Archimandrit Sofroni (Sacharow): Die Praxis des Jesus – Gebetes Teil 2

11. August 2021

Archimandrit Sofroni (Sacharow)

Die Praxis des Jesus Gebetes

Die vollständige Formel des Gebetes lautet: „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme Dich über mich Sünder”. Dem Anfänger wird diese Formel nahegelegt. Im ersten Teil des Gebetes bekennen wir Christus als Gott, der um unseres Heiles willen in das Fleisch gekommen ist. Im zweiten bekennen wir bußfertig unseren Fall, unsere Sündhaftigkeit und die Erlösung. Die Vereinigung des dogmatischen Bekenntnisses mit der Buße bereichert das Gebet in seinem positiven Gehalt. Eine gewisse Reihenfolge in der Entfaltung dieses Gebetes lässt sich feststellen:

  1. Das mündliche Gebet: Wir sprechen das Gebet mit den Lippen und konzentrieren unsere Aufmerksamkeit auf den Namen und auf die Worte.
  2. Das geistliche Gebet: Wir bewegen die Lippen nicht, sondern sprechen den Namen Jesus Christus und die weiteren Worten in Gedanken aus.
  3. Das geistige Herzensgebet: Sinn und Herz finden bei der Handlung zueinander, die Aufmerksamkeit ist bis in das Innere des Herzens vorgedrungen und dort wird das Gebet dargebracht.
  4. Das selbsttätige Gebet: Das Gebet hat sich im Herzen festgesetzt und wird nun ohne besondere Willensanstrengung wie von selbst im Inneren des Herzens ausgesprochen, wobei die Aufmerksamkeit des Sinnes dorthin lenkt.
  5. Das gnadenvolle Gebet: Das Gebet wirkt wie eine zarte Flamme in uns, wie eine Inspiration von Oben, erquickt das Herz durch die Empfindung der Liebe Gottes und entzückt den Geist in geistlichen Betrachtungen. Manchmal tritt dazu noch eine Schau des Lichtes.

Der allmähliche Aufstieg im Gebet wird so glaubwürdiger. Wer sich auf die Kampfbahn um rechtes Beten begibt, dem wird nachdrücklich geraten, mit dem mündlichen Gebet zu beginnen, solange es noch nicht von unserem Leib, der Zunge, dem Herzen, dem Verstand aufgenommen ist. Die Dauer dieses Abschnitts ist bei jedem einzelnen anders: je tiefer die Bußgesinnung, desto kürzer ist der Weg.

Die Praxis des geistigen Gebetes kann eine Zeit lang mit einer psychosomatischen Technik verbunden werden, d.h. sie trägt den Charakter eines rhythmischen oder nicht rhythmischen Betens im Geist durch das Einatmen im ersten Teil und das Ausatmen im zweiten Teil, wie es oben beschrieben wurde. Solches Verfahren kann nützlich sein, wenn man dabei nicht aus dem Blick verliert, dass jede Anrufung des Namens Christi untrennbar mit Ihm, Seiner Person, und unteilbar von der Person Gottes ist.

Andernfalls verkehrt sich das Gebet in eine technische Übung und verstößt gegen das Gebot: „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht unnütz gebrauchen” (2. Mose, 20,7; 5. Mose 5,11).

Wenn die Aufmerksamkeit des Sinnes im Herzen bleibt, wird eine völlige Kontrolle über das Geschehen im Inneren des Herzens möglich, und der Kampf gegen die Leidenschaften nimmt einen vernünftigen Charakter an.

Der Betende sieht Feinde, die sich von Außen nähern und kann sie mit der Kraft des Namens Christi vertreiben. Das Herz wird unter solcher Disziplin sensibler und vermag zu durchschauen, es erkennt intuitiv den Zustand der Person, die da betet. Auf diese Weise vollzieht sich der Übergang vom Geistgebet zum geistlichen Herzensgebet. Danach wird das selbsttätige Gebet geschenkt.

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