nicht darüber, dass Gott ihn nicht erhört hat. So hat Gott seinen Knecht erzogen. Aber wenn wir in solch eine Lage gelangen, wissen wir meist nicht, was wir tun sollen. So sollen wir das doch verstehen, damit wir ein wenig geistlich wachsen, damit wir nicht von unseren Gebeten begeistert sind, sondern im Gegenteil, damit wir uns demütigen, damit wir versucht werden. Man beginnt uns miss zu verstehen, es gibt innere Missverhältnisse, und dies zeugt davon, dass wir auch schon größere Leiden ertragen können. Die Protestanten lernen, dass, wenn einer in eine Sekte kommt und sich bekehrt, dann heißt das, dass er in allem freie Fahrt erhält, dass ihm alles gut gelingt, und er sich nur noch vorwärts bewegt. In der Orthodoxie gilt das Gegenteil: je näher man Gott kommt, desto häufiger werden die Versuchungen. Deshalb kann uns nur die Liebe zu Gott schützen. Aber hier kann schon keine menschliche Berechnung mehr sein, denn wir sehen, dass Christus uns nicht zur irdischen Herrschaft führt, Er lehrt uns, uns zu demütigen, zu gedulden und zu lieben.

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