Rede über die Auferweckung des Lazarus von Ephraim dem Syrer

16. April 2022

Ikone von der Auferweckung des Lazarus

Ikone von der Auferweckung des Lazarus

Seid kluge Beobachter des Wunders, das sich euch tatsächlich darstellt! Von den Szenen Christi führe ich euch nur eine vor, die kein Prophet schaute und die nur der gläubige Sinn zu sehen vermag. Reinigt das Auge eures Geistes, um die Wahrheit zu schauen, und wenn die Wahrheit das Ihrige gezeigt hat, so lobpreiset Gott, wenn es wunderbar ist! Komme her zu mir, o toter Lazarus, der du von der Verwesung auferweckt wurdest! Komm heraus und verkünde der Gemeinde das Wunderbare in deiner wunderreichen Geschichte!...

Der Sohn, der die Toten auferweckt, wurde vom Allerhöchsten gesandt, um dem Menschengeschlechte die Auferstehung am Jüngsten Tage zu verkündigen. Der starke Sohn Gott kam zum schwachen Geschlechte Adams, um es durch das Leben, das er den Begrabenen verkündete, vom Falle aufzurichten. Der Sohn des Reiches ward gesandt, die Stadt des Todes zu bezwingen, und er stieg hinab, um in ihr sein Banner zum Zeichen seines Sieges aufzustellen...

Am toten, verwesenden Lazarus wollte er seine Macht zeigen, damit er die Totenerweckung durch die Tat bestätige und sie nicht bloß mit Worten predige...Darum erweckte er einen Toten der gleichen Generation, von dem bekannt war, wessen Sohn er sei, damit gerade diejenigen, die ihn begraben hatten, die klassischen Zeugen für seine Auferweckung abgeben würden.

Eine [die Tochter des Jairus] entriss er dem Rachen des Todes, einen andern [den Jüngling von Naim] seinen Krallen, den Lazarus aber holte er aus seinen vernichtenden Eingeweiden heraus. Dem Beleber der Toten war es nicht so sehr darum zu tun, die Genannten zu erwecken, als vielmehr durch die Geiseln, die er der Unterwelt entführte, dort sein Banner aufzurichten. Dem ganzen Menschengeschlecht predigte er Ermutigung durch die gute Hoffnung, indem er durch drei Zeugen, die er ins Leben zurückrief, die Auferstehung beglaubigte. Weise wählte und nahm er drei Altersstufen aus den Sterblichen: einen Mann, ein Mädchen und einen Jüngling, für die Ersten, Letzten und Mittleren. Er wollte die eine Auferweckung von Adam bis zum Ende dadurch glaubhaft machen, daß er durch die nahen Toten den fernen große Hoffnung bereitete…

Gerade als die Trauer um ihn heftig war und seine Lieben ihn bitter beweinten, als man in der Synagoge, jener Hasserin der Wahrheit, die Geschichte seines Todes besprach und die Wölbung des Trauerhauses noch von dem Getöse der Scharen von Juden dröhnte, als einer dem andern erzählte, daß Lazarus gestorben sei, wie andere vor ihm, und die Klage über ihn noch nicht verhallt war, als die Kunde von seinem Tode noch lebendig war und jedermann kam, seine Schwestern seinetwegen zu trösten, als die Nachricht von seinem Hinscheiden sicher und sein Begräbnis vielen bekannt war, als die Totenklage noch in seinem Hause gehalten wurde und seine Bekannten ihn noch beklagten: da erschien der Herr der Auferweckung, um seine Macht zu zeigen, nicht so sehr, um den Lazarus aufzuerwecken, als vielmehr, um die Hoffnung [auf die allgemeine Auferstehung] zu stärken...

Die ungläubigen Bestatter aber fragte er: „Wo habt ihr ihn hingelegt?“, um von ihnen ein Unterpfand seiner Bestattung zu erhalten, und erst dann rief er ihn ins Leben zurück. Weise legte er sie fest durch ihre Aussage, daß sie selbst den Begrabenen bestattet hätten, so daß sie dann, als er ihn anrief und auferweckte, die Wirklichkeit seiner Auferweckung bezeugen mußten. Er fragte: „Wo habt ihr ihn hingelegt?“ Sie antworteten: „Komm und sieh!“ Durch diese Frage wurden sie festgelegt, so daß ihnen jede Ausrede abgeschnitten war.

Ikone von der Auferweckung des Lazarus

Ikone von der Auferweckung des Lazarus

Seine Schwestern beweinten den Toten, welcher der Verwesung verfallen war. Eine Menge Juden war versammelt und tröstete sie. Dann befahl Jesus, den Grabstein vom Eingange wegzuheben. Auch dies geschah aus unfaßbarer Weisheit. Er veranlaßte die ungläubigen Juden, das Grab aufzudecken, damit ihnen beim Entfernen des Steines der Totengeruch Übelkeit verursache...

Der Ruf der Erweckung brachte Bewegung in den hingestreckten Toten und richtete ihn auf...

„Löset ihn und laßt ihn gehen!“ Sehet also, daß er beim Herauskommen [aus dem Grabe] noch nicht freigemacht, sondern gebunden, eingewickelt und verhüllt war. Und doch war sein Gang nicht gelähmt. Der Lebensspender befreite ihn vom Tode, nicht aber von der Verschnürung, damit dieselben Hände, welche den Begrabenen bekleidet hatten, ihn wieder freimachen könnten und auf diese Weise nicht mißachtet würden [ Hätten fremde Leute den Lazarus zur Bestattung hergerichtet, dann hätten die Zeugen der Auferweckung vielleicht seinen Tod bezweifelt. So aber hatten sie ihn ja selbst mit diesen Tüchern zum Begräbnis umhüllt und mußten sich jetzt bei ihrer Wegnahme immer wieder sagen: „Mit diesen unseren Händen und mit eben diesen Hüllen haben wir ihn zur Bestattung bekleidet, und jetzt steht er lebendig vor uns!“ So war ihnen jede Ausrede abgeschnitten.]. Überaus wunderbar sind die Taten unseres Erlösers! Alle vollbrachte er zu unserem Heile, und zwar, wie er wollte; denn er hat im Himmel und auf Erden Gewalt [ Matth. 28,18.]. Preis und Verherrlichung und Anbetung und Majestät ihm und seinem Sender und dem Hl. Geiste; über uns, Elende und Sünder, aber komme jederzeit sein Erbarmen!

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