
Im heutigen Evangelium, wie auch in anderen Teilen des Neuen Testaments, sehen wir Männer, Frauen und Kinder, die zu Christus kommen oder gebracht werden, in der Hoffnung, dass sie geheilt werden - geheilt von ihren körperlichen Krankheiten, geheilt von ihrem Elend, geheilt von ihrem Schmerz, geheilt von der Qual des Lebens. Und jedes Mal sagt Christus zu ihnen: „Glaubst Du, dass ich dies tun kann?“ Und aus diesem Grund sagt der Mann der danach gefragt wird in der Sorge um seinen kranken Sohn: „Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben“. Aber wenn wir glauben, dass Christus, unser Herr, die Macht hat zu retten, dann steckt mehr dahinter, denn was wir zu erwarten glauben, liegt nicht nur in der göttlichen Kraft, sondern im göttlichen Mitgefühl.
Im Text des heutigen Evangeliums geht es um die Barmherzigkeit. Barmherzigkeit bedeutet Zärtlichkeit, bedeutet Fürsorge, aber darüber hinaus gibt es dieses sehr große und in gewisser Weise beängstigende Wort „Mitgefühl“, das Bereitschaft bedeutet, und zwar nicht nur die Bereitschaft, sondern die Wirklichkeit des gemeinsamen Leidens, des Zusammentragens des gesamten Leids einer anderen Person. Und tatsächlich ist es das, was Gott in seiner Menschwerdung getan hat. Er hat nicht nur die menschliche Natur mit all ihrer Schwäche auf sich genommen, sondern auch all den Schmerz, all das Leiden, all die Qual eines jeden von uns. Und wenn wir uns an Ihn wenden und um Heilung, um Hilfe bitten, wollen wir wirklich sagen: „Ich glaube, Herr, dass deine Liebe so ist, dass es keinen Schmerz des Geistes, keine Qual des Geistes, kein Leiden des Körpers gibt an denen du nicht teilnimmst. Ja, du wurdest gekreuzigt und teilst nicht nur unseren Tod, sondern auch den Schmerz, der in jedem Herzen brennt und jedes Glied zerreißt. Können wir uns in unserer Not an Gott wenden und sagen: “Herr, ich glaube an dein Mitgefühl. Ich glaube, dass, wenn ich zu Recht oder zu Unrecht, wegen meiner eigenen Schuld oder schuldlos leide, du leidest mit mir, du teilst meine Qual und darüber hinaus, ist deine Qual größer als meine, denn du weißt besser als ich, was ich sein könnte, an Körper und Seele.”
Wenn wir göttliche Barmherzigkeit oder göttliche Hilfe brauchen, wenden wir uns nicht einfach an Ihn und sagen: "Herr, ich bin in Not und du hast die Macht."
Wenden wir uns Ihm zu und sagen: „Ich weiß, Herr, dass es kein Leiden, keinen Schmerz, keine Qual gibt, die du nicht mit mir teilst. Ich verehre deine Liebe, ich verneige mich vor deiner Kreuzigung, ich akzeptiere das Entsetzen, dass du all mein Leiden teilst und weil ich so tief, so vollkommen an dein Mitgefühl glaube, gib mir die Möglichkeit, an Deiner Ganzheit teilzuhaben. “ Amen.
(Metropolit Antonij von Surosch hielt diese Predigt am 21. Juli 1996.)