Predigt zum 6. Sonntag nach Pfingsten: Heilung des Gelähmten

31. Juli 2021

Metropolit Antonij von Surosch

Heilung des Gelaehmten

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

In einem seiner Werke sagt der Hl. Ephräm der Syrer: „ Kleide dein Gebet nicht nur in Worte, sondern lass dein ganzes Tun zum Gottesdienst werden.“

Damit sagt er eine Menge. Vor allem, dass alles, was wir tun, eine geistliche Bedeutung hat. Jeder Mensch auf der Erde ist mehr oder weniger Priester des Lebendigen Gottes; er gehört zu zwei Bereichen, dem weltlichen und dem himmlischen, dem geistlichen und dem materiellen und alles, was in unserem Universum ist, ist aufgerufen, ein Teil des jubelnden Gottesreiches zu werden. Es gibt nichts auf der Erde und unter dem Himmel, das nicht in dieses Königreich der ewigen Herrlichkeit eingehen könnte, wenn Gott alles in allem sein wird, ausgenommen der menschlichen Sünde.

Und im heutigen Evangelium sehen wir, wie dies bei vier Menschen funktioniert, die ihren gelähmten Freund zum Retter bringen und Ihm zu Füßen legen. Dieses Tun erweist sich als ein lebendiges Gebet, ein Gebet ohne Worte, aber ein Gebet, das auch von ihren Glauben an den Herrn und ihre Liebe zu ihrem Freund zeugte.

Auf diese Weise sollen auch wir in Freud und Leid füreinander beten. Es reicht nicht vor Gott zu stehen und Ihn zu bitten, etwas für die Leute zu tun, das wir in seinem Namen tun könnten. Es reicht nicht, zu Gott um Hilfe zu rufen dort, wo Er uns zu recht sagt: „Geh und tu das Werk der Barmherzigkeit, das Werk der Wahrheit und das Werk der Liebe…“Daran sollten wir uns immer erinnern.

Einige sind verwirrt, warum der Herr mit Wohlwollen auf diesen Menschen schaut und ihn durch den Glauben der anderen heilte. Denn dieser Glaube der anderen war nicht einfach Glaube, sondern das Werk des lebendigen Gebets und der lebendigen Liebe. Dieser Mann besaß die Liebe der Freunde, die sich ihrerseits abmühten und das Risiko auf sich nahmen, den kranken Freund zum Erlöser zu bringen.

Das Gebet sollte alles in sich einschließen, unser ganzes Leben sollte ein Vor Gott Stehen und ein Stehen im Namen Gottes sein, ein Stehen inmitten und zugleich vor den Menschen. Wenn wir so leben, dann wird man den Christen nicht mehr nachsagen, dass sie nur in Worten kraftvoll sind, aber wenn es zur Sache geht, dass sie dann kraftlos, gleichgültig sind. Denn nur dann wird man sagen können, dass das Gebet ein Werk ist, das sich in Betrachtung verwandelt, aber das Werk wird Gebet sein, das zur Tat geworden ist. Darüber sollten wir alle nachdenken: das ganze Leben sollte zum Gebet und zum Werk der Barmherzigkeit werden, und nur dann wird unser mündliches Gebet nicht aus leeren Tönen bestehen, sondern ein Teil des Werkes sein, das vor Gott davon zeugt, dass unser Herz schon von Mitleid berührt wurde, von fremdem Leid und dass wir von Gott gerufen sprechen: „Herr, wenn Du mich schicken und durch mich das Werk Deiner Barmherzigkeit erfüllen willst, dann werde ich gehen, denn ich bin Dein Knecht vor Dir!..“ Amen.

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