Erster Sonntag nach Pfingsten - Das Fest Allerheiligen

10. Juni 2023

Archimandrit Kirill Pawlow

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!

… Im Weiteren wecken die folgenden Worte des Erlösers unsere Aufmerksamkeit: "Wer seinen Vater oder seine Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig." Seinen Vater, seine Mutter, seinen Sohn oder seine Tochter mehr zu lieben als den Herrn, bedeutet, ihnen zuallererst zu gefallen zu suchen und nicht die Gebote Gottes zu erfüllen, sondern ihren Anordnungen und Launen, die dem Willen Gottes entgegenstehen können, nachzukommen.

Es ist selbstverständlich, seine Eltern zu lieben, denn es ist ein Gebot Gottes, aber die Liebe zu Gott sollte an erster Stelle stehen. Und da die Liebe zu Gott in den Herzen der Menschen aufgrund falscher Liebe zu den eigenen Eltern und Verwandten oder aufgrund der Abhängigkeit von ihnen erloschen ist, gibt der Herr uns dieses Gebot, um diese Liebe rein und heilig zu machen. Elternliebe bzw. die Liebe der Kinder zu ihren Eltern ist nur dann heilig, wenn sie Gott, den Herrn, mehr lieben als jedes andere Geschöpf. Und jede Liebe, die jemanden dazu bringt, einen anderen mehr zu lieben als den Schöpfer, ist gesetzlos und destruktiv, sowohl für diejenigen, der liebt, als auch für den Geliebten. Indem Er diese Liebe austreibt, möchte der Erlöser in die Herzen der Gläubigen gegenseitige Liebe pflanzen, die auf der Liebe zu Ihm, unserem Gott und Erlöser basiert.

Wir müssen Gott zuallererst und vor allem lieben, denn Er ist Gott, vom Anfang unserer Existenz bis zu unserem Tod, Er verlässt uns keine Minute, Er kümmert sich in jedem Moment um uns, Er füllt unsere Herzen mit Nahrung und Freude, Er gibt Nahrung und unseren Geist und Verstand. Deshalb wird er unser himmlischer Vater genannt, der seine Kinder aufrichtig liebt. Können unsere Eltern das alles geben? Natürlich nicht. Das Gute vollkommen missverstehend können sie uns mehr schaden als nützen. Deshalb wird nur jene Liebe richtig und erlösend sein, die auf der Liebe zu unserem Retter Jesus Christus beruht.

Ikone zum Fest Allerheiligen

Der Herr sagt weiter im heutigen Evangelium: "Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig." Liebe Brüder und Schwestern, was bedeutet es, sein Kreuz auf sich zu nehmen? Es bedeutet, einen schmalen und schmerzvollen Weg des unaufhörlichen Kampfes mit Leidenschaften und Begierden, mit den Anfechtungen durch die Welt, mit den Versuchungen durch den Teufel zu gehen, die auftretenden Krankheiten, Nöte, Unglücke, Verfolgungen, Verbannungen und den Tod zu ertragen. Alles, was Er nach seinem Wohlgefallen uns sendet. Unser ganzes irdisches Leben ist Arbeit, Krankheit, Leid und Seufzen, ist nichts als das fortwährende Tragen des Kreuzes, das sich aus verschiedenen Krankheiten, Sorgen und Schmerzen zusammensetzt, denen wir in unserem Leben begegnen, das aus allerlei Nöten, Mühen und Sorgen besteht, die jeder als Teil der menschlichen Gesellschaft tragen muss. Um also zu Christus in Seine Herrlichkeit zu gelangen, muss man Ihm mit seinem Kreuz nachfolgen, man muss Ihn als seinen Herrn und Meister nachahmen und ihm ähnlich werden. Wir müssen den Erlöser in allem nachahmen. Wir sehen den Erretter ohne Sünde und ohne Leiden, aber er fastet. Wir sehen ihn an allen gesetzlich vorgeschriebenen Feiertagen zum Tempel Gottes kommen. Wir sehen Ihn schließlich mit einem Kreuz nach Golgatha kommen. Scheue dich nicht, Christ, vor Golgatha, vor dem Kreuz durch das bis zum Ende geduldige Ertragen all der Mühen, Sorgen und Leiden, die von Gott gesandt wurden. Alle Heiligen, die jetzt mit Ihm in Seiner Herrlichkeit regieren, folgten dem Herrn Jesus Christus auf diesem Weg des Kreuztragens nach.

Unsere weitere Aufmerksamkeit wird auf die Frage des Apostels Petrus gelenkt, die da lautet: „Du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was werden wir dafür bekommen?” Die Apostel verließen alles um des Herrn willen. Es ist schwierig, dem Herrn zu folgen, es erfordert eine asketische Anstrengung, es ist erforderlich, bereit zu sein, wenn nötig, familiäre Bindungen und alles, was uns lieb und teuer ist, zu opfern. Es ist nicht leicht, ein wahrer Jünger Christi zu sein.

Ikone zum Fest Allerheiligen

Und auf diese Frage antwortet der Herr: „Wenn die Welt neu geschaffen wird und der Menschensohn sich auf den Thron der Herrlichkeit setzt, werdet ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten.“

Das heißt, durch deinen Glauben, durch dein tugendhaftes Leben wirst du die Verderbtheit, Gottlosigkeit und den Unglauben anderer Menschen aufdecken, die nicht an Mich geglaubt und Mich nicht angenommen haben.

Und der Herr beendete Seine Rede mit den folgenden Worten: „Viele aber, die jetzt die Ersten sind, werden dann die Letzten sein, und die Letzten werden die Ersten sein.“ Das Jüngste Gericht Christi wird zeigen, wer und welcher Lohn vom Herrn verliehen wird. Dann werden viele hier auf der Erde, berühmt geworden durch ihre Stellung, Ehrerweisungen, Adel, Reichtum, Respekt, die letzten sein. Die demütigen, einfachen, ehrlichen Menschen, die vielleicht wegen ihres Glaubens, ihrer Frömmigkeit verachtet, verspottet wurden und die allgemein als die geringsten Menschen auf Erden galten, die der Aufmerksamkeit nicht würdig waren, werden dann erhöht werden als wichtige, stolze Menschen. Denn die Verteilung der Belohnungen wird nicht davon abhängen, wer auf Erden edel und ruhmreich war, sondern davon, wer seinen Glauben an Christus bewahrt und im Leben aufgezeigt hat.

Siehe, das ist die Lehre unseres Herrn Jesus Christus über den Weg, den wir gehen müssen, um Heiligkeit und ewige Glückseligkeit zu erlangen. Diesem Weg sind alle Heiligen gefolgt, deren Gedenken wir heute feiern. Und die Kirche feiert das Gedenken dieser Heiligen, um uns lebendige Beispiele von Menschen zu präsentieren, die gerettet wurden wegen der Nachahmung Christi in ihrem Leben. Sie sind unsere Lehrer und Vorbilder, die zeigen, wie wir dem Herrn gefallen können. Deshalb gebietet der Apostel: „Denkt an eure Vorsteher, die euch das Wort Gottes gepredigt haben, und ahmt mit Blick auf ihr Lebensende ihren Glauben nach.“ (Hebr 13, 7). Deshalb ruft uns die heutige Apostellesung dazu auf, die Heiligen nachzuahmen, indem sie sagt: „Da uns eine solche Wolke von Zeugen umgibt, wollen auch wir alle Last und die Fesseln der Sünde abwerfen. Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der uns aufgetragen ist, und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens; er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt.“ (Hebr. 12,1-2)

Ikone zum Fest Allerheiligen

Indem wir die Heiligen verherrlichen, rufen wir sie dazu auf, für uns selbst zu beten, denn sie lieben uns und können uns, da sie mutig vor dem Thron Gottes stehen, mit ihren Gebeten bei unserer Erlösung helfen. Indem wir die Heiligen verherrlichen, verherrlichen wir ihre Tugenden, und indem wir die Tugenden verherrlichen, verherrlichen wir auch Gott, der die Quelle aller Tugenden ist. Aber indem wir die Heiligen verherrlichen und auf ihre betende Hilfe zurückgreifen, müssen wir selbst tugendhaft sein oder zumindest nach Tugenden eifern und Ekel vor unseren Lastern und Sünden empfinden, sonst werden die Heiligen ihr Gesicht von uns abwenden, weil sie die Reinheit, Heiligkeit und das einzig Gute lieben, und sie werden für euch keine Vermittler vor Gott sein. Es gibt viele Heilige, die mit ihrem frommen Leben glänzten. Nach den Worten eines Kirchenhistorikers, so wie die Sterne am Himmel alle Enden der Erde erleuchten und denen, die auf den Meeren reisen und segeln, den Weg weisen, so erleuchten uns geistlich die asketischen Taten der Heiligen und zeigen jenen den Weg auf, die gerettet werden wollen.

Niemand soll an seiner Erlösung zweifeln, denn das Beispiel der Heiligen zeigt uns, dass Menschen jeder gesellschaftlichen Schicht und jeden Geschlechts unter unterschiedlichen Umständen und Lebensbedingungen ewige Glückseligkeit erlangt haben. Es ist nicht der Ort und nicht die Position, die einen Menschen retten. Das einzige, was einen Menschen rettet, ist ein gutes Gewissen und eine ehrliche Erfüllung seiner Pflichten. Wer dem Gesetz Gottes und seinem Gewissen gehorcht, wird gerettet werden, egal wo er ist und unter welchen Umständen er lebt.

Im Leben der Heiligen findet jeder für sich ein passendes Beispiel, welchen Weg er zum Heil gehen kann. Wir haben das Beispiel des Gutsbesitzers Philaret des Barmherzigen, oder das Beispiel der Begüterten Abraham und Hiob. Ein Armer schaue sich den Bettler Lazarus oder den Holzfäller von der Insel Zypern an, die von ihrer täglichen Arbeit lebten, aber die nicht einmal ein Dach über dem Kopf hatten und dennoch Gott lobpreisten. Wenn du ein Handwerker bist, dann schauen Sie auf den Schuster, den hl. Simeon, der mit seiner Hände Arbeit Werke der Barmherzigkeit vollbrachte und das Wort Gottes aussäte. Oder nehmt Euch als Vorbilder den Gärtner Konon, den wandernden Flötenspieler. Es gibt den Hirten Eucharist oder den Gerber Simon.

Die heilige Tabitha war eine arme Frau, die mit ihrer Nadel ein rechtschaffenes Leben erlangte. Es gab zwei Frauen, deren ganzes Verdienst darin bestand, dass sie als Schwiegertöchter Harmonie und Frieden im Familienleben bewahrten. Oder das Beispiel der heilige Nonna, die durch das demütige Ertragen ihres Schicksals als verheiratete Frau gerettet wurde, und viele andere Beispiele.

Deshalb sagt der heilige Apostel Paulus in der heutigen apostolischen Lesung: „Denkt an eure Vorsteher, die euch das Wort Gottes verkündet haben; schaut auf das Ende ihres Lebens, und ahmt ihren Glauben nach! Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit.“ Ihm sei mit dem Vater und dem Heiligen Geist Ehre und Herrlichkeit in alle Ewigkeit. Amen.

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