
Meine Freunde, ich gratuliere Ihnen zum neuen Jahr. Ich denke, dass der Vergebungssonntag für einen orthodoxen Christen so etwas wie Neujahr ist. Unser ganzes irdisches Dasein ist ein Weg, der vom Tod zum Leben hinführt. Und heute beginnen wir diesen Weg, der mit dem Sieg über den Tod, der Auferstehung enden wird. So beginnen wir mit der Umkehr. “Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe gekommen” (Mt 3, 2).
Wenn man jung ist, fühlt es sich so an, als ob das Leben in seinen eigenen Händen liegt. Seine physischen Kräfte drängen ihn in verschiedene Richtungen, und er weiß nicht, wie er genug vom Leben bekommen soll. Aber die Jahre vergehen, und die Kräfte nehmen ab. Und was letztes Jahr noch realisierbar war, schaffen wir in diesem Jahr nicht körperlich und seelisch schon nicht mehr. Daher ist das ganze Leben ein Übergang, bei dem eine Person ihre persönliche Zahlungsunfähigkeit sieht, ihre Unfähigkeit begreift, unabhängig zu leben, und schließlich ihr Leben allmählich in die Hände Gottes gibt. “Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit” (vgl. 2 Kor 12, 9). Und ein neues Leben beginnt, das nach anderen Gesetzen aufgebaut ist. Aber dies ist ein Übergang, den wir im Laufe des ganzen Erdenlebens vollziehen müssen.
Ich denke, dass wir alle uns in diesem Jahr davon überzeugt haben, wie schlecht wir sind. Wir haben uns alle davon überzeugt, dass wir niemanden um Vergebung bitten können. Aber wie können wir dann über einige hohe geistliche Dinge sprechen, wenn wir bei den kleinsten Sachen falsch und ungenau denken? Und früher oder später steht jeder vor einem Problem: “Ich möchte eigentlich nicht in die Kirche gehen. Und ich möchte jetzt nicht beten, mich an Gott wenden. Und ich will überhaupt nichts.” Aber genau hier beginnt das geistliche Leben, das sich durch Anstrengung entfaltet. “Seit den Tagen Johannes' des Täufers bis heute wird dem Himmelreich Gewalt angetan; die Gewalttätigen reißen es an sich”(siehe: Mt 11, 12). Geistliches Leben entsteht also durch unsere kleine Anstrengung und durch die Gnade Gottes, die uns dabei hilft.
Trotz der Tatsache, dass wir durch menschliche Überlegungen nichts ändern können, hat Gott ganz andere Kräfte. Und wir hoffen auf diese Kraft des Heiligen Geistes, die uns verändern wird, indem wir alles Egoistische, alles Vorübergehende, alles Schmutzige ausbrennen und uns sowie unser Herz für die Liebe reinigen. Wir müssen lernen, einander zu lieben. Das scheint heute undenkbar zu sein, aber Gott kann alles. Und auf die Frage «Wer wird dann gerettet?", muss man antworten: “Niemand”. Doch Gott errettet jeden, der es will.
Natürlich haben wir schon viele dieser Vergebungssonntage erlebt. Diese Sprungbretter, die wir nehmen müssen, damit wir das ganze Jahr den Kontakt zu unserem Gott nicht verlieren. Aber jedes Mal ist es auf eine neue Art und Weise. Jedes Mal ist es ganz anders. Dies ist keine Wiederholung, sondern eine Fortsetzung. Dies ist der Weg, der uns weiter zu Christus führt. Und wir müssen Christus unser ganzes Leben hingeben, "unser gesamtes Leben". Natürlich ist es ein schmerzhafter Prozess, und wir können Ihm nicht alles auf einmal geben. Wir geben ein bisschen. Aber der Herr nimmt auch einen kleinen Teil an, und küsst unsere Absichten.. Versuchen wir es also gemeinsam, denn jeder hat seinen eigenen Zeitplan: Jemand kann die ganze Zeit in der Kirche stehen, und ein Anderer kommt nicht so oft, weil er Familienangelegenheiten, Arbeit und Pflichten gegenüber seinen Nächsten hat. Aber Gott nimmt jeden an: Den, der in der dritten Stunde kam, genauso wie den, der um elf kam. Und jeder erhält den gleichen Lohn. Lasst uns glauben, dass wir etwas für Gott tun können, auch wenn es bescheiden ist, zumindest ein bisschen. Aber das wird ausreichen, um ein ganzes Jahr mit Gott zu leben und dabei, Gott und dem Nächsten zu dienen.
Und natürlich geht es uns gut. Wir sind alle Heilige, weil Gott mit uns ist.
Sie sehen, was in der heutigen Welt passiert, wie die Geschichte der Welt zu ihrem Ende hin gleitet. Wie der Feind Millionen oder vielleicht Milliarden von Menschen betrogen hat, weil sie sich freiwillig von Gott zurückgezogen haben. Wie viele orthodoxe Christen sind unserer russisch-orthodoxen Kirche treu? Eine Handvoll im Vergleich zu der Masse von Menschen, die schon jetzt schreien: "Kreuzigt, kreuzigt sie! Es ist schon veraltet, es ist nicht mehr modern, wir brauchen es nicht mehr. Wir haben neue Gesetze. Wir werden uns selbst ein Gesetz erarbeiten und es erfinden." Verstehen Sie, wie wichtig Ihnen heute die Treue zum christlichen Leben und die Treue zu Christus ist? Aber es gibt so viele Fehler in uns! Diese Welt hat sie gefunden, sie kennt unsere Schwächen, und sie versucht, dorthin zu gelangen und uns den Frieden und Gott zu rauben…
Wir leben in einer überraschend interessanten Zeit. Deshalb möchte ich nicht sterben, sondern leben und sehen, wie aus einfachen Bürgern, aus Menschen, denen alles egal ist, die nur leben, um Spaß zu haben, Helden und Märtyrer werden, wie sie die Treue halten und bis zum Ende gehen, ihr Leben für unseren Herrn und für ihr Vaterland hingeben. Deshalb, meine Lieben, haben wir eine große Verantwortung. Und jede unserer Verneigungen ist teuer. Er ist dies nicht nur für mich und meine Lieben. Diese Verbeugung ist für unser ganzes christliches Geschlecht, für alle Menschen, die noch vernünftig denken und sagen, dass es unmöglich ist, so zu leben, denn das ist schon der Tod. Jedes unserer Gebete, jeder unserer Gottesdienste, jedes unserer Abendmahle ist ein Sieg Christi über den Fürsten dieser endlichen Welt. Und wir werden mit Sicherheit gewinnen. Der Sieg wird auf jeden Fall mit uns sein. Und wenn wir unseren irdischen Weg beendet haben, werden wir in der Kirche liegen, und die Kirche wird ausrufen: «Mit den Heiligen lass uns ruhen». Das ist der Sinn all dessen, was in dieser zeitlichen Welt geschieht. Er liegt darin, heilig zu werden, diese Welt zu besiegen, den Teufel zu besiegen und für immer mit Christus zu leben. Das ist unsere Aufgabe, wir haben keine weiteren Aufgaben und können sie nicht haben…
Wir sind vor Gott schuldig. Er hat uns alles gegeben, damit wir dienen, damit wir lieben, dass wir glauben, aber wir bewahren diese Gaben, diese Geschenke Gottes nicht. Daher möchte ich natürlich vor allem Gott um Vergebung bitten. Trotzdem hoffe ich, dass wir Ostern erleben. Und ich wiederhole, der Sieg ist unser. Denn wo Christus ist, kann es keinen Verlust geben! Christus ist auferstanden!