«Die Gottesmutter hat uns die Tore des Paradieses geöffnet»

21. September 2022

Erzpriester Andrej Lemeschonok beim Gebet

Fresco zum Fest der Einführung Mariens in den Tempel

Zum Fest der Geburt der Gottesmutter, die uns die Tore zum Paradies öffnete, gratuliere ich Ihnen allen!

Es war für Gott sehr schwierig, auf die Erde zu kommen, unmöglich. Nicht weil er sich vor dem Menschen versteckte und ihn strafte. Sondern weil die Menschen nicht bereit waren, Gott anzunehmen und Sein Wesen richtig zu sehen. Und so gab es Jahrhunderte, Jahrtausende geistlicher Quarantäne, in denen ein Mensch in seinem eigenen Saft schmorte und sein Leben aufbaute, indem er tötete, vergewaltigte, stahl, hasste – all dies war die Norm.

Und nun wird diejenige geboren, die ein neues Kapitel in der Menschheitsgeschichte aufschlägt. Sie wird zur Wegweiserin, weil der Heilige Geist in ihr den neuen Menschen, den neuen Adam, gebiert. Die Menschheit erwartet von ihr, dass sie die Gesetze des menschlichen Lebens, die Gesetze der Natur, des Fleisches und des Blutes überschreitet. Wie? Wo ist dieser Geist? Wie berührt man ihn? Er erfüllt die Kirche… Wir sehen die Augen der Menschen, wir sehen die Herzen der Menschen, wir sehen wirklich diesen Geist, der Leben gibt, einen Menschen erschafft, das Abbild wiederherstellt, das von der Sünde befleckt wurde. Daher ist dieser Feiertag natürlich eine Verherrlichung der Liebe Gottes gegenüber dem Menschen, er ist eine Inspiration für jeden von uns, damit wir nicht auf Erden unser Glück suchen, sondern “unser Herz erheben”. Wir werden nichts auf dieser Erde finden, sondern wir werden es im Himmel finden.

Diese Gnade wird nicht sofort von uns verinnerlicht. Wir verlieren sie wieder. Wir haben sogar teilweise Angst davor, weil wir verstehen, dass wir dafür leiden müssen. Aber gleichzeitig verstehen wir, dass dies der einzige Weg ist, wie ein Mensch wirklich leben kann, wenn er nicht nur eine Rolle spielen will, herumalbert und, nachdem er 50 Jahre alt geworden ist, nicht weiß, was er tun und wie er leben soll. Es ist seltsam, aber die Leute sind daran gewöhnt. Und jetzt verstehen wir, dass wir unser „Ich“ besiegen müssen. Dies ist ein Kampf mit einer ganzen Welt von Versuchungen, es ist ein Kampf mit dem Teufel, der Schwächen in uns findet und ständig versucht, uns außer Gefecht zu setzen, uns in die eine oder andere Richtung zu lenken. Aber Gott ist mit uns! “Tobt, ihr Völker! Macht nur Pläne! Sie werden vereitelt. / Was ihr auch sagt, es kommt nicht zustande. / Denn «Gott ist mit uns».” (Jes 8, 8-10).

Heute ist die Orthodoxie die einzige Quelle reinen Wassers, die den Durst eines Menschen in dieser Welt stillen kann, wo alles befleckt und mit Sünde verunreinigt ist. Deshalb trinken wir alle hier das Wasser des Lebens, das der Herr uns gegeben hat. Aber vorher gab es diese Vorbereitung, die Vorbereitung auf das Kommen Christi. So findet sich ganz sicher in der Mutter Gottes, in Ihrer Geburt das Streben aller Gerechten, aller, die noch in den Himmel blickten, aller, die ihren göttlichen Ursprung nicht völlig vergessen hatten. Daher ist dies ein lichterfüllter Feiertag, von dem aus das Kirchenjahr beginnt.

Für den Christen sollte jeder Tag neu beginnen, der Anfang eines neuen Lebens. Wir wählen das Wesentliche, das, was uns bleibt. Wir wählen die Ewigkeit, und nach den Worten einiger Heiliger ist es notwendig, dass Christus im Herzen ist. Und dafür ist es notwendig, dass darin Frieden herrscht.

Möge der Herr uns alle erlösen! Ein gesegnetes Fest!

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