Predigt zum Sonntag der Samariterin

22. Mai 2022

Die Begegnung Christi mit der Samariterin am Brunnen

Die Begegnung Christi mit der Samariterin am Brunnen (Fresko)

Metropolit Antonij von Surosch

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Das Heilige Evangelium hat uns den Namen der Samariterin nicht überliefert. Aber die Tradition der Kirche erinnert sich und nennt sie auf Griechisch - Photini, auf Russisch - Svetlana, in den keltischen Sprachen - Fiona, in westlichen Sprachen - Claire, Klara. Und all diese Namen sprechen uns von dem Einen – vom Licht.

Nachdem sie den Herrn Jesus Christus getroffen hatte, ist sie zu einem Licht geworden, das in der Welt scheint, ein Licht, das diejenigen erleuchtet, die ihr begegnen. Jeder Heilige wird uns als solch ein Beispiel angeboten; aber wir können nicht immer die konkreten Lebensweisen eines Heiligen nachahmen, wir können nicht immer seinen Weg von der Erde zum Himmel wiederholen. Aber wir können von jedem von ihnen zwei Dinge lernen. Der eine ist, dass wir durch die Gnade Gottes erreichen können, was menschlich unmöglich erscheint; das heißt, eine Person nach dem Bild und Gleichnis Gottes zu werden, in dieser Welt der Dunkelheit und Tragödie, die von der Macht der Lügen beherrscht wird, ein Wort der Wahrheit zu sein, ein Zeichen der Hoffnung, die Gewissheit, dass Gott sie überwinden kann, denn wir erlauben nur Ihm Zugang zu unseren Seelen. Denn wenn das Reich Gottes nicht in uns errichtet ist, wenn Gott nicht in unseren Gedanken und Herzen thront, ein Feuer, das alles vernichtet, was uns selbst und Ihm unwürdig ist, können wir Gottes Licht nicht verbreiten.

Und das Zweite, was die Heiligen uns lehren können, ist, die Botschaft zu verstehen, die uns ihre Namen übermitteln. Und die heutige Samariterin spricht vom Licht. Christus hat gesagt, dass Er das Licht der Welt ist, das Licht, das alle Menschen erleuchtet; und wir sind berufen, diesem Licht in unseren Seelen, Gedanken und Herzen, ja in unserem ganzen Selbst, Raum zu geben; damit das von Christus gesprochene Wort „Dein Licht leuchte vor allen Menschen, damit sie deinen Vater im Himmel preisen, wenn sie deine guten Taten sehen“, in und durch uns erfüllt und verwirklicht werde.

Die Begegnung Christi mit der Samariterin am Brunnen

Die Begegnung Christi mit der Samariterin am Brunnen (Illustration)

Nur durch das Schau unserer Taten, durch das Sehen, wie wir leben, können die Menschen glauben, dass das Licht Gottes Licht ist; es ist nicht in unseren Worten, es sei denn, es handelt sich um Worte der Wahrheit und Macht wie die der Apostel oder tatsächlich von Christus selbst. Und lasst uns, jeder von uns, über die Bedeutung unseres Namens nachdenken und darüber, wie wir zu dem werden können, wie wir genannt werden.

Die Samariterin kam ohne geistliche Absicht zum Brunnen; sie kam, wie sie täglich kam, um Wasser zu holen – und sie begegnete Christus. Jeder von uns kann unserem Gott jederzeit begegnen, wenn wir unsere Aufgaben daheim erfüllen, wenn unser Herz in die richtige Richtung gelenkt wird, wenn wir bereit sind, eine Botschaft zu empfangen, zuzuhören, und wahrhaftig, um Fragen zu stellen! Weil die Samariterin eine Frage an Christus stellte und das, was sie hörte, ihre Frage so weit überstieg, dass sie in ihm einen Propheten und später Christus, den Erlöser der Welt, erkannte.

Aber das Licht darf nicht unter einen Scheffel gestellt werden. Nachdem sie entdeckt hatte, dass das Licht in die Welt gekommen war, dass das Wort der göttlichen Wahrheit jetzt unter den Menschen widerhallte, dass Gott unter uns war, ließ sie alle Sorgen hinter sich und rannte los, um die Freude über das Wunder, was sie entdeckt hatte, mit anderen zu teilen. Sie brachte ihre Mitbürger zu Christus. Sie erzählte ihnen zuerst, warum sie glaubte. Und als vielleicht die Neugier oder die überzeugende Kraft ihrer Worte und die Veränderung, die in ihr vorgegangen war, sie zu Christus brachten, sahen sie es selbst und sagten zu ihr: Wir glauben nicht mehr wegen dem, was du sagst, sondern wir haben es selbst gesehen und gehört.

Und das lehrt die Samariterin uns alle: offen zu sein in jedem Augenblick des Lebens, während wir mit den einfachsten Dingen beschäftigt sind, das göttliche Wort zu empfangen, vom göttlichen Licht erleuchtet zu werden, von Seiner Reinheit gereinigt werden, es in der Tiefe unserer Seele zu empfangen, es mit unserem ganzen Leben zu empfangen, damit die Menschen, die sehen, was wir geworden sind, glauben können, dass das Licht in die Welt gekommen ist.

Die Begegnung Christi mit der Samariterin am Brunnen

Die Begegnung Christi mit der Samariterin am Brunnen (Fresko)

Lasst uns zu der Samariterin beten, uns zu lehren, uns zu führen, uns auf dem Weg zu Christus zu bringen, auf den sie gelangt ist, und ihm auf die Weise zu dienen, auf der sie ihm diente, indem sie die Errettung aller ist, die um sie herum waren. Und möge der Segen Gottes auf euch sein, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, jetzt und allezeit in Ewigkeit und Welt ohne Ende! Amen.

(8. Mai 1988)

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