Kapitel 1: Wir haben das Gesetz verlassen Teil 2

30. März 2023

Buch Erzpriester Andrej Lemeschonok

Aber die Liebe siegt

“Verleugne Dich selbst, nimm Dein Kreuz auf Dich, und folge mir nach!" (Mt 16,24) Mir flößt dies, ehrlich gesagt, ziemliche Angst ein. Wie kann man einfach so seinen Wünschen, seinen Plänen, seinem ganzen Leben entsagen?

Es gab den Moment, als ich Vater Sophronijs Buch „Gott schauen, wie er ist“ las. Ich saß am Ufer eines wunderschönen Sees, alles um mich herum duftete, und ich schrie vor innerem Schmerz: „Ich will das nicht! …“ Ich legte das Buch zunächst beiseite, nahm es dann aber trotzdem wieder zur Hand, weil ich zu verstehen begann, dass die Wahrheit über mich, mein Leben, meine Zukunft dort geschrieben steht.

Es stellt sich heraus, dass all die Schönheit der Erde, alles, was hier ist, was uns umgibt, alles falsch ist. Es ist wie eine Landschaft, die sich ständig verändert: Heute regnet es, morgen blühen Blumen, übermorgen geschieht etwas anderes. Und so wird es bis zu dem Augenblick sein, an dem die letzte Seite in eurem irdischen Kalender umgeblättert wird.

Wirkliches Leben kann es nur in Gott und seiner Liebe geben. Aber die Liebe Christi in dieser Welt ist eine gekreuzigte Liebe, so zu lieben ist schrecklich und sehr schmerzhaft. Die Sünde hat uns so sehr verzerrt, die Sünde hat uns so sehr verändert, dass wir sie als gewohnte Lebensweise wahrnehmen: "So leben doch alle." Und was wir lieben, wonach wir streben und was wir erreichen, kann durch das Gift der Sünde verdorben werden.

Nur das, was Christus uns sagt, wird in Ewigkeit bei uns bleiben. Vielen erscheinen seine Worte furchtbar und die Gebote können normale Sterbliche unmöglich halten. Die Leute sagen: „Wie werden wir lieben? Man versteht uns nicht, sie werden uns im Nacken sitzen, ziehen uns die Beine lang, werden uns töten und zertreten.“

Aber die Liebe wird gewinnen. Tatsächlich ist das Leben mit Gott, das Leben mit Christus, der einzige Weg, sich wirklich an dieser Welt zu erfreuen und wirklich zu leben. Die Formel dieses neuen Lebens liegt in den Worten des Apostels Paulus: “Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.” (Gal 2,20)

Martyrium der modernen Christen

Wir wissen, dass die ersten Christen wegen ihres Glaubens gemartert wurden. Sie waren Christus so hingegeben, dass selbst der leibliche Tod sie nicht von ihrem Meister trennen konnte.

Jetzt besteht unser Martyrium darin, dass wir all unsere Lebensumstände, selbst die traurigsten, im Glauben an die Vorsehung Gottes für unsere Errettung akzeptieren sollen. Und wenn wir in diesem Strudel von weltlichen Geschäften, Aufregungen und Sorgen, angefüllt mit Kummer und Leid, noch den Kern unseres Lebens bewahren, unser Vertrauen auf Gott, wenn wir trotz allem nicht an unserer Erlösung verzweifeln, dann, wie die heiligen Väter sagten und es für unsere Zeit prophezeiten, dass sie gleichgesetzt werden kann mit den großen Anstrengungen der Asketen der frühen Kirche.

Als der Herr mein Herz berührte, fühlte ich, dass es eine unsterbliche Seele gibt, dass es ein Leben gibt, das kein Ende hat. Es war eine riesige Freude und es ist schwierig, es in Worte zu fassen und auszudrücken. Die Welt versucht, uns diese Freude an der Begegnung unserer Seele mit Gott zu nehmen, indem sie uns zeitliche Sorgen aufzwingt, diverse Misserfolge, weltliche Beziehungen, in die wir uns verstricken und festfahren.

Aber wir müssen kämpfen, um die Erinnerung an die Freude, die wir erlebt haben, zu bewahren und den Herrn bitten, uns den Mut zu geben, Christus weiter nachzufolgen. Wir brauchen keine Angst zu haben, dass wir leiden werden, denn nur in Schmerz und Krankheit wird ein Mensch für die Ewigkeit geboren. Und das Leiden, das der Herr in unserem Leben zulässt, führt uns dazu, die Freude Gottes in unseren Herzen zu bewahren. Wir hören in der Schrift: Wer mit Tränen sät, wird mit Freude ernten (Ps 125,5). Und dann kann uns niemand und nichts die Freude an Gott nehmen.

So wird ein neuer Mensch auf dieser Welt geboren – ein wahrer Christ.

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