Fest der Entschlafung der Gottesmutter

28. August 2021

Metropolit Antonij von Surosch

Feierlich geschmuecktes Grabtuch am Festtag

Feierlich geschmücktes Grabtuch am Festtag

Das Fest der Entschlafung der Gottesmutter verbindet zwei Ereignisse: ihren Tod und ihre Auferstehung im Fleisch am dritten Tag und es ist in der Tat seit Jahrhunderten von Anbeginn der Existenz der russisch-orthodoxen Kirche ihr Fest, ihre Freude, ihre Herrlichkeit gewesen.

Die Gottesmutter war kein passives Instrument der Menschwerdung Gottes. Ohne ihr „Amen“ wäre die Menschwerdung genauso unmöglich gewesen, wie ohne den Willen Gottes. Sie ist die Antwort der gesamten Schöpfung auf Gottes Liebe und auf Gottes Geschenk an sich selbst, nicht nur an die Menschheit, sondern an den gesamten Kosmos, den er geschaffen hat. Und darüber freuen wir uns, denn Ihr Wort ist unser Wort. Ihr Wort war vollkommen, wie es auch ihr Vertrauen, ihr Glaube, das Geschenk ihres Selbst war. Unser Wort ist unvollkommen, und doch erklingen unsere Stimmen zusammen mit der ihren, manchmal schwach, zögernd, aber mit Glauben und auch mit Liebe.

Sie ist die Herrlichkeit der ganzen Schöpfung. Von der Muttergottes hätte man erwarten können, dass der Tod sie nicht berührt; aber wenn der Tod und noch dazu ein so grausamer Tod ihren göttlichen Sohn, den Sohn Gottes und den Sohn Marias, den Sohn Gottes und den Sohn des Menschen berühren konnten - natürlich musste sie der Sünde der Menschen der ganzen Erde Tribut zollen und auch sterben. Der orthodoxen Tradition zufolge konnte der Tod sie jedoch nicht gefangen halten. Sie hatte sich vorbehaltlos und vollkommen Gott hingegeben, und sie gehörte zu Gott, nicht mehr zur Erde. Und am dritten Tag, als die Apostel kamen und ihr Grab wieder öffneten, damit eine von ihnen sie verehren konnte, die bei ihrem Begräbnis nicht anwesend gewesen war, wurde es leer aufgefunden: Sie war auferstanden, weil die Bande des Todes sie nicht festhalten konnten. Das Verderben konnte ihrem Körper nichts anhaben, der der Körper der Menschwerdung gewesen war. Was für eine wunderbare Freude zu denken, dass jetzt neben dem auferstandenen und aufgestiegenen Christus eine Frau aus Fleisch und Blut von uns Menschen thront und wir in ihr die Herrlichkeit sehen können, die, wie wir glauben, unsere sein wird, wenn wir Gott so treu sind, wie sie es war.

Freuen wir uns also, und zwar nicht nur hier, wo unsere Kirche seit dem frühen achtzehnten Jahrhundert der Himmelfahrt der Muttergottes, ihrer Entschlafung, gewidmet ist, sondern mit der gesamten russischen Kirche und mit all denen, die ihr angehören und über den gesamten Erdkreis verstreut sind , eins mit der Mutterkirche, eins mit der Gottesmutter, den Herrn mit allem, was in uns ist, verehren und in ihr das Bild der ganzen Schöpfung in Anbetung vor dem lebendigen Gott sehen. Amen.

(Predigt vom 28. August 1986)

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