Ein geistiger “Tauschhandel” ist mit dem Glauben nicht vereinbar

15 Februar 2026

Predigt von Erzpriester Andrej Lemeschnok

Wir sind so abhängig von der Erde, von unserem Körper und unserer Umgebung, von dieser Welt, die den Konsumenten in uns nährt. Und so kommen wir in die Kirche: „Herr, gib mir! Gib mir, ich brauche es! Ich benötige dies und das …“ Aber was geben wir im Gegenzug? Gott braucht nichts Irdisches.

Und doch gilt: Je mehr man gibt, desto mehr empfängt man. Es ist wie bei einer Bank – nur eben einer himmlischen. Man gibt wenig, aber Gott gibt hundertfach zurück. Wir verstehen das, wenn wir anfangen, ein wenig zu begreifen. Ein Beispiel: Wir haben nicht viele Großunternehmer, aber in Russland gibt es sehr reiche Menschen. Und ich weiß, dass sie dort Kirchen und Klöster bauen. Sie tun das nicht zum Vergnügen, das glaube ich nicht. Sie wissen, dass sie durch den Bau von etwas für Gott viel mehr empfangen werden. Nur ein Narr lebt für sich selbst und verlässt sich auf sich selbst. Wer aber versteht, beginnt zu erkennen, dass alles im Leben miteinander verbunden ist und dass das Gute, das man getan hat, zu einem zurückkehrt. Und all das Schlechte wird auch wiederkommen. Wir sollten uns nicht wundern: „Schau, so ein Schurke, und er lebt glücklich bis ans Lebensende …“ Das ist Unsinn! Alles im Leben kehrt zurück.

Solange wir nicht das Gesamtbild unseres Lebens wiederherstellen, solange wir nicht nur einzelne Episoden darin sehen, werden wir ständig verwirrt sein. Wir werden einen Ausschnitt des Ganzen betrachten und völlig falsche Schlüsse ziehen. „Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten“ (Psalm 126,5). Jetzt weinst du, jetzt leidest du, und dies ist eine Prüfung deines Glaubens. Glaubst du an Gott? Glaubst du, dass Gott dir alles hundertfach zurückgeben wird? Doch wir verhalten uns wie auf einem Ramschmarkt: „Ich gebe dir, und du gibst mir.“ Aber solch ein geistlicher „Tauschhandel“ ist mit dem Glauben unvereinbar. Wir müssen alles geben.

Hier, auf dem Klostergelände vor der Hl. Elisabeth-Kirche liegt unsere allererste Novizin begraben. Sie war Wissenschaftlerin und kam nach der Katastrophe von Tschernobyl nach Belarus, um den Strahlenopfern zu helfen. Dann fand sie zum Glauben. Selbst im hohen Alter besuchte sie noch Vorträge in der Peter-und-Paul-Kathedrale. Sie ging mit großer Mühe, und ich fragte mich: Wie konnte sie das nur schaffen und wie kommt sie jetzt nach Hause? Sie hatte eine gute Rente. Und stellen Sie sich vor: Sie spendete ihre gesamte Rente für den Bau unseres Klosters. Alles! Und ich dachte: „Wovon lebt sie jetzt?“ Und siehe da, wie Gott es gefügt hat – er hat sie zu uns geführt. Bald darauf starb sie im Kloster. Ich rief Metropolit Philaret an und erzählte ihm von ihr: „Was für ein guter Mensch, sie hat so viel für die Menschen getan.“ Und der Bischof segnete, sie als Novizin zu begraben, als erste verstorbene Schwester des Klosters. Es erscheint alles so unfassbar; manch einer würde sagen: „Die Frau hat den Verstand verloren.“ „Sie verschenkt alles, kann kaum noch laufen …“ Doch Gott lenkt alles. Doch wir, mit unserem Rationalismus und Intellekt, stehen am Ende wie Narren da. Es ist wie im Märchen: der dumme Iwan entpuppt sich als der Klügste, übertrifft alle und wird der Erste im Reich.

Wenn wir beginnen, Gott in unserem Leben zu erkennen, bricht jede menschliche Logik zusammen. Dann hören wir auf zu rechnen und zu kalkulieren. Die Menschen sagen das eine, die Welt meint etwas anderes, aber Gott betrachtet alles auf Seine Weise.

Das Jüngste Gericht ist keine Abstraktion oder Allegorie. Das Evangelium sagt klar, dass deine Rechtfertigung beim Jüngsten Gericht von den Menschen um dich herum abhängt: deinen Nachbarn, Kollegen, den Menschen in deiner Umgebung und denen, denen du helfen kannst. Hast du deinem Nächsten etwas Gutes getan? Hast du ihn besucht? Ihm geholfen? Ihn unterstützt? Dann hast du es für Mich getan. Und wenn du es nicht getan hast, dich abgewandt, geflohen bist, gesagt hast: „Keine Zeit!“, dann hast du deine Chance verpasst. Deshalb stehen wir vor der wichtigsten Zeit unseres Lebens. Unser gesamtes kommendes Jahr hängt davon ab, wie wir die Fastenzeit verbringen. Wie werden wir Ostern feiern? Wie können wir diese Osterfreude in unserem durchlässigen Inneren bewahren? Wie können wir diese Freude mit anderen teilen? Unser ganzes Leben hängt davon ab.

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