Predigt am Osterfest

23. April 2022

Predigt am Osterfest

Ikone „Höllenfahrt Christi“

Predigt von Metropolit Antonij von Surosch

Sie hörten die von der Auferstehung Christi überzeugten, begeisterten Worte des Hl. Johannes Chrysostomos: welche Kraft und Wahrheit klingt in ihnen! Und gleichzeitig erhebt sich in uns die Frage, wie das sein kann: Christus zerschlug, besiegte, vernichtete den Tod, aber um uns herum sterben die Menschen einer nach dem anderen? Er besiegte die Hölle, und manchmal scheint es, dass sich aus der Tiefe die Hölle immer aufs Neue erhebt, eine noch schrecklichere Finsternis aufsteigt…wie kann man dem Zeugnis glauben, wo liegt die Wahrheit?

Christus ist gestorben; und durch Seinen Tod betrat Er jene Tiefen der Hölle, wo es kein Licht, keine Freude, keine Hoffnung gab. Er wurde Mensch und starb als Mensch, aber nicht Seinen, sondern unseren Tod. Die Sünde tötet, Gottlosigkeit, der Verlust Gottes tötet. Christus Selbst war der lebendige Gott. Er konnte nicht den unserer Natur entsprechenden Tod sterben, aber Er hat uns geliebt, so geliebt, dass Er mit uns eins wurde, und alles, die ganze Tragödie, das ganze Grauen des menschlichen Seins legten wir auf Ihn, eingeschlossen den schrecklichen Verlust Gottes, durch den wir alle vergehen und sterben. Sagte Er nicht jene furchtbaren, letzten Worte am Kreuz: Mein Gott, mein Gott, warum hast Du Mich verlassen? ... Er hatte teil an unserer Gottverlassenheit und, indem Er Gott verlor wie wir, starb Er.

Aber Er stieg in die Hölle hinab in Seiner Herrlichkeit, in der Herrlichkeit Seiner Göttlichkeit. Die Hölle öffnete sich weit, um schließlich Den gefangen zu nehmen, zu besiegen, festzuhalten, der auf Erden sein Reich zerstört hat. Die Hölle hat, wie der Hl. Johannes Chrysostomos es ausdrückte, etwas Verwesliches einverleibt und wurde von der Göttlichkeit überrascht; die Finsternis erstrahlte durch die Anwesenheit Gottes; der Tod, der dort regierte, wurde besiegt; das Leben hat Einzug gehalten… Aber der Tod ist jetzt für uns auf der Erde nichts Schreckliches mehr; er ist ein Traum, das Entschlafen oder die Erwartung auch unserer Auferstehung von den Toten…

Die Hölle ist für uns nicht mehr furchtbar, als wäre sie nicht grausam, erbarmungslos; als ob sie sich auf der Erde nicht schrecklich, herzlos zeigt, sie ist für uns nicht mehr furchtbar. Denn wir Christen, Gläubigen, fürchten uns vor niemandem mehr, der uns das irdische Leben nehmen könnte, weil uns in und durch Christus das ewige Leben geschenkt ist. Dies bezeugen tausende Märtyrer aus früheren Zeiten und in unseren Tagen. Sie trafen auf den Tod und besiegten ihn durch Glauben und Liebe … Uns steht vielleicht der gleiche Weg bevor und wir sind berufen, ohne Angst, liebevoll und feierlich auf die Hölle zu treffen, wissend, dass das Licht in der Finsternis brennt und die Dunkelheit, auch wenn sie es nicht aufnimmt, so doch nicht besiegen kann. Die Pforten der Hölle können die Kirche, das Reich Gottes, das Reich des Lebens und der Liebe, nicht besiegen. Amen!

Christus ist auferstanden!

(25. April 1976)

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