Das Wunder der Brotvermehrung

7. August 2022

Das Wunder der Brotvermehrung

Frühchristliches Bodenmosaik in Tabgha

Erzpriester Dimitrij Smirnow

“Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen und heilte die Kranken, die bei ihnen waren. Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät geworden. Schick doch die Menschen weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können. Jesus antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische bei uns. Darauf antwortete er: Bringt sie her! Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen. Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten, und alle aßen und wurden satt. Als die Jünger die übrig gebliebenen Brotstücke einsammelten, wurden zwölf Körbe voll. Es waren etwa fünftausend Männer, die an dem Mahl teilnahmen, dazu noch Frauen und Kinder. (Mt 14, 14-21)

Es müssen etwa 15 000 Menschen beisammen gewesen sein. Und da waren die fünf Laibe Brot und 2 Fische. Aber sie aßen davon und wurden nicht satt, sondern ließen noch etwas für den nächsten Tag übrig.

Natürlich ist das ein Wunder. Natürlich schuf der Herr allein das Wunder. Aber es gefällt Gott ebenso, wenn diese Wunder durch Menschen gewirkt werden. Und was geschah vor diesem Wunder? Das erste, was diese fünfzehntausend Menschen hatten, war der Wunsch, dem Herrn zu folgen und zu hören, was er ihnen sagte. Ohne diesen Wunsch konnten sie an diesem Wunder nicht teilhaben. Dies ist das erste, was wir beachten müssen. Das zweite ist, dass der Herr Mitleid mit ihnen hatte. Dies deutet darauf hin, dass der Herr immer mit einem Menschen in seiner Not sympathisiert: im Hunger, in der Krankheit, in irgendeiner Art von Verlust.

Denn sehr oft verzweifeln wir irgendwie und vergessen, dass der Herr alle unsere Bedürfnisse kennt und in dieser Not stets Mitgefühl mit uns hat. Aber aufgrund unseres Mangels an Glauben verlieren wir dies aus den Augen und denken, dass die Einstellung des Herrn uns gegenüber von unseren Bemühungen abhängt. Doch dies ist ganz und gar nicht so: Er hat uns von Geburt an geliebt und liebt uns jetzt und für immer. Und wir sehen, dass sich die Apostel an Ihn wandten. Warum? Weil sie auch Mitleid hatten, sagten sie: „Lass sie gehen, denn es ist schon spät ist, damit sie sich etwas zu essen kaufen können.“ Sie haben Mitgefühl gezeigt, sie haben bereits gelernt, barmherzig zu sein. Und diese zwei Arten von Barmherzigkeit bildeten sich heraus: die Göttliche und die Barmherzigkeit der Apostel. Und was war das Ergebnis? Christus sagt: Gebt Ihr ihnen zu essen. Denn sehr oft können wir selbst helfen, aber wir verlagern es auf andere. Und es gefällt Gott, dass wir selbst die Werke der Barmherzigkeit tun, die nicht nur diesem Menschen von Nöten sind, um dessentwillen wir dies tun, sondern vor allem für uns selbst.

Die Apostel waren fest entschlossen, die Worte des Herrn zu erfüllen, wir sehen dies. Er sagt: Bringt Fisch und Brot, und sie haben es gebracht. Sie haben alles getan, wie Er es befohlen hat. Er betete, segnete: Dann begannen sie, Fisch (und Brot) zu verteilen, und es vermehrte sich und alle wurden satt. Dieses gemeinsame Bemühen von Mensch und Gott nennt man im Griechischen Synergie: Wenn sich zwei Energien, menschliche und göttliche, vereinen, dann entsteht immer ein wundervolles Ergebnis. Denn was der Herr selbst berührt, ist immer wundervoll, es ist immer eine wundersame Erscheinung. Man muss dies nur erkennen. Und dann offenbarte der Herr uns dieses Wunder. Und natürlich ist es sehr wichtig, auf Gott zu hoffen und bedingungslos an ihn zu glauben, nicht daran zu zweifeln, dass es für Ihn möglich ist, dann werden Wunder ereignen.

Auch in unserem Leben geraten wir von Zeit zu Zeit in eine Situation, in der es uns vorkommt, als wäre dies eine Sackgasse. Aber wenn man will und sich an Gott wendet, dann löst sich diese Sackgasse auf. Der Herr selbst führt einen Menschen aus dieser schwierigen, scheinbar unlösbaren Situation heraus. Wir müssen Ihm nur glauben, hoffen und uns daran erinnern, dass Er uns nicht irgendwie quälen oder drangsalieren will. Nein! Er wartet nur auf unseren Hilferuf. Natürlich ist jedes Ereignis in unserem Leben solch eine Schule, solch eine Lektion, die Er uns stellt. Und wir müssen diese Lektion lernen und diese Prüfung bestehen. Dann wird sich etwas ändern. Wenn wir dies dann während unseres Lebens nicht vergessen, können wir ständig darauf zurückgreifen, in jeder Lebenssituation. Im Kampf gegen eine unserer ständigen Sünden oder bei einem Angriff auf uns oder bei einer Krankheit oder bei etwas anderem, wir können dann eine solche Situation gut überstehen.

Denn oft kommt jemand in Panik in die Kirche zum Priester, aber eigentlich ist die Situation eher unkompliziert, na ja, wie bei einer Sonnenblume: eine gelbe Blume, und im Innern sind schwarze Kerne. Unglaublich! Und deshalb diese Panik? Woher kommt sie? Gibt es einen Atomkrieg oder was? Wenn dir etwas schwer fällt, geh nach Chabarowsk, sieh dir an, wie Menschen leben, die alles verloren haben. Das hilft! Dort stehen Menschen brusttief im Wasser, und sie sind für alles dankbar, etwas zu essen, etwas Wasser, etwas , was nicht vergiftet ist. Dank sei Gott! Die Leute sind wie kleine Kinder, völlig abhängig von anderen Menschen. Diese Situation, diese Lebensumstände sind schwierig! Und dann sagen sie im Fernsehen, dass es dort keine Panik gibt. Aber hier passiert irgendeine Kleinigkeit und alle verfallen in Panik: quadratische Augen, keiner weiß, was zu tun ist, Lippen zittern, Tränen fließen. Herr, es ist klar, dass, wenn eine Person auf ein Problem starrt, es ihm sehr groß und erhaben erscheint. Hier ein kleines Stück Papier, aber wenn man es vors Auge hält, sieht man dahinter nichts mehr. Bei jedem Problem ist es dasselbe: Sie können es direkt vors Auge halten, dann sehen Sie überhaupt kein Licht mehr…

Wir vergessen den riesigen, den allmächtigen Gott, der größer ist als das Universum, der erstens alles weiß, zweitens mit dir sympathisiert und drittens helfen will. Aber dafür müssen Sie Ihren ganzen Glauben sammeln, sich demütigen und drittens Ihre Sünden bereuen. Denn was dir passiert, geschieht aus der Vorsehung Gottes. Bitte leise, ruhig, und versuche selbst, etwas zu tun und du gelangst in das Licht Gottes, du überlebst diesen schwierigen Moment. Denn jeder schwierige Moment wird gebraucht. Kinder, wenn sie laufen lernen, fallen oft, manchmal sogar ziemlich schmerzhaft. Aber wie sonst kann man laufen lernen? Nur auf diese Weise! Es geht einfach nicht anders. Im Leben der Erwachsenen ist es dasselbe, und im geistlichen Leben ist es ebenso.

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