Aus der Sammlung der Vätersprüche (Anonyma)

2. September 2021

Die Wueste ein lebensfeindlicher Ort

Die Wüste - ein lebensfeindlicher Ort

Über die Sünde der Habsucht

Ein Asket, verwirrt durch die Habsucht, erlangte durch seine Arbeit ein gewisses Vermögen, erst einen, dann zwei, später machte er fieberhaft sogar fünf Dinare daraus und wurde anschließend sofort krank. Als sein Fuß faulte, gab er einen der Dinare aus, dann die fünf. Seine Krankheit konnte er aber nicht heilen. Schließlich kam der Arzt und sagte ihm: Der Fuß muss abgeschnitten werden, Abba, damit nicht dein ganzer Leib verfault. Daraufhin stimmt der Mönch der Amputation zu. Als er dann in der Nacht zu weinen anfängt, erschien ihm ein Engel. Dieser nahm sich seines Fußes an, reinigte die Wunde und sagte ihm: Wirst du jetzt noch fünf Dinare erarbeiten? Was sagst du? Dann heilt er ihn vollständig und verschwand.

Als es Tag geworden war, kam der Arzt und klopfte an die Tür. Der Asket kam ihm entgegen. Bei seinem Anblick war der Arzt höchst erstaunt. Als er erfahren hatte, was geschehen war, bekehrte sich dieser Heide und wurde Christ.

Über das Gewalt antun

Ein Bruder fragte einen Altvater und sagte: Was ist der Wille, und was bedeutet es: sich Gewalt antun? Der Abba antwortete ihm: Wenn die Seele schnell reagiert, bemerkt sie die Leidenschaft, die sie angreift. Dies nennt man, den Willen haben.

Das Gegenteil ist aber, wenn die Gedanken dir Gewalt antun, damit du die Leidenschaft, die dich bedrängt, betrachtest und sagst: Was ist schon Schlimmes dabei, wenn du sie beachtest oder genauer betrachtest? Und wenn du dir dieses Hin- und Her Überlegen nicht gefallen lässt, dann ist dies sich selbst Gewalt antun.

Über den Erwerb der Gottesliebe

Ein Altvater wurde gefragt: Wie kann ich die Gnade erlangen, Gott zu lieben? Er antwortete: wenn einer seinen Bruder in der Nachlässigkeit leben sieht und zu Gott schreit, um ihm zu helfen, dann erwirbt er das volle Wissen um die Art, wie er Gott lieben muss.

Über die Demut

Einer der Altväter erzählte ein Gleichnis bezüglich der Demut: Die Zedern sagten zu den Rosen: Warum zerbrecht ihr nicht während des Unwetters, obgleich ihr schmächtig und schwach seid, während wir, obgleich wir so groß sind, zerbrochen werden und manchmal entwurzelt? Die Rosen antworteten: Wenn das Unwetter kommt und die Winde blasen, neigen wir uns hin und her, deshalb brechen wir nicht. Ihr aber widersteht den Winden, und seid in Gefahr. Und der Alte fügte hinzu: Vor einer Beleidigung muss man weichen, um das Feld nicht dem Zorn zu überlassen, ihm nicht zu widersprechen und nicht in unangebrachte Worte oder Taten zu verfallen.

(Quelle: Kurzgeschichten über das Wesentliche. Orthodoxer Kalender 2017

Minsk: Kloster der Hl. Elisabeth, 2016)

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