Predigt am Fest unseres Vaters Nikolaus, Wundertäters von Myra

16. Dezember 2023

Hl. Nikolaj Velimirovic

Heute feiern wir das Gedenken an einen Mann, der reich war, aber dennoch in das Himmelreich kam. Der Herr sagte: „Es ist schwer für einen Reichen, ins Himmelreich zu kommen“ (Mt. 19,23). Aber der Herr hat nicht gesagt, dass es für einen Reichen unmöglich ist, in das Himmelreich zu kommen. Hätte er das gesagt, dann wären viele reiche Erben, wissentlich und ohne eigenes Verschulden, des Reiches beraubt worden. König Nemanja, der „sieben Türme aus Pfennigen und Dukaten besaß, wäre davon ausgeschlossen worden. All jene, die in dieser Welt als reich galten, wären ausgeschlossen worden, und doch finden wir ihre Namen im Heiligenkalender des Kirchenjahres.

Nein, meine Brüder, der liebe Gott beraubt niemanden Seines Reiches, noch verschließt er die Pforten vor jemandem, der das ewige Leben sucht, ganz gleich welches Standes er ist. In seiner unaussprechlichen Liebe zum Menschen will Gott, dass alle gerettet werden, und niemand kann jemand daran hindern, gerettet zu werden, es sei denn, er hindert sich selbst daran.

Es ist schwierig für einen reichen Menschen, in das Reich Gottes zu gelangen, nicht weil er reich ist, sondern weil nur wenige Reiche den Versuchungen, die aus dem Reichtum erwachsen, widerstehen können. Es gibt nur wenige reiche Menschen auf der Welt, die mit ihrem Reichtum statt der Hölle den Himmel, statt ewiger Qualen das ewige Leben gekauft haben. Es gibt nur wenige, die sich nicht mit ihrem Herzen an den Reichtum geklammert haben und vom Schöpfer abgefallen sind. Wenige, aber es gab solche Menschen. Es ist schwer für einen reichen Mann, in das Himmelreich zu gelangen, aber einige sind hineingegangen. Der heilige Bischof Nikolaus ging hinein, König Nemanja ging hinein, andere gingen hinein. Der Reichtum hat sie nicht daran gehindert, sondern ihnen sogar geholfen, in das Himmelreich und in den Heiligenkalender einzugehen, denn sie haben ihn zur Ehre Gottes und zum Heil ihrer Nächsten eingesetzt. Obwohl sie Reichtum besaßen, waren sie innerlich frei von ihm. Sie betrachteten alles, was sie besaßen als Gottes Eigentum und sich selbst als Diener Gottes und Verwalter Seines Eigentums, das sie gemäß den Geboten des Evangeliums verwalteten und verteilten. Auf diese Weise retteten sie ihre eigene Seele und halfen anderen, gerettet zu werden. Sie sind mutige Seelen, die sich nicht vom Reichtum besiegen ließen, sondern zu dessen Siegern wurden.

Neben seinem irdischen Besitz bewahrte der heilige noch drei weitere Schätze, die wertvoller waren als der materielle Reichtum: der Schatz des Glaubens, der Schatz der Wahrheit und der Schatz der Nächstenliebe. Indem er seinen Reichtum aus Liebe zu Christus an die Armen verschenkte, wurde er selbst arm. Doch die drei anderen Schätze vermehrten sich in ihm bis ans Ende seines irdischen Lebens. Je mehr Glauben er den Menschen schenkte, desto stärker wurde er selbst darin. Je mehr er für die Wahrheit eiferte, desto wahrhaftiger wurde seine Seele. Je mehr Barmherzigkeit er über die Menschen ausgoss, desto weicher wurde sein Herz. Glaube, Wahrheit und Barmherzigkeit sind himmlische Schätze, die durch das Geben vermehrt werden.

Glaube, Wahrheit und Barmherzigkeit sind die drei Schätze des heiligen Nikolaus, die er der Kirche als Erbe hinterlassen hat und die unverbraucht bleiben. Diesen dreifachen Schatz hat der Heilige Gottes euch, die ihr euch heute an ihn erinnert und ihn verherrlicht, als Erbe hinterlassen. Wisst ihr, die ihr den heiligen Nikolaus verherrlicht, dass für ihn angenehmer ist, euch zu geben, als von euch zu nehmen.

Der Glaube des heiligen Nikolaus war so rein wie ein Kristall und so stark wie ein Diamant. Das bewies er in Nizäa, als er unter Einsatz seines eigenen Lebens die Orthodoxie gegen die Ketzer verteidigte.

Die Wahrheit Gottes war im heiligen Nikolaus so hell wie die Sonne. Das zeigte er, als er den Henker daran hinderte, drei unschuldig Verurteilte hinzurichten. Der Heilige eilte herbei und schaffte es, dem Henker mit eigener Hand, das Schwert zu entreißen, wobei er wiederum sein Leben gefährdete.

Und die Nächstenliebe des Heiligen für die Armen und Bedürftigen glich der von Christus. Er verschenkte seinen gesamten Besitz als Almosen, meist im Geheimen, und verurteilte sich selbst zu Hunger und Armut.

Aber dieser große Diener Gottes fürchtete sich weder vor Ketzern noch vor Henkern noch vor Hungersnöten. Er wusste genau, dass der Allerhöchste auf seine treuen Diener achtete, und so war es auch: Der Allerhöchste beschützte ihn bis zum Ende seines Lebens und verherrlichte ihn nach seinem Tode unter den Engeln und Menschen, wie Er nur wenige verherrlichte.

Doch neben den drei großen geistigen Schätzen des Glaubens, der Wahrheit und der Gnade besaß der heilige Nikolaus noch eine Schatzkammer geistiger Güter, darunter die Schätze der Sanftmut, der Mäßigung, des Fastens, des Gebets und der Demut. Diese mit geistigen und moralischen Schätzen überquellende Schatzkammer hat der wunderbare Heilige Christi Ihnen, den orthodoxen Christen als Vermächtnis hinterlassen. Heute ist diese Sakristei weit geöffnet und ihre Schätze stehen Ihnen offen. Der Gottesmann wird von Ihnen Kerzen, Gebete und geweihtes Brot nicht als Geschenk, sondern in Dankbarkeit entgegennehmen. Er selbst bietet Ihnen heute seine Gaben an. Wenn du sie annimmst, wird er deine Dankbarkeit annehmen, aber wenn du seine Gaben ablehnst, wird er deine ablehnen. Achten Sie darauf, dass Sie die Gaben, die dieser reiche Mann Christi Ihnen anbietet, nicht verachten.

Und denken Sie daran und freuen Sie sich. Der heilige Nikolaus hat keine theologischen Traktate geschrieben oder das Martyrium für Christus erlitten, und doch wird er höher verehrt als Heilige, die Bücher verfasst oder ihr Blut für Christus vergossen haben. Dieses Geheimnis ist groß und wunderbar. Es ist das Werk der Vorsehung Gottes, denn der liebe Gott wollte zeigen, dass nicht nur weise Theologen und mutige Martyrer in Sein Reich gelangen, sondern auch eine unzählige Schar guter Seelen, die den wahren Glauben bewahren und die Gebote Gottes erfüllen. Und davon gab und gibt es viele unter den Gläubigen, unter jenen, die nicht redeten, sondern taten, die keine Bücher schrieben, sondern den Geist Gottes atmeten. Es gibt zwar viele Bekenner und Märtyrer, aber sie sind doch in der Minderheit gegenüber der großen Schar derer, die als stille und treue Diener Christi im heiligen Volk Gottes verherrlicht werden.

Der heilige Nikolaus ist ein echter Volksheiliger, das perfekte Abbild derer, die das Wort Gottes hörten und sich beeilten, es zu erfüllen und andere durch ihr Beispiel zu lehren. Aus diesem Grund hat die Kirche ihm, dem Bischof Nikolaus, Wundertäter von Myra in Lykien, abgesehen von diesem Fest, das wir heute feiern, jeden Donnerstag der Woche im Verlaufe des Jahres zusammen mit den heiligen Aposteln gewidmet.

Unserem Gott sei Ehre, dem heiligen Nikolaus Ehre und Preis und Euch allen Frieden, Gesundheit, Freude und Segen in Ewigkeit. Amen.

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