Über die Heilung zweier Blinder und des stummen Besessenen

31. Juli 2022

Detail eines Freskos “Heilung zweier Blinder”

Detail eines Freskos “Heilung zweier Blinder”

Predigt von Archimandrit Kirill (Pawlow) aus dem Jahre 1964

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Liebe Brüder und Schwestern in Christus, das heutige Evangelium erzählt uns von einem weiteren Wunder, das unser Herr Jesus Christus vollbracht hat – das Wunder der Heilung zweier Blinder und eines stummen Besessenen.

Dies ist die Geschichte des heutigen Evangeliums. Als der Herr einmal in der Nähe von Kapernaum vorbeiging, folgten ihm zwei Blinde und riefen: “Hab Erbarmen mit uns, Sohn Davids!”(Mt 9, 27) Als er in ein Haus eintrat, kamen die Blinden zu ihm und baten um Heilung. “Er sagte zu ihnen: Glaubt ihr, dass ich euch helfen kann? Sie antworteten: Ja, Herr. Darauf berührte er ihre Augen und sagte: Wie ihr geglaubt habt, so soll es geschehen. Da wurden ihre Augen geöffnet. Jesus aber befahl ihnen: Nehmt euch in Acht! Niemand darf es erfahren. Doch sie gingen weg und erzählten von ihm in der ganzen Gegend. Als sie gegangen waren, brachte man zu Jesus einen Stummen, der von einem Dämon besessen war. Er trieb den Dämon aus, und der Stumme konnte reden. Alle Leute staunten und sagten: So etwas ist in Israel noch nie geschehen. Die Pharisäer aber sagten: Mit Hilfe des Anführers der Dämonen treibt er die Dämonen aus. Jesus zog durch alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte alle Krankheiten und Leiden. (Mt 9, 28-35)

Aus dem jetzt verlesenen Evangelium ist für uns, meine Lieben, der Glaube dieser beiden Blinden, ihre unermüdliche, unerbittliche, eifrige Bitte um Heilung und Barmherzigkeit lehrreich. Sie rufen ohne Unterlass: “Hab Erbarmen mit uns, Sohn Davids!” , und bekennen Christus als den Messias, den das Volk Israels erwartet hat. Und zu der Zeit, als der Herr das Haus betrat, weichen sie nicht von ihm ab in der Hoffnung, um jeden Preis das zu erhalten, worum sie gebeten haben. Dann fragt der Herr, der ihren Glauben sieht und diesen Glauben den Menschen zeigen will: “Glaubt ihr, dass ich das kann?” Und sie antworten: “Ja, Herr!” Und um zu zeigen, dass dem Gläubigen alles möglich ist, berührte Er ihre Augen und sagte: „Euch geschehe nach eurem Glauben.” Und sie wurden sehend. Das ist die Kraft des Glaubens, seine Bedeutung für unsere Heilung und unser Heil.

Der Glaube ist die Kraft unserer Seele, die Berge versetzt. Für den Gläubigen ist alles möglich. Auch für Sie und mich, meine Lieben, hat in unseren Tagen die Kraft eines gnadenvollen Glaubens nicht aufgehört zu wirken. Und der Herr ist uns nahe und immer bereit, unsere Bitten gemäß unserem Glauben zu erfüllen. Auch in unseren Tagen spricht der Herr zu uns: Bittet, und es wird euch gegeben; Suchet und ihr werdet finden; klopfet an, und es wird dir geöffnet; Denn jeder, der bittet, empfängt, und wer sucht, findet, und wer anklopft, dem wird aufgetan (Mt 7,7-8). Denn der Herr hat zu uns gesagt: Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt (Mt 28, 20).

Im heutigen Evangelium wird unsere Aufmerksamkeit auf das Verbot des Herrn gelenkt, mit dem Er die Blinden auffordert, niemandem zu erzählen, was für ein Wunder Er an ihnen vollbracht hat. Dadurch lehrt uns der Herr auch, nicht vor Menschen mit guten Taten zu prahlen, die wir jemandem erwiesen haben, keine Glorifizierung bei den Menschen für unsere guten Taten zu suchen, sondern bescheiden und demütig zu sein und alle Ehre dem einen Gott zu übertragen, dem zu Recht Lob, Ehre und Verherrlichung gebührt, denn Er ist der Gott der Herrlichkeit.

Ebenso aufschlussreich für uns in dem soeben gelesenen Evangelium sind zwei weitere Umstände. Erstens: Nach der Heilung des stummen Besessenen betrachteten im Herzen einfach gebliebene Menschen diese große Tat als ein Wunder Gottes und staunten daher über die Größe Gottes und verherrlichten Gott für solch ein großes Wunder. Und zweitens: Menschen mit betrügerischem Herzen, stolze Schriftgelehrte und Pharisäer, sie lehnten im Gegenteil, die Wunder Christi ab und schrieben sie sogar dem Wirken dämonischer Macht zu. So war es damals, so bleibt es zu allen Zeiten: Einfache Menschen mit unverdorbenen Herzen sehen in den Taten des Herrn Jesus Christus, seiner Allreinen Mutter und der Heiligen immer das außergewöhnliche Wirken göttlicher Macht und preisen Gott dafür; die Stolzen hingegen erkennen keine Wunder an, halten sie für eine absurde Fiktion oder eine Folge von Naturphänomenen oder schreiben sie sogar dem Wirken einer dunklen Macht zu.

Darüber hinaus spricht das heutige Evangelium darüber, dass der Herr durch Städte und Dörfer zog, überall das Reich Gottes lehrte und verkündete und jede Art von Leiden und Krankheit der Menschen heilte. Ihr seht, meine Lieben, dass der Herr, der König des Himmels und der Erde, am Werk ist, indem er durch die Dörfer wandert, um Menschen zu retten. Und wir wollen nicht einmal für uns selbst, für unser eigenes Heil arbeiten.

Er predigte den Menschen das Reich der Wahrheit, des Friedens, der Liebe und der ewigen Glückseligkeit und lehrte sie, sich vom Reich der Sünde und des Teufels abzuwenden. Wir versklaven uns freiwillig der Sünde und den Lastern, klammern uns mit aller Leidenschaftlichkeit an irdische Dinge und irdisches Wohlergehen, während wir unsere Herzen zum Herrn erheben sollte. Wir sollten öfter die Augen unseres Herzens zum Himmel und zu Gott erheben und uns mehr um das Heil unserer Seele kümmern, die teurer ist als die ganze Welt. Auch wenn wir in das Netz des Teufels geraten sind und seelisch und körperlich leiden, so müssen wir uns an den himmlischen Arzt der Seelen und Leiber wenden, der allein in unseren Nöten rechtzeitig Hilfe leisten kann.

Wenn jedoch die im Evangelium erwähnten Blinden körperlich blind waren, dann leiden wir, die wir gesunde leibliche Augen haben, an der Blindheit der Augen des Herzens. Die Eitelkeit und Sorgen des Lebens sowie die Bedrängnisse und Leiden dieser Welt und alle sündigen Wünsche und Gefühle haben unsere Herzen getrübt. Wir sind an innerer Blindheit erkrankt, die viel schrecklicher ist als körperliche Blindheit. Und deshalb sollten wir umso mehr unseren Lebensquell, unseren Herrn Jesus Christus, den einzigen und sofortigen Heiler unserer Seele und Leiber anrufen.

Lasst uns, meine Lieben, aufrichtig an den Herrn Jesus Christus glauben und uns mit unseren Bitten vertrauensvoll an Ihn wenden. Er wird uns immer alles geben, was für unser Leben, unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden notwendig ist und Er schenkt uns sogar alles Notwendige zum Erreichen der Glückseligkeit im kommenden Leben. Amen.

(Übersetzung aus dem Russischen)

Quelle: Архимандрит КИРИЛЛ “ИЩИТЕ ПРЕЖДЕ ЦАРСТВИЕ НЕБЕСНОЕ”

© Московское Подворье Свято-Троицкой Сергиевой Лавры. 2000

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