Seit vielen Jahren führt Vater Andrej Lemeschonok Gesprächsabende mit Gemeindemitgliedern durch, bei denen er ihre Fragen beantwortet. Vor einigen Jahren erschienen die Fragen und Antworten in Buchform in russischer Sprache. Auf unserer neuen Webseite haben Sie nun Gelegenheit, einige dieser Fragen und Antworten auf deutsch zu lesen. Außerdem laden wir Sie ein sich daran zu beteiligen. Sie können uns Ihre Fragen gern per E-Mail schicken oder sie interessierende Themen aus den vorhandenen Rubriken auswählen. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!

Stellen Sie dem Priester Ihre Frage

ANTWORTEN DER PRIESTER NACH THEMEN SORTIERT

Frage

Väterchen, einer meiner Bekannten geht ohne Beichte zur Hl. Kommunion. Sagen Sie, bitte, Ihre Meinung dazu!

Antwort
Zur Teilnahme an den Heiligen Geheimnissen ohne Beichte gibt die Kirche keinen Segen. Das Mysterium der Reue ist nicht verbunden mit der Hl. Kommunion, aber man sollte zum Hl. Kelch treten, nachdem man sich mit allen versöhnt hat. Deshalb gibt es bei uns diese Tradition, vor der Kommunion zu beichten. Wenn jemand regelmäßig in derselben Kirche beichtet, bei demselben Priester, dann kann das Väterchen, wenn er keine besonderen Hindernisse sieht, ihm den Segen geben, ohne Beichte zur Kommunion zu gehen. Wenn der geistliche Vater sein Leben kennt, und wenn es keine Sünden gibt, die die Teilnahme an der Hl. Kommunion verhindern, dann ist das natürlich angemessen. Wenn sehr viel Leute zum Gottesdienst gekommen sind, viele Menschen, die zum ersten Mal da sind, dann fragt der Priester jene, die regelmäßig kommunizieren, besonders an großen Feiertagen, wann sie das letzte Mal gebeichtet haben. Und wenn es nicht so lange her ist, dann erteilt der Priester mit dem allgemeinen Vergebungsgebet den Segen für die Kommunion ohne Beichte. Wenn aber Ihr Bekannter einfach nur kommuniziert und denkt, dass er die Beichte nicht braucht, dann macht er etwas falsch. Und das ist gefährlich, das kann geistlich gesehen irrtümliche, beklagenswerte Folgen haben. Dient dem Herrn in Furcht, und küsst ihm mit Beben die Füße (Ps 2,11). Trotzdem muss man verstehen, dass die Kommunion das größte Mysterium ist, und wir unwürdig sind, es zu empfangen. Natürlich ist unsere Reue unzureichend, jedoch können wir durch Zerknirschung und Reue das Opfer der Witwe darbringen. So wie es notwendig ist, sich zu demütigen und zur Beichte zu gehen, und zu versuchen, die Sünde aufzudecken, die sich oft im Innern des Menschen versteckt. Um diese zu erblicken, muss man sich darum bemühen, braucht man die Hilfe Gottes, die wir im Mysterium (Sakrament) der Buße erhalten.

Frage

Wenn man es vor der Beichte am Sonntag nicht schafft, am Samstag zum Gottesdienst zu gehen, weil das Kleine erst 2 Monate alt ist, kann man trotzdem am Sonntag zur Liturgie gehen?

Antwort
In unserer Kirche kann man, aber wo anders, kann es sein, dass man Ihnen sagt, dass es nicht möglich ist. Ich denke, es ist normal, dass sich die Mutter um ihr Kind sorgt und den kleinen Kindern fällt es schwer, den ganzen Gottesdienst lang zu stehen. Und Sie gehen ganz beruhigt mit dem Kleinen. Er erhält die Hl. Kommunion und danach kommunizieren Sie. Deshalb wird man Ihnen Platz machen, Sie durchlassen. Genieren Sie sich nicht, kommunizieren Sie, Sie verstoßen gegen keine Regeln. Es gibt natürlich verschiedene Umstände. Es ist gut, wenn man alle vollständig hält: die Regel, die Kanones… Aber das Leben stellt Fragen, die nicht in diese Kanones und Regeln passen. Und dann muss man sagen: „Herr, hilf, segne!“

Frage

Könnte man zum Gottesdienst auch nicht nüchtern kommen, wenn man an diesem Tag nicht zur Kommunion gehen wird?

Antwort
Natürlich kann man. Warum wurde früher gesagt, dass man nüchtern sein muss? Weil man nach dem Gottesdienst eine Prosphore, das Antidoron, aß und Weihwasser trank. Aber die Lebensumstände können verschieden sein: zum Beispiel kann jemand zu Haus frühstücken, weil er nach dem Gottesdienst sofort zur Arbeit gehen muss.

Frage

Meine Freundin hat drei Kinder zwischen 1 und 6 Jahren. Jetzt sind sie krank (über 40°C Temperatur). An jedem Wochenende haben die Eltern sie zur Kommunion gebracht. Meine Freundin sagte immer: wenn man die Kinder zur Kommunion bringt, dann werden sie nicht krank. Nun kann sie sowas nicht mehr sagen. Sie ist verwirrt, warum passiert sowas?

Antwort
Eine Versuchung! Aber wer hat gesagt, dass, wenn man kommuniziert, man nicht mehr erkrankt. Das ist eine Verfälschung, das nennt sich schon „orthodoxer Materialismus“. Wir bringen die Kinder nicht deshalb zur Kommunion, damit sie nicht krank werden oder sie gutes Geld verdienen, wenn sie heranwachsen; sondern dafür, dass sie Menschen werden. Kommunion: das ist der Weg nach Golgatha. Da gibt es so ein Moment: Der Mensch, der in die Kirche kommt, erwartet, dass Gott jetzt alles nach seinem Wunsch und Willen einrichtet. Aber dies schließt das Vertrauen zu Gott auch ein, das der Mensch nicht aus Eigennutz in die Kirche kommen soll. Das Mysterium wird nicht dafür vollzogen, dass der Mensch seine Gesundheit verbessert, obwohl sich die Gesundheit tatsächlich verbessert. Wenn ich nicht kommunizieren würde, dann hätte ich nicht die körperlichen Kräfte, um weiterzuleben. Das ist so. Aber der Sinn des geistlichen Lebens besteht in etwas ganz anderem. Warum ist der Weg, der ins Himmelreich führt, so eng? Wenn der Mensch seine Sünde rechtfertigt, dann schmerzt seine Seele nicht. Aber wenn du siehst, dass deine Gedanken und Gefühle von der Sünde verseucht sind, und man muss sich ständig kontrollieren, ständig für seine Reinheit, seine Nüchternheit kämpfen muss, dann ist das eine große Anstrengung. Der Herr sagt: Wachet (Mk 13,35). Natürlich, wenn der Mensch die Gnade Gottes empfangen hat, die Seele jubelt, fühlt er sich in die Ewigkeit versetzt, fühlt er die Ganzheit dieser Welt und seine eigene Ganzheit, - danach ist es sehr schwer weiterzuleben, denn plötzlich zack und das war´s, und Leere, und dieser Zustand ist verloren! Aber man bleibt in der Kirche, man bleibt nur gläubig, wenn man diese Zeit der Leere überlebt und nicht in Zweifel verfällt, den Kopf hängen lässt. Ihre Freundin soll ruhig zur Kommunion gehen. Ich würde raten, so oft wie möglich die Kinder zur Kommunion zu bringen, gerade jetzt in dem Alter bis zu 6 Jahren, denn wenn sie zwischen 15 und 20 Jahre alt sind, dann gehen sie womöglich nicht mehr in die Kirche. Aber dass sie sie zur Kommunion gebracht hat, das ist sehr gut. Die Kommunion wird auf jeden Fall in ihrem Leben wirken, der Leib und das Blut Christi bleiben im Menschen. Aber man könnte auch sagen: „Wissen Sie, dort in der Kirche haben sie sich angesteckt!“ In diesem Zusammenhang erinnere ich mich, wie sich die Ärzte der Tuberkulosestation gewundert haben: „Wie können sie alle mit einem Löffelchen kommunizieren? Wie geht es dem Priester danach? Wird er nicht krank…“ Das ist das Blut Christi, es reinigt uns. Also sollten Sie Ihre Freundin aufmuntern.

Frage

„Was besser ist, selten oder oft an den Hl. Geheimnissen teilzunehmen, ist schwer zu sagen. Zacchäus nahm mit Freude den lieben Gast, den Herrn, in sein Haus auf und er verhielt sich korrekt. Aber der Hauptmann, der seine Unwürdigkeit bekannte, beschloss aus Demut ihn nicht aufzunehmen und verhielt sich auch korrekt. Obwohl ihre Handlungen entgegengesetzt sind, sind ihre Beweggründe doch gleich. Und sie erschienen vor Gott gleich würdig.“ Das schrieb der Hl. Nikon von Optina.*

Antwort
Ich sage Ihnen folgendes: durch meine Schwachheit bin ich derzeit nicht in der Lage, mich auf dieses Geheimnis vorzubereiten. Je öfter ich kommuniziere, desto genauer sehe ich, dass ich nicht bereit und niemals bereit sein werde. Aber ich verstehe, dass Gott mich nicht wegstößt, sondern annimmt. Und ich muss die Göttliche Liturgie feiern, ich brauche die Kräfte, besonders heute, um mit ihnen zu sprechen. Wenn ich kommuniziere, sehe ich, dass physische und innere Kräfte erscheinen, um irgendein Wort zu sagen. Ohne Kommunion zu sein, wäre der Tod… Wir leben in solch einer Zeit, in der der Mensch sich selbst nicht anzutreiben vermag. Als der Heilige Nikon von Optina lebte, war die Zeit eine andere. Selbst vor der Revolution war die Zeit nicht so wie jetzt. Heute sind die Leute schwach. In der Welt gibt es so viele Reize. Aber wenn wir darüber beschließen, ob wir bereit oder nicht bereit zur Kommunion sind, dann werden wir jeden Tag tiefer und tiefer fallen. Gibt es die Möglichkeit zu kommunizieren, dann kommuniziere. Der Herr wird niemand fernhalten. Du musst nur verinnerlichen, dass du der größte aller Sünder bist, und dass du an keinem Ärger festhältst. Das ist sehr wichtig.
* Hl. Nikon (mit weltlichem Namen: Nikolaj Mitrofanowitsch Beljajew, 1888 – 1931), Starez der Optina Pustyn, Bekenner des orthodoxen Glaubens

Frage

Was sagen Sie bezüglich der Heilung von Besessenen durch die tägliche Kommunion und Fasten?

Antwort
Wenn das so einfach wäre: kommuniziere täglich und du wirst gesund …Die Kommunion ist eine Gabe Gottes, aber es sollte immer auch eine Antwort des Menschen geben, sein Wunsch, seine Anstrengung. Natürlich schenkt die Kommunion dem Menschen Kraft, mit dem Leiden, mit der geistlichen Krankheit zu kämpfen, aber um kämpfen zu können, bedarf es auch noch einem persönlichen Streben. Man darf sich der Kommunion gegenüber nicht so konsumentenhaft verhalten. Diese Gottesgabe fordert vom Menschen eine ständige Kontrolle über sich, eine ständige aufrichtige Selbstaufgabe. Kommunion und Fasten ist die erste Grundlage im Kampf gegen die Sünde. Und wenn der Mensch die Anstrengung erfüllt, um zu fasten und zu kommunizieren, dann wird die Gnade Gottes auf jeden Fall siegen. Es reicht nicht, den kranken Menschen an der Hand zum Kelch zu führen. Es gibt keine automatische Wirkung. Er muss für sich selbst festlegen: „Möchte ich mit Christus leben, möchte ich ihn in mir tragen? Ich nahm Gott in mich auf, das bedeutet, wenn ich aus der Kirche komme, dann muss ich darum kämpfen, dass Er in meinem Herzen ist, um Ihn nicht auf den breiten Pfaden des menschlichen Lebens zu verlieren, in dem ich das Gedächtnis an Christus bewahre, im Gebet und in der Hoffnung…“

Frage

Im Gebet des Hl. Basilius des Großen* zur Vorbereitung auf die Kommunion lesen wir „ wenn ich unwürdig teilnehme“. Aber was heißt würdig? Und was ist dafür notwendig?

Antwort
Mir scheint, würdig kommunizieren bedeutet, sich selbst für unwürdig erachten. Je mehr der Mensch seine Unwürdigkeit fühlt, desto näher ist er Gott. Würdig kommunizieren können wir nicht, denn das ist eine Gabe Gottes. Wir haben sie nicht verdient, und die ganze Menschheit hat sie nicht verdient. Nur die Gottesmutter konnte diese Liebe annehmen und erfassen. Wir alle können am Leib und Blut Christi nicht würdig teilhaben. Also muss man sich versöhnen und sagen: „Dem Demütigen wird die Gnade geschenkt. Ich bin unwürdig, aber ohne Dich, Herr, kann ich nicht leben!“ – dies kann und muss sich jeder getrauen. Einige beklagen sich: „Ich kommunizieren, aber mein Leben wird immer schlimmer. Ich nehme an den Hl. Geheimnissen teil, aber die Prüfungen, Versuchungen werden immer mehr“. Auf diese Weise kann man dazu gelangen, dass man generell Waffenstillstand mit dem Teufel schließt bis zum Ende der Erdentage und sagt: „Ich werde mich nicht mehr an Gott wenden, ich werde dich nicht antasten, und du sollst mich auch nicht antasten und lass mich in Ruhe leben.“ Und der Teufel wird euch ein ruhiges Leben ermöglichen, aber unter einer Bedingung: Lebt, aber wisst, dass ihr danach mein sein werdet.“
* Der Hl. Basilius der Große (um 330 - 379), Erzbischof von Caesarea und Kappadokien, einer der bedeutendsten Heiligen Väter und Lehrer der Kirche.

Frage

Stimmt es, dass es nach der Kommunion unzulässig ist, für einige Tage kniend zu beten?

Antwort

Die Kommunion ist wirklich ein Feiertag. Aber stellen Sie sich folgende Situation vor: da hat jemand kommuniziert, und der Herr schenkte ihm Reue. Derjenige kniet nieder und beginnt über seine Sünden zu weinen, aber ein anderer packt ihn am Schlafittchen: „Was machst Du da? Du hast gerade die Kommunion empfangen, warum kniest Du dich hin?“ Und das wäre natürlich nicht richtig.

Nach der Kommunion soll man nicht sündigen, nach der Kommunion sollen wir mit Gott leben, Ihn in allem sehen und auf Ihn hören – das ist die wichtigste Regel. Aber 2 – 3 Tage nicht zu knien, liegt im eigenen Ermessen.

Frage

Warum sollen kleine Kinder kommunizieren?

Antwort

Der Herr sagte: Lasset die Kinder zu Mir kommen und hindert Sie nicht (Lk 18, 16). Je häufiger, wie mir scheint, die Kleinen kommunizieren, desto besser für sie. Aber es ist auch sehr wichtig, dass die Frau, die ein Kind unter dem Herzen trägt, kommuniziert – und wenn es nur wegen des Säuglings ist.

Solange das Kind klein ist, kann und muss man es in die Kirche bringen. Wenn er zu laufen beginnt, wird es schon schwerer damit. Wir glauben, dass die Gnade Gottes, die wir durch die Heilige Kommunion empfangen, ihm im Leben helfen wird.

Der Heilige Seraphim von Sarow* sagte: „Wer daran teilnimmt, der wird überall gerettet werden; wer aber nicht teilnimmt, der ist nicht in Mir“, das heißt wegen der Gaben Gottes wird der Mensch gerettet.

Deshalb, wenn Sie die Möglichkeit haben, ihre Kinder kommunizieren zu lassen, nutzen Sie sie und danken Sie Gott.

* Der Heilige Serafim von Sarow (mit weltlichem Namen: Prochor Isidorowitsch Moschnin, 1754[59] – 1833), Mönch, großer Asket und Mann des Gebetes; einer der am meisten verehrten Heiligen der Russischen Orthodoxen Kirche)

Frage

Muss man unbedingt am Dienstag den Abendgottesdienst besuchen, wenn man am Mittwoch zur Kommunion gehen will?

Antwort
„Bedingungen“ gibt es hier keine, aber man sollte äußerste Anstrengungen unternehmen, um zur Kommunion zu gehen. Je mehr sich ein Mensch bemüht, desto besser ist das für ihn. Aber ob es gelingt, an den Gottesdiensten teilzunehmen, das hängt von den Lebensumständen desjenigen ab. Einige müssen nur in die Kirche gekrochen kommen, denn mehr vermögen sie nicht zu tun. Und das ist eine Heldentat, wenn der geschlagene, verwundete, von der Sünde befleckte, aber unbezwungene, sich nicht dem sündigen Willen unterordnende Mensch mit Hoffnung und Glauben zur Beichte oder zum Kelch kommt. Und Gott wird ihn auferwecken.

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