Seit vielen Jahren führt Vater Andrej Lemeschonok Gesprächsabende mit Gemeindemitgliedern durch, bei denen er ihre Fragen beantwortet. Vor einigen Jahren erschienen die Fragen und Antworten in Buchform in russischer Sprache. Auf unserer neuen Webseite haben Sie nun Gelegenheit, einige dieser Fragen und Antworten auf deutsch zu lesen. Außerdem laden wir Sie ein sich daran zu beteiligen. Sie können uns Ihre Fragen gern per E-Mail schicken oder sie interessierende Themen aus den vorhandenen Rubriken auswählen. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!

Stellen Sie dem Priester Ihre Frage

ANTWORTEN DER PRIESTER NACH THEMEN SORTIERT

Frage

Helfen sie mir, bitte. Ich bin schon 33 Jahre alt, und es ist schrecklich, das zu sagen, - ich habe noch nie gebeichtet. Meinen kleinen Sohn haben wir einmal zur Kommunion gebracht. Es wird Zeit, und ich spüre, dass viel Zeit vergangen ist.

Ich habe Angst, verurteilt zu werden, und ich weiß nicht, wie ich mich vorbereiten soll, womit ich beginnen soll. Krankheiten beginnen sich auszubreiten, alles stürzt zusammen. Vielleicht kann man zu einem Einzelgespräch kommen, bei dem ich alles erfahre und ich mich richtig vorbereiten kann?

Antwort

In jeder Kirche gibt es einen diensthabenden Priester, mit dem man sprechen kann und jene Fragen klären, die sie bewegen. Ansonsten muss man einfach zur Beichte gehen und anfangen, Gott selbst in der Gegenwart eines Priesters etwas zu sagen. Ich denke, dass der Herr Ihnen dabei hilft, das Wichtigste dabei ist der Wunsch, sein Leben zu ändern und Gott herein zu lassen. Wenn man sein Leben Gott anvertrauen will, wenn man an Seine Liebe glaubt, die unseren Charakter, Gewohnheiten verändert, die hilft von den Sünden zu befreien, dann natürlich beginnt ein neues Leben, das zielgerichtet sein wird.

Jetzt sind Sie in der ersten Klasse, dann in der zweiten, fünften, zehnten – wir gehen in die Kirche wie in die Schule, um das geistliche Leben zu lernen, um zu lernen, mit Gott zu leben, Ihn und unseren Nächsten zu lieben. Der Egoist wird nicht im Handumdrehen heilig, dazu bedarf es einer großen Anstrengung, man braucht viel Kraft und Geduld. In der Kirche gibt es alles dafür, um Ihnen zu helfen, Ihr Leben grundsätzlich zu ändern, denn in der Kirche ist Gottes Geist gegenwärtig, die Liebe Gottes, die den Menschen heilt und reinigt. Deshalb: beichten Sie, gehen Sie zur Kommunion. Haben Sie keine Angst die ersten Schritte zu gehen, auch wenn sie noch nicht sehr sicher, nicht sehr fest sind – das ist nicht schlimm. Wichtig ist, dass Sie beschlossen haben vorwärts zu gehen und Christus auf Seinem Weg zu folgen. Und auf diesem Weg wird es Stürze und Abschweifungen geben, aber haben Sie keine Angst, der Herr wird immer bei Ihnen sein, und die Kirche ist für jede kranke Seele offen.

Frage

Helfen Sie mir, bitte, mich richtig auf die Beichte vorzubereiten, damit ich nicht durch Unkenntnis irgendwelche Sünden verheimliche. In dem Buch „Hilfe für den Büßer“ aus den Werken des Hl. Ignatij (Brjantschaninow*) gibt es eine Liste mit den wichtigsten Lastern, und des weiteren ihre Untergliederungen und Abzweigungen. Zum Beispiel: Völlerei, und weiterhin: Schlemmen, heimliches Essen, Naschen, Unbeherrschtheit. Erläutern Sie bitte, muss man bei der Beichte nur die Sünde der Völlerei nennen oder auch alle ihre Untergliederungen aufzählen?

Antwort

Ich weiß nicht. Sie haben das Buch gelesen, lesen Sie noch einige Bücher, aber zur Beichte sollten Sie gehen und vor Gott ihre Seele ohne Spickzettel öffnen. Es kann sein, dass Sie Ihr Naschen heute nicht bereuen müssen, möglicherweise, dass Sie etwas ganz anderes bereuen müssen. Man kann ein dickes Heft mit seinen Sünden füllen und nichts davon bereuen, sondern man zählt nur die Sünden auf, die Sie theoretisch bei sich erkennen. Mein Verständnis der Beichte lautet wie folgt: Es ist ein lebendiges Gespräch der Seele mit seinem Erlöser, mit Gott, mit dem, Der uns liebt und Der uns versteht. Dieses Vertrauen zu Gott, wenn wir auf uns schauen und sehen, was uns jetzt stört zu leben, woran ich schuld bin, wem ich weh tat, wen ich verletzt habe, wer wegen mir gelitten hat, worin ich schuldig geworden bin vor Gott und den Menschen, welche Sünde, welche Lüge wohnt heute in mir? Wenn Sie so bitten und beten, dann wird Gott das alles in Gang setzen. Aber so etwas wie, dass Sie gern Schokolade zum Tee essen oder Torte , das ist heute nicht so wichtig. Denn man kann formell alles richtig machen, aber die Seele ist tot, sie fühlt nicht die Liebe Gottes, die heilt und alles verzeiht. Suchen Sie das Wichtige, das heute in Ihrem Leben verändert werden muss, dass, was Sie abhält und stört Gott und den Nächsten zu sehen; suchen Sie die Aufgaben, die Gott Ihnen heute stellen wird. Man muss schöpferisch mit der Beichte umgehen, und nicht einfach aus Büchern zitieren, noch dazu auf Kirchenslawisch. Viele schreiben ganze Bücher ab und lesen das dann vor, als ob das eine vollständige Generalbeichte sein würde. Denn, wenn man einige Worte sagen würde wie: „ Herr, verzeih mir, ich bin ein solcher Mistkerl!“, und dies von Herzen sagen würde, so, das Herz weh tut, so wäre dies viel wichtiger. Möge Gott Ihnen helfen, zu lernen zu bereuen, vor Gott zu leben und Ihr Leben zu ordnen.

* Hl. Ignatij Brjantschaninow (1807 - 1867): Bischof, geistlicher Autor der Moderne

Frage

Ich kam zur Beichte, aber ich konnte die schlimmste meiner Sünden nicht bekennen. Ich konnte sie einfach nicht aussprechen… Folgendes, vor 3 Jahren wurde ich schwanger, aber ich hatte Angst, es meiner Mutter zu sagen… Als meine Mutter davon von einer gemeinsamen Bekannten erfuhr, war die Antwort eindeutig – Abbruch. Sie weinte und sagte, dass ich ihr Schicksal wiederhole, dass ich das College beenden muss und wenn ich das Studium hinschmeiße, dann mache ich mir mein ganzes Leben kaputt.
Aber das Schlimmste daran ist, dass ich mit ihr übereinstimmte. Sie fand Ärzte in einer anderen Stadt, und ich musste dahin gehen… Es vergingen 10 Monate, ich beendete das Studium, aus gesundheitlichen Gründen wurde ich ausgemustert und ich habe keinen einzigen Tag in meinem Beruf gearbeitet. Nach einiger Zeit habe ich diesen Jungen geheiratet und habe mit ihm einen Sohn. Aber diese schwere Sünde kann ich nicht vergessen, ich denke oft daran und das Herz zieht sich bis zum heutigen Tag zusammen. Ich weiß nicht, ob ich überhaupt in die Kirche gehen kann und die Ikonen verehren kann, ob ich überhaupt in der Nähe der Kirche stehen darf? Sagen Sie mir bitte, was ich tun soll?

Antwort

Es ist gut, dass Sie die Sünde fühlen. Wenn die Seele wegen einer Sünde leidet, heißt das, dass sie lebt. Wie schwer auch Ihre Sünde sein mag, Gott vergibt sie, und die Buße verändert den Menschen, stellt die Verbindung des Menschen zu Gott wieder her. Deshalb muss man unbedingt in die Kirche gehen, denn Gott kam, um die Sünder zu retten. Sie benötigen Seine Hilfe, Seine Liebe, deshalb gehen Sie in die Kirche und zweifeln Sie nicht daran, dass Gott Sie liebt. Aber das, was Sie taten, machten Sie aus Unverstand, weil Sie noch nicht bereit waren, sich mit einem Kind herumzuschlagen.
Bitten Sie darum, dass Gott Ihnen noch mehr Kinder gibt. Erziehen Sie sie im rechten Glauben. Manchmal flüstert der Feind dem Mensch ein, dass Gott ihm nicht vergibt, dass die Sünde größer ist als die Liebe Gottes. Das ist eine Lüge, eine Täuschung. Die Liebe Gottes ist wie das Meer, und unsere Sünde ist ein winziges Sandkorn in diesem Meer. Der Herr nahm die Sünden der Welt auf sich und gibt dem Mensch seine Liebe, die auch den letzten Sünder heilig machen kann. Nicht jeder möchte diese Liebe, denn sie ist mitfühlend, gekreuzigt. Ein Mensch, der mit Gott lebt, ist in dieser Welt verwundbar, denn seine Seele ist offen, in ihr sind nicht nur die eigenen Erlebnisse, sondern auch der Schmerz über andere, das Mitleid mit dem Nächsten. Je größer das Herz ist, desto größer ist der Schmerz. Bemühen Sie sich und üben Sie ihr ganzes Leben lang Buße für die Sünde.

Frage

Ich kommuniziere einmal im Monat, bete regelmäßig die Morgen- und Abendgebete, das Gebet vor der Mahlzeit, lese die Werke der Heiligen Väter. Mich beunruhigt sehr, dass ich keinen Beichtvater habe, dass Antworten auf alle Lebensprobleme in den Sinn kommen. Sind diese Antworten etwa von Gott? Ist das nicht etwa Überheblichkeit?

Antwort
Wir müssen unsere Schlussfolgerungen, Erkenntnisse, das, was wir durchleben, an Hand der Literatur der Heiligen Väter überprüfen. Man muss sich auch Rat holen bei anderen Gläubigen, die auch in die Kirche gehen und einem im geistlichen Sinne nahe stehen. Aber ein geistlicher Vater wird sich für Sie finden, wenn Sie dazu bereit sein werden. Es ist nicht so einfach einen geistlichen Vater zu haben, denn wir sind nicht fähig, einem Menschen zuzuhören und ihm zu gehorchen, der nicht immer das sagen wird, was wir gerne hören möchten. Besonders schwer fällt es, das Wort des geistlichen Vaters als Gottes Wille und Hilfe anzunehmen. Deshalb ist es jetzt ihre Aufgabe, sich zu bemühen, mit der Sünde zu kämpfen und zu verstehen, dass der Herr an unserer Seite ist und die Kraft Gottes sich in der Schwachheit erweist (2Kor12, 9). Aber wenn die Zeit gekommen ist, wird sich ein geistlicher Vater für Sie einfinden.

Frage

Muss man bei der Beichte immer zu ein und demselben Priester gehen oder kann man auch zu verschiedenen gehen?

Antwort
Natürlich wäre es gut, wenn Sie einen Geistlichen hätten, der ihr Leben kennen würde, damit Sie ihm vertrauen und sich mit ihm beraten könnten über ihre Lebenssituationen, die in Ihnen Fragen aufwerfen. Wenn man zur Beichte kommt, bereut man vor dem lebendigen Gott in der Anwesenheit eines Geistlichen, dem Zeugen unserer Reue und Umkehr. Wir glauben, dass durch das Vergebungsgebet, das durch jeden Geistlichen gelesen werden kann, der Herr selbst unsere Sünden vergibt und losspricht, natürlich unter der Maßgabe unserer Reue. Die Gedanken offen legen, Fragen stellen, die das eigene Leben betreffen, irgendwelche Lebenssituationen, die manchmal sehr schwer aufzudröseln sind, muss man denke ich, mit nur einem Geistlichen besprechen. Das ist auch der geistliche Vater, der eine Meinung fassen kann, die nicht einfach ein menschlicher Ratschlag sein wird, sondern Gottes Antwort ist.

Frage

Während einer Pilgerreise in das Kloster von Schirowitschi war ich bei der Beichte, und das Väterchen gab mir eine Buße für 2 Wochen auf: täglich 3 Verbeugungen. Ich habe dies ausgeführt. Muss man nun diese Buße aufheben? Nach Schirowitschi komme ich in nächster Zeit nicht. Was soll ich tun?

Antwort
Sie haben das erfüllt, was Ihnen gesagt wurde. Es entsprach ihren Kräften, so können Sie sich weiterhin darum bemühen. Ich denke, man muss die Buße nicht aufheben, umso mehr, da es nicht ihr geistlicher Vater, sondern einfach ein Priester war, bei dem Sie während der Pilgerreise gebeichtet haben. Allgemein sei folgendes gesagt, solch ein Geistlicher ist nicht berechtigt, den Leuten eine Buße aufzuerlegen, die er zum ersten und vielleicht zum letzten Mal sieht. Eine Buße sollte Ihnen nur Ihr geistlicher Vater oder der Geistliche auferlegen, der Ihre Lebensumstände kennt, zu dem Sie gehen, um einen Rat einzuholen, und dem Sie vertrauen. Der Priester gab Ihnen eine angemessene Buße, sie konnten sie erfüllen, Gott sei Dank. Sie haben sich versöhnt, die Bußübung führten Sie aus, beten Sie für diesen Priester, dass er weiter Gott dient. Und Sie bemühen sich auch weiter. Es kommt vor, das ein kirchenfremder Mensch ins Kloster kommt, und ihm wird eine Buße auferlegt: 100 Verbeugungen jeden Tag, irgendwelche Kanones, mit denen er sich nicht auskennt. Er aber hat noch nicht einmal die Morgengebete gelesen. Ihm wird verboten zu kommunizieren, zu beichten. Der arme Pilger versteht, dass er diese Bußübung nicht erfüllen kann, es entsteht Verwirrung und Unmut, und es kommt vor, dass dieser Mensch ganz aufhört zur Kirche zu gehen. Aus diesem Grund muss man sehr aufmerksam und vorsichtig sein. Wenn Sie das nächste Mal eine Pilgerreise machen, dann denken Sie an folgendes: der Priester, der Ihre Beichte hört, ist der Zeuge Ihrer Umkehr. Er kann etwas raten, aber eine Buße zu verhängen oder irgendwelche Belehrungen vorzunehmen, ohne Sie und Ihre Umstände zu kennen, wäre, wie mir scheint, von seiner Seite nicht richtig.

Frage

Gibt es irgendwelche Regeln für die Beichte?

Antwort
Wer weiß, wie richtig gebeichtet wird? Und überhaupt, kann man richtig beichten? Jeder Mensch hat seine persönlichen Beziehungen zu Gott, zu seinen Nächsten. Der Mensch kommt in die Kirche, um Hilfe im Kampf mit der Sünde zu erhalten. Um mit Gott zu leben, ist Entschlossenheit und der innerste Wunsch der Seele des Menschen erforderlich. Aber die Sünde hält uns davon ab. Das andere, wie Ihr es sagen werdet, mit welchen Worten, in welcher Reihenfolge, hängt von Eurem heutigen Verständnis der Sünde ab, welche Worte muss ich Gott sagen und was muss ich in erster Linie durch den Priester bei Gott erbitten. Die Beichte ist ein Gespräch der Seele mit Gott. Das ist nicht so einfach. Man muss sich anstrengen, und dann muss ein Wunder geschehen, damit der Mensch es fühlt, dass Gott ihn erhört, wartet und ihm helfen und vergeben will. Der Augenblick der Reue selbst ist der Zutritt der Seele zum ewigen Leben. Wir sprechen über die eigenen Probleme, Zweifel, beichten die eigenen Gedanken. Das ist ein Gespräch mit dem Priester, der dem Menschen hilft, sich auf den richtigen geistlichen Ton einzustimmen. Der Mensch soll fühlen, dass er mit Gott spricht, der ihn in seine väterlichen Arme schließt. Ich denke, dass echte Reue das Ergebnis unseres gesamten geistlichen Lebens ist. Heute sagen Sie es mit solchen Worten, aber morgen schon drücken Sie es mit anderen Worten aus, und danach, vielleicht, kommen Sie, sinken auf die Knie nieder, weinen und schweigen, aber die Seele wird in diesem Moment schmerzen wegen der Sünde, und Sie können nur zwei Worte sagen: „Herr verzeih“, und dies wird die Fülle Ihrer Reue sein. Aber dies liegt noch vor uns. Das ist ein enger, schwerer weg und nur dieser führt den Menschen zum ewigen Leben mit Gott.

Frage

Ich war beichten. Die Sünden schrieb ich auf ein Blatt Papier. Damit ging ich zum Väterchen und wollte ihm alles vorlesen, doch er nahm die Liste an sich und begann sie, anzuschauen. Einige Sünden waren sehr schwere, und der Priester sagte, dass er mich davon nicht lossprechen kann, und schickte mich zu einem anderen Priester. Ich stand erneut in der Reihe. Doch dann entschied der erste Priester mich zurückzurufen, er nahm erneut meine Liste, und ich fragte ihn, ob er mir die Beichte abnehmen wird, und er lehnte erneut ab. Er las die Sünden durch, irgendetwas hinterfragte er. Nach dem Lesen fragte mich das Väterchen, ob ich bereue. Ja, natürlich, bereute ich. Von ganzem Herzen. Der Priester bedeckte meinen Kopf und las ein Gebet. Kann ich darauf zählen, dass der Herr mir meine Sünden vergeben hat? Muss man eine Sündenliste verwenden oder seine eigenen aufschreiben?

Antwort
Schauen Sie auf das Resultat. Wenn Sie eine Erleichterung nach dem Lossprechungsgebet empfinden, dann glauben Sie, dass das Sakrament vollzogen wurde, Gott hat Sie erhört, Dank sei Gott. Der Herr sah Ihren Wunsch, ihren Kummer, ihr Streben, sich von diesen Sünden zu befreien, Gottes Hilfe zu erhalten und ein neues Leben zu beginnen. Beim nächsten Mal bemühen Sie sich, ihre Sünden selbst auszusprechen. Ein Spickzettel ist gut, aber laut zu beichten, ist besser, denn dann wird für Sie das Gespräch mit Gott mittels eines Priesters viel konkreter. Er wird auch dem Priester verständlicher werden. Die Erfahrung mit der Beichte verändert sich, und unsere reuevolle Unterhaltung mit Gott, wird, solange wir auf Erden sind, fortdauern. Die Buße ist eine Gabe Gottes. Das Wirken der Gnade Gottes eröffnet dem Menschen eine innere Sicht, er beginnt tiefer zu sehen und wegen der Sünde zu leiden. Wir sollen danach streben, unsere Sünden zu sehen und aufzudecken. Man muss seine Verantwortung und seine Schuld darin spüren, dass wir gesündigt haben und das andere wegen unserer Sünde leiden müssen. Die Buße ist eine große Anstrengung der Seele. Es kommt vor, dass sich jemand auf die Beichte vorbereitet hat, er hat sich angestrengt, aber es sind viele Leute in die Kirche gekommen, der Priester liest einfach nur die Sünden durch, zerreißt die Liste, und dann spricht er das Vergebungsgebet. Wurde das Bußsakrament vollzogen oder nicht? Das hängt von ihrem Glauben ab. Glauben Sie wirklich, dass der Herr Ihre Buße angenommen hat oder ist Ihre Seele unruhig und solch eine Beichte unzureichend? Schauen Sie in Ihr Herz. Setzen Sie ihre Anstrengungen fort auf der Suche nach Gott. Aber der Weg zu Gott ist die Buße. Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe (Mt 3,2).

Frage

Geben Sie uns einen Fingerzeig, wie man richtig beichten soll? Ich verhasple mich, fange zu weinen an, und vergesse, was ich sagen wollte. Aber danach, wenn ich darüber nachdenke, ist es mir peinlich, dass ich nicht alles gesagt habe und ich möchte erneut zur Beichte gehen.

Antwort
Der Priester ist weder Untersuchungsrichter noch Staatsanwalt. Gott ist der liebende Vater, und wir sind seine verlorenen Kinder, die Seiner Hilfe bedürfen. Wenn Sie den Wunsch haben, Buße zu tun und Sie empfinden ihre Schuld, dann gehen Sie zur Beichte. Wenn Sie Gottes Hilfe im Kampf mit der Sünde erhalten möchten, selbst wenn Sie etwas vergessen haben zu sagen, bleiben Sie diesbezüglich ruhig. Wenn Sie bewusst etwas nicht gesagt haben, weil es Ihnen peinlich war, weil Sie es verheimlichen wollten, dann ist das schon ein Jammer, denn dann wird das Sakrament nicht vollzogen, denn dann fehlt es an Aufrichtigkeit und Vertrauen. Aber wenn sie etwa aus Unachtsamkeit oder wegen ihrer Verwirrung taten, dann ist das nicht schlimm. Kein Grund zur Panik. Sie erinnern sich das nächste Mal und sagen es dann. Es geht nicht darum, buchstabengetreu alles bei der Beichte wiederzugeben, sondern, ob wir dies von Herzen taten, in welchem Zustand Sie sich befanden, wie sehr Sie Gott vertrauen. Ich denke, wir alle (Sie und wir hier) müssen uns noch sehr anstrengen, damit wir wahrhaftig Buße tun und nach der Buße nicht mehr sündigen. Aber vorerst läuft der Kampf, und wir haben weder genügend Aufmerksamkeit noch Nüchternheit, und die Gedanken verflüchtigen sich und lassen sich ablenken. Dies alles ist dem geistlich lebenden gefallenen Menschen eigen, der es noch nicht gewöhnt ist, aufmerksam zu leben, in der Gegenwart Gottes, der es nicht gewöhnt ist, seinen Verstand und sein Herz vor der Sünde zu bewahren. Was der Mensch will, das erhält er; was er sucht, das findet er. Dabei helfe Ihnen der Herr!

Frage

Es geschieht doch auch folgendes: Ein im Atheismus erzogener Mensch, der aufrichtig Gott sucht und sich eifrig auf die Beichte vorbereitet hat, gerät an einen Priester, der mit Gleichgültigkeit sich beeilt, alle Sünden aufzählt, und dabei den Willen und Wunsch des Beichtkindes lähmt, darüber zu erzählen. Das Gefühl der Gnade kommt nach solch einer formellen Beichte nicht auf, sie hinterlässt eher ein bitteren Nachgeschmack in der Seele.

Antwort
Alles ist möglich, doch nicht ohne Gottes Vorsehung. Mitunter geht der Mensch, der geistliche Kräfte gesammelt hat, zur Beichte und erwartet, dass er sofort geistlich abhebt. Aber er bekommt ein´s auf die Mütze. Ich will hier nicht die Grobheit und einige falsche Handlungen des Priesters rechtfertigen. Er ist ein Mensch – ein schwacher Mensch. Es kann sein, dass er sich schlecht fühlt… Ich spreche hier über etwas ganz anderes: wenn man will und sich darauf vorbereitet, zu Gott zu kommen, wenn seine Seele brennt, dann muss er sich gedulden. Man wird ihn nicht heranlassen, man wird ihn stören, vielleicht sogar schlagen und stoßen, aber er kommt zu Gott, und nicht zu einem Priester. Der Herr sieht alles und hat alles unter Kontrolle. Ein mir bekannter Journalist kam irgendwann in die Kirche, aber das Väterchen war ein wenig angeheitert. Und für diesen Menschen war das ein ungeheurer Schlag… Aber selbst in diesem Zustand sagte ihm der Priester die richtigen Worte. Wir gehen nicht auf einem ebenen Weg. Natürlich möchten wir, dass uns alle wertschätzen und ehren, und dass alles richtig wäre. Aber wir folgen Christus. Vielleicht sollen diese Katastrophen, diese unausweichlichen Krisen wirklich den Mensch abhärten, der den menschlichen Grund in sich besiegen muss, um trotz allem mit Gott verbunden zu bleiben. Dies geschieht im Leben aller. Solange der Mensch hier auf Erden ist, werden wir ihn nicht verklären. Wir sagen, dass ihn ihm Gott wirkt. Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir verstehen, zu wem wir gehen: zu einem Priester oder zu Gott. Aber das Väterchen, über das ich sprach, ist leider schwach. Menschen der Kirche verurteilen ihn nicht, sie beten für ihn, lieben und gehorchen ihm. Das heißt nicht, dass sie die Trunksucht verdecken. Sie verstehen aber durch ihre geistliche Intuition, dass man zu Gott kommt und dass Gott durch diesen Menschen wirkt. Darin besteht wahrscheinlich auch die Schönheit der Orthodoxie. Und Gott kann völlig unerwartet, unvorhersehbar wirken. Ein anderer Mensch mit untadeligen Lebenswandel kann sehr kalt sein. Die Leute brauchen aber etwas Warmes, manchmal einfach ein geistliches Wort. Wir sind keine Richter. Und wenn es Gott unliebsam erscheint, dann wird Er ihn aus der Priesterschaft ausschließen. Wir müssen vom Menschlichen zum Göttlichen übergehen, von der äußerlichen Kirche zum himmlischen Jerusalem, von der Kommunion, die wir sehen, die der Priester im Kelch hinaus trägt, zum: „ Das war´s! Die Zeit ist um, ich bin jetzt beim Letzten Abendmahl, und Christus selbst spendet es mir und ich bin in Deinem Reich angekommen, Herr.“ Das alles soll mit jedem von uns passieren, darin schließt sich die Reife unserer Seele, die Ausbildung unserer Persönlichkeit als Ebenbild Gottes und als ein Ihm ähnlich seiendes Wesen, ein. Und das eben ist die Wiege, in der der Säugling erzogen wird, bevor er anfängt auf eigenen Füßen zu stehen und zu laufen...

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Ich bin kein Roboter.