Im Menschen den lebendigen Christus sehen

5. September 2021

Vater Andrej Lemeschonok

Im Menschen den lebendigen Christus sehen

 

Alle unsere Festtage bezeugen Gottes Wohlgefallen am Menschen, Gottes Vorsehung, Seine Liebe, die trotz unserer Lieblosigkeit fähig macht, uns zu lieben. Lieben bedeutet etwas abzugeben, ohne dafür etwas zu fordern. Die Liebe gründet sich auf das Vertrauen, ohne zu prüfen und ohne „Untersuchungen“ durchzuführen. Lieben bedeutet, Gott immer dankbar zu sein, auch wenn wir etwas irgendwo verlieren und manche Ereignisse anders passieren, als wir vermutet haben. Lieben bedeutet Gott zu vertrauen und Christus zu folgen, Der uns ins neue, ewige Leben bringt.

Dieses ewige Leben wohnt bereits in uns, aber die im Argen liegende Welt, die im Innern lebende Sünde, der flüsterternde und uns im Rücken stehende Teufel stören uns, das ewige Leben zu erreichen. Wir stolpern, biegen vom rechten Wege ab, zweifeln, werden kleinmütig, lassen den Kopf hängen … Ehrlich gesagt, zweifelte ich erst gestern. Ich bereue das vor Ihnen. Ich zweifelte und dachte dabei: „Das war´s! Es ist unmöglich, etwas zu tun… Weil die Welt zum Angriff übergeht, und dies kann man leider in der Kirche bemerken, z.B. Rationalismus, irgendwelche menschliche Gedankengänge… Es tritt ein, was nicht sein sollte. Aber dies tritt zusammen mit den von der Sünde infizierten Menschen ein. Ich habe solch einen Zustand erreicht, in dem alles rational durchdacht ist, als Banalität erscheint. Es existieren keine Wunder, es gibt nichts Neues, auch keinen Heiligen Geist! Gleichzeitig weißt du, dass wir alle und alles, was um uns herum passiert, in Gottes Händen liegen. Christus ist hier zu finden.

Wenn wir unseren Nächsten helfen wollen, dann sollten die Menschen in uns Gott sehen. Sollten sie in uns den lebendigen Christus erkennen, braucht man nichts mehr zu sagen, das wäre schon überflüssig. Dasselbe gilt fürs Gebet: wenn wir einige schöne, hochgeistige Worte sprechen, können sie in unseren Herzen eine große Unruhe hervorrufen. Aber wenn der Heilige Geist einen Menschen anrührt, dann ist es besser, zu schweigen und mit Gott einszusein, solange es dir gelingt. So äußerten sich darüber geistliche Menschen, Heilige. Aber das ist bereits ein anderes Leben. Deshalb sollen wir uns an Gott mit den folgenden Worten wenden: „Herr, erbarme dich unser! Ehre sei dir, Herr!“ Wir aber wiederholen immer: „ Oje, wir haben keine Zeit für das Gebet“. Nichts dergleichen: wir sind faul und verstehen es nicht zu beten. Sie tun etwas und erinnern sich an Gott: „Herr, segne mich!“. Und das gilt bereits als Gebet. Gott segnet sie, Sie demütigen sich, und dienen ihren Nächsten. Das ist schon Liebe. Die Liebe ist das letzte Ziel aller unserer Worte, die wir vor Gott bringen können.

Wir müssen demütig unser Kreuz tragen. Jeder besitzt sein eigenes kleines Kreuzchen, der eine hat ein größeres, der andere ein kleines. Es soll mit Dankbarkeit getragen werden, und darin besteht eine geistliche Entwicklung des Menschen, wenn er sein Kreuz ohne Murren und ohne Verzagtheit trägt. Man kann einem solchen Menschen ansehen, dass Gott in ihm wohnt, deshalb hat er ein schönes Gesicht. Ein dankbarer Mensch hat in seinem Innern den Heiligen Geist wohnen. Der Heilige Seraphim von Sarow sagte darüber, dass um einen solchen Menschen herum Tausende gerettet werden können.

Wenn du geistliche Menschen gesehen hast oder siehst, ist das schon etwas Echtes. Wenn der Mensch kämpft und sagt dabei: „Ich bin der wahre Christ“, was für ein „wahrer“ Christ bist du dann? Du befindest dich im Kampf gegen deinen Körper, deine Eigenliebe und Schwachheiten. Dies ist ein Übergangsphase, das kann ein oder zwei, aber meistens viele Jahrzehnte dauern. Am Ende aber sollte der Sieg stehen, wenn du tatsächlich für dein Herz, deine Vernunft, dein Leben, letztlich für das ewige Leben kämpfst. Ich würde Ihnen gerne wünschen, dass Sie nie aufgeben und trotz aller Prüfungen und Unbilden (sowohl physische als auch geistige) vorwärts gehen und nie daran zweifeln, dass Sie das Himmelreich erreichen werden.

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