Wir werden auf den Heimweg eingeladen

22. Februar 2022

Worte des Geistlichen Vaters

Wir werden auf den Heimweg eingeladen

Schritt für Schritt nähern wir uns dem Zeitpunkt, an dem wir uns am Sonntagabend vor Beginn der Großen Fastenzeit versammeln, damit wir ohne uns Umzuschauen, ohne uns aufhalten zu lassen, Christus folgend auf Ostern zugehen.

Am Sonntag vom verlorenen Sohn haben wir uns an das Vorbild väterlicher Liebe gegenüber den Sündern erinnert. Der jüngere Sohn beschloss, unabhängig zu leben. Es schien ihm, wenn er alles nimmt, was ihm zusteht und in ein anderes Land zieht, dass er dort besser leben könnte. Was er damit beabsichtigt hat, ist nicht klar, aber der Mensch strebt immer nach irgendetwas. Und so ging er weg und verschleuderte sein Vermögen, indem er Unzucht trieb ... (Siehe: Lk 15,11‒24) Sogar, wenn wir uns vorstellen, dass er ganz normal gelebt hätte, nicht verschwenderisch, sein Vermögen vervielfacht hätte, er wäre reich geworden, hätte Fabriken, Industriebetriebe gebaut, Banken gegründet. Aber was hat er verloren, als er seinen Vater verließ? Die Vaterliebe, die es am neuen Ort schon nicht mehr gab ...

Wir haben auch alles auf dem Klosterhof ​​- Arbeit, Essen, Unterkunft, Gebet und Ruhe. Aber manchen von den Jungs dort ist das nicht genug. Ihnen wird von anderen gesagt: „Was machst du da? Du bist noch jung und kannst Geld verdienen, dein Leben gestalten. Aber sie kamen wie die letzten Obdachlosen dorthin. Was findet ihr dort? Bist du es nicht leid, morgens aufzustehen, zum Gebet zu gehen, dich die ganze Zeit selbst zu nötigen, keine Ruhe, keine Entspannung ... “ Und so ging ein Bruder im Dezember. Sie sagten ihm, dass er in Moskau ein riesiges Einkommen haben kann- wow, man kann reich werden! Ihm wurde eine Unterkunft versprochen, und vieles mehr ... Er ging dorthin, trank dort Tee und wachte in Dagestan auf, in der Sklaverei. Das bedeutet also "vergeudet". Er ging, um besser zu leben, aber dann entkam er nur knapp von dort. Es gab viele von ihnen, und jeden Tag wurden sie geschlagen und arbeiteten nur für einen Eintopf. Und als dieser Bruder auf unseren Klosterhof zurückkehrte, war er bereits ein anderer Mensch. Es war offensichtlich, dass er einen sehr starken Schock erlitten hatte. Wir baten ihn, vor den Brüdern zu sprechen, aber er antwortete: "Ich kann nicht darüber sprechen, weil ich dort viel zu viel durchgemacht habe." Dies ist auch eine Illustration des Gleichnisses vom verlorenen Sohn.

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Die Liebe, die Söhne von ihren Vätern erhalten haben, ist für nichts zu erkaufen. Deshalb können Menschen, die zu Christus kommen und diese Liebe in ihrem Herzen leben, bereits ihr Leben für Christus hingeben. Sie wissen bereits, dass es ein anderes Brot gibt und es gibt ein anderes Leben, das ewige Leben.

Wir durchleben vielleicht unterschiedliche Situationen, unterschiedliche Stimmungen, unterschiedliche Umstände, manchmal sehr traurige, aber wir wissen, dass der himmlische Vater uns liebt. Er hat uns niemals aus der Kirche geworfen. Er hat uns immer vergeben. Auch heute sind wir hier, weil er uns vergeben hat. Obwohl wir wahrscheinlich noch nicht ein einziges Mal in unserem Leben Buße getan haben. Aber wir wissen, dass Er immer vergeben wird, dass das Väterchen mit dem Kreuz dastehen wird und immer sagen wird – „Ich vergebe dir und spreche dich los von deinen Sünden“! Denn Gott ist die Liebe. Und diese Liebe hat der jüngere Sohn in einem fernen Land (vgl. Lk 15,13) nicht gefunden.

Klingt das nicht nach unserem Leben? Da kommt jemand in die Kirche, er weiß alles, kennt alle Priester, alle Starzen, alle Klöster ... Und dann kommt so ein Penner vorbei und man sieht, dass Gott in ihm lebt. So läuft es. Bei Gott ist immer alles anders. Und es ist großartig, dass bei Gott alles anders läuft als bei den Menschen. Was für den Menschen herausragend ist, das kann für Gott scheußlich sein. Und deshalb wird uns allen der Weg nach Hause angeboten, einen Weg, auf dem wir alles aufgeben müssen, was uns daran hindert, diese Liebe anzunehmen, die Liebe des Vaters. Und so für immer bei Gott zu bleiben.

Dieser Weg ist unser irdisches Leben. Früher oder später werden wir alle hier weggehen und nichts mitnehmen können. Nichts. Selbst die liebevollsten Menschen werden sich früher oder später trennen. Wird es eine Begegnung geben? Und gibt es überhaupt Leben, etwas Reales oder ist das alles eine Illusion? Wie Buddhisten sagen: „Das hat alles nichts zu bedeuten, alles auf der Erde ist unecht, es gibt ein anderes Leben, in anderen Sphären ...“ Nein. Christus kam hier her auf die Erde, hier haben wir gelebt, wir leben noch hier und werden wahrscheinlich noch ein bisschen leben. Hier haben wir gelitten und geliebt und waren betrübt und haben gesündigt. Auf dieser Erde. Und genau hier, auf dieser Erde beginnt das Himmelreich, in deinem Herzen. Das Reich Gottes ist in dir (Lk 17,21). Und deshalb ist es sehr wichtig, dass wir jedes Mal, wenn wir zur Beichte kommen, verstehen, dass Christus unsichtbar vor uns steht. Und nicht mit dem Priester darüber sprechen, wie schlecht es uns geht und wie andere uns behandeln. Sondern dass wir Christus sagen, was wir gesündigt haben und wir in jeder Hinsicht unwürdig sind. Gott vergibt uns und schenkt uns seine himmlische Liebe in Form von seinem Leib und Blut, damit wir leben können. Und damit wir lernen, uns zu lieben. Dies ist der Grundgedanke des Christentums. Nicht in irgendeiner Art von Nirvana, in dem man sich von allem lösen und leben kann, ohne auf irgendjemanden zu achten, wenn man sich nur selbst gut fühlt. Es geht darum, einander lieben zu lernen, einander zu helfen, einander zu dienen, um zu leben und Früchte bringen zu können. Und diese geistlichen Früchte sind Friede, Freude, Langmut, Sanftmut, Barmherzigkeit, Enthaltsamkeit.

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