Fest der Verklärung

21. August 2021

Metropolit Antonij von Surosch

Geschmueckte Ikone am Fest der Verklaerung Christi

Geschmückte Ikone am Fest der Verklärung Christi

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Es gibt gesegnete oder tragische Augenblicke, in denen wir eine Person sehen, die uns in einem überwältigenden Licht von großer Tiefe geoffenbart wird, die wir nie zuvor erwartet haben.

Es geschieht, wenn eure Augen geöffnet sind, in einem Augenblick der Herzensreinheit. Denn es ist nicht nur Gott selbst, der das Reine im Herzen sehen wird, es ist auch der, der das göttliche Antlitz schaut, jenes Licht, das in die Dunkelheit der menschlichen Seele, des menschlichen Lebens scheint. Diesen Glanz können wir in den Augenblicken sehen, wenn unser Herz ruhig, durchsichtig, rein wird.

Aber es gibt auch andere Augenblicke, in denen wir eine Person sehen können, von der wir dachten, dass wir sie schon lange kennen, in einem Licht, das eine Offenbarung ist. Dies geschieht, wenn jemand vor Freude, vor Liebe, vor Frömmigkeit und Anbetung strahlt. Es geschieht auch, wenn eine Person an seinen tiefsten Punkt gelangt, an den Kreuzungspunkt des Leidens, nur wenn das Leiden rein bleibt und sich kein Hass, kein Groll, keine Bitterkeit, nichts Böses darunter mischt, sondern reines Leiden ausstrahlt, wie es schon unsichtbar für viele vom gekreuzigten Christus ausging.

Dies kann uns helfen zu verstehen, was die Apostel sahen, als sie auf dem Berg der Verklärung waren. Sie sahen Christus in Herrlichkeit in einem Augenblick, in dem sich Seine völlige Hingabe an den Willen des Vaters, Seine letzte und endgültige Annahme Seines eigenen menschlichen Schicksals, für sie offenbarte. Wie gesagt, standen Mose und Elia bei Ihm. Der eine, der das Gesetz darstellt, und der andere, der die Propheten darstellt: Beide haben die Zeit der Erlösung voraus verkündet, wenn der Leidensmann alle Lasten der Welt auf sich nehmen würde, wenn das Lamm Gottes vor allen Zeiten getötet würde auf sich die ganze Tragödie dieser Welt. Es war ein Moment, in dem Christus sich in seiner Menschlichkeit in demütiger und triumphaler Hingabe letztendlich dem Kreuz hingab.

Letzte Woche haben wir Ihn sagen hören, dass der Sohn Gottes in die Hand der Menschen übergeben werden wird, und sie werden Ihn kreuzigen, aber am dritten Tag wird Er auferstehen. In diesem Moment stand es unmittelbar bevor, es war ein entscheidender Punkt, und Er leuchtete mit der Herrlichkeit der vollkommenen, sich opfernden, gekreuzigten Liebe der Heiligen Dreifaltigkeit und der Widerhall der Liebe Jesu des Menschen, wie ihn der heilige Paulus nennt. Die Apostel sahen das Leuchten, sie sahen, wie das göttliche Licht durch das durchsichtige Fleisch Christi strömte, auf alle Dinge um ihn herum fiel, Steine und Pflanzen berührte und ein Widerschein des Lichts von ihnen ausging. Sie allein haben es nicht verstanden, denn in der ganzen erschaffenen Welt hat allein der Mensch gesündigt und ist blind. Und doch wurde ihnen das Geheimnis gezeigt, und doch betraten sie jene Wolke, die die göttliche Herrlichkeit ist, die sie mit Ehrfurcht, mit Angst aber gleichzeitig mit solch jubelnder Freude und Verwunderung erfüllte!

Moses war in diese Wolke eingetreten und durfte mit Gott sprechen, wie ein Freund mit einem Freund spricht. er durfte sehen, wie Gott an ihm vorbeiging, immer noch ohne Namen, immer noch ohne Gesicht. Und jetzt sahen sie das Antlitz Gottes in der Inkarnation. Sie sahen sein Gesicht und sie sahen, wie seine Herrlichkeit aus der Tragödie hervorging. Was sie wahrnahmen, war die Herrlichkeit, was sie wahrnahmen, war das Wunder, dort zu sein, in der Herrlichkeit Gottes, in der Gegenwart Christi, die ihnen in Herrlichkeit geoffenbart wurde. Sie wollten für immer dort bleiben, so wie wir es in Momenten tun, in denen uns etwas mit Anbetung, Bewunderung, Ehrfurcht und unbeschreiblicher Freude erfüllt. Aber Christus hatte ihnen gesagt, dass die Zeit gekommen ist, in das Tal hinab zu steigen, den Berg der Verklärung zu verlassen, weil dies der Beginn des Kreuzweges war, und er musste in die ganze Tragik des menschlichen Lebens eingebunden werden. Er brachte sie ins Tal, um sie mit der Qual des Vaters zu konfrontieren, dessen Kind nicht geheilt werden konnte, mit der Unfähigkeit der Jünger, etwas für dieses Kind zu tun, mit der Erwartung der Menschen, die sich jetzt an niemand anders wenden konnten, als an Ihn - dorthin brachte Er sie.

Und wir erfahren, dass er diese drei Jünger auserwählt hatte, weil sie gemeinsam die drei großen Tugenden besaßen, die es uns ermöglichen, das Geheimnis seiner Inkarnation, seiner Göttlichkeit, seiner Kreuzigung, zu teilen, um Seinen Abstieg in die Hölle nach Seinem Tod zu verkraften, und die Nachricht von Seine Auferstehung zu empfangen: der Glaube des Petrus, die Liebe des Johannes, die Gerechtigkeit des Jakobus.

Es gibt Momente, in denen wir auch etwas sehen, das über uns hinausgeht, und wie sehr wir uns wünschen, wir könnten für immer in diesem glückseligen Zustand bleiben; und nicht nur, weil wir dazu nicht in der Lage sind, dürfen wir nicht darin bleiben, sondern weil der Herr sagt: Du bist jetzt auf dem Berg der Verklärung, du hast Christus bereit gesehen, für das Leben der Welt gekreuzigt zu werden - geh jetzt zusammen mit Ihm, geh jetzt in Seinem Namen, geh jetzt und bringe Menschen zu Ihm, damit sie leben!

Das ist unsere Berufung. Möge Gott uns Glauben und die Reinheit des Herzens geben, die es uns ermöglichen, Gott in jedem Bruder und jeder Schwester von uns zu sehen! Hat nicht einer der Wüstenväter gesagt: "Wer seinen Bruder gesehen hat, hat Gott gesehen"? - und einander mit Opferliebe dienen, mit jubelnder Freude, einander unser Leben zu geben, wie Christus sein Leben für uns gegeben hat. Amen.

(Predigt vom 19. August 1990)

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