Nur in Gott finden wir Freude

1. Juni 2022

Eingang eines alten Bergklosters

Eingang eines alten Bergklosters

Worte des Geistlichen Vaters

Wir setzen unsere Feier des Lebens fort, unsere Feier des Sieges über den Tod.

Wir leiden viel in dieser Welt, wir haben viele Prüfungen, Krankheiten, Verluste. “In der Welt seid ihr in Bedrängnis!” (Joh 16, 33). Aber egal wie schwer es für uns ist, wir wissen, dass es noch ein anderes Leben gibt, es gibt etwas, das uns die Möglichkeit gibt, unser Kreuz bis zum Ende zu tragen, und dies ist die Liebe des Herrn zu uns.

Wenn wir wissen, dass der Herr uns liebt, dann bleibt uns nur zu sagen: „Wir lieben dich auch.“ Aber das jetzt zu sagen, ist natürlich verfrüht. Wir wollen lernen, Dich zu lieben, und dafür sind wir in die Kirche gekommen, dafür unternehmen wir kleine Anstrengungen. Wir wollen die Sünde besiegen, die sich selbst rechtfertigt, die sagt, dass es unmöglich ist, anders zu leben, dass alle so leben. Wer mit den Wölfen lebt, muss mit den Wölfen heulen. So lehrt es uns die Welt. Nein. Wenn der heilige Seraphim von Sarow mit Wölfen zusammengelebt hätte, wären die Wölfe wahrscheinlich zahme Hunde geworden. Und die Bären würden auch nicht so knurren. Deswegen kann man es so nicht sagen…

Wir leben mit Gott. Und wenn wir Gott verlieren, finden wir uns in einer Leere wieder. Ein heiliger Ort ist niemals leer, er füllt sich mit Sünde. Und dann sagen wir: „Oh, wo ist diese Freude, wo ist die Person, in der ich Schönheit gesehen habe? Ich habe diesen Menschen geliebt, er war so schön, edel, und plötzlich wurde er so ein Schurke, so ein Schuft ... Wohin ist dieser Mann verschwunden, ist er gestorben? Oder bin ich etwa tot? Das ist hier die Frage.

Wir müssen richtig verstehen, warum wir in die Kirche gekommen sind. Ich denke, dass man am Anfang nichts versteht, wie allgemein bei allem im Leben, ob wir eine Familie gründen oder in ein Kloster gehen. Man hat eine bestimmte Bewegungsrichtung. Dorthin gehe ich, das mache ich ... Und dann beginnt man zu begreifen, dass alles ganz anders ist, als man es sich vorgestellt hat, dass dies eine ganz andere Belastung ist, einen ganz anderen Sinn hat. Und es ist sehr schwierig, sich damit abzufinden. So habe ich es gesehen, es hat mir so gut gefallen, aber jetzt mag ich es nicht mehr. Warum soll ich mit dieser Person leben, warum? Bin ich ein Narr? Und das war es dann. Was man verspricht, muss man auch halten.

Wir fanden den Glauben an Gott, kamen zur Kirche und dachten: „Oh, das ist es, der Herr hat uns auf Händen getragen... Und es ist so schön für uns hier zu sein. Es ist so gut! Erstaunlich gut…“ Wahrscheinlich kennt jeder diesen Moment, in dem man wirklich nichts mehr braucht, nur bei Gott sein will und das war’s, da existieren keine Probleme mehr. Ich spreche von mir, wie ich vor langer, langer Zeit solche Momente erlebt habe ... Und dann war plötzlich alles anders. Ich fühlte mich schlecht in der Kirche, es fiel mir schwer, ich wollte nicht mehr. Aber ihr müsst verstehen, was da los ist... Ich konnte schon nicht mehr vergessen, wie gut es mir gegangen war! Und so sehr ich auch versuchte, diese Freude in etwas anderem zu finden, ich werde sie dort nicht finden. Nur in Gott kann ich diese Freude finden. Und ich bin dem Untergang geweiht, ich kann nirgendwo hin. Wenn mir jemand die gleiche Freude schenken könnte, die Gott mir gegeben hat... Aber alle unsere Freuden sind sehr zerbrechlich, vorübergehend und können schnell zerstört werden: ein Wort, ein Blick, ein Gedanke, ein Verdacht - und das war's. Wo ist deine Freude? Es gibt sie nicht. Denn es war nicht Gottes Freude, sondern menschliche, geistliche Freude.

Daher ist es sehr wichtig, dass wir verstehen, dass der Herr in den Himmel aufstieg, durch den Heiligen Geist zu uns kommt und uns befähigt, langsam höher zu steigen. Wir erheben uns über einige kleine Streitereien, über einige Probleme. Vater Sofronij (Sacharow) sagte zu seinen Mönchen und Nonnen: “Wir werden niemals so leben können, dass wir keine kleinen alltäglichen Probleme haben, aber wir müssen stets nach oben schauen, auf die Hauptsache.” Und so lehrt uns auch der Herr: Trachtet vor allem nach dem Reich Gottes, und alles andere wird euch hinzugegeben (Lk 12,31). Diese Schwester ist so, diese anders, und diese ist dumm, diese ist stur, aber der Herr hat sie alle versammelt, und wer bin ich? Dieser Mann hat zu viele Birnen gegessen, diese Frau ist überhaupt nicht gut, keine Gastgeberin, sie lächelt nie, sie zeigt kein Mitleid... Was soll man tun? Etwas ändern? Weitersuchen? Was wirst du in dieser Welt finden? Du wirst nichts anderes finden. Wir selbst müssen uns ändern.

Sehen Sie, wenn wir uns ändern, wird alles um uns herum heller, sauberer, und wir werden die Menschen auf eine andere Art sehen, sogar die nächsten, die wir vielleicht noch nie so schön gesehen haben. Warum können wir sie so erblicken? Weil der Heilige Geist in uns wohnt, der uns von allem Schmutz reinigt, der uns die Möglichkeit gibt, Gott um uns herum und vor allem in unserem Nächsten zu sehen. Warum sind Menschen zu kranken alten Menschen gegangen und wollten mit ihnen reden, um ein Wort von ihnen zu hören? Weil in diesen Menschen der Heilige Geist war, es war Gott zugegen. Solch ein Mensch sagt vielleicht nicht viel, aber wenn er dir ein paar Worte sagt, dass das Leben gut ist, vertraust du ihm mehr als dir selbst: Ja, das Leben ist gut! Aber du wolltest nicht mehr leben, du hattest alles satt, du hast alle verdammt ... Und da sagt dieser Mann: „Was sind das alles für gute, edle Menschen!“ - Sie denken: „Warum dachte ich, dass alle schlecht sind? Alle sind so ausgezeichnete Menschen, schön, so liebenswert, ich darf mich nur nicht verwirren lassen.”

Wenn also der Heilige Geist in dir ist, dann wird so viel Liebe um dich herum sein! Die Leute werden mit dir zusammen sein wollen. Wenn aber ein Mensch den Heiligen Geist nicht besitzt, dann will jeder so schnell wie möglich von diesem Menschen wegkommen ... Und wir haben nicht den Geist, diesem Menschen zu helfen, seine Abneigung, seine Sünde wiedergutzumachen. Dies ist auch ein Problem. Wir haben dieses Problem auf unserem Klosterhof die ganze Zeit. Menschen, die ihr ganzes Leben hinter Gittern verbracht haben, werden sich nicht an einem Tag, in einem Jahr ändern. Das sind Märchen. Sie müssen geliebt werden. Und lieben heißt für die Sünde sterben, für sein „Ich“. Und das ist sehr schwierig. Es liegt also in der Familie. Wenn du eine Familie haben willst, dann stirb. Wenn du um eines anderen willen stirbst, dann wirst du eine Familie haben. Und wenn es dir gut gehen soll und du dich wohl fühlen willst, dann wirst du wahrscheinlich nicht dahin kommen und das finden...

Christus führt uns nicht irgendwohin, wo es warm und hell sein wird. Es wird sehr schwierig sein, aber es wird einen wahrhaften Kampf und einen wahrhaften Sieg geben. Und der Sieg ist die Auferstehung, es ist der Sieg über unsere Sünde, über den Teufel, der diese sündige Welt regiert. Wir haben einen König, den König des Himmels, und wir müssen uns vor ihm beugen, wir müssen ihm dienen, und niemand und nichts kann uns von der Liebe Gottes trennen. Niemand und nichts, wenn wir uns nicht selbst von Gott abwenden und uns vor Ihm verstecken. Denkt daran, keine Pässe, keine Chips, keine Gesetze. Dies alles ist die Welt, die im Argen liegt. Wir müssen glauben. Die Kirche stand, steht und wird bis zum Ende der Zeit bestehen, und “die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen” (Mt 16,18). Das sind die Worte der Heiligen Schrift. Und jetzt gibt es so viel Verwirrung, weil die Leute anfangen zu philosophieren. Wovon? Aus Langeweile. Ein Mann war noch so unzufrieden, weil bei uns etwas nicht stimmt, es nicht so und so ist, der Patriarch ist böse ... Aber ich habe zu ihm gesagt: “Also, jetzt wird nicht herum geredet, geh lieber ins Krankenhaus oder Internat und werde dort tätig, dann wirst du keine Zeit mehr haben zum Reden."

Unsere Gedanken, die kommen und uns behindern, stammen aus dem Müßiggang. Wir sind nicht müde, wir sind nicht überarbeitet. Deshalb fangen wir an zu denken, zu philosphieren, zu phantasieren, denn der Mensch hat die Fähigkeit, sich etwas vorzustellen. Und etwas Schlechtes kommt uns in den Sinn, wir beginnen uns mit jemandem zu vergleichen und denken daran, dass außer uns alle anderen schlecht sind. Auf diese Weise allein zu leben, ist unmöglich. Solch eine Einsamkeit, wenn ich allein gut und alle anderen schlecht sind, das nennt man Hölle.

In der Hölle wird dieser Mensch allein sein. Er wird niemanden mehr sehen, weil die Sünde sowohl Gott als auch seinen Nächsten vor ihm verbergen wird. Im Paradies aber werden wir uns alle sehen, und alle werden sich übereinander freuen, denn in jedem Menschen werden wir Gott sehen. Heute habt ihr die Kommunion empfangen, also schaut einander an und nährt euch von dieser Liebe.

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