Seit vielen Jahren führt Vater Andrej Lemeschonok Gesprächsabende mit Gemeindemitgliedern durch, bei denen er ihre Fragen beantwortet. Vor einigen Jahren erschienen die Fragen und Antworten in Buchform in russischer Sprache. Auf unserer neuen Webseite haben Sie nun Gelegenheit, einige dieser Fragen und Antworten auf deutsch zu lesen. Außerdem laden wir Sie ein sich daran zu beteiligen. Sie können uns Ihre Fragen gern per E-Mail schicken oder sie interessierende Themen aus den vorhandenen Rubriken auswählen. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!

Stellen Sie dem Priester Ihre Frage

ANTWORTEN DER PRIESTER NACH THEMEN SORTIERT

Frage

Kann man auch bei einem anderen Priester beichten oder den Segen holen außer bei seinem Beichtvater?

Antwort
Ja, natürlich. Sie kommen zu Gott. Sie müssen beichten – dann beichten Sie bei irgendeinem Priester. Aber mit dem Beichtvater – das ist eine Offenbarung der Gedanken, das ist ein Austausch, in dem Sie einen Rat suchen, das sind geistliche Beziehungen und eine menschliche Verbindung. Zum Beichten kommen wir zu Gott, und im Sakrament erhalten wir die Absolution mittels eines Zeugen, mittels eines beliebigen Priesters (es ist unwichtig, ob jung oder alt). Aber wenn man in Einzelheiten eindringen und um Rat fragen will, muss man sich an den Beichtvater wenden.

Frage

In welchen Fällen muss man um den Segen bitten, und bei wem kann man den Segen erbitten, wenn kein Beichtvater da ist?

Antwort
Erstens, man muss für sich entscheiden, ob ich diesen Segen erfüllen will. Wenn Sie dabei unsicher sind, ist es besser zunächst für sich zu beten, denn wir bitten um den Segen und dann vergessen wir alles wieder. Wenn Sie den Wunsch haben und Sie spüren, das die Hilfe Gottes notwendig ist (denn der Segen ist als Unterstützung gedacht), dann erbitten Sie ihn bei dem Geistlichen, dem Sie vertrauen, bei dem Sie um das Gebet bitten.

Frage

Erklären Sie, bitte, wie man einen geistlichen Vater findet?

Antwort
Wer sucht, der wird immer finden. Klopft an, und man öffnet Euch, sucht, und Ihr werdet finden (vgl.: Mt 7,7; Lk 11,9). Ich denke, man muss sich nicht beeilen und ereifern. Sie haben den Wunsch zu fragen. Aber haben Sie danach auch den Wunsch das zu tun, was Ihnen gesagt wird? Das ist schon schwieriger. Wenn Sie nicht einfach mit kirchlichen Floskeln sagen wollen „mein geistlicher Vater hat das gesegnet“, sondern versuchen Sie wirklich jemand zu finden, zu dem Sie Vertrauen haben, und das Gefühl, das durch ihn Gott spricht, dann ist das etwas anderes. Für Sie wäre das eine wichtige Etappe im Leben. Aber noch einmal, könnten Sie gehorchen, wenn man Ihnen etwas sagt, das Ihnen nicht gefällt, das Sie nicht annehmen wollen? Könnten Sie Ihr „Ich“ niederringen und Vertrauen zu dem Menschen bewahren, der Sie rügen, zurechtweisen wird? Das ist schon geistliches Wachstum. Jeder von uns muss lernen, sich zu demütigen. … Gott schickt uns die Menschen, die wir brauchen. Man muss aufmerksam sein, dann finden Sie alles.

Frage

Reicht es, den Segen bei Gott und nicht bei einem Priester zu erbitten?

Antwort
Wahrscheinlich verstehen Sie den Segen vom Priester nicht. Wir bitten um den Segen Gottes, und mittels des Priesters segnet uns Gott selbst. Was geschieht bei der Beichte? Der Mensch kommt zu Gott, aber der Priester ist nur Zeuge der Buße. Was geschieht bei der Kommunion? Christus reicht mittels des Priesters den Menschen Seinen Leib und Sein Blut. So dass wir den Segen nicht bei einem Menschen, sondern bei Gott erbitten. Und wenn wir den Segen erhalten, küssen wir nicht die Hand eines Menschen (auf gar keinen Fall) – wir küssen die Hand Gottes. Anders verstehen wir die Bedeutung des Priesters überhaupt nicht. Wer ist das Haupt? Christus. In der Kirche findet das Zusammentreffen mit Christus statt, der Dienst für Christus. Wir nehmen am Gottesdienst teil: wir stehen nicht einfach da, es ist nicht einfach so, dass „ der Priester dort im Altarraum betet, aber ich bin gekommen, stehe jetzt da und erhole mich“, sondern wir sind auch eingeschlossen, nehmen an diesem Dienst teil. Und für uns heute ist es sehr wichtig, dass der Dienst nicht nahe an unseren Ohren, unseren Herzen vorbei rauscht, wenn wir uns zur Beichte drängeln mit dem Wunsch, mit dem Väterchen zu sprechen, und sich bei ihm zu beschweren, sondern damit wir die leben spendenden Worte des Gottesdienstes hören und aufsaugen. Andernfalls steht sich der Mensch in Erwartung dessen, dass er bei der Beichte an die Reihe kommt, die Beine in den Bauch, aber auf den Gottesdienst hört er so auch nicht. Das ist sehr wichtig, das ist geistliche Kultur, die man heranbilden muss. Ich hoffe, dass sich bei uns diesbezüglich etwas verändert.

Frage

Muss man unbedingt einen geistlichen Vater haben?

Antwort
Sind wir heute dazu bereit, einen geistlichen Vater zu haben? Na ja, vielleicht, muss man fragen: Sind wir heute bereit, darauf zu hören, was für uns unangenehm werden kann? Sind wir bereit, dem geistlichen Vater mehr zu glauben als uns selbst, sind wir bereit, uns zu demütigen? ... Wahrscheinlich nicht. Aber natürlich benötigt der Mensch Hilfe. Und sie kommt durch den Menschen. Der Geistliche ist der Zeuge meiner Buße, meines Wortes, das ich an Gott richte. Und durch ihn kann ich etwas hören. Das alles sind vielschichtige, tiefe Beziehungen. Also wenn jemand sagt: „Werden Sie mein Beichtvater“. Gut, werde ich, und dann? Geistliche Beziehungen zum Priester werden natürlich unabhängig von bloßen Worten aufgebaut. Es ist immer ein innerer Dialog, eine innere Nähe, Verantwortung füreinander, die entsteht. Ich fuhr mehr als 20 Jahre zu Vater Nikolaj Gurjanow* und irgendwann fühlte ich, dass ich das, wonach ich fragte, nicht erfüllte. Ich sah, dass ich nicht fähig war, dass ich keine Kraft habe, dass ich nicht kämpfen kann und werde. Deshalb hörte ich auf, nach irgendwelchen Sachen zu fragen. Allerdings habe ich verstanden, dass vielleicht ein anderer Sinn in den Beziehungen zwischen den Leuten liegt, dass man Gott in einem anderen Menschen erkennt. Und ich habe um Gottes Hilfe gebeten, um das Wort anzunehmen, das ich für mich gehört habe. Ich habe niemals bei Vater Nikolaj gebeichtet. Aber für mein Leben bedeutet er mir bis zum heutigen Tag sehr viel. Wir fahren jedes Jahr zu seinem Grab. Einmal im Jahr unternehme ich eine geistliche Pilgerreise und dort feiere ich die Liturgie. Aber mehr brauche ich in diesem Moment nicht, um zu leben (ich will weder auf den Athos noch nach Jerusalem), denn bei der Liturgie sind wir außerhalb der Zeiten. Tatsächlich, alles, was möglich ist, hat sich erfüllt. Und auch an die zweite Ankunft Christi erinnert der Priester im Gebet, und sie ist schon unter uns.
* Erzpriester Nikolaj Gurjanow (Nikolaj Alexejewitsch Gurjanow; 1909 – 2002), der gottselige Starez lebte über 40 Jahre als Asket auf der Insel Salit (im Pskower See)

Frage

Kann man dem Väterchen bei der Beichte die Sünden nicht aussprechen, sondern für sich bereuen? Oder muss man sie unbedingt aussprechen? Ich kann mich nicht durchringen, es auszusprechen; mich erschreckt das!

Antwort

Das Wichtigste ist, den Kampf mit der Sünde zu beginnen. Wenn der Mensch seine Sünde nicht laut aussprechen kann, aber gegen sie kämpft und innerlich Reue empfindet, dann muss man bei der Beichte sagen: „Ich habe Sünden begangen, für die ich Buße tue. Aber derzeit habe ich keine Kraft, sie laut auszusprechen, aber ich bitte Gott um Vergebung.“ Das wird auch ein Schritt sein zum Sieg über die Sünde. Sie haben den Wunsch, aber einfach keine Kraft. Gott hilft, sogar diese Beklommenheit zu besiegen.

Man kann viel mit dem Mund aussprechen, aber das Herz bleibt kalt. Man muss diese Angst und diesen Zustand besiegen, wenn sich die Sünde versteckt. Die Sünde fürchtet das Licht, fürchtet sich davor, aufgedeckt, sichtbar zu werden. Hier wird der innere Kampf geführt. Der Geistliche sollte das verstehen und Ihnen helfen. Ich denke, dass Gott Ihnen ein solches Väterchen schickt. Die Beichte ist kein Verhör, und der Geistliche kein Ermittler, er ist einfach Zeuge der Buße.

Möge Gott Ihnen dabei helfen!

Frage

In der Kirche, in der ich früher gebeichtet habe, gab es immer eine lange Warteschlange. Ich spürte, dass mir die Zeit nicht reicht, um mich ganz zu öffnen. Ich würde gern mit dem Väterchen ohne Rücksicht auf die Wartenden sprechen. Ich möchte über vieles sprechen, bedächtig Buße tun. Sagen Sie, bitte, ob man auch außerhalb der (Gottesdienst-) Zeiten (z. B. abends) zur Beichte kommen kann, an wen kann ich mich wenden? Ich brauche dringend dieses Gespräch, diese Beichte. Dem Herrn sei Dank!

Antwort
Man kann zu jedem Geistlichen gehen und darum bitten. Wenn es für Sie wirklich notwendig ist. Bei uns im Kloster zieht sich die Beichte bis spät (in die Nacht), damit gibt es kein Problem. Natürlich, wenn man zur Beichte vor der Liturgie kommt, wenn die Zeit beschränkt ist und der Priester es schaffen muss, dass alle Leute beichten, die zur Kommunion gehen wollen, dann sagst du nicht viel. Aber Sie können das aufschreiben, was Sie sagen wollen. Jetzt beichtet man in vielen Kirchen am Abend. Es ist verständlich, dass Sie sich aussprechen wollen, dass Sie den Dialog mit dem Geistlichen suchen. Der Herr wird Ihnen diese Möglichkeit geben

Frage

Ich quäle mich wegen der Sünden meines bisherigen Lebens. Ich konnte in der Beichte darüber nicht erzählen. Es kann sein, dass alle diese Sünden durch die Krankensalbung verbrannt wurden, an der ich teilnahm, und ich muss jetzt nur das beichten, was in mir gerade vorgeht?

Antwort

Wenn irgendwelche Sünden im Gedächtnis geblieben sind und Sie werden davon gequält, dann, denke ich, muss man sie beichten. Können wir davon sprechen, dass sie alle verbrannt wurden? Aber wenn der Herr Ihnen etwas offenbart hat, damit Sie Buße taten und wir noch gar keine Buße getan haben? Ein Mensch kommt zur Beichte: er hat etwas gesagt, etwas gestammelt, das war´s. Aber nachdem einige Zeit vergangen ist, beginnt er plötzlich Gewissensbisse zu bekommen und seine Verantwortung zu fühlen für das, was er irgendwann einmal getan hat.

Es kann sein, dass Sie selbst das nicht verstehen, aber das, was Sie von Ihren früher begangenen Sünden quält, - das ist die Gnade Gottes in Ihnen.

Das Gefährlichste ist, wenn dem Menschen alles egal ist, wenn er um seine Sünde weiß, aber innerlich ist er ganz ruhig. Es ist furchtbar, wenn die Seele schläft. Wie kann man sie wecken? Aber Ihre Seele leidet und quält sich, das heißt, sie lebt wieder auf. Also danken Sie Gott und bemühen Sie sich weiter.

Wie sehr wir uns auch Mühe geben, wir werden die Buße hier auf Erden nicht zu Ende bringen. Der Hl. Altvater Sisoe* hat kurz vor seinem Tod gesagt, dass er noch nicht begonnen hat, Buße zu tun. Um so mehr wenn wir sagen, dass wir schon Buße getan haben, dass wir Heilige sind, - das wäre Betrug.

* Der Hl. Altvater Sisoe der Große (†429), Einsiedlermönch, 60 Jahre in der Ägyptischen Wüste in der Höhle des Hl. Antonius des Großen in Askese gelebt.

Frage

Ich weiß, dass in mir eine bestimmte Sünde wohnt, z. B. Empfindlichkeit, Reizbarkeit oder das Verurteilen. Muss man diese bei der Beichte nennen, wenn es keinen konkreten Fall gab, bei dem sie sichtbar wurde?

Antwort

Die Sünde, die nicht sichtbar wurde, aber die Seele beunruhigt und wie ein Stein, den Menschen niederdrückt, soll und muss man beichten.

Es ist sehr wichtig, wenn Du zur Beichte gehst, Gott einfach im Herzen zu sagen: „Herr, hilf, sag mir, worin ich Buße tun soll, laß mich meine Sünde erkennen.“ Dabei ist es wichtig, dass die Stimme des Sterbenden, wie die Stimme des im Meer untergehenden Apostels Petrus, an Gott gerichtet wird, damit wir glauben, dass Gott uns erhört, dass Er uns an die Hand nimmt und uns hochzieht.

Manchmal verstehen die Leute überhaupt nicht, was die Beichte ist, aber sie finden trotzdem zu Gott. Möglicherweise schließt das Tun Gottes auch ein, dass, wer seine Trägheit überwindet und trotz allem zur Kirche geht, sich versöhnt, bei der Beichte stand, seine Schuld bekennt…Der Mensch sieht überhaupt nichts, aber er weiß, dass er blind ist – und das ist auch Buße; und wir glauben, dass Gott sie annimmt.

Die Beichte ist ein ständiges Wachsen. Je stärker und realer dieses Wachstum im Leben ist, desto persönlicher wird die Buße, desto schonungsloser prangert der Mensch sich, sein „Ego“ an.

Die Erfahrung des direkten Gesprächs, des Dialogs mit Gott, die im Paradies unterbrochen wurde, ist sehr wichtig für uns alle, denn das ist die Erfahrung unserer Gotteserkenntnis, die Erfahrung der Liebe. Gott klopft an unser Herz und durch die Beichte spricht Er: Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe (Mt 4,17). Dieses Reich ist in uns (vgl.: Lk 17,21). Aber unser Herz ist verschlossen, und wir sollen es Gott öffnen.

Frage

In unserer Kirche am Vorabend großer Feiertage, wenn sich viele Menschen versammeln, vollzieht der Priester eine gemeinsame Beichte. Wenn ich die Sünden nicht laut nenne, sind sie mir dann trotzdem erlassen?

Antwort

Buße – das sind nicht nur Wörter, die wir aussprechen, sondern der Schmerz über die begangene Sünde, das Gefühl der Schuld Gott gegenüber. Der Herr ist der Herzenskenner, das heißt Er sieht und kennt das Herz des Menschen. Wenn es in ihrer Kirche keine Möglichkeit gibt, über die Sünde zu erzählen, weil eine gemeinsame Beichte durchgeführt wird, zweifeln Sie nicht daran, dass Gott Ihre Buße annimmt, die eine Gabe Gottes ist. Der Herr hört Sie, auch wenn Sie Ihre Sünde nicht laut aussprechen. Murren Sie nicht und auf keinen Fall verurteilen Sie den Geistlichen nicht, der eventuell wegen einer Unpässlichkeit, aus irgendeinem Grund Ihre ausführliche Beichte nicht anhören kann.

Wenn Sie spüren, dass die Sünde sich nicht abwendet und Sie müssen sie laut aussprechen, kann man für die Beichte in eine andere Kirche fahren.

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