Kerzenwerkstatt

3. Mai 2021

Fertig gezogene Kerzen

Fertig gezogene Kerzen

Die Kerzenwerkstatt des St. Elisabeth-Klosters begann seine Tätigkeit bereits im ersten Jahr der Klostergründung. Man begann mit kleineren Umfängen, in Handarbeit, mit selbstgebauter Ausrüstung. Die erste Zeit war die Werkstatt in engen Kellerräumen unter der Kirche untergebracht. Trotzdem wurden bereits hier bemerkenswerte, kunstvolle Kerzen (Eigene Entwürfe vom ersten Leiter der Werkstatt, Bruder Wiktor Schulgi) und natürlich Kerzen für den Gottesdienst hergestellt.

Heute ist die Kerzenwerkstatt die größte seiner Art in Weißrussland für die Herstellung von Kirchenkerzen. Sie befindet sich jetzt in einem eigenen Gebäude mit großer Werkhalle und ausreichend Lagermöglichkeiten auf dem Klosterhof, an einem wunderschönen Ort im Dorf Lysaja Gora.

Der Herstellungsprozess

Unsere Werkstatt ist eine der wenigen, die die Kerzen noch zu 100% aus Bienenwachs herstellt. In der Werkstatt arbeiten 9 Brüder und Schwestern, ihre Leiterin heißt Swetlana. Vor Mariä Lichtmeß brennt die Luft in der Werkstatt, denn die Arbeit nimmt dann Tag und Nacht in Anspruch. Der Umfang der Arbeit erhöht sich nochmals um die Osterzeit, wenn rote Kerzen bestellt werden. Zum Einfärben werden nur Naturfarben verwendet.

Die Arbeit in der Kerzenwerkstatt ist nicht einfach, sie erfordert eine gute Gesundheit und überdurchschnittliche Zähigkeit. Stellen Sie sich vor: Die Temperatur in der Werkhalle beträgt nie unter 30°C, Handarbeit, schwere Kassetten, herabtropfender heißer Wachs…

Die Kerzen werden aus dem Rahmen geschnitten

Die Kerzen werden aus dem Rahmen geschnitten

So wird eine Kerze geboren… Das Kerzenziehen

Der Prozess beginnt mit der Auswahl des Wachses. Der sorgfältig ausgewählte Grundstoff kommt in einzelne Wannen aus rostfreien Stahl, wo es im Wasserbad seine berühmte Eigenschaft-die Geschmeidigkeit- entfaltet. Hier ist es wichtig, den richtigen Zeitpunkt abzupassen, an dem der Wachs bereit ist, damit nichts verbrennt. Für die Herstellung eines Postens großer Kerzen nimmt man Kassetten, auf die ein Baumwollfaden aufgewickelt wird, damit die Kerze nicht erlöscht und bis zum Ende abbrennt. Vom Durchmesser der Kerze hängt die Stärke des Fadens ab – je dicker desto stärker. Auf dem weiteren Weg des Kerzenziehens beginnt der Rohling mit seiner Verwandlung, in dem er an Gewicht zulegt und Form annimmt. Die Kassetten tauchen ein, werden herausgenommen, kühlen ab, und dann beginnt alles wieder von vorn…bis zu 40 Mal. Dieser Tauchprozess ist eine sehr mühselige Angelegenheit, denn man muss das gleichmäßige Anhaften des Wachses und die Größe der Kerzen berücksichtigen.

Kerzenwerkstatt

Kerzen werden nicht nur gezogen, sondern auch verziert

Die dünnsten Kerzen werden im Mittel fünfmal eingetaucht. Bis zu 30 Minuten benötigen die Angestellten, um eine Ladung sechsmillimeterstarke Kerzen zu fertigen. Aber die dickste Kerze, die ungefähr 22,5 mm stark ist, benötigt für ihre Fertigung ungefähr drei Stunden Zeit. Das ist heute! Aber für die Zukunft wird eine neue europäische Anlage errichtet. Eine moderne automatisierte Fertigungslinie wird es ermöglichen in einer Stunde so viele Kerzen zu produzieren wie jetzt in einer Schicht.

Doch nicht nur das Material, der Prozess oder die Umfänge sind wichtig, sondern auch die Atmosphäre. Kerzen sind ein lebendiger Gegenstand. Wachs reagiert sehr empfindlich auf Veränderungen. Die Beschäftigten erzählen, das die Kerzen sich nicht herstellen lassen, wenn gestritten oder sich auch nur mit lauter Stimme unterhalten wird. Sofort zeigen sich Ablösungen, Absplitterungen, Unebenheiten. Wachs liebt Frieden, Stille und Gebet. Deshalb ist es so wichtig, Geduld und Weisheit, reine Gedanken und die Gebetsregel zu bewahren. Dann läuft der Prozess wie geschmiert und wir haben eine Ladung natürlicher aromatischer Wachskerzen, unsere gabe für die Kirche, ein Geschenk an Gott. Ein kleines Flämmchen trägt in sich solch ein große Bedeutung.

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