Steckbrief IV

18. Februar 2022

nonne Feodosija Jewtushenko

Kindheits- und Jugenderinnerungen

Ich wurde im Kreis Pinsk geboren und bald nach der Geburt getauft. Dann siedelte die Familie um in das Gebiet Gomel, wo ich meine Kindheit und Jugend verbrachte bis zum Beginn meines Hochschulstudiums.

Alle Einwohner des Dorfes, in dem wir lebten, waren getauft. Taufe und kirchliche Trauung waren Ereignisse, an denen das ganze Dorf sich beteiligte. Es wurde gemeinsam gefeiert. Obwohl es keine Kirche gab, waren die großen kirchlichen Feiertage fest im Gedächtnis der Menschen verankert. Das ganze Dorf bereitete sich intensiv auf Ostern und Pfingsten vor. Es wurde alles aufs Peinlichste gereinigt, so dass die Höfe blitzten, aber trotzdem waren alle von Freude und Gnade erfüllt. Man beschenkte sich gegenseitig mit selbstgebackenen Kuchen und Piroggen. So wurde die Osterfreude untereinander geteilt.

Während der Studienzeit in St. Petersburg wohnten wir unweit des Friedhofes, auf dem sich das Grab der Heiligen Ksenija von St. Petersburg befindet. Obwohl sie noch nicht offiziell von der Kirche zu den Heiligen gezählt wurde, liefen wir oft zu ihr und baten um ihre Hilfe und ihren Beistand in allen Lebenslagen. “Liebe Ksenija, hilf mir, die Prüfung zu bestehen!” “Liebste Ksenija, hilf mir, einen Mann zu finden!” Viele, sehr viele Menschen kamen zu ihr mit ihren Bitten in Nöten und Bedrängnissen.

Die erste Gottesbegegnung

An Ostern hatte ich dann plötzlich die Idee, in den nächtlichen Auferstehungsgottesdienst zu gehen. Dies war mein erster Kirchenbesuch und ich war 20 Jahre alt. Alles war fremd und unwirklich. Ich verstand nicht, was vor sich ging. Die Eindrücke dieses Gottesdienstes waren unauslöschlich und blieben mir bis zum heutigen Tag in lebendiger Erinnerung. Besonders beeindruckend war für mich, als der Priester ausrief: “Christus ist auferstanden!” Und alle, alle Anwesenden antworteten einmütig “mit einem Munde und mit einem Herzen”: “Er ist wahrhaft auferstanden!” In dem Moment schaue ich mich um und plötzlich stehen da um mich herum so prächtige Jungs. Woher kamen die auf einmal? Gott hatte mir die Augen geöffnet, damit ich die Schönheit jedes Menschen erkennen konnte.

Zweites Treffen

Die weitere Annäherung an die Kirche geschah allmählich, mit kleinen Schritten. Zunächst begann ich die Bibel zu lesen, genauer gesagt das Alte Testament. Die dort beschriebenen Geschehnisse zogen mich in ihren Bann und ich nahm innerlich teil an den Ereignissen.

Einige Jahre beunruhigte mich der Gedanke, dass ich doch wieder in die Kirche gehen sollte, aber ich konnte mich sehr lange nicht dazu durchringen. Als ich dann endlich den Weg in die Kirche fand, fühlte ich mich dort sofort wie zu Hause, als ob ich mein ganzes Leben in der Kirche verbracht hätte. Nun konnte mich nichts mehr zurückhalten! Ich flog regelrecht jeden Sonntag zur Liturgie und empfing die Heilige Kommunion. Mein Sohn nahm diese Veränderung in meinem Leben ruhig und gelassen auf. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Dies war meine zweite Begegnung mit Gott, die ich sehr intensiv fühlte.

Im Kloster

Dann traf ich auf unser Väterchen (Priester Andrej Lemeschonok) und beichtete erstmals bei ihm. Damit veränderte sich mein ganzes Leben. Ich ging nun regelmäßig zur Beichte und auch zu den Gesprächstreffen mit Vater Andrej. Es war erstaunlich, aber ich habe niemals irgendwelche Fragen aufgeschrieben, obwohl ich so viel wissen wollte. Ich habe einfach zugehört und habe stets den mir nötigen Rat erhalten.

Dann erfuhr ich, dass es das Kloster gibt und begann dort die Gottesdienste zu besuchen.

Jetzt wurden auch die ersten orthodoxen Bücher veröffentlicht. Nachdem ich die Lebensbeschreibung des Hl. Sergius gelesen hatte, wollte ich unbedingt nach Sergijew Posad in die Hl. Dreifaltigkeits-Sergij-Lawra. Ich hörte, dass eine andere Gemeinde eine Pilgerreise dorthin organisiert. Ich meldete mich an und irgendwie kam der Gedanke, dass man vor der Fahrt eine besondere Beichte ablegen sollte. Also sprach nach dem Akafistgebet Vater Andrej an und bat ihn, bei ihm beichten zu dürfen. Er schaute mir intensiv in die Augen und sagte:

“Ein großes Schiff braucht großes Fahrwasser (d. h.wer für Großes berufen ist, vollbringt es auch). Durch seine Gebete erfuhr ich in der Lawra eine große Gnade. Als wir von dort wegfuhren, herrschte in meinem Innern eine solche Ruhe und ich wollte nicht aus dem Autobus aussteigen, um sie nicht zu verlieren.

Es waren noch ein paar Tage von meinem Urlaub übrig und ich wollte zur wundertätigen Ikone der Allerheiligsten Gottesmutter "Hodegetria" nach Smolensk. Ich rief das Pilgerzentrum an und los ging es. Wir wurden so herzlich willkommen geheißen! Dort zelebrierten 18 Bischöfe. Und so gehe ich nach dieser Reise zum ersten Gespräch mit Väterchen, er segnet mich und sagt: "Möchtest du in unserem Kloster arbeiten?" Ich sage ohne viel Nachzudenken: "Ich will." Und ich selbst denke bei mir: "Was sage ich da?" Und obwohl bei mir am vorherigen Arbeitsplatz alles in Ordnung war, wechselte ich die Arbeitsstelle und begann im Kloster zu arbeiten. Natürlich gab es aufgrund meiner Dummheit und mangelnden Demut viele Versuchungen, aber ich hatte verstanden, dass ich nicht mehr in der Welt leben konnte.

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Roland Bachleitner

Danke für die Berufungsgeschichte. Jede Berufung hat ihren eigenen Weg. Danken wir Gott, der uns gerufen hat
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