Predigt am Sonntag der Kreuzverehrung

27. März 2022

Metropolit Antonij von Surosch

Predigt am Sonntag der Kreuzverehrung

Im Namen des Vaters, des Sohnes, und des Heiligen Geistes.

Während wir immer tiefer in die Wochen der Fastenzeit vordringen, können wir mit einem ständig wachsenden Gefühl der Dankbarkeit und der Freude, mit einer heiteren und frohlockenden Freude die Psalmenworte sagen: „Meine Seele soll leben, und in Dankbarkeit will ich den Herrn ehren.”

In der ersten Fastenwoche haben wir gehört, dass sich alle Heilsversprechen des Alten Testaments erfüllt wurden. Gott ist Mensch geworden, das Heil ist gekommen, alle Hoffnungen sind möglich. Und dann, in der zweiten Woche der Fastenzeit, erhielten wir die glorreiche Verkündigung durch alle Heiligen der Christenheit, dass Gott nicht nur gekommen ist und in unserer Mitte gewohnt hat, sondern dass Er sich über uns ausgegossen hat. Indem Er die Kirche und jede menschliche Seele bereitet hat, Ihn , Seine Gegenwart, die verwandelnde Gabe des Heiligen Geistes zu empfangen, die uns allmählich immer tiefer mit dem lebendigen Gott verbindet, bis wir eines Tages Teilhaber der göttlichen Natur werden.

Und wenn wir uns heute fragen: „Aber wie geschieht das? Wie kann uns vergeben werden, wie kann das Böse rückgängig gemacht werden?” Ein Schritt bringt uns tiefer in die Dankbarkeit, tiefer in die Freude, tiefer in die Gewissheit, wenn wir auf das Kreuz schauen, wenn wir es betrachten.

Es gibt eine Stelle im Evangelium, in der uns gesagt wird, dass Petrus zu ihm sagte, als Christus von der Erlösung und ihren Bedingungen sprach: „Wer kann dann gerettet werden?“ und Christus antwortete: „Was Menschen nicht möglich ist, ist Gott möglich!“. Er Selbst kam; die Fülle Gottes wohnte in einer menschlichen Person, und er hat die Macht zu vergeben, weil er das Opfer all des Bösen, all der Grausamkeit, all der Zerstörungswut der menschlichen Geschichte ist. Denn in der Tat kann niemand außer dem Opfer denen vergeben, die Böses, Leid, Elend, Korruption und Tod in ihr Leben gebracht haben. Und Christus vergibt nicht nur seinen eigenen Mördern, wenn er sagt: „Vater, vergib – sie wissen nicht, was sie tun“: Er geht darüber hinaus, weil er gesagt hat: „Was auch immer ihr einem meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan”. Nicht nur im Guten, sondern auch im Schlimmsten, in Mitgefühl, in Solidarität identifiziert er sich mit jedem Leidenden. Den Tod, den Schmerz, die Qual eines jeden Leidenden macht Er zu Seinem. Und so betet er: „Vater, vergib! Sie wissen nicht, was sie tun, was sie getan haben“, so betet er für jeden von uns nicht nur in seinem eigenen Namen, sondern im Namen all derer, die das Böse wegen der menschlichen Sünde heimgesucht hat.

Aber es ist nicht nur Christus, der vergibt; jeder, der an Seele, Körper und Geist gelitten hat, - jeder ist berufen, denen die Freiheit zu gewähren, die ihn leiden ließen.

Und so können wir verstehen, warum Christus sagt: „Vergib, damit dir vergeben wird“, weil sowohl das Opfer als auch der Täter in einem Knoten der Solidarität und gegenseitigen Verantwortung verbunden sind. Nur das Opfer kann sagen: „Herr – vergib ihm, vergib ihr“, und nur dann kann der Herr sagen: „Ich tue es!“.

Aber ist Ihnen klar, welche Verantwortung es jedem von uns im Hinblick auf alle und jeden auferlegt? Aber auch die Tiefe, die herrliche Tiefe der Hoffnung, die sich uns auftut, wenn wir auf das Kreuz blicken und sehen, dass Christus in Verbundenheit mit der ganzen Menschheit alle Leiden der Welt auf sich genommen und einen unmöglichen Tod in Kauf genommen hat im Namen aller Leidenden: “Ja, wir vergeben!”

Dies ist ein weiterer Schritt in Richtung Freiheit, dies ist ein weiterer Schritt in Richtung des Moments, in dem wir mit der Auferstehung Christi konfrontiert werden, die uns umhüllt, weil der auferstandene Christus wahrhaft auferstanden ist und uns allen und jedem einzelnen von uns die Fülle des ewigen Lebens anbietet.

So können wir wieder und wieder sagen, dass die Fastenzeit eine Quelle neuen Lebens ist, eine neue Zeit, eine Zeit der Erneuerung und nicht nur der Buße. So wie der Hirte das verlorene Schaf auf seine Schultern nahm, so hat Christus Selbst Sein Kreuz auf sich genommen. Der Herr nahm es, brachte es an den Ort des Todes und machte den Tod ungeschehen, machte das Böse ungeschehen, indem Er vergab und Sein Leben hingab. Einmal mehr werden wir mit einem weiteren Schritt unserer Freiheit und Neuheit konfrontiert. Lasst uns immer tiefer in dieses Geheimnis, in dieses Wunder der Erlösung eintreten und uns des Herrn freuen, und jubelnd, Schritt für Schritt, mehr und mehr, lasst uns auch unsere Dankbarkeit durch die Erneuerung des Lebens zum Ausdruck bringen. Amen!

(18. März 1990)

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