Predigt zum Heiligen Osterfest

15. April 2023

Ostersonntag

Gregorios von Nazianz

Tag der Auferstehung und Glück verheißender Neubeginn! Seien wir strahlende Menschen am Festtag und umarmen wir einander! Sprechen wir, Brüder, auch mit denen, die uns nicht mögen und nicht, weil sie etwas aus Liebe zu uns getan oder sich abgemüht haben; üben wir Nachsicht in jeder Beziehung wegen der Auferstehung. Gewähren wir einander Verzeihung!

Gestern wurde das Lamm geschlachtet und wurden die Türpfosten (mit Blut) bestrichen. Ägypten beweinte die Erstgeburt, doch an uns ging der verderben bringende Engel vorüber. Das Siegel (des Blutes) war ihm schrecklich und ehrfurchtgebietend; durch das kostbare Blut (Christi) wurden wir beschützt. Heute sind wir ungehindert Ägypten entkommen, dem schrecklichen Despoten, dem Pharao, und seinen brutalen Aufsehern, und von der Arbeit im Lehm und beim Ziegelherstellen befreit worden. Niemand ist da, der uns noch hindert, unserem Herrn und Gott das Fest unseres Auszuges zu feiern, “nicht mit dem alten Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit den ungesäuerten Broten der Aufrichtigkeit und Wahrheit” (1 Kor 5,8); denn wir nehmen nichts mit von dem Sauerteig Ägyptens und der Gottlosigkeit.

Kreuz

Gestern wurde ich mit Christus gekreuzigt, heute werde ich mit Ihm verherrlicht.
Gestern wurde ich mit Ihm getötet, heute werde ich mit Ihm mit Leben beschenkt.
Gestern wurde ich mit Ihm begraben, heute werde ich mit Ihm auferweckt.

Deshalb wollen wir Gaben dem darbringen, der für uns gelitten hat und auferstanden ist. Ihr meint vielleicht, ich spreche von Gold oder Silber, von Tuchen oder kostbaren Edelsteinen, vom vergänglichen Stoff der Erde, von dem, was es hier unten gibt, an dem die schlechten Menschen und die Diener des Irdischen und des Fürsten der Welt stets größten Anteil haben. Als Gabe wollen wir uns selbst darbringen, den Besitz, der Gott am teuersten ist und Ihm eigentlich zusteht.

die Auferstehung Christi

Geben wir dem Bild (Christus) das, was nach seinem Bild geschaffen wurde; erkennen wir unsere Würde und ehren wir das Urbild! Erfassen wir die Bedeutung des geheimnisvollen Festes und wofür Christus gestorben ist!
Werden wir Christus, wie auch Christus wie wir geworden ist!
Werden wir seinetwegen Götter, da er unseretwegen Mensch geworden ist!
Das Geringere nahm er an, um uns das Bessere zu geben.
Er wurde arm, damit wir durch seine Armut reich werden.
Er nahm die Gestalt eines Sklaven an, damit wir die Freiheit erlangen.
Er stieg hinab, damit wir erhöht werden.
Er wurde versucht, damit wir siegen.
Er wurde entehrt, um uns zu ehren.
Er starb, um uns zu retten.
Er stieg (aus der Unterwelt) empor, um die mit sich heraufzuziehen, die durch den Sündenfall dort unten lagen.

die Auferstehung Christi

Alles gebe man Ihm, alles bringe man Dem zur Gabe, der sich selbst für uns als Lösegeld und zum Tausch hingegeben hat. Doch keine Gabe ist so wertvoll wie die eigene Person, die das Mysterium erfasst hat und um Christi willen alles geworden ist, was Er unseretwegen wurde.

(PG,35, 396A-400A hrsg. J.P.Migne, Paris 1857-1866)

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