Sonntag der Salben tragenden Frauen; 3. Ostersonntag

8. Mai 2022

 Ikone der Salben tragenden Frauen am leeren Grab

Ikone der Salben tragenden Frauen am leeren Grab

Predigt von Metropolit Antonij von Surosch

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Wir erinnern uns heute an die Salben tragenden Frauen, Joseph von Arimathäa und Nikodemus, Menschen, die im Laufe des Evangeliums kaum Erwähnung finden, die sich aber, als Christus scheinbar besiegt war, als Tod, Ablehnung, Verrat und Hass gesiegt hatten, als Menschen der Treue und des Mutes erwiesen, der Treue des Herzens und des Mutes, die nur aus der Liebe geboren werden können. Im Moment der Kreuzigung waren alle Apostel geflohen, bis auf einen, Johannes, der mit der Gottesmutter am Fuß des Kreuzes stand. Alle anderen hatten Christus verlassen, nur eine kleine Gruppe von Frauen stand in geringer Entfernung vom Kreuz, und als er gestorben war, kamen sie, um seinen Leib zu salben, den Joseph von Arimathäa von Pilatus erbeten hatte, ohne Angst davor, als Jünger erkannt zu werden, denn im Leben und im Sterben hatten Liebe und Treue gesiegt.

Lassen Sie uns darüber nachdenken. Es ist leicht, Jünger Christi zu sein, wenn wir uns auf dem Wellenkamm befinden, in der Sicherheit von Ländern, in denen keine Verfolgung, keine Zurückweisung ertragen werden muss, kein Verrat uns zum Märtyrertod führen kann oder einfach dazu, Opfer von Spott und Zurückweisung zu werden.

Ikone der Salben tragenden Frauen

Ikone der Salben tragenden Frauen

Denken wir nicht nur an Christus, sondern aneinander, denn Christus hat gesagt, dass wir Ihm das getan haben, was wir einem von uns, dem Kleinsten, dem Geringsten, getan haben.

Fragen wir uns, wie wir uns verhalten, wenn jemand von der öffentlichen Meinung oder von der Meinung derer, die uns etwas bedeuten, abgelehnt, verspottet, geächtet, verurteilt wird, ob in diesem Moment unser Herz treu bleibt, ob wir in diesem Moment den Mut finden, zu sagen: “Er war und er bleibt mein Freund, ob du ihn annimmst oder ablehnst.” Es gibt kein größeres Maß an Treue als jene, die sich in einer Niederlage manifestiert. Lasst uns das bedenken, weil wir alle besiegt wurden und auf so vielerlei Art besiegt sind. Wir streben mit aller Energie, die uns eigen ist, wenig oder viel, danach, das zu sein, was wir sein sollten, und wir werden in jedem Augenblick besiegt. Wir sollten einander nicht nur mit Mitgefühl ansehen, sondern mit der Treue von Freunden, die bereit sind, einem Menschen beizustehen, der gefallen ist, von der Gnade abgefallen, von seinem eigenen Ideal abgefallen und so alle Hoffnungen und Erwartungen zunichte machte, die wir ihn oder sie gesetzt haben. Lasst uns jetzt beistehen, lasst uns jetzt treu sein und beweisen, dass unsere Liebe nicht von der Hoffnung auf Sieg bedingt war, sondern ein von Herzen kommendes Geschenk war, unentgeltlich, freudig, wunderbar. Amen.

(21. April 1991)

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