Mit Freude und Mut Christus allezeit nachfolgen

12. Mai 2022

Mutter Magdalena

Mutter* Magdalena, Sie sind in Polen aufgewachsen, einem überwiegend katholischen Land. Wie haben Ihnen religiöse Traditionen ihres Heimatlandes und das religiöse Leben Ihrer Familie auf dem Weg zu Gott geholfen?

Ich komme aus dem östlichen Teil Polens, aus einer Familie orthodoxer Gläubiger. Alle meine Vorfahren waren orthodox. Genau wie meine Familie und Verwandte ging ich seit frühester Kindheit in die Kirche. Polen ist hauptsächlich ein katholisches Land. Ein großer Prozentsatz der katholischen Gläubigen betet regelmäßig in der Kirche und nimmt aktiv am Leben der Kirche teil. Viele dieser praktizierenden Katholiken sind junge Menschen.

orthodoxe Mutter

Polen hat eine aktive orthodoxe Kirche, die autokephal ist. Orthodoxe Gläubige stellen eine kleine Minderheit dar – etwa ein Prozent aller Gläubigen. Doch ähnlich wie bei den Katholiken ist auch der Anteil der praktizierenden Orthodoxen sehr hoch. Als Kind ging ich zusammen mit meinen orthodoxen Altersgenossen in die Sonntagsschule meiner Kirche. Es gibt eine ganze Reihe aktiver Klöster mit vielen dort lebenden Menschen, darunter viele junge Leute.

Doch wahrer Glaube ist mehr als der regelmäßige Besuch von Gottesdiensten. Es geht auch darum, eine persönliche Beziehung zum lebendigen Gott zu haben. Irgendwann in meinem Leben beschäftigte ich mich wie die meisten anderen Menschen mit dem Sinn meines Lebens und verspürte ein akutes Bedürfnis nach einer solchen Beziehung. Ich betete vehement darum, meine Beziehung zu Gott persönlicher, aufrichtiger und bewusster zu gestalten. Ich fühlte die Nähe Gottes, und diese Empfindung kam wie ein Wunder. Es war, als hätte Gott meine Gebete erhört.

Wie sind Sie zu Ihrer klösterlichen Berufung gekommen? Warum haben Sie sich für ein Kloster in Weißrussland und nicht in Polen entschieden?

Der östliche Teil Polens hat eine beträchtliche belarussische Minderheit. In Hajnowka, einer kleinen polnischen Stadt, erhielt ich Unterricht in Weißrussisch an einem Gymnasium. Als Schüler machten wir Ausflüge nach Weißrussland, und ich war beeindruckt von der Schönheit des Landes, der Freundlichkeit, Offenheit und dem tiefen Glauben seiner Menschen. Die Absolventen des Gymnasiums hatten die Wahl, an belarussischen Universitäten zu studieren, und ich habe diese Gelegenheit genutzt.

Nonne Magdalina in Serbien

Das Studium an einer belarussischen Universität war für mich nicht nur die Möglichkeit, später einen Beruf zu ergreifen, sondern auch eine Chance, Teil des Lebens der orthodoxen Kirche zu werden. Meine Studienjahre waren die Zeit des raschen Aufbaus neuer Kirchen und Gemeinden, auf Grund der Hinwendung vieler ehemals Ungläubiger zum Glauben. Ich fand mich in einer Gruppe von Gleichgesinnten wieder, die daran arbeiteten, ihren Glauben zu stärken und auf geistlicher Ebene zu wachsen. Schon in meinem ersten Jahr fand ich einen Weg, mir einen Traum zu erfüllen, den ich seit meiner Kindheit in Polen hatte – das Schreiben von Ikonen zu erlernen. Ich nahm an einem Ikonenmalkurs im Kirchlichen Zentrum für Nächstenliebe teil.

Ich hatte auch einen starken Drang, anderen zu dienen. Ich stellte meine Verbindung zu meinen Schwestern in Christus aus dem Kloster der Hl. Elisabeth wieder her, die unsere Pfarreien besucht hatten, als ich noch in Polen war. Zusammen mit ihnen engagierte ich mich in der Sozialarbeit des Klosters unter den Patienten der psychiatrischen Klinik und eines städtischen Krankenhauses. In meinem zweiten Jahr an der Universität, im Jahr 2000, wurde ich selbst eine Schwester der Nächstenliebe, was ich als einen Segen Gottes sehe.

Als Teil der Schwesternschaft nahm ich an ihren Zusammenkünften teil. Ich begleitete sie bei ihren Auslandsbesuchen, um ihnen beim Dolmetschen zu helfen. Allmählich wurde mir klar, dass ich als Nonne mein Leben dem Dienst Gottes widmen möchte.

orthodoxe nonne aus polen

Ich betete viel, um zu verstehen, ob es der Wille Gottes für mich war. Ich hatte den Ernst der Lage erkannt. Meine Wahl würde den Rest meines Lebens bestimmen. Was auch immer ich wählen würde, ich würde es durchziehen müssen. Ich wusste, dass keine der Entscheidungen einfach zu treffen sein würde, und so betete ich zu Gott um seine Hilfe, um meine Berufung zu verstehen. Gott hat meine Gebete erhört. Er offenbarte mir, dass Er mich zum Mönchtum führte. Und so bin ich direkt nach meinem Universitätsabschluss ins Kloster der Hl. Elisabeth eingetreten.

Ein Mönch zu sein bedeutet, sich der harten Arbeit zu widmen, im Glauben und Geist zu wachsen. Was sehen Sie für sich als das übergeordnete Ziel eines solchen Wachstums?

Menschen haben viele Schwächen und geben oft Angst und Verwirrung nach. Die Herausforderung besteht darin, im eigenen Glauben voranzukommen, damit wir in allen Prüfungen oder Sorgen, die uns treffen, bei Christus bleiben. Wie der Schima-Archimandrit Mitrofan von Schirowitschi schrieb: „Betet zu Gott und fürchtet nichts.“

orthodoxe Nonne

Ich strebe danach, bis zum Ende bei Christus zu sein, ihm furchtlos und voller Freude nachzufolgen, wie es Maria Magdalena tat, deren Namen ich erhielt, als ich zur Nonne geweiht wurde. Maria Magdalena ist mein Beispiel für eine mutige Gläubige. Als alle anderen Apostel Angst hatten, begleitete sie Christus auf Seinem Weg zur Kreuzigung bis zu Seinem Tod. Und sie war auch die erste, die Ihn nach Seiner Auferstehung sah.

Ich möchte ihrem Beispiel in meinem geistlichen Leben folgen, wie es im Evangelium darüber geschrieben steht.

Erläuterungen:

*Mutter: In der orthodoxen Kirche ist es üblich, Gottgeweihte Personen, also Mönche und Nonnen mit Vater bzw. Mutter anzusprechen.

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