Seit vielen Jahren führt Vater Andrej Lemeschonok Gesprächsabende mit Gemeindemitgliedern durch, bei denen er ihre Fragen beantwortet. Vor einigen Jahren erschienen die Fragen und Antworten in Buchform in russischer Sprache. Auf unserer neuen Webseite haben Sie nun Gelegenheit, einige dieser Fragen und Antworten auf deutsch zu lesen. Außerdem laden wir Sie ein sich daran zu beteiligen. Sie können uns Ihre Fragen gern per E-Mail schicken oder sie interessierende Themen aus den vorhandenen Rubriken auswählen. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!

Stellen Sie dem Priester Ihre Frage

ANTWORTEN DER PRIESTER NACH THEMEN SORTIERT

Frage

Weshalb braucht Gott es, dass wir Ihn die ganze Zeit loben: morgens, am Tage, abends? Weshalb muss man so oft und so lange beten?

Antwort
Gott braucht nichts, Gott hat alles. Wir brauchen es, um uns von der Erde loszulösen, um uns trotzdem an Gott zu erinnern, weil wir dieses Gedächtnis Gottes verloren haben. Als der Mensch im Paradies war, wurde er von Gott durch das Gebet genährt. Das Einzige, das er brauchte, war das Gebet. Aber als er die Verbindung zu Gott verlor, begann der Mensch auf der Erde sein Brot zu erwerben und vergaß wegen des Brotes das Himmlische. Natürlich muss der Mensch sich zwingen, und seine Seele wird allmählich wieder belebt, geläutert. Aber das geht nicht sofort.

Frage

Wie erlernt man die Achtsamkeit des Verstandes und Geduld?

Antwort
Dazu muss man sich stets zwingen, man muss sich ununterbrochen kontrollieren. Der Hl. Seraphim von Sarow, zum Beispiel, trug Steine auf dem Rücken und sagte: „Ich quäle den mich Quälenden.“ Wir brauchen auch das ständige Gefühl der Gegenwart Gottes. Aber so einfach gelingt es nicht für ein halbes oder ein Stündchen, aufmerksam zu beten. Archimandrit Vater Sofronij (Sacharow)sagte, dass, wenn der Mensch zwei Stunden aufmerksam ohne Ablenkung betet, er das vollkommene Gebet gefunden hat.

Frage

Sagen Sie mir, wie ich für den trinkenden Mann und den trinkenden Sohn beten kann?

Antwort
Beten heißt, sein Blut vergießen. Wahrscheinlich haben Sie bislang die Gebete nur gelesen, aber nicht gebetet. Regelrecht zu beten, das ist die schwerste Mühe, die es auf Erden gibt. Um in der Vereinigung mit Gott zu bleiben, damit nichts und niemand von Gott ablenkt, wenn er beginnt zu Gott Gebetsworte zu sprechen, dafür muss man sich konzentrieren, sich entäußern, sterben im Großen und Ganzen. Der Teufel gibt es nicht einfach so zu beten. Das übersteigt die Kräfte des Menschen. Aber wenn der Mensch seinen sterbenden Nächsten, dem Mann und dem Sohn, helfen will, dann wird das Gebet geboren. Das wird Ihr Weg zu Gott werden. Denn der Mensch beginnt durch Bedrängnisse zu beten. Ein bezeichnendes Beispiel ist das Leben der Hl. Ksenija von St. Petersburg*. Der Mann geht weg, die Familie bricht auseinander, man beginnt zu beten. Nach einer gewissen Zeit siehst du, dass der Mensch schon etwas ganz anderes gefunden hat: er trifft Gott und schaut auf alle Ereignisse nicht mehr auf menschlichen Weise, sondern mit Dankbarkeit und Gottvertrauen. Und das ist eine Dankbarkeit sowohl für die Bedrängnis als auch für die Freude.
* Die heilige Gott gesegnete Ksenija von St. Petersburg (in der Welt: Xenija Grigorjewna Petrowa; geboren zwischen 1719 und 1730 – gestorben um 1803), russische Heilige, Närrin in Christus

Frage

Ich bete seit 12 Jahren, aber ein lebendiger Glaube existiert nicht, alles kommt vom Verstand, alles ist tot. Hört Gott denn mein Gebet, wenn ich mich selbst nicht höre?

Antwort
Gott hört es, die Dämonen hören es. Sie beten schon seit 12 Jahren, aber Sie haben sich natürlich noch nicht bis zum Ende bemüht. Ich denke, Ihre Seele möchte eine andere Beziehung zu Gott aufbauen, sie leidet daran, dass alles äußerlich und oberflächlich ist. Aber diese Leiden zusammen mit ihrem Wunsch, in ihrem Herzen das lebendige Wort Gottes und Seine Antwort zu hören, werden ganz gewiss Früchte tragen. Es kann sein, nicht sofort, es kann sein, dass man sich noch lange bemühen muss, aber diese Gebete, die Sie seit 12 Jahren (wie Sie meinen, fruchtlos) lesen, führen zu einem anderen Verhältnis zu Gott. Man muss nur geduldig bleiben und das Gebet nicht aufgeben und jene Mühe, die sie bereits vollbracht haben.

Frage

Wie gestalte ich auf rechte Weise den Umgang mit Gott im Gebet, worauf sollte man dabei achten?

Antwort

Um beten zu lernen, muss man sich bemühen jene Worte, die Sie lesen, im Verstand und im Herzen zu hören. Man muss so oft wie möglich, Gottes gedenken, daran, dass Gott uns sieht, und für alles, was wir auch tun, Gottes Segen erbitten. Wenn wir uns zwingen, wenn wir uns ständig bemühen, dann entwickelt sich mit der Zeit, die Gewohnheit zu beten und Sie können bald nichts mehr tun, ohne zu beten. Wenn Sie die Gnade Gottes verlässt, dann werden Sie das spüren und sie werden deswegen leiden. Aber diese Leiden werden Ihnen helfen, Ihr Leben auszurichten, Fehler auszubessern. Wer sich um des Herrn willen zwingt, der wird auch in das Himmelreich eingehen

„Seit den Tagen Johannes’ des Täufers bis heute wird dem Himmelreich Gewalt angetan und Gewalttätige reißen es an sich.“ (Mt. 11, 12), so sagt uns das Evangelium. Wenn wir uns dem Leben der Heiligen zu wenden, deren Gedächtnis wir jeden Tag feiern, zum Beispiel des Hl. Seraphim von Sarow, dann sehen wir, dass ihr Weg kein einfacher war, aber es war der Weg zum Licht. Wie schwer und eng er auch in einigen Momenten des Lebens sein mag, die ewige Freude liegt vor uns. Und dank dieser Freude lohnt es sich, sich etwas einzuschränken und dem großen Ziel unterzuordnen – der Erlangung des Heiligen Geistes.

Frage

Was heißt es, während des Gottesdienstes zu Gott zu beten? Einfach dem Ganzen zuhören, sei es auch mit Aufmerksamkeit, was in der Kirche gesungen und gelesen wird, ist doch noch kein Gebet.

Antwort

Aber genau das ist ein gemeinsames Gebet. Es wird nicht einfach als Hintergrundgeräusch gesungen und gelesen. Wir singen, wir beten, wir nehmen am Gottesdienst teil. Und das sind nicht einfach Worte, denn die gottesdienstlichen Bücher wurden alle von den Heiligen Vätern erstellt. Und der ganze Kirchenzyklus ist der Zyklus der Ewigkeit.
Aber wenn Sie nicht verstehen, nicht hören, wenn schlecht gelesen wird oder Sie sind in irgendeinem Zustand, in dem es schwer fällt, die Worte des Gottesdienstes aufzunehmen, dann beten Sie das Jesusgebet, damit sich Ihr Verstand nicht ablenken lässt.

Frage

Wenn ich in der Kirche oder zu Hause bete, dann kommen oft unzüchtige Gedanken in mir hoch. Wie kann ich mit ihnen kämpfen? Wie lernt man sie abzublocken?

Antwort
Der Gedanke kommt zum Menschen, um ihn dabei zu stören, mit Gott zu sein. Wenn wir den Gedanken nicht annehmen, wenn wir mit ihm kein Gespräch führen, ihn nicht in unseren Verstand einlassen, sondern mit beten fortfahren, dann ist das keine Sünde. Der Kampf mit den Gedanken ist der stärkste, unsichtbare Kampf des Christen. Der Feind kann im Wachen uns nichts anhaben, weil der Herr dies nicht gestattet, es sei denn in extremen Fällen. Der Feind wirkt durch die Gedanken, durch den Verstand, und wir müssen unseren Verstand lehren, nicht zu wandern, nicht zu zerstreuen, sondern gesammelt zu sein. “Wo der Verstand ist, dort bist auch Du“, sagen die Starzen. Deshalb muss man dem Verstand folgen. Wenn ein unzüchtiger Gedanke kommt, dann muss man ihn sogleich abschneiden, durch das Gebet und seine Verachtung verscheuchen. Der Mensch ist Erde. Schaut Euren Körper an, Venen, Knochen, Blut…Woher kommt bei den Leuten die fleischliche Begierde? Das ist doch Irrsinn. Ohne Gott ist der Körper des Menschen doch nur tot, ein Stück Lehm. Wenn Sie die Gedanken nicht aufgenommen haben, muss man sie auch nicht weitererzählen, auch nicht bei der Beichte. Schwirren vor Ihren Augen derartige Bilder herum, dann lassen Sie diese nicht an sich heran. Aber wenn Sie sie aufgenommen haben und diese Gedanken Sie beunruhigen, ängstigen, Sie darüber nachdenken, dann sind sie schon Ihre Gedanken geworden und das ist schon eine Sünde. Der geistliche Vater sagte zum Starez Siluan: „Billige keine unzüchtigen Gedanken“, und er hat sie nie wieder gebilligt. Irgendwelche Gedanken kommen, aber das hängt nicht von uns ab, das ist nicht unsere Sünde. Das sind diese Pfeile, mit welchen der Feind versucht unseren Verstand zu überrumpeln, aber vom Verstand geht der Gedanke schon ins Herz über. So verwirrt der Feind den Menschen. Der Mensch geht zur Kommunion, aber plötzlich kommen ihm irgendwelche blasphemischen Gedanken. Dann muss man sie loslassen und sagen: „Das sind nicht meine, ich geh zur Kommunion. Herr, verzeih!“

Frage

Wie kann man zu Hause die Gebete lesen: sitzend oder kniend, laut oder still?

Antwort
Dem einen schmerzen die Füße, und deshalb kniet er. Ein anderer besitzt den Eifer, und er, ungeachtet der Schmerzen in den Beinen, steht wie ein Säulenheiliger. Jemand anderes kann überhaupt nicht mehr stehen, er liegt und gibt das heilige Buch dabei nicht mehr aus der Hand. Wie soll man lesen, laut oder still für sich? Der Tag des Menschen ist angefüllt mit irdischen Mühen. Wenn der Mensch ermüdet ist und die Gedanken treiben ihn um, dann kann man im Stillen oft nicht zu Ende lesen. Wenn der Mensch laut liest, ist trotzdem seine Aufmerksamkeit mehr den Worten gewidmet. Deshalb ist es, natürlich, für uns Neulinge besser, mit der Stimme zu beten. Aber wenn es die Umstände nicht erlauben, dass zum Beispiel die Angehörigen sich ärgern, dann muss man natürlich still für sich beten. Gott, der Eure Umstände sieht, gibt Euch auch Aufmerksamkeit. Oder wenn man im Zug reist, und man seine Regel lesen muss. Dann steht man nicht auf und liest laut. Vielleicht wäre es nicht schlecht, aber nicht jedem ist eine solche Kühnheit geschenkt. Deshalb ist es gut, dass der Mensch sich ruhig hinsetzt oder hinlegt und die Abendgebete liest. Und der Herr sieht, in welchem Zustand er sich befindet. Aber wenn man einfach faulenzt, man nur näher zum Kopfkissen sein will, dann ist das schon etwas anderes, das ist Nachlässigkeit.

Frage

Muss man unbedingt immer den Segen für das Lesen des Akafistes gemäß der Vereinbarung*erbitten?

Antwort
Wichtig ist, dass Sie die Sache zu Ende führen. Wenn Sie sich mit den Leuten abgesprochen haben, was Sie lesen werden, dann bemühen Sie sich trotz allem, sie nicht im Stich zu lassen. Sie sollten Ihre Kräfte abwägen, abschätzen, ob Sie überhaupt so viel Zeit dafür haben. Aber so nehmen die Menschen diese Regel auf sich, und lesen Sie dann nicht. Das ist eine sehr gute Form des Gebetes. Ich selbst habe den Psalter vor 30 Jahren im Kaukasus so gelesen. Wir waren 20 Leute und wohnten in Zelten. Ich habe auch ein Kathisma pro Tag gelesen, so wie es alle taten. Das hält zur Disziplin an und drängt dich zum Gebet für die Verwandten und Bekannten. Für sie wird jeden Tag der Psalter gelesen. Aber sehr oft kann der Mensch seine Kräfte nicht richtig einschätzen, lässt andere im Stich und das, scheint mir, ist schon Sünde.
*Gebet gemäß der Vereinbarung – gemeinsames Gebet oder Lesen des Psalters (Siehe: Mt 18,19-20)

Frage

Bei den heiligen Vätern habe ich es gelesen und durch Erfahrung erkannt, dass das Jesusgebet „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich über mich Sünder“ alle Leidenschaften tötet, insbesondere Unzucht und Fresssucht, und dass es keine stärkere oder schnellere Waffe gegen die Feinde gibt als dieses Gebet. Aber viele, besonders in der heutigen Zeit, praktizieren das Gebet nicht wegen der menschlichen Schwäche oder um wo möglich, seiner Täuschung zu verfallen. Aber je schwächer der Christ geistlich und körperlich ist, desto stärkere Mittel sollte er nutzen, wenn er sich wirklich von geistlichen Flausen heilen lassen will. Wie bewahren die heutigen Mönche und Nonnen die Herzensreinheit, wenn sie das Jesusgebet bei der Gehorsamsaufgabe oder in der Zelle beten?

Antwort
Es ist notwendig, beständig zu beten. Nachdem man ein Buch übers Jesusgebet gelesen hat, bemüht man sich damit bis zu Ende zu gehen. Er strebt danach, dieselben Zustände zu erreichen, die die Asketen beschreiben, und diese können sehr ernste Krankheiten nach sich ziehen. Der Mensch sucht keine Buße, sucht im Gebet nicht den Schutz vor dem Sinnieren, dem Umherirren der Gedanken, sondern er will, dass das Gebet ein sofortiges Resultat bringt, irgendeinen „Zustand“. Und das spricht davon, dass er nicht von Herzen demütig ist. Der Mensch fordert von Gott irgendein Geschenk. Aber ein Gottes Geschenk ist immer eine unerwartete Freude. All dies ist Menschen zu eigen, die gerade begonnen haben. Begonnen zu beten, hören sie gespannt, ob das Gebet in irgendeiner Weise wirkt oder nicht. Hier kann eine Verfälschung stattfinden. Der Mensch versteht nicht, dass das Gebet Anstrengung bedeutet. Und der Herr sagt: Nicht Euch kommt es zu, Zeit und Stunde zu wissen… (Apg 1,7). Unsere Sache ist es, uns zu bemühen. Natürlich sollen die Menschen sowohl im Kloster als auch in der Welt das Jesusgebet beten. Es ist kurz, man kann es überall beten, wo immer wir uns auch befinden. Einige Leute, darunter auch Geistliche, sagen, dass, man bei der Übung des Jesusgebetes den Reizen verfallen kann. Das kann natürlich vorkommen, wenn der Mensch träumt. Wenn ihm aber wirklich nichts anderes bleibt (alles um ihm herum geht in die Brüche, und er kann nur noch zu Gott schreien), dann ist natürlich das Jesusgebet für ihn der sicherste und kürzeste Weg zur Buße. Das Gebet sollte stets Aufmerksamkeit und Buße in uns heranbilden. Aber leider sind wir noch sehr emotional und wir nehmen dieses Gebet sehr emotional auf. Abgesehen davon, ist das Jesusgebet für jeden orthodoxen Menschen unentbehrlich, denn darin rufen wir Christus, unseren Fürsprecher, an.

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